Der impfwütige Bankkaufmann pfeift notfalls auf Experten

Bei der Ständigen Impfkommission am RKI (STIKO) sitzen bestimmt keine Corona-Leugner oder Impfgegner, ganz im Gegenteil:

Im Dezember hatte sie sich über Bedenken der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (zum Thema Risikopatienten allgemein) ebenso hinweggesetzt wie über die von der „Gelben Liste“ (Medikamenten-Infos der Hersteller für die Ärzte) empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen bei Patienten, die Medikamente gegen Blutgerinnung nehmen, [1]. Damals ging es aber um den Beginn der Senioren-Impfungen speziell in Altenheimen und der STIKO konnte es wohl nicht schnell genug losgehen, koste es was es wolle.

Nachdem bei AstraZeneca gehäuft Hirnvenenthrombosen aufgetreten waren, insbesondere bei den priorisierten Krankenschwestern (oft im Alter zwischen 20 und 50 Jahren), hatte die STIKO Ende März aber immerhin den Mumm, der Vorsicht zuliebe ihre Impfempfehlung für AstraZeneca ins genaue Gegenteil umzukehren: Sollten zuvor keine Senioren AstraZeneca bekommen, wurde ab da der Stoff nur noch für Senioren empfohlen, [2].

Die (Länder-)Gesundheitsministerkonferenz beschloss am 30. März 2021 im Einvernehmen mit Jens Spahn als (Bundes-) Gesundheitsminister, der STIKO-Empfehlung zu folgen. So ist das Verfahren ja auch gesetzlich geregelt:
„Laut § 20 Infektionsschutzgesetz sprechen die Länder Impfempfehlungen auf Grundlage der STIKO-Empfehlung aus.“

Beim aktuellen Thema Impfungen für Kinder und Jugendliche will der gelernte Bankkaufmann Jens Spahn aber plötzlich nichts mehr wissen von einer Orientierung an den STIKO-Experten, [3]:
„Spahn will Jugendliche auch ohne STIKO-Empfehlung impfen“

Die STIKO ist skeptisch hinsichtlich einer allgemeinen Impfempfehlung für alle Kinder. Denn es gebe das Risiko von Nebenwir­kungen, ohne dass klar sei, in welchem Ausmaß die Kinder selbst von der Impfung profitierten.

Herdenimmunität dürfe nicht das primäre Ziel für Impfungen von Kindern sein: „Kinderimpfungen macht man, damit die Kinder davon profitieren können, damit den Kindern schwere Krankheiten erspart bleiben, ohne dass sie ein Risiko eingehen.“

Man könne Herdenimmunität viel besser erreichen, wenn man sich um die 40 Millionen kümmere, die noch nicht geimpft seien. Diese würden zudem sehr viel mehr von den Impfungen profitieren als die Kinder.

Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) gibt der STIKO Rückendeckung. Die Datenlage zu Risiken und Nutzen bei Kindern und Jugendlichen sei derzeit noch nicht ausreichend für eine Empfehlung und „wir haben uns immer für eine Impfstrategie ausgesprochen, die wissenschaftliche Sorgfalt vor Geschwindig­keit setzt. Und daran halten wir auch und gerade bei einer Impfempfehlung für Kinder fest“, so BÄK-Präsident Reinhardt.

Auch WHO-Chef Tedros Ghebreyesusam versteht, warum einige Länder Kinder und Jugendliche impfen wollten, aber: „Im Moment bitte ich sie dringend, das zu überdenken.“

Vor dem Impfgipfel von Bund und Ländern am 27. Mai hatten Spahn und Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) die flächendeckende und dauerhafte Öffnung der Schulen indirekt von Impfungen abhängig gemacht, [4]. Zumindet dieser Zahn wurde ihnen am Donnerstag aber gezogen:
Es wurde nur beschlossen, auch Kindern ab 12 Jahren ein „Impfangebot“ zu machen. Aber (wie man das z.B. von der Mafia kennt) entpuppt sich das am Ende doch wieder nur als „Impfangebote die man nicht ablehnen kann“, wie die Nachdenkseiten [5] befürchten?

Ob bei Jens Spahn die Lobby-Vergangenheit [6] in in die akute Minister-Gegenwart nachwirkt?
Unübersehbar ist jedenfalls, dass er die Gunst der Stunde nutzen will: Die bereits geimpften Eltern schulpflichtiger Kinder leisten keinen Widerstand, sondern bangen um ihren demnächst anstehenden Sommerurlaub. Was, wenn die Eltern reisen dürfen, die Kinder aber nicht? Und dass nach der Erholung am Mittelmeer-Strand dann gleich wieder der Dauerstress mit Home-Schooling, Hobby- und Kontakt-Verboten losgeht, ist ebenfalls eine Perspektive, die die bereits hinreichend genervten Eltern endgültig mürbe und im Sinne von Spahn willig macht.

An der massiven Vernachlässigung junger Menschen aufgrund der Corona-Krise kann es jedenfalls keinen Zweifel geben:
„Ärzte sprechen von Triage in der Psychiatrie und verheerenden Langzeitfolgen“, [7] und Julian Reichelt titelt:
„Weil die Bundesregierung es nicht macht – BILD bittet alle Kinder um Verzeihung!“ [8].

Auch wenn die Eltern sich nicht einbilden, sie könnten oder müssten bei ihren Kleinen das Corona-Virus wegimpfen: Man kann verstehen, dass viele Eltern vom Pieks die Erlösung von den bereits über ein Jahr anhaltenden Corona-Schikanen erhoffen. Und teilweise wurden Kinder nicht nur Opfer der äußeren Umstände, sondern sogar ihrer eigenen Eltern:
„Gewalt gegen Kinder deutlich gestiegen – Unbegreifliches Leid, unbeschreiblicher Schmerz“, [9].

So weit sind wir also schon: Spahn hat gut Chancen, die Eltern zu „überzeugen“. Gegen den Rat echter Experten. Und am Ende vielleicht gegen das Wohl der Kinder.

[1] http://friedensblick.de/31277/gelbe-liste-warnt-vor-impfung-von-menschen-die-gerinnungshemmer-bekommen/
[2] https://www.gelbe-liste.de/nachrichten/astrazeneca-dann-biontech-datenlage
[3] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/124118/Corona-Spahn-will-Jugendliche-auch-ohne-STIKO-Empfehlung-impfen
[4] https://www.heise.de/tp/features/So-wurde-die-Impfkampagne-fuer-Kinder-abgesagt-6056536.html
[5] https://www.nachdenkseiten.de/?p=72878
[6] https://praxistipps.focus.de/jens-spahn-partner-gehalt-lobby-vergangenheit_121525
[7] https://www.heise.de/tp/features/Kinder-und-Jugendliche-in-der-Corona-Krise-Massive-Vernachlaessigung-6050032.html
[8] https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/weil-die-bundesregierung-es-nicht-macht-bild-bittet-kinder-um-verzeihung-76535200.bild.html
[9] https://www.tagesspiegel.de/politik/gewalt-gegen-kinder-deutlich-gestiegen-unbegreifliches-leid-unbeschreiblicher-schmerz/27224462.html

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