Die hohlen Idole der Castingshows

In der kritischen Studie „Hohle Idole“ werden die TV-Sendungen von Bohlen, Klum und Katzenberger durchleuchtet und detailliert analysiert. Der Autor der Studie, Professor Bernd Gäbler, untersuchte, wie die Shows „funktionieren“ und warum sie so viele Jugendliche vor die Fernseher locken. Er warnte vor einem „schädlichen Einfluss“ auf junge Menschen, da dort „substanzielle Fähigkeiten, Teamgeist, Kooperationsbereitschaft (…) eine geringe Rolle [spielen]. Selbstdarstellung, Gehorsam, ja Unterwerfung werden gefeiert, Eigensinn wird bestraft“.

Was Bohlen, Klum und Katzenberger so erfolgreich machtFoto: OBS-Arbeitsheft 72

„Für mich ist Erfolg das Maß aller Dinge.
Erfolg ist geil. Ende der Durchsage … Erfolg macht Spaß!
Lasst euch nichts anderes einreden, denn wie sprach der
Pop-Titan: Hast du Erfolg, hast du Geld, hast du Geld,
hast du Autos, hast du Autos, hast du Frauen.“

Dieter Bohlen
Der Bohlenweg. Planieren statt sanieren,
München 2008, S. 10

Der „heimliche“ Leitsatz der Shows wäre nach Gäbler:

„Du sollst funktionieren! Nicht Entfaltung originellen Eigensinns wird gefördert, das Erlernen substanzieller Kenntnisse und Fähigkeiten, um als Sänger oder Model in der wirklichen Welt agieren zu können, vielmehr folgt alle Selbstdarstellung den konventionellen Leitlinien der medial gewollten Fremdinszenierung. Wer gewinnt, ist eine Marionette.“

Zwar würde auch Bohlen „von Ecken und Kanten“ sprechen, „gar vom Schwimmen gegen den Strom, aber ihm gegenüber soll unbedingt gelten: Eigensinn führt nur in die Irre, Widerstand ist zwecklos.“

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse

„(…)

2. „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) und „Germany’s next Topmodel“ (GNTM) sind Prototypen der Castingshows. Als Sänger oder Models“ führen junge Kandidatinnen und Kandidaten in einem hoch emotionalisierten Ausscheidungswettbewerb einer Jury geforderte Leistