Kiesewetter Mord: Geheimdienst wollte Islamist anwerben!

Gerade als der Kiesewetter Mord passierte, wollte der Geheimdienst in Heilbronn einen Islamisten anwerben.

Laut „vertraulicher Dokumente“, die der Stuttgarter Zeitung vorlägen, wäre …

„.. Ein Mitarbeiter des Landesamtes für Verfassungsschutz (…) am Tag des Heilbronner Polizistenmordes 2007 in der Neckarstadt“ [gewesen]. (stuttgarter-zeitung)

Laut der Dokumente hätte sich „der Geheimdienstler an diesem Tag in Heilbronn mit einem Islamisten habe treffen wollen, um diesen als Informanten für den Dienst zu gewinnen.“

„Mitarbeiter sprechen inoffiziell von einem Mann aus Ulm/Neu-Ulm, der aus der dortigen Szene habe berichten sollen.“ (die-stimme)

Geheimdienst-Mitarbeiter sehen diese Darstellung als unrealistisch an:

„Eine Kontaktperson eigens umständlich aus Ulm nach Heilbronn reisen zu lassen, sei „dienst- und lebensfremd“ (…).“ (ebd)

Andere Verfassungsschützer widersprechen dem Bericht: Es hätte sich nicht um einen Anwerbeversuch eines V-Mann aus der islamistischen Szene gehandelt, sondern um eine  „hochrangige Zielperson aus dem Bereich des Rechtsextremismus“. (die-stimme)

Bekanntlich sagte ein ehemaliger deutscher Mitarbeiter des US-Militärgeheimdienstes „DIA“ aus, dass u. a. Baden Württembergische Verfassungschützer den Islamisten Mevlüt Kar beschattet hätten. Weiter ist bekannt, dass Kar Verbindungen zum US-Geheimdienst CIA und zur Mafia gehabt hätte (heise).

Kar wäre in die Heilbronner Festwiese eingefahren. Dann wäre es dort zu einer Schießerei mit Polizisten gekommen. Das von Reinhold Gall (SPD) geführte Baden-Württembergische Innenministerium dementiert dies jedoch weiter:

„Im Zusammenhang mit einer Berichterstattung des Nachrichtenmagazins „Stern“ hatte das Innenministerium in Stuttgart betont, dass baden-württembergische Verfassungsschützer am 25. April 2007 weder an einer „in Heilbronn durchgeführten Observation“ des US-Militärgeheimdienstes teilgenommen hätten noch Zeugen des Mordes an Michèle Kiesewetter gewesen seien.“ (stuttgarter-zeitung)

Aktenvernichtung, Juli 2012

„Einzelheiten zu der Anwerbeoperation könnten jedoch nicht mehr nachvollzogen werden: Die für den Anwerbevorgang angelegte Akte wurde dem Bericht zufolge offenbar im Frühsommer 2012 vernichtet – ein halbes Jahr, nachdem die Polizei die Tatwaffe des Polizistenmordes im Zwickauer Unterschlupf des mutmaßlichen NSU-Trios gefunden hatte.“

„Lediglich ein Fahrtenbuch fand sich im Archiv des Landesamtes für Verfassungsschutz wieder. In dem habe ein Mitarbeiter des Dienstes notiert, er habe Stuttgart erst gegen 15 Uhr in Richtung Heilbronn verlassen. Der Mord auf der Heilbronner Theresienwiese soll nach Ermittlungen der Polizei gegen 14 Uhr verübt worden sein.“ (ebd)

Dem NSU-Untersuchungsausschuss war dieser Sachverhalt bekannt. Die Darstellung wird bezweifelt:

„Armin Schuster (CDU) ist Polizeidirektor außer Dienst und Mitglied im NSU-Untersuchungsausschuss. Ihm kam die Geheimdienstaktion fragwürdig vor. „Das Einzige, an das Sie sich erinnern können, ist dieser vermeintliche Werber, der an dem Tag um 15 Uhr von Stuttgart nach Heilbronn gefahren sein will?“, fragte er den früheren Landesamtspräsidenten Johannes Schmalzl.“(die-stimme)

Von diesen Zweifeln steht jedoch nichts im Abschlussbericht:

„Tatsächlich fuhr ein Mitarbeiter des LfV Baden-Württemberg an diesem Tag nach Heilbronn, die Abfahrt in Stuttgart erfolgte ausweislich seines Fahrtenbuches aber erst um 15 Uhr. (…)
Zu der Presseanfrage nahm das LfV Baden-Württemberg am 28. November 2011 gegenüber dem Innenministerium Baden-Württemberg Stellung. Es legte dar, dass sich am 25. April 2007 ein Mitarbeiter aus dem Arbeitsbereich Werbung zu einem dienstlichen Einsatz im Raum Heilbronn befunden habe. Es sei vorgesehen gewesen, dass dieser eine Zielperson aus dem Phänomenbereich des Islamismus treffe. Zielperson sei aber nicht M. K. gewesen. Der Mitarbeiter sei sich sehr sicher, dass es zu diesem Treffen nicht gekommen sei. Eine detaillierte Rekonstruktion des Einsatzes über etwaig gefertigte Aktenvermerke sei nicht mehr möglich, da die entsprechende Akte zwischenzeitlich vernichtet worden sei. Nach der Erinnerung des Mitarbeiters habe dieser bereits auf der Anfahrt nach Heilbronn Einsatzkräfte der Polizei wahrgenommen. Er gehe daher davon aus, dass die Anfahrt zum Einsatzort erst nach dem Tatzeitpunkt erfolgt sei. Zu den weiteren Fragen des stern lägen keine Erkenntnisse vor.“

3 Gedanken zu „Kiesewetter Mord: Geheimdienst wollte Islamist anwerben!“

  1. Also, der Verfassungsschützer kam erst nach dem Mord in Heilbronn an. Trotzdem kann die Person, die als VP angeworben werden sollte, ja schon vorher dort gewesen sein, das wäre ja zu vermuten. Von daher wäre es also schon interessant um wen es da ging. Und um was. Denn rechtsextrem sind ja auch die Grauen Wölfe, aus deren Reihen der türkische Militärgeheimdienst MIT auf Anregung der CIA Mitglieder für den türkischen Ableger von Gladio rekrutierte. War Kar vielleicht ein Rechtsextremer der Informationen über Islamisten lieferte, die Sauerland-Gruppe ? Als was würde man so jemand führen ? Wohl trotzdem als Rechtsextremen. Da wäre möglich das beides zutrifft.
    Und das ein Verfassungsschützer um 15 Uhr aus Stuttgart abgefahren ist schliesst nicht aus, das weitere Verfassungsschützer involviert gewesen sein können, aus Heilbronn und schon im Vorfeld am beobachten.

  2. Noch eine Nachfrage :
    “ Kar hatte Verbinungen zum US-Geheimdienst CIA und zu der rechtsextremen, türkischen Gruppe “Graue Wölfe”. “
    Gibt es eine Quelle dazu, das mit den grauen Wölfen scheint so eigentlich nur auf ziemlich rechten Seiten als Tatsache durchzugehen…
    Das K. mal für den MIT gearbeitet hatte und mit dem CIA zu tun hatte ist hingegen allgemein bekannt.
    Es mag erstmal schwer vorstellbar sein das K. mit deutschen Nationalisten zusammengearbeitet haben könnte, zumal der NSU ja vor allem auf Personen türkischer Abstammung abgesehen hatte. Allerdings könnte es sehr gut sein das die EWK KKK von Geheimdienstlern ins Leben gerufen wurden.
    Die Konstellation müsste dann so aussehen :
    Mevlüt K.–Geheimdienst–KKK–NSU

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