Henryk M. Broder kritisiert ständige Suche nach Sündenböcken

In einem Video-Beitrag weist Henryk M. Broder darauf hin, dass Politik und Medien ständig Sündenböcke für das Scheitern der Corona-Maßnahmen verantwortlich machen. Es wird der Ausnahmezustand zum Dauerzustand:

“Nehmen wir nun mal jetzt die Wahnsinn-Kampagne gegen die Ungeimpften. Ich meine, die sind an allen Schuld. Die sind die General- und Universal-Sündenböcke, dafür dass die Krankheit nicht ausgerottet werden kann. Lassen Sie uns kurz zurückblicken. Wir wollen uns mal erinnern, wie war das nochmal: Waren nicht schon andere für die Krankheit verantwortlich? Zum Beispiel die Rückkehrer aus Anatolien, die das Virus mitgebracht haben?

Und ganz am Anfang die Touristen in diesem österreichischen Ort namens Ischgl, die dort fest gefeiert haben und dann das Virus mit nach Hause genommen haben. Dann waren es die Jugendlichen, die ihre Parties feierten. Dann waren es auch irgendwelche evangelikalen Gemeinden, wo beim Gottesdienst laut gesungen wurde. Es war immer irgendjemand dafür verantwortlich, irgendeine Gruppe, die sich nicht diszipliniert verhalten hat, die Ausgehverbote missachtet hat.

Tja, das ist so mit den Sündenböcken, irgendeinen Sündenböck muss man immer haben. Und nachdem die klassischen Sündenböcke der abendländischen Geschichte, die Hexen, die Juden, die Homosexuellen als Sündenböcke nicht mehr in Frage kommen, muss man sich eben andere suchen.”

Die Frage, die mich umtreibt ist: Wie ist das möglich? Warum schimpft ein Teil der Bevölkerung auf die Sündenböcke, wenn sie selber, in ihrem eigenen Leben, die Regeln brechen? Ein Grund für die Unterstützung der Corona-Maßnahmen liegt in solchen negativen Emotionen begründet, die ein Teil der Menschen schon vorher in sich getragen hat. Wo führt das alles noch hin?

Aus der Buchverfilmung “1984” gibt es einen Ausschnitt bei youtube zu sehen, “Hasswoche”. Dort schreit eine aufgepeitschte Menschenmasse auf Kommando “den Feind” wutentbrannt nieder, aber nur in einem festgelegten kurzen Zeitraum, unter Aufsicht.

3 Gedanken zu „Henryk M. Broder kritisiert ständige Suche nach Sündenböcken“

  1. Prof. Rüdiger von Kries ist altgedientes Stiko-Mitglied (=seit 1998), Epidemiologe und Jugendmediziner. Er meint:
    Wir müssen die Jugendlichen vor der Politik schützen, nicht vor Covid.

    Die Impfung von Jugendlichen sei „nicht das Entscheidende zum Überleben unserer Republik“. Dass 2G Regeln auch für Jugendliche gelten, kritisiert der Mediziner scharf.
    Wenn die noch ungeimpften Jugendlichen sich „natürlich immunisieren“, werde das „weder das Krankenhaussystem zum Zusammenbrechen bringen, noch würde es den Menschen in größerem Maße Schaden zufügen“. Und weiter: „Ein bisschen Krankheit gehört nunmal zum Leben.“ Eine höhere Impfquote bei Jugendlichen könne nicht der entscheidende Punkt sein „für die Freigabe der Teilnahme am Leben“,
    https://www.berliner-zeitung.de/news/stiko-professor-muessen-jugendliche-vor-der-politik-schuetzen-nicht-vor-covid-li.193970

    Von ganz anderem Kaliber ist Frank Ulrich Montgomery, Chef des Weltärztebundes: Er hatte im Frühjahr (bzw. Spätwinter) wie Karl Lauterbach Triage-Warnungen ausgestoßen, für die es nie belastbaren Zahlen gegeben hatte und die nach wenigen Wochen in der Frühlingssonne dahinschmolzen und als absurdes Geschwurbel entlarvt waren.

    Jüngst bemerkte er, Deutschland erlebe eine „Tyrannei der Ungeimpften“. Der ehemalige Ethikratsvorsitzende Peter Dabrock will der Öffentlichkeit in einem Essay erläutern, warum diese Formulierung zwar scharf, aber in der Sache dennoch zutreffend sei,
    https://www.philomag.de/artikel/tyrannei-der-ungeimpften-zugespitzt-aber-ethisch-richtig

    Der Artikel verlinkt auf einen weiteren vom August 2019 (=hinter der Paywall), in welchem Theologe Dabrock sich mit dem Philosophen Reinhard Merkel zum Thema unterhält:
    „Dürfen wir uns genetisch optimieren?“
    (Einleitung: „Der genetisch optimierte Mensch ist in greifbare Nähe gerückt…“)

    Dabrock weiß also schon, von was er redet – der größten Versuchung, seit es Bill Gates’ Gen-Impfkampagnen gibt.
    Interessant, dass auch ein Theologe „Solidarität“ fordert von Menschen, die er im gleichen Atemzug übel beschimpft und verleumdet.
    „Schädigung, mangelnde Solidarität, egoistisches Freiheitsverständnis verträgt eine Gesellschaft auf Dauer nicht“, meint der Professor für Systematische (bzw. Systemlings-?)Theologie.

    1. Wenn wir in einem Rechtstaat leben würden, müsste Montgomery wegen Volksverhetzung auf die Anklagebank.
      Die Frage ,warum das alles in diesem und auch in anderen Ländern möglich ist, hat Gustave le Bon in seinem Buch schon 1895 beschrieben. Es funktioniert im Jahr 2021 noch genauso.

  2. Der Stadtstaat Singerpor hat eine Impfquote von weit über 80%. Trotzdem gehen die Zahlen durch die Decke. Es sind die Ungeimpften schuld, die Behandlungskosten selber tragen sollen. https://www.worldometers.info/coronavirus/country/singapore/ https://www.welt.de/wirtschaft/plus235028238/Vorbild-Singapur-Oekonomen-bringen-fuer-Deutschland-drastische-Massnahmen-ins-Spiel.html
    Es zeigt mal wieder, dass es nicht um Gesundheit geht, sondern um die Ausweitung von Macht zu Lasten der Bürgerrechte, der Ausnahmezustand wird zum Dauerzustand.

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