NSU: Polizeidirektor Menzel verheddert sich vor Gericht

Der leitende Polizeidirektor aus Gotha, Michael Menzel, spielt eine Hauptrolle bei der Aufdeckung der (angeblichen) rechtsextremistischen Kleinstzelle „NSU“. Am 04.11.11 erfolgte unter seiner Leitung die Fahndung nach den beiden Bankräubern von Eisenach. Menzel wurde am 06. November 2013 beim Münchner NSU-Verfahren darüber als Zeuge befragte und verheddeerte sich in Widersprüchen. Die Zitate entstammen vom NSU-Watch.

Eine bis heute ungeklärte Frage ist, wie Zschäpe vom Tod ihrer beiden Freunde erfuhr. Es war lediglich bekannt, dass sie im Internet surfte. Im Internet tauchte erstmals um 13:57 „in Südthüringen“ eine Meldung über zwei Tote in einem Wohnmobil auf. Jedoch konnte ihr Internet-„Surfen“ rekonstruiert werden mit dem Ergebnis: Sie war nicht auf dieser Seite!

Vor Gericht berichtete jetzt Menzel, dass es am Wohnmobil bereits um 12.31 „ein Gespräch mit einem Team von „Wichmann TV“ gegeben hätte.  Sogar als das Wohnmobil noch brannte, wäre die Presse schon vor Ort gewesen.

“Wichmann TV” und die Presse hätten Aufnahmen gemacht, auch davon, wer im Absperrbereich war, das sei alles zuzuordnen.“

Es wäre interessant, die Darstellung dieser Medienvertreter zu hören, und warum sie so früh zu dem brennenden Wohnmobil fuhren. Beim Gespräch um 12:31 wurde offenbar „Wichmann TV“ von den zwei Toten im Wohnmobil unterrichtet.

„Ihm sei jedoch mitgeteilt worden, dass die Presse schon vor Ort war, als das Wohnmobil gebrannt habe. Das Auffinden des Wohnmobils hätten sie von Seiten der Polizei gegenüber der Presse bestätigt, „aber es war darin noch vollkommen offen, ob das Wohnmobil mit dem Überfall zu tun hat“.

„Götzl greift die Frage auf, wann bekannt wurde, dass im Wohnmobil zwei Tote gefunden wurden. Laut Menzel habe es um 12.31 Uhr ein Gespräch mit einem Team von “Wichmann TV” gegeben. Die erste Pressemitteilung sei um 12.55 Uhr veröffentlicht worden, dort sei von dem Raubüberfall mit zwei Tätern mit Schusswaffe die Rede gewesen.“
„Um 14.18 Uhr habe es eine Ergänzungsmeldung gegeben, in der das erste Mal die Rede von zwei Leichen im Wohnmobil mit ungeklärter Identität gewesen sei. Die schriftliche Bestätigung der Polizei Gotha sei dann um 14.18 Uhr gekommen.“

Wann wurde Mundlos identifiziert?

Zur Darstellung der ungemerkt mordenen NSU-Kleinstzelle gehört, dass sie zufälligerweise aufflog. Deshalb müssen Mundlos und Böhnhardt erst am 05.11.11 identifiziert worden sein. Menzel bestätigt das offenbar.

RA Stolle sagt, Menzel habe ausgesagt, Mundlos sei am 5. November um 3.15 Uhr identifiziert worden aufgrund von Fingerabdrücken in der Verbunddatenbank des BKA.“

Warum wurde dann Mundlos Vermisstenakte bereits am 04.11.11 angefordert? Diese Darstellung scheint auch Menzel selbst zu bestätigen. Es hätte Hinweise auf eine dritte Person gegeben, deshalb wäre man auf Mundlos gekommen.

„Menzel sagt, die Identifizierung sei ihm im Wohnwagen nicht gelungen. Auch mit Bildmaterial sei die Identifizierung nicht möglich gewesen. Um 16 Uhr sei die Waffe der Polizeibeamtin Kiesewetter identifiziert worden, deswegen sei es um die schnellstmögliche Identitätsklärung der Personen gegangen. Die Kriminalpolizeiinspektion Jena sei beauftragt worden, die Vermisstenakte zu beschaffen, die sei zusammen mit Leichnamen zur Gerichtsmedizin gegangen.“

„RA Kuhn fragt nach den konkreten Anhaltspunkten für die Heranziehung der Vermisstensache Mundlos. Nach einer längeren Pause sagt Menzel, das seien mehrere Punkte gewesen, unter anderem die Auffindesituation der zwei Personen und es habe Erkenntnisse gegeben zu möglichen drei Personen. Daher sei diskutiert worden, wie die Identifizierung an schnellsten geschehen könne. Weil Gotha über keine eigenen Unterlagen verfügt habe, habe man sich wegen der Vermisstenanzeige an die Kriminalpolizeiinspektion Jena gewandt. Kuhn sagt, das sei am Nachmittag des 4. November gewesen, warum man dann von einer dritten Person ausgegangen sei. Menzel sagt, das sei am Abend gewesen.“

Logischerweise fragte ein Rechtsanwalt nach. Wie kann man von einer möglichen dritten Person darauf schließen, dass einer der Toten im Wohnmobil Mundlos war? Darauf antwortet Menzel, dass es Personenkenntnisse über Holger G. gegeben hätte, Unterlagen mit Bezug Rechts, auch die „Auffindesituation“ und Dienstwaffe Kiesewetters hätte eine Rolle gespielt. Dann hätte es ein 2-3 stündiges „Brainstorming“ gegeben.

„“RA Kuhn wendet ein, er habe verstanden, Menzel hätte die Vermisstensache Mundlos am Abend beiziehen lassen. Seine Frage sei nun, ob Menzel weitere Erkenntnisquellen mit Merkmalen der Leiche habe beiziehen lassen. Er kenne die Vermisstenakte nicht, so Menzel, vielleicht seien da Fotos drin. Es sei nichts anderes beigezogen worden.“

„RA Kuhn fragt, wie Menzel zu jenem Zeitpunkt auf eine Vermisstensache Mundlos gekommen sei, die Auffindesituation und eine mögliche dritte Person seien keine Hinweise auf Mundlos. Nach einer Pause sagt Menzel, die Fortentwicklung bei der Soko vor Ort sei so gewesen, dass mehrere Informationen dort zusammen gezogen worden seien wie die zu den Wohnmobilanmietern und die Personenerkenntnisse zu Holger G. und dass es Unterlagen mit Bezug Rechts gebe und er aus Thüringen komme. Auch die Auffindesituation und die gefundene Dienstwaffe hätten eine Rolle gespielt. Diese Information seien dann in zwei bis drei Stunden in einem “Brainstorming” zusammen getragen worden.“

Auf weitere kritische Nachfragen, intervenierte Richter Götzl und stellte sich schützend vor den Zeugen!

„Unklar sei, warum dann schon am 4. November die Vermisstenakte beigezogen worden sei. Götzl weist darauf hin, die Frage sei schon beantwortet. RA Stolle erwidert, es gebe hier einen Widerspruch in den Aussagen. Menzel sagt, durch den Abgleich der Fingerabdrücke sei der Hinweis gekommen, dass es sich um Mundlos handele. Dann sei auch die Akte beigezogen worden. Erst sei der Abgleich der Fingerabdrücke gekommen, dann die Akte, nicht umgekehrt. Er habe nicht gewusst, um wen es sich handelt.“

Auf dem Blog NSU-Nebenklage kommentieren die Nebenklagevertreter Alexander Hoffmann und Dr. Björn Elberling die Aussagen Menzels:

„Widersprüchlich war allerdings die Angabe des Zeugen zum Zeitpunkt der Identifizierung von Uwe Mundlos. Auf mehrfache Nachfrage gab er an, er habe bereits am 4.11.2011 veranlasst, dass eine Vermisstenakte, die auf Grund einer Anzeige des Vaters Mundlos angelegt wurde, angefordert wird. In der Nacht zum 5.11.2011 habe die Gerichtsmedizin die Fingerabdrücke des einen Toten mit der BKA-Datenbank AFIS abgeglichen und damit Mundlos identifiziert. Den Widerspruch, warum er bereits vor dieser Identifizierung die Vermisstenanzeige Mundlos angefordert hatte, obwohl doch nach seinen Angaben zu diesem Zeitpunkt keinerlei Hinweise auf das Trio vorlagen, konnte er nicht erklären. Damit bleibt weiter der Verdacht, dass die Polizei bereits sehr viel früher als bislang zugegeben wusste, dass sie dem „Trio“ auf der Spur war. Nachfragen zu diesem Widerspruch wurden immer wieder vom Vorsitzenden Götzl beanstandet, der zu verhindern versuchte, dass die positive Darstellung der Fahndung nach dem 4.11.2011 in Frage gestellt wird.“

Der Rechtsanwalt Yavuz Narin fragte auch kritisch nach. Die Polizei-Einheit, die die Thüringer Banküberfallreihe untersuchte, wäre rein zufälligerweise „Trio“ genannt worden?

„RA Narin fragt nach der Thüringer Banküberfallreihe, von der Menzel gesprochen habe. Menzel sagt, es sei reiner Zufall, dass die BAO, die ihm vorher dazu anvertraut worden sei, “Trio” geheißen habe. „

13 Gedanken zu „NSU: Polizeidirektor Menzel verheddert sich vor Gericht“

  1. Das Wohnmobil wurde gegen 15 Uhr mitsamt Inhalt (Leichen, Waffen, Geld) abtransportiert.
    Vielleicht fiel Böhnhardt durch diesen Transport von der Sitzbank auf den Boden.
    Vielleicht fiel durch diesen Transport der saubere Rucksack aus einem Schrank aufs Bett auf den Brandfleck.

    [Zitat]
    Im Internet tauchte erstmals um 13:57 “in Südthüringen” eine Meldung über zwei Tote in einem Wohnmobil auf.
    [/Zitat Ende]

    Es war um 13:59 Uhr. (nicht 13:57):
    http://www.insuedthueringen.de/regional/thueringen/thuefwthuedeu/Angestellter-in-Bank-verletzt-zwei-Tote-gefunden;art83467,1799738

    Vielleicht gab es aber vorher bereits die Info in irgendwelchen News-Tickern. Die werden nicht archiviert und sind heute verloren.

    [Zitat]
    Deshalb müssen Mundlos und Böhnhardt erst am 05.11.11 identifiziert worden sein.

    Menzel sagt, die Identifizierung sei ihm im Wohnwagen nicht gelungen.
    [/Zitat Ende]

    Das glaube ich nicht. Fingerabdrücke können ganz schnell mittels digitaler Geräte abgenommen werden. Da musste man nur mal die Hand von Mundlos auf das Gerät halten und schon hatte man innerhalb von Sekunden dessen Identität.
    http://www.gdp.de/gdp/gdphh.nsf/id/50A783EC61D127C7C1257058004AFD94?open&l=DE&ccm=500020

    [Zitat]
    Es wäre interessant, die Darstellung dieser Medienvertreter zu hören, und warum sie so früh zu dem brennenden Wohnmobil fuhren.
    [/Zitat Ende]

    Die Presse war wegen des Banküberfalls bei der Sparkasse. Dann haben sie dort von der Polizei oder per Polizeifunk oder durch die Rauchsäule von dem anderen Vorfall erfahren.

    [Zitat]
    http://www.nsu-watch.info/2013/11/protokoll-52-verhandlungstag-6-november-2013/
    RA Narin will wissen, ob sich Menzel beim Betreten des Wohnmobils lautstark über Wießner geäußert habe

    RA Narin fragt nach einer heftigen Diskussion mit Wießner.
    [/Zitat Ende]

    Offenbar hat Rechtsanwalt Narin Informationen bezüglich eines solchen Gespräches mit Wießner. Laut Menzels erster Aussage habe Wießner den Namen Wohlleben nicht erwähnt. Kurz danach sagte menzel, Wießner habe den Naamen Wohlleben doch erwähnt
    [Zitat:]
    http://www.nsu-watch.info/2013/11/protokoll-52-verhandlungstag-6-november-2013/
    Von der Behrens hält vor, Wießner habe angegeben, Menzel solle bei Wohlleben suchen. Das habe Wießner nicht gesagt, so Menzel, der Name sei später gefallen. …
    Wießner habe sinngemäß gesagt, Wohlleben, André K., das sei alles das Umfeld, „so in der Grundstimmung“.
    [/Zitat Ende]

    Menzel sagt offenbar die Unwahrheit bzw er widerspricht sich selbst.

    [Zitat]
    Vermisstenakte
    [/Zitat Ende]

    Das ist vielleicht missverständlich.
    Ist das eine Sammelakte, wo alle Vermissten drin stehen oder handelt es sich nur um die spezielle Akte über den Vermissten Uwe Mundlos?

    [Zitat]
    Menzel sagt, es sei reiner Zufall, dass die BAO, die ihm vorher dazu anvertraut worden sei, “Trio” geheißen habe.
    [/Zitat Ende]

    Soll das heißen, diese „BAO Trio“ gab es bereits vor dem 4.11.2011?

    1. “ Vielleicht fiel Böhnhardt durch diesen Transport von der Sitzbank auf den Boden.
      Vielleicht fiel durch diesen Transport der saubere Rucksack aus einem Schrank aufs Bett auf den Brandfleck. “
      In der N24-Doku war eine Darstellung des Innenraumes zu sehen[1]. Ich weiss nicht wie genau die ist, die Lage der Personen ist sehr ungenau, aber nach Fotos sollte das Wohnmobil in etwa hinkommen. Mal davon ausgehend würde etwas das aus dem Schrank fällt auf die Leiche Mundlos fallen[2]. Damit er auf dem oberen Bett landen könnte müsste der Transporter sich ja ganz schön in die Kurve gelegt haben( Raketenantrieb ? ). Und Mundlos liegt ja vor den Betten. Dieses (saubere**)graue etwas hinter ihm müsste ein Sichtschutz sein der davor gezogen war.[3]. Wäre der Rucksack vor dem Feuer da gewesen, dann wäre er durch das geschmolzene Fenster verunreinigt worden( von den Angaben von A. Förster ausgehend ). Er wäre aber für nachträglich hinzugefügt schlecht plaziert. Er könnte einfach oben durch das Fenster geworfen worden sein( Sichtschutz im Weg ?). Neben dem Rucksack lag die CZ 70, die bei dem Banküberfall vorher verwendet wurde. Die und der Revolver Melcher, der dort auch zum Einsatz kam, sind bei einer Waffenpräsentation nicht dabei[4](erstes Bild)( Darauf basiert dann wohl auch die Liste in der Süddeutschen[5] ), sind aber auf einer Übersichts-Collage zu sehen(zweites Bild). Soweit ich sehe sind es bisher dann 7 erklärungsbedürfteige Asservate. 6 von den Überfällen in Eisenach und/oder Arnstadt
      :fehlt auf Übersichtsfotos die Förster gesehen hat=faÜ
      :Auffindort in der Presse nicht bekanntgegeben=AiP
      :wird erst bei Anklageerhebung erwähnt( ca 1,5 Jahre später )=wAe
      :Waffe fehlt bei Präsentation, wird keiner Straftat zugeordnet obwohl verwendet=PSz

      -Rucksack, sauber, DVD’s Wochen später gefunden
      -Melcher Revolver, faÜ, AiP, PSz, unbekannte DNA
      -Maske Böhnhardt, faÜ, AiP, wAe, soll aber immerhin seine DNA haben
      -Maske Mundlos, faÜ, 1 Jahr später erwähnt(Klickfenster Bild, deplaziertes Foto Förster)*
      -Handgranatenattrappe, faÜ, (PSz), wird erst bei wAe zur Attrappe(liegt neben Melcher R.)
      -CZ 70, PSz ( liegt neben Rucksack )
      Und als Joker noch die (halb oder ganz ?)repetierte Pumpgun Winchester. Zu dadurch im WoMo hervorgerufenen Schäden hab ich nichts gefunden. keine Fingerabdrücke auf den Waffen ist vielleicht möglich( Feuer, Löschwasser ), rundet das Bild aber ab. Waren welche auf der Granatenattrappe ? Die lag ja in einer Schublade…( wiederhole mich etwas, naja die CZ 70… )

      [1] http://www.n24.de/n24/Mediathek/Dokumentationen/d/3770054/der-nsu-eine-spurensuche-reportage-nadine-mierdorf.html ; 37:40
      [2]richtige Lage von Mundlos : http://friedensblick.de/wp-content/uploads/2013/11/toter-mundlos-brustverletzung.jpg
      [3] http://3.bp.blogspot.com/-HvizoiILCBg/UbAq7Ghk64I/AAAAAAAAcV0/D6OuFdpABTI/s520/nsu-wohnmobil2.jpg
      [4] https://sites.google.com/site/nsuarchiv/chronik/gegenstaende
      [5] http://www.sueddeutsche.de/politik/zwickauer-terrorzelle-die-spur-der-waffen-1.1274430-2
      *Asservatfoto, im Artikel der nachträglich bearbeitet wurde werden nur Übersichtsfotos vm Tatort erwähnt
      ** da Mundlos sich im Sitzen erschossen haben soll müsste der „Krönleinschuss“ sichtbar sein

      1. Zum Thema Fingerabdrücke

        Die Seite „Politikquatsch“ schreibt, dass im Wohnmobil keinerlei Fingerabdrücke gefunden worden wären und lediglich die DNA von 4 Personen (dem Trio und der unbekannten Person aus Littauen).

        Ich hätte dafür gerne eine Quelle, die leider nicht gegeben wurde.

        Was wisst ihr da?

        „dass die besten Kriminaltechniker der Republik in dem Fahrzeug nur DNA-Spuren von vier Personen sichern konnte, hat für Aufsehen in der Reinigungs- und Haushaltsreinigerszene gesorgt. Wie hat Vermieter Mario K. das gemacht? Ein Wohnmobil zu vermieten, das innen nicht nur einfach sauber ist, sondern so klinisch rein, dass weder frühere Mieter noch Personal seiner Firma, ja, nicht einmal das Putzpersonal eine auch nur minimale Genspur hinterlassen haben? Selbst Fingerabdrücke konnten die Fahnder im Innenraum des Fahrzeuges nicht finden – weder von Böhnhardt noch von Mundlos, nicht einmal auf den neun mitgeführten Waffen, darunter zwei Pumpgun, zwei Heckler&Koch-Pistolen, eine Maschinenpistole, zwei Revolver und eine Ceska-Pistole.“
        http://www.politplatschquatsch.com/2013/11/nsu-nicht-nur-sauber-sondern-rein.html

  2. Die „BAO Trio“ gibt es doch erst seit 10.11.2011 ()

    Zitat:
    20.08.2012
    „Am vergangenen Freitagmorgen waren es 279 Tage, 21 Stunden und 38 Minuten.“
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-87818585.html

    „vergangener Freitagmorgen“ war der 17.8.2012.
    Davon die 279 Tage zurückgerechnet landet man beim 10.11.2011.
    Also irrt sich wohl eher Rechtsanwalt Narin, wenn er von einer „BAO Trio“ für den Zeitraum vor 4.11.2011 redet.
    Oder gab es zwei „BAO Trio“?

    1. BAO „Trio“:
      Da fällt mir ein, dass es am 4.11.2011 diverse Zeugenaussagen in Presseartikeln gab, die von 3 (in Worten: „drei“) Personen sprachen, die aus der Bank zur Zeit des Überfalls kamen.

      Zitat:
      Ein Augenzeuge des Überfalls auf die Sparkasse berichtet: „Ich stand draußen, als auf einmal drei Personen raus kamen, links runter in die Mosewaldstraße rannten und mit einem Wohnmobil wegfuhren.

      http://www.dtoday.de/regionen/lokal-nachrichten_artikel,-Neues-vom-Bankueberfall-in-Eisenach-Waffe-gehoerte-ermordeter-Polizistin-aus-Heilbronn-_arid,107816.html
      [/Zitat Ende]

      weiterhin seltsam an dieser Zeugenaussage:
      – Die Bankräuber rannten zu Fuß weg anstatt Fahrräder zu benutzen
      – Der Zeuge sah das Wohnmobil, welches aber laut aktueller Version der Geschichte 500 Meter Luftlinie entfernt stand und von einigen Gebäuden und Straßen verdeckt war.

    2. RA Narin irrt sich nicht. Die ursprüngliche BAO „Trio“ muss nach dem Banküberfall in Arnstadt gegründet worden sein. Die Beute dort war gering und es wurde damit gerechnet, dass es bald wieder zu Banküberfällen kommen würde. Bei den Kollegen in Sachsen, die es mit einer über acht Jahre anhaltenden unaufgeklärten Bankraubserie zu tun hatten, informierte man sich über die Vorgehensweise der Täter. Die Sachsen gingen davon aus, dass es sich um drei Täter, zwei Räuber und einen Fahrer handelte, daher der Name „Trio“. Im Abschlussbericht der Bund- Länderkomission zur Aufarbeitung der Fahndungspannen steht es so. Frau Zschäpe hat keinen Führerschein. Die Täter in den Banken werden als Männer beschrieben. Wenn B&M die Bankräuber waren sind sie also selbst gefahren und waren trotz des Adrenalins cool genug , das fehlerlos zu bewerkstelligen. Oder es gab noch eine andere tatbeteiligte Person. Das Menzel vor Gericht behauptet, es sei „reiner Zufall“, dass die BAO „Trio“ geheißen hätte, halte ich nicht für glaubhaft. Mehr dazu weiter unten.

  3. Sehr geehrter Herr Lehle, hallo Leute,
    hier geht es schon um Theorien zum Bankraub – Trio, auch wenn kurz vorher Bezug zu einer anderen Theorie genommen wird.
    Die Theorie eines zweiten Teams in Nürnberg 2005 halte ich aufgrund der Zeugenaussagen auch weiterhin nicht für gestützt. Selbst wenn eine Zeugin bezüglich des physischen Erscheinungsbildes der Radfahrer von „Spargeltarzanen“ spricht, und ein anderer Zeuge von einer „deutlich kräftigeren“ Person als Mundlos.
    Einen deutlichen Hinweis auf die Dreiertheorie in der Bankraubsache gab jedoch der Zeuge Michael Menzel, heute Leitender Polizeidirektor in Thürigen, damals PD Gotha, und Leiter der Ermittlungen am Tatort Eisenach. Er gab am 52. Verhandlunstag des Prozesses am 06. November an, sich bei den sächsischen Kollegen hinsichtlich der Bankraubserie in Chemniz kenntlich gemacht zu haben. Und die haben ihre Einschätzungen, wie hier schon erwähnt, einfließen lassen.
    Aber Menzel sagt mE nicht die Wahrheit darüber vor Gericht. Zitat NSU Watch:
    RA Narin fragt nach der Thüringer Banküberfallreihe, von der Menzel gesprochen habe. Menzel sagt, es sei reiner Zufall, dass die BAO, die ihm vorher dazu anvertraut worden sei, “Trio” geheißen habe.
    Namen besonderer Aufbauorganisationen der Polizei sind niemals Zufall. „Halbmond, Bosporus, Capron“ usw spiegeln jeweils den Ausgangspunkt oder den Ermittlungsansatz wider, den die BAO verfolgt. Der Name „Trio“ wurde also gewählt, weil man bei den Bankrauben, der Einschätzung der sächsischen Kollegen folgend, von drei Tätern ausging. Zwei Räuber, ein Fahrer, wie hier schon dargelegt. Weder das Gericht noch die Nebenkläger sahen hier Anlass zur Intervention. Allerdings forderten sie die „Beiziehung“ der Vernehmungsakten von André Kapke,- aus unterschiedlichen Gründen. Einige Nebenkläger wundern sich wie der Rest der kritischen Öffentlichkeit, – warum der langjährige Frontmann der Jenaer Neonazifraktion sich nicht selbst auf der Anklagebank wiederfindet. Er gehörte wie Wohlleben, Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe zum innersten Kreis der Gruppe in Jena. Seine Anwesenheit in Eisenach am Tag der Auffindung der Leichen im Wohnmobil, die er zunächst abstritt, macht ihn weiter verdächtig. Er bestritt auf Nachfrage seine Anwesenheit, nachgewiesen wurde sie ihm dennoch, durch Funkzellenanalysen. Man könnte meinen, jeder andere wäre daraufhin erstmal in Untersuchungshaft verschwunden, doch weit gefehlt. Seine Firma „Chaosbau 24.de“ war auch noch in jüngster Zeit in der Nähe von Stuttgart aktiv, als der angebliche Neo- Nazi- Aussteiger Florian Heilig eine Aussage beim LKA Baden Württemberg machen wollte ,über mögliche Täterzusammenhänge betreffend der Mordanschläge in Heilbronn . Er verbrannte jedoch in seinem Auto, bevor es zu einer Aussage kommen konnte. Die Polizei sprach umgehend von Selbstmord.
