Mundlos hatte doch keinen „Todeskrampf“, Pumpgun nicht durchgeladen

Der Zustand der Pumpgun von Mundlos ist von großer Bedeutung, ob ein Selbstmord vorliegen kann oder nicht. Unmöglich erscheint, dass die Waffe nach dem Kopf-Schuss von ihm nochmals durchgeladen werden konnte. Das verstanden jetzt offenbar auch die Ermittler. Nach 2 Jahren wird erstmals von einer leeren Hülse in Mundlos Pumpgun gesprochen. Warum stand jedoch in den Ermittlungsakten, dass sie „durchgeladen“ war? Warum wurde diese Version lange mit einem letzten Todeskrampf Mundlos begründet?

1. Erste Version

Im Jahr 2012 berichtet Andreas Förster vom Ladezustand der sieben im Wohnwagen gefundenen Schusswaffen:

„Sieben Waffen, alle waren durchgeladen.” (stuttgarter-zeitung)

„Die Patronenhülse des tödlichen Schusses fand sich neben ihm [Mundlos] auf dem Boden.“ (ebd)

N-tv recherierte im Jahr 2013 nach und bestätigte, „alle Waffen sind durchgeladen.“ Kritisch werden jedoch nur die beiden Hülsen hinterfragt, die neben Uwe Mundlos gefunden wurden:

„Wie kann es sein, wenn nach jeden Schuss durchgeladen werden muss?“ (youtube)

Ermittler erklären die zweite Hülse damit, dass …

… Mundlos in einem krampfartigen Anfall noch gehandelt hätte. (taz)

Allerdings vermerken die Ermittler, dass der Auswurf bei der ‘Pumpgun Winchester’ doch möglich sei, wenn von unten nach oben geschossen wird. Das wäre nach den Verletzungen von Mundlos denkbar.” (ta)

2. Version (22.01.2014), leere Hülse in Pumpgun

Es kam zu keinem Nachlade-Prozess, eine leere Hülse befand sich in der Pumpgun. Im NSU-Prozess sagte ein „Schusswaffenexperte“ aus:

Die andere Waffe, eine Winchester Defender – die, mit der aller Wahrscheinlichkeit nach Böhnhardt und Mundlos den Tod fanden – sei mit offenem Verschluss geborgen worden. Ihr Zustand sei der nach einer Schussabgabe gewesen, eine leere Hülse habe sich noch im Lauf gefunden.“ (nebenklage-nsu)

Thomas Moser:

„Dann eine Anmerkung zu der Eisenach/Selbstmord/Pumpgun-Geschichte: Der Ermittler, Kriminalhauptmeister Ronald K. von der Kriminalpolizeinspektion Gotha, sprach über zwei Pumpguns.

Bei der einen war eine „Hülse oder Patrone“ im Lauf, also wie nach einem Nachladen. Die Waffe sei aber aufgrund der Hitze verformt gewesen und konnte nicht geöffnet werden.

Die zweite Pumpgun war die Winchester mit „geöffnetem Verschluß“. Auf Nachfrage von RA Hoffmann, was „geöffneter Verschluß“ heiße, gab Köllner die zitierte Erklärung ab: Der Vorderschaft befinde sich in hinterer Stellung.

Frage Hoffmann: Ein Zustand wie nach einem Schuß?

Antwort Köllner: Ja, könnte man sagen. Unmittelbar zuvor wurde ein Schuß abgegeben – oder die Waffe wurde entladen.

Hoffmann: Und bei der anderen Pumpflinte?

Antwort Köllner: Da war eine Patrone oder Hülse im Lauf.

Diese Aussage ist unverständlich, da ein offener Verschluss bedingt, dass der Kolben heruntergezogen wurde. Das ist aber kein Zustand nach der Schussabgabe! Auch wird die Hülse beim herunterziehen des Kolben automatisch ausgeworfen. Das Tatortfoto im Wohnmobil zeigt zusätzlich, dass der Kolben nicht nach hinten bewegt wurde und der Verschluss zu ist! (Foto)

Die neue Darstellung würde bedeuten, dass es höchstwahrscheinlich im Wohnmobil zu drei Pumpgun-Schüssen gekommen wäre, oder in der Pumpgun befand sich eine leere Hülse, die im Zuge des ersten Ladevorgangs im Wohnwagen entfernt wurde.

3. Version (29.01.14), keine Hülse in Pumpgun

Die Seite „nsu-watch“ schreibt etwas anderes als die NSU-Nebenklage. Es befand sich keine leere Hülse in der Pumpgun!

„Die zweite Pumpgun sei eine Winchester Defender 1300 gewesen. Sie habe einen offenen Verschluss gehabt, das Patronenfach sei leer gewesen. Richter Götzl fragt nach den zwei Hülsen, die gefunden worden seien. Diese Brennecke-Munition könne aus der Winchester Defender oder der Maverick verschossen werden, sagt der Zeuge.“ (nsu-watch)

9 Gedanken zu „Mundlos hatte doch keinen „Todeskrampf“, Pumpgun nicht durchgeladen“

  1. Hallo,
    es wird zurechtgebogen damit es am Ende irgendwie passt.
    Dieser ganze Prozess ist absolut lächerlich.
    Können die Anwälte und Richter noch in den Spiegel schauen ?
    Hier merkt doch ein Blinder das etwas nicht stimmen kann.
    Alles Arbeitsplatz erhaltende Maßnahmen vom Verfassungsschutz.
    Welche Verfassung eigentlich ?

    Grüße

  2. Bisher war die Rede davon das zwei Schüsse aus der Defender-Pumpgun und einer aus der MP abgefeuert wurden. Die anschliessende Ladehemmung der MP gibt das Suizid-Motiv.
    Nun steht also ein extra-Schuss aus der Pumpgun zur Debatte, sonst wäre die Hülse ja nicht leer. Der Verschluss ist offen, also wurde der Schlitten zurück bewegt, aber nicht vollständig, sonst wäre die Hülse ja ausgeworfen worden. Die atemberaubende Technik kann man zB hier bewundern :
    http://www.youtube.com/watch?v=HcF6sYMQK78
    „Zum Laden der Waffe zieht der Schütze den Vorderschaft zurück, der Verschluss wird geöffnet, der Schlaghahn gespannt und eine eventuell vorhandene leere Hülse ausgeworfen.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Vorderschaftrepetierflinte
    Also :
    1. Schuss-Griff zurück-Hülse raus-Griff vor
    2. Schuss-Griff zurück-Hülse raus-Griff vor
    3. Schuss-Schütze tot-Pumpgun schlägt auf-Griff nicht ganz zurück : Hülse bleibt drinnen
    Es gibt 2 Löcher im Dach. Und geschmolzene Fenster. Wenn da vorher mit der Pumpgun durchgeschossen wurde sollten die Chancen eigentlich nicht schlecht gewesen sein zu sehen wo das Geschoss einschlug.

    1. „Der Verschluss ist offen, also wurde der Schlitten zurück bewegt, aber nicht vollständig, sonst wäre die Hülse ja ausgeworfen worden.“
      Kannst Du das auf dem Tatort-Foto sehen? Ggf. wo?

      1. Also, hier ist noch mal das Tatortfoto das die Leiche von Mundlos zeigt, bitte etwas auf die Pumpgun zoomen :
        http://friedensblick.de/wp-content/uploads/2013/11/toter-mundlos-brustverletzung.jpg
        und hier ist die Pumpgun im Detail :
        http://4.bp.blogspot.com/-maIg60t-yvk/ULe5P8OX5VI/AAAAAAAAYA0/TuyuPXdZvgk/s1600/nsu%2Bpumpgun.jpg
        Auf den ersten Blick sieht es so aus als würde das Griffende zum Betrachter hin zeigen, bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das vermiendliche Gehäuse(ich nenne das Teil mit dem Auswurffenster und dem Abzug mal so, aus dem die Rohre ragen, wo der Pistolgrip dran ist) am unteren Bildrand aber als undefinierbares etwas. Das ist da wohl raufgefallen, für das Gehäuse wäre es zu breit, es ist auch zu hell. Vom Betrachter aus gesehen kommt erst das Rohr, dann der Schlitten(Repetiergriff), dann ein sehr kurzes Stück Rohr. Dann eine Verdickung, dann eine Verjüngung, beides Teil eines dunklen etwas das man aufgrund der Auflösung schlecht einordnen kann. Man ist geneigt diese Verdickung für die Verschlusskappe des unteren Rohres, des Magazins zu halten. Dem kann aber nicht so sein, denn das Stück Rohr zwischen Kappe und Schlitten ist deutlich länger, auch wenn sich dieser in vorderer Position befindet(siehe Detailfoto Waffe).
        Die Pumpgun liegt anders rum, die Rohrenden zeigen zum Betrachter. Hinter denen kommt der Schlitten. Dann ein sehr kurzes Stück Rohr, das zeigt das der Schlitten zurückbewegt wurde, aber eben nicht ganz. Das passt dazu das der Verschluss(Auswurffenster) schon offen war, die Hülse aber noch nicht ausgeworfen wurde. Dieses dunkle etwas, das hinter dem kurzen Rohrstück kommt ist dann also das Gehäuse. Auf dem Detailfoto sieht man das es bei der Winchester-Defender dort wo es das Rohr aufnimmt verbreitert ist, dann verjüngt es sich. Das passt auch zu dem dunklen etwas auf dem Übersichtsfoto.
        Demnach sollte Mundlos mit dem Fuss auf dem Pistolgrip stehen, man kann das über die Länge des Schlittens hochrechnen, wenn er zurück bewegt wurde beträgt die Entfernung von diesem zum Pistolgrip knapp die anderthalbfache Schlittenlänge.
        Hatte ich schon mal geschrieben, 100% sicher bin ich mir bei der Auflösung und herabgefallenen Bildstörungen nicht, aber es passt alles soweit zusammen.
        Für eine Lüge wäre die Darstellung ziemlich schlecht gewählt, denn es bleibt mysteriös. Und die Suizid-Version müsste dringend vom sitzenden hockenden Mundlos geupdatet werden, denn da die Pumpgun offiziell 10cm Bodenfreiheit benötigt um sich beim Herabfallen teilzurepetieren ginge das aufgrund der Waffen-Länge von 75cm nicht im Sitzen.

        1. ich kann dieser Folgerung nicht zustimmen, da das dickere Ende des Schlittens zu Mundlos hinzeigt. Das ist klar zu sehen. Deshalb ist dort auch der Griff der Pumpgun.

  3. Wenn zwei Schüsse „offen“ sind (man hat die Hülsen!), es aber keine Projektile und auch keine akustischen Wahrnehmungen dazu gibt (gehört wurden nur 2 Knallgeräusche), dann liegt es nahe, dass sich die beiden an anderer Stelle erfolglos verteidigt haben. Immerhin wahrscheinlicher, als 2 lautlose Schüsse ohne Projektile usw.

    Klar wird man auch hier eine „Lösung“ nachschieben, wenn ein paar Strafanzeigen eingehen. Das war ja nach Version 1 der Fall, ich hab zum Beispiel eine gemacht. Man müsste sie also wieder juristisch ins Ermittlungsverfahren zwingen, auf dass neu gelogen werden muss.

    Das ist keine demokratische Justiz mehr, von der Polizeiarbeit zu schweigen. Wir stehen hier knallharten Lügnern gegenüber, die um die eigene Haut kämpfen.

  4. Wenn tatsächlich eine LEERE Hülse noch im Lauf der Winchester gesteckt hat, ist das ein klarer Hinweis auf DREI abgegebene Schüsse, – und damit vielleicht auf eine Kampfsituation. Nicht aufgefundene Projektile weisen darauf hin, dass diese Kampfsituation oder was immer sich abgespielt hat, NICHT am Auffindungsort des Wohnmobils in Stregda stattgefunden hat. Zeugen hätten das gehört,es sind ja genügend vernommen worden. Munitionsreste waren unauffindbar. Das ist der Schwachpunkt in der offiziellen Darstellung. Hieran kann das Herumeiern der Behörden dingfest gemcht werden. Weiterbohren!

    1. Ich komme mit meinen Nachfragen bei Lecorte nicht an.

      Er berichtete über ein BKA-Gutachten. Es bestätigt, dass die Hülse aus der Pumpgun herausspringen kann, wenn die Waffe aus einer Höhe von 10 cm auf den Boden aufschlägt.

      Könntest Du ihn fragen, warum dieses Gutachten gemacht wurde, wenn die Hülse noch in der Pumpgun war?

      „Da die Polizei manchmal nicht ganz blöd ist, hat sie sich diese Frage schon vor langer Zeit gestellt und diverse Gutachten anfertigen lassen. Nachdem diese Gutachten, namentlich ein Behördengutachten des BKA vom 4. Mai 2012, eine mögliche technische Erklärung geliefert haben, wurde dieser Punkt abgehakt und in späteren Darstellungen, etwa der Anklageschrift der Generalbundesanwaltschaft und dem Abschlussbericht des Bundestags-Untersuchungssausschusses, nicht mehr problematisiert. Das öffnet jetzt wieder den Raum für Spekulationen.

      Ergebnis des Gutachtens ist, dass das Hinunterfallen der bewussten Pumpgun (Winchester 1300 Defender, ca.70 cm lang) aus einer Höhe von 10 cm oder mehr ausreicht, um durch die Erschütterung beim Aufschlagen auf den Boden und nachfolgendes Umkippen das Auswerfen der Hülse zu bewirken. Der Versuch ist durch zahlreiche Fotos dokumentiert.“ http://www.lecorte.de/2013/11/nsu-schuesse-im-wohnmobil/

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