NSU: Wie wurde der Terror wirklich finanziert?

Durch Banküberfälle hätte sich das Trio Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe finanziert. Geld von Banküberfällen im Wohnwagen und in der Zwickauer Wohnung würden dies belegen, auch hätte das BKA die Kleidung der Bankräuber in der verbrannten Zwickauer Wohnung gefunden (focus). Doch es gibt Ungereimtheiten.

Das Sächsische Staatsministerium des Innern veröffentlichte am 25. Juni 2012 einen NSU-Bericht. Es wäre eine „Sonderprüfung“ zu den Banküberfällen in Chemnitz und Zwickau durchgeführt worden und es hätten sich „keine Hinweise“ auf das Trio ergeben, bis auf einen Raubüberfall auf einen EDEKA-Markt in Chemnitz am 18. Dezember 1998 (sächsisches Innenministerium). Es wird jedoch eingeschränkt, dass es einen „zeitlichen Zusammenhang zwischen den Banküberfällen in Chemnitz und dem Ende der Geldsorgen“ des Trios gäbe.

Während der Bundesgerichtshof (Beschluss vom 28.02.12) Frau Zschäpe die Beteiligung an einem einzigen Banküberfall vorwirft (BGH), wird Generalbundesanwalt Range nicht müde, sogar von 16 begangenen Banküberfällen auszugehen.  Am 25.03.12 gab er der FAZ ein Interview.

 “Soweit wir das heute sagen können, hat die Terrorzelle sich das Geld zum Leben aus Banküberfällen verschafft. Die rund 600.000 Euro, die sie dabei über die Jahre erbeutet haben, reichten wohl aus, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.” (FAZ)

Jedoch untersucht seine Bundesanwaltschaft im Rahmen des NSU-Verfahrens nur drei Banküberfälle.

“Tatsächlich sind aber nur drei Banküberfälle Gegenstand des Ermittlungsverfahrens gegen die mutmaßlichen NSU-Aktivisten, wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft auf Anfrage bestätigte.” (FR)

Die drei Banküberfälle

Dazu zählen zwei Banküberfälle in Arnstadt und Eisenach aus dem Jahr 2011 und einer aus dem Jahr 2006 in Zwickau. In Zwickau wurde am 05.10.2006 eine Sparkasse überfallen seitens einer Einzelperson. Ein Auszubildender erlitt einen Bauchschuss, die Bankräuber gingen leer aus.

Bei den Überfällen am 7. September 2011 in Arnstadt und am 4. November in Eisenach wären jedoch insgesamt 90.000 Euro erbeutet worden (FR). Die komplette Beute beider Überfälle wurde im verbrannten Wohnwagen gefunden, zusammen mit den erschossenen Böhnhardt und Mundlos (Innenminister Geibert: „Erschießung durch sich selbst“ (FB)):

“In dem ausgebrannten Fahrzeug wurde auch die Beute des Banküberfalls in Eisenach und die des Raubs in Arnstadt entdeckt. Die Summe stimme in etwa mit der Beute beider Straftaten überein, so der Kriminaldirektor. Einige der Geldbündel sollen noch immer Banderolen mit Stempeln der Sparkasse Arnstadt getragen haben.” (TH)

Sogar Geld von Banküberfällen von 2008 im Wohnmobil

Laut Frankfurter Rundschau wären im ausgebrannten Wohnmobil noch mehr Geld gefunden worden, rund 111.000 Euro! Das zusätzliche Geld, 21.000 Euro, stammt von Banküberfällen aus dem Jahr 2008!

“In dem ausgebrannten Wohnmobil fanden sich 110 000 Euro Bargeld, zum Teil mit Banderolen. So konnten sie früheren Banküberfällen von 2008 zugeordnet werden.” (FR)

Auch der mdr bestätigt, dass “mehr als 100.000 Euro” im Wohnwagen gefunden wurden.

“Die SoKo vermerkte, dass “an verschiedenen Orten im Wohnmobil Bargeld gefunden wurde”, darunter 71.915 Euro aus dem Banküberfall in Eisenach, weitere 20.000 Euro in Bündeln mit der Beschriftung “LZB” (Landeszentralbank) und 3.000 Euro mit Banderole der Sparkasse Arnstadt, offenbar aus dem Bankraub am 7. September, sowie zweimal 5.000 Euro und einmal 6.000 Euro, eingeschweißt in Folien.” (mdr)

Warum sollten Mundlos und Böhnhardt Geld aus einem vorherigen Banküberfall (Arnstadt) und noch früheren Überfallen von 2008 zum nächsten Banküberfall (Eisenach) mitnehmen? Das Wohnmobil wurde erst nach dem Arnstädter Überfall, Ende Oktober 2011, angemietet.

Wurde Geld nachträglich „gepflanzt“?

Dafür, dass Geld gezielt im Wohnwagen „gepflanzt“ wurde, würde ein Geld-Fundort sprechen. Ermittler fanden einen „unbeschädigten Rucksack auf einer verrußten Matraze“. Während Matratze und Textilien vom geschmolzenen Plexiglas des Wohnmobils verschmutzt waren, verblieb der Rucksack “fleckenlos”. Er entpuppte sich als wahres “Eldorado” (Goldland) für die Ermittler.

Im Wohnmobil wurden 23.000 Euro gefunden – in einem vom Feuer unbeschädigten Rucksack, der auf auf einer verschmorten Sitzbank lag. (StN)

Am 05. November wurde der Inhalt dieses dubiosen Rucksacks polizeilich erfasst und fotografiert. Fast einen Monat später wurde am 01.12.11 noch etwas “entdeckt”. In einer Innentasche stießen die Ermittler auf “sechs DVDs mit dem NSU-Bekennervideo”. (FB)

190.315 Euro in der Zwickauer Wohnung

Darüberhinaus wurden im ausgebrannten NSU-Wohnhaus “weitere Geldbanderolen von Banküberfällen in Sachsen” gefunden (FR). Es hätte sich um 190.315 Euro (fdp) gehandelt. Warum unternahmen Böhnhardt und Mundlos einen Banküberfall, wenn sie fast 200.000 Euro zuhause rumliegen hatten? Warum nahm Frau Zschäpe dieses Geld nicht auf ihrer Flucht am 04.11.11 mit? Am 8. November 2011 stellte sie sich finanziell abgebrannt der Polizei mit 12 Euro und 23 Cent, in Münzen“ in der Tasche (zeit).

Aufwendiger Lebensstil, ohne Geldprobleme

Laut Zschäpes Freundin, Juliane S. aus Niedersachsen, wäre ihre Geldbörse „immer voll mit großen Geldscheinen“ gewesen. „Sie war die Finanzverwalterin”, sagt sie über Zschäpe. „Viele 50-Euro-Scheine lugten demnach aus ihrem Portmonee.” (tagesschau) Während ihrer Urlaube spielte Geld für das Trio „keine Rolle“. (BZ).

Neben Bargeld müsste auch Geld auf Bankkonten liegen! Wieviel? Keine Antworten im NSU-Abschlussbericht des Bundestag.

“Die Frau des Trios soll Konten unter verschiedenen Namen geführt haben, das beweisen Rechnungen und Quittungen, die im Zwickauer Brandhaus gefunden wurden.”(tagesschau)

Ausgaben

“Insgesamt 56 Mal wurden Fahrzeuge gemietet, fast immer Wohnmobile. Davon 53 mit Ausweisen von drei Personen, von denen zwei inhaftiert sind. Das alleine dürfte wenigstens 60.000 Euro gekostet haben.” (FAZ)

Die sueddeutsche berichtet, dass …

“… die Zwickauer Terrorzelle Aktionen von Rechtsradikalen in Deutschland gesponsert hat. Mundlos soll Geldbriefe an Gesinnungsgenossen zur freien Verfügung geschickt haben.” (SZ)

Kalkulation

Angenommen das Trio hätte wirklich durch Banküberfälle 600.000 Euro erbeutet, wie-viel Geld hatten sie, um ihre Illegalität zu finanzieren? Abzuziehen von den 600.000 Euro wären:

Die Geldfunde im Wohnwagen (110.000 Euro) und in der Wohnung (75.000 (zeit) oder sogar 190.315 Euro (fdp)), die Mietkosten der Wohnmobile (60.000 Euro (zeit)), das Depottieren von Geld bei Unterstützer, mindestens 20.000 (tagesschau), Mietkosten für die Wohnungen in der Polenzstraße und Frühlingsstraße zusammen 73.820 Euro (fdp).

Wenn lediglich die bekannten Kosten abgezogen werden, dann bleiben 146.180 Euro übrig, die das Trio in den 12 Jahren zu Verfügung hatte. Das wären im Jahr 12.181 Euro, monatlich pro Person 338 Euro. Abzuziehen wären davon wäre die Finanzierung des großen Waffen-Arsenals samt Munition. Dazu der Abschlussbericht des Bundestags:

„Unklar ist, ob ein Leben in der Illegalität mit begrenzten finanziellen Mitteln das Erschaffen einer derartigen Waffensammlung überhaupt erlaubt.“

Weitere Ausgaben entstanden während der mehrwöchigen Urlaubsreisen, durch die Katzen Zschäpes, Tierarztrechnungen, etc. Die FDP fragt:

“Es bleibt die Frage, wie das Trio sich ein derartiges Leben in der Illegalität finanzieren konnte.” (fdp)

Fazit

Wie die 911-Kommission in den USA bzgl. der Anschläge vom 11. September war auch die NSU-Kommission des Bundestages nicht in der Lage, die Geld-Quelle des Terrors zu ergründen. Es herrscht seltsame Zurückhaltung und Vertrauen auf die Verlautbarungen des Sicherheitsappartes. Der Bundestag U-Ausschuss sieht keine „wirklich ergiebige zweite Geldquelle neben den Erträgen aus den Überfällen“ und schreibt über eine „Fortsetzung des Untersuchungsausschusses in der nächsten Legislaturperiode“, die jedoch nur von der FDP bisher befürwortet wird. Will man es lieber nicht wissen? Die Frage der Finanzierung der 911-Anschläge war auch für die damalige 911-Kommission „von geringer praktischer Bedeutung“ gewesen. Wem nützt es, die Spur des Geldes nicht zu folgen?

3 Gedanken zu „NSU: Wie wurde der Terror wirklich finanziert?“

  1. Des Rästels Antwort: Die NSU wurde über Blood & Honour finanziert. In dem Netzwerk wird viel Geld umgesetzt über Plattenproduktion, -vertrieb und Merchandising. Die ganze Angelegenheit wurde vom VS als perfekte Geldwaschmachine aufgesetzt.

  2. Auf dieser Seite wurden auch die Finanzen durchgerechnet, jedoch mit teilweise anderen Zahlen. http://www.lecorte.de/2013/11/braune-scheine-die-finanzen-des-nsu/

    Daher hinterfragte ich manche Aussagen:

    „wovon knapp 42.000 € noch in bar sichergestellt wurden im November 2011“
    1. Der Bargeld-Betrag vom Banküberfall am 04.11.01 wurde nicht hinzugezählt?

    2. Welche Quelle können Sie anführen für Ihre Fußnote 3?
    „3In der ausgebrannten Wohnung in Zwickau wurden nur knapp 2000 € gefunden“
    Diese Meldung widerspricht der Angabe:
    „75.000 Euro Bargeld ließ sie im Haus zurück.“
    http://www.zeit.de/2012/23/DOS-Zschaepe

    3. Welche Quelle haben Sie, dass die „Finanzexperten von der FDP“ die gefundenen Banderolen mit den gefundenen Banknoten verwechselten? Ich kann ihre Kritik nicht nachvollziehen, jedoch ist das fdp-Dokument vom fdp-server verschwunden. Es könnte schon was dran sein.
    „die Geldfunde in der ausgebrannten Wohnung in der Frühlingsstraße in Höhe von mindestens 190.315 Euro“ (MAT_A_GBA-4-3 (DVD), Vorl. SA 12, S. 426, 509)
    S. 67

  3. „Clemens Binninger (CDU/CSU): Davon wurden ja, soweit wir den Akten entnehmen konnten, rund 190 000 noch gefunden.“

    Protokoll-Nr 43.pdf
    URL:http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/CD14600/Protokolle/Protokoll-Nr%2043.pdf

    In den Ermittlungsakten sind viele leere Banderolen zu sehen. Das vorhandene aufgeführte Bargeld scheint viel weniger als 190.000 Euro zu sein. Siehe: http://wer-nicht-fragt-bleibt-dumm.blogspot.de/2014/07/der-brand-von-zwickau-am-4112011-teil-2.html

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