    Zynisch ausgedrückt könnte man meinen, „wo immer ein Nazi im Auto verbrennt, ist André Kapke nicht weit“
    Die Beweisanträge, die Ermitlungsakten zu André Kapke beizuziehen, hat das OLG München abgelehnt. Es gäbe keine Anhaltspunkte, dass deren Inhalte für das Verfahren relevant sind, heißt es in der Begründung. Zuvor hatte selbst die Generalbundesanwaltschaft im Verfahren angedeutet, hier eine „Ausnahme“ zulassen zu wollen, weil das Verfahren gegen Kapke sozusagen sicher vor der Einstellung stehe. Jetzt werden die Prozesssbeteiligten eben nichts mehr davon sehen können, bevor sie ihm direkt in dieser Woche gegenüberstehen werden.
    PS: Und hier noch weitere Passagen aus Menzels Aussagen im Prozess, weil einfach gut:
    RAin Schneiders sagt, Wießner habe im Bundestags-Untersuchungsausschuss angegeben, Menzel habe am 5. November gesagt, wenn er jetzt nichts sage, gehe er, Menzel, ins LfV und beschlagnahme die Akten. Schneiders will wissen, ob Menzel eine solche Aussage getroffen habe. Menzel verneint das. Er habe am 5. November mit Wießner gesprochen in der Frage, ob dieser Hinweise geben könne auf den Aufenthaltsort von Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe. Es sei ihm nicht erinnerlich, dass eine Aktenbeschlagnahme eine Rollebwesnheiz gespielt habe. Das könne er sich nicht erklären. Er sei auch nicht davon ausgegangen, dass das LfV vom Aufenthalt der drei gewusst habe. RAin Schneiders hält vor, Wießner habe angegeben, der PD-Leiter Gotha habe vermutet, dass das LfV all die Jahre ganz genau gewusst habe, wo die drei waren. Menzel sagt, damit sei nicht er gemeint.
    Jedenfalls sei die Zielfahndung nach Zschäpe am 5. November vormittags beauftragt worden. Von der Behrens fragt, ob das aktenkundig gemacht worden sei, was Menzel bestätigt. Ihr sei das aus den Akten nicht bekannt, erwidert RAin von der Behrens. Menzel sagt, er habe aufgrund einer schwerwiegenden Erkrankung den Fall nicht zu Ende führen können. Er gehe davon aus, dass es ein Protokoll mit den grundsätzlichen Verfahrensschritten gebe.
    Auf die Frage, ob Menzel vielleicht andere Nachrichtenbehörden als die Landesämter für Verfassungsschutz informiert habe, sagt Menzel, er habe die Information auf das geringste Maß gehalten. Da seien nicht alle begeistert gewesen. Auch vorgesetzte Dienststellen seien nur im Mindestmaß informiert worden. Es sei um ein zügiges, konzentriertes Vorantreiben der Ermittlungen wegen des Fahndungsvorsprungs gegangen. Er habe keine Behörden informiert. Wahrscheinlich sei das am 7. November im Innenministerium diskutiert worden. Da sitze das LfV mit am Tisch. Er selber habe nicht mit dem LfV gesprochen.
    Von der Behrens will wissen, ob Menzel den Zielfahnder Wunderlich am 8. November beauftragt habe, Zschäpe zu identifizieren, was der bestätigt.
    Ob Menzel Wunderlich untersagt habe, Zschäpe zu befragen, will RAin von der Behrens wissen. Wunderlich habe den Auftrag der Identifizierung gehabt, so Menzel, er wisse nicht, ob er das ausdrücklich untersagt habe. Von der Behrens sagt, Wunderlich habe ausgesagt, es sei ihm von Menzel untersagt worden, Zschäpe Fragen zu stellen und er habe den Eindruck gehabt, dass Zschäpe bei einer zeitnahen Befragung etwas gesagt hätte. Daran habe er keine Erinnerung, so Menzel.

    1. “ Seine Firma “Chaosbau 24.de” war auch noch in jüngster Zeit in der Nähe von Stuttgart aktiv, als der angebliche Neo- Nazi- Aussteiger Florian Heilig eine Aussage beim LKA Baden Württemberg machen wollte ,über mögliche Täterzusammenhänge betreffend der Mordanschläge in Heilbronn . “
      Können sie eine Quelle dafür nennen ? Mir ist nur bekannt das Anfang diesen Jahres Fotos hochgeladen wurden, also bevor Florian H. starb.

      1. Keine spezifische. Die Fotos wurden gelöscht, nachdem der mögliche zeitliche Zusammenhang des Todes von Florian Heilg mit einem Engagement von „chaosbau24.de“ auf der Baustelle beim Verlag bekannt wurde. Der erstattete Anzeige, und überprüft deshalb die Vergabe von Aufträgen an Subunternehmen. Die Quellenangabe ist also schwammig, und es wäre nachvollziehbar, dass die Genannten Fotos ihres Engagements auf der Baustellle auf ihren Social Media Auftritten löschten. Es könnte sich aber noch herausstellen, dass sie auf der Baustelle aktiv waren. Was noch nichts Weiteres beweisen würde. Nur: gibt es EINMAL einen komischen ZUFALL, was Anwesenheit möglicherweise kenntnisreicher Personen am Ort des unnatürlichen Ablebens verdächtiger oder informierter Personen gibt, könnte es einfach nichts damit zu tun haben. Passiert das aber ein WEITERES mal, fällt es schwerer, an Zufall zu glauben.

        1. Zitat:
          Passiert das aber ein WEITERES mal, fällt es schwerer, an Zufall zu glauben.
          [/Zitat Ende]

          – Einmal kann passieren.
          – Zweimal ist Zufall (mit Gutem Willen)
          – Dreimal ist Absicht (Davon muss man ausgehen, sonst ist man erledigt.)

          Unbedingt (—möglichst—) erledigt man den Gegner, bevor es zu einem dritten „Zufall“ kommen kann.

        2. Interessant würde das werden falls Florian H. mal auf der gleichen Baustelle war wie Chaosbau. Oder gar Alexander G., der Beschützer von VP Krokus :
          „An Silvester, dem Übergang ins Jahr 2011, lernte Petra Klass – angeblich über einen Chat – den weit gereisten Alexander Gronbach kennen, auch ein Mann aus dem Ort. Er war zu dieser Zeit für eine irische Baufirma in Dubai tätig.“
          http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.rechte-umtriebe-in-hohenlohe-die-folgenreiche-liaison-zweier-v-leute.b1a28725-e57f-481d-bf4a-d9eff7ddfe6b.html

  4. Bei Kapke und dem 4.11. liegt ihr falsch, denn Kapke war mitsamt Papa in Eschwege ein Auto kaufen, und er war vor 11 Uhr zurück im LK Weimarer Land auf der KFZ-Zulassungsstelle, um das gekaufte Fahrzeug umzumelden.

    Um 13:56, als Menzel, die Spusi und die Gerichtsmediziner schon lange im Womo herumgeisterten, fuhr ein Mitarbeiter der Chaosbau nach Thüringen zurück, auf der A 4. Das machen Tausende Monteure so am Freitag mittag… wenn sie im Westen auf Montage waren…

    „ein auf Kapke zugelassenes Handy“ ist nicht gleichzusetzen mit „Kapkes Handy“.
    Es dürfte sich um ein Firmenhandy eines Mitarbeiters gehandelt haben.

    Zur BAO Trio der Thüringer Polizei unter Menzel ist zu sagen, dass diese BAO 2008 nach dem Banküberfall in Schmiedefeld gegründet wurde, die Bankräuber verklappten damals einen im Tresorraum herzkollabierten Mittäter in einem Baggersee.

    Gerlachs Lebensgefährtin hat eine Tochter, Alter passt zu „Ausleihe letztes Wohnmobil“ in Schreiersgrün (mit BPA), und „Mama“ passt dann auch. Ebenso wie „auswärtiges Kennzeichen“, dass Mario Knust vor Gericht beschrieb: SHG wohl, Gerlachs Wohnort.

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