NSU: Polizeidirektor Michael Menzel und die „Selbstmorde“

Es gibt eine Vielzahl offener Fragen bzgl. des (angeblichen) Selbstmordes von Uwe Mundlos im Wohnmobil am 04.11.11 (Friedensblick). Bei dem Geschehen spielt der leitende Polizeidirektor aus Gotha, Michael Menzel, eine Hauptrolle – er führte den Einsatz gegen die Bankräuber von Eisenach. Wichtiger Bestandteil der Geschichte ist eine Maschinenpistole, die im Wohnmobil gefunden wurde. Damit wären zwei von Menzels Polizisten beschossen worden. Menzel: „Sie wollten ein Blutbad anrichten, dann versagte ihr MPi.“ Problem: Diese Waffe wurde offenbar mehrere Tage vorher in der Zwickauer Brandruine gefunden. Dann tauchte sie auf wundersame Weise im Wohnmobil wieder auf, genauso wie eine passende Patronenhülse, die erst am 18.11.11 dort „gefunden“ wurde.

1. Die Maschinenpistole „Pleter 91, 9 mm Luger“

Eine google-Suche im Zeitraum 04.11.-18.11 ergibt, dass insgesamt sieben Waffen im Wohnmobil gefunden wurden, darunter eine Maschinenpistole. Um welche Waffe es sich handelt blieb unklar. Es gibt keinerlei Meldungen im Internet, dass Polizisten vom Wohnmobil aus beschossen worden wären.

10.11.11 „Laut Staatsanwaltschaft wurden bislang elf Waffen in der Neonazi-Wohnung entdeckt! Das Arsenal umfasst jetzt fünf Pistolen, drei Faustfeuerwaffen, einen Revolver, ein Repetiergewehr und eine Maschinenpistole. (…) Dazu kommen die Waffenfunde aus dem Wohnmobil, in dem die Leichen der beiden Bankräuber lagen – die Dienstwaffen der ermordeten Polizistin Michèle K. und ihres verletzten Kollegen, zwei weitere Pistolen oder Revolver und drei Langwaffen.“ (bild)

„Am anderen Tatort, im 180 Kilometer entfernten Eisenach in Thüringen, entdecken Polizeibeamte in einem brennenden Wohnmobil drei Langwaffen und vier Pistolen.“ „(tagesspiegel)

„In dem ausgebrannten Wohnmobil wurden die Dienstwaffen der Heilbronner Polizisten gefunden sowie Pumpguns, eine Maschinenpistole, ein Revolver, eine Pistole und eine Handgranate.“ (spiegel)

11.11.11

Früh wurde berichtet, dass auch in der Zwickauer Wohnung „eine Maschinenpistole“ gefunden wurde.

„Die Ermittler entdeckten in den Trümmern mittlerweile neun Faustfeuerwaffen, ein Repetiergewehr und eine Maschinenpistole, wie die Zwickauer Staatsanwältin Antje Dietsch sagte.“(morgenmost)

14.11.11

Bei der Maschinenpistole in der Zwickauer Wohnung hätte es sich um eine „9-Millimeter-Luger-Maschinenpistole“ gehandelt. Sie wäre „im Schrank“ gelegen.

„Aber was hat das Trio über all die Jahre getrieben? War es purer Hass, auf Ausländer ebenso wie auf die Staatsmacht? Faschistische Allmachtsphantasien? Indizien liefern zumindest die Fundstücke, die die Ermittler nach und nach im Schutt von Zwickau bergen. Warum etwa wollten Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe das Reizgas, die Waffe und die Handschellen von Michèle Kiesewetter aufheben? Vier Jahre altes Reizgas hat für Neonazis, die eine 9-Millimeter-Luger-Maschinenpistole im Schrank liegen haben, keinen besonderen Wert.“ (spiegel)

17.11.11

Die Ermittlungen wurden vom Bundeskriminalamt (BKA) übernommen. 

18.11.11

Ab 03.09.13 berichten Medien, dass erst am 18.11.11 die Hülse der Maschinenpistole gefunden wurde, „in einer Spalte im Wohnmobil“!

„Die zur Maschinenpistole gehörende Hülse finden die Ermittler erst am 18. November.“ (ta)

„Eine Patronenhülse, die zur Maschinenpistole passen könnte, entdeckten Kriminalisten erst zwei Wochen nach der Tat. Sie soll in einer Spalte im Wohnmobil unter dem Brandschutt verklemmt gewesen sein.“ (otz)

21.11.11

9mm-2

9mmbild

Quelle: Fatalist

Zufälligerweise ändert der Spiegel seine Darstellung: Die Pleter-Maschinenpistole wäre jetzt im Wohnmobil gewesen.

„Böhnhardt und Mundlos saßen in ihrem Wohnmobil. Sie hatten zwei Pumpguns, die Mossberg, die Winchester. Sie hatten eine Maschinenpistole, die Pleter aus Kroatien.“ (spiegel)

22.11.11

Genau zu diesem Zeitpunkt spricht das Bundeskriminalamt erstmals von einer „Maschinenpistole“ aus der „möglicherweise ein weiterer Schuss abgegeben“ worden sein könnte.

„Das Bundeskriminalamt (BKA) teilte am Dienstag in Wiesbaden mit, die Aussagen der beiden eingesetzten Polizeibeamten ließen den Schluss zu, dass es bei ihrer Annäherung an das Fahrzeug „vermutlich aus dem Wohnmobil heraus eine Schussabgabe gegeben hat. Die Auffindesituation im Wohnmobil stütze die Aussage der Beamten, betonte das BKA. Im Fahrzeug wurde „unter anderem griffbereit eine mutmaßlich defekte Maschinenpistole aufgefunden, aus der möglicherweise ein weiterer Schuss abgegeben wurde“. Beim Absuchen des Tatorts sei eine mögliche Einschussstelle außerhalb des Wohnmobils festgestellt worden. Die Suche nach einem dazugehörigen Projektil dauere an. „.(ta)

25.11.11

Auch die Bild-Zeitung bestätigt, dass die Maschinenpistole im Wohnwagens eine“Pleter 91, 9 mm Luger“ wäre. Darin würde sich eine „eingeklemmte“ Patrone befinden.

„Diese automatische Waffe vom Typ Pleter 91, 9 mm Luger, lag auf der rechten Sitzbank. Sie war durchgeladen, aber nicht abgefeuert worden. Eine Patrone hatte sich verklemmt.“ (bild)

Hans Leyendecker ergänzt am 03.02.2012, dass sie …

„… mit eingeklemmter Patrone auf der Sitzbank neben Böhnhardt.“ (sz)

… gelegen hätte. Problem: Ein Tatortfoto zeigt keine Maschinenpistole auf der Sitzbank.

Dagegen befand in sich der Zwickauer Wohnung eine andere Maschinenpistole, eine MPi Ceska 26, 7.42 mm Tokarew.“ (google)

26.11.11

Am 26.11.11 gibt Menzel bekannt, dass zwei Streifenpolizisten vom Wohnwagen aus beschossen worden wären. Es wurde „sofort auf uns geschossen“, „mit einer MPi“.

„Als die Beamten das Wohnmobil in Stregda, einem Ortsteil von Eisenach, fanden, haben die Neonazis mit einer MPi das Feuer eröffnet. „Die haben sofort auf uns geschossen.“ Dann aber klemmte die MPi. „Wir wussten zum Glück, dass sie scharfe Waffen hatten“, so Michael Menzel.(ta)

Laut Bild.de hätte Menzel sogar davon gesprochen, dass Böhnhardt und Mundlos „ein Blutbad“ hätten anrichten wollen, jedoch „versagte ihre MPi.“

Am 25.11.12 widerspricht Andreas Förster: In den Ermittlungsakten gibt es, bis auf ein „nicht identifiziertes Knallgeräusch“, „kein Indiz“ dafür, dass …

„… aus dem Fahrzeug heraus auf sie geschossen wurde (…).“(StN)

Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Maschinenpistole „Pleter“ von der Zwickauer Wohnung in den Wohnwagen verbracht wurde. Stellte sich während der Waffen-Untersuchung heraus, dass sich in der Waffe eine verklemmte Patrone befand? Wollte man dann die Gunst der Stunde nutzen, um eine Notwehr-Situation für die Erschießung Mundlos und Böhnhardt nachträglich geltend zu machen?

10 Gedanken zu „NSU: Polizeidirektor Michael Menzel und die „Selbstmorde““

  1. Ich meine, das dies kein Selbstmord war, ist ja wohl klar. Wenn ich mich umbringe, warum sollte ich vorher das Wohnmobil anzünden? Bestimmt nicht, um Spuren zu verwischen, denn diese Spuren interessieren mich ja wohl nicht mehr, wenn ich tot bin! Der Verfassungsschutz wird sich wohl ziemlich geärgert haben, das Zschäpe nicht anwesend war, als die anderen beiden Hohlköpfe liqidiert wurden. Aber das hat man ja auch in den Griff bekommen, Zschäpe schweigt. Wie V. Becker……….

    1. Beweise werden nur für die noch am Lebendenden Mitwisser vernischtet . Im Falle des Wohnmobil wurde beweise verbrannt deren Spuren womöglich im Mobil noch war . Vieleicht die des Mörders

  2. Danke für den Artikel!

    Am 3.12.2011 berichtet die Süddeutsche, Ermittler hätten Hinweise auf einen Brief, in dem von einer früheren Informanten-Tätigkeit Zschäpes für staatliche Behörden die Rede ist. Der Verfassungsschutz soll dem Neonazi-Trio außerdem einen Deal angeboten haben. Über dieses Schreiben gibt es einen Aktenvermerk, wie verschiedene Mitglieder des Thüringer Landtages auf Anfrage bestätigten.

    1. „Der anonym abgefasste Brief beschreibt angeblich auch, warum die Rechtsextremistin in den neunziger Jahren mit den Behörden kooperierte. Beweggrund soll eine mögliche Strafmilderung für einen Verwandten gewesen sein. Thüringens Justizministerium wollte die Existenz eines solchen Briefes weder bestätigen noch dementieren.

      Bereits zuvor kursierten Gerüchte, wonach Zschäpe für einen Geheimdienst Informationen aus der rechten Szene zusammengetragen hat.“ sz

  3. Der Artikel baut auf dem Satz aus einem Spiegel-Artikel vom 14.11.11 auf :
    “ die eine 9-Millimeter-Luger-Maschinenpistole im Schrank liegen haben “
    Das könnte eine normale Ungenauigkeit sein, das wurde 10 Tage später geschrieben, und die CZ26 ist baugleich mit dem Vorgänger CZ25, nur das die 26er 7.62Tokarew verschiesst, und die 25er 9mm Parabellum( von Luger ) :
    “ The Sa 24 and Sa 26 were introduced after Czechoslovakia joined the Warsaw Pact, and were redesigned to fire 7.62×25mm Tokarev standard Soviet type pistol ammunition. “
    http://en.wikipedia.org/wiki/Sa_vz._23
    Ich denke die Punkte die weiterhin geklärt werden müssten sind die, die im Artikel von Andreas Förster auftauchen. Also der saubere Rucksack mit dem Arnstadt-Geld und den DVD’s( die erst Wochen später entdeckt wurden ), die Tatortfotos( sollen nach dem Transport gemacht worden sein, aber beschädigte Waffen würde man nicht transportieren ), 2 Pumpgun-Patronenhülsen( darauf aufbauend das Repetierproblem, immer noch schwammige Angaben, soll ganz oder halb repetiert worden sein ? ). Ausserdem beschreibt Förster 2 Löcher im Dach. Passen die zum Pumpgun-Suizid ? Wenn nicht, wo sind die Löcher die die Geschosse geschlagen haben, wenn sie keine geschlagen haben, wo sind die Geschosse ? Die müssten dann im Wohnmobil verblieben sein. Und offiziell soll Mundlos sich sitzend erschossen haben, anscheinend hat es ein halbes Jahr gedauert bis man zu der Erkenntnis kam[1]. Das scheint aber nicht zum Tatortfoto zu passen, dann sollte eigentlich hinter ihm entsprechend Blut zu sehen sein. Und relevante Asservate die Förster nicht auf auf den Übersichtsaufnahmen gesehen hat verbindet etwas, sie kamen bei den Banküberfällen in Eisenach und Arnstadt zum Einsatz( Melcher-Revolver, die Masken, die Granatenattrappe ), zum Teil werden die erst bei der Anklageerhebung benannt oder eingeordnet( soweit ich sehe ).

    [1]http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Letzte-Minuten-von-Mundlos-und-Boehnhardt-rekonstruiert-2028118397

    1. … es könnte auch sein, dass die spiegel-autoren es einfach so dort hinschrieben und den fundort dieser maschinenpistole („Schrank“) gar nicht konkret beschreiben wollten.
      es stimmt, mein artikel baut auf diesen einen spiegel-zitat auf und ist damit natürlich auf schwachen beinen!

    1. Hat der Brand am 07.11.2011 in Glauchau in der Auestraße auch etwas mit dem NSU zu tun?
      In Glauchau hatte das NSU-Trio vermutlich einen zweiten Unterschlupf, denn ein dortiger Fahrradhändler sagte aus, dass Mundlos und Böhnhardt mehrmals bei ihm Kunden waren und Beate Zschäpe hatte während ihrer Flucht Andre Eminger von einer Telefonzelle in Glauchau aus angerufen.

      http://www.focus.de/magazin/archiv/report-terror-album_aid_789320.html

      Während Beate Zschäpes Flucht brennt dann dieses fast leerstehende Mehrfamilienhaus in Glauchau. Hat vor der Brandlegung jemand hektisch ausgemistet oder woher kamen die „Riesigen Müllberge“ laut Feuerwehreinsatzbericht?

      „E167 07.11.2011 Brand 2“

      http://www.feuerwehr-glauchau.de/pages/media_items/e167-07.11.2011–brand-21251.php?p=20

      http://www.feuerwehr-glauchau.de/pages/einsaetze/einsaetze-2011.php?p=20

  4. Es gibt eine weitere Ungereimtheit rund um die Pleter-Maschinenpistole:

    Laut zugespielter Ermittlungsakten wäre die Pleter Maschinenpistole „in einem Schrank unter dem Kühlschrank in einer Plastiktüte“ gewesen.

    „(…) eine aufmunitionierte und stark brandbeeinträchtigte Maschinenpistole mit Ladehemmer und ein weiterer Revolver wird in einem Schrank unter dem Kühlschrank in einer Plastiktüte aufgefunden und gesichert.“

    Problem dabei ist, dass ein anderes Tatortfoto sie auf der Rückbank im Brandschutt zeigt.
    pleter-maschinenpistole

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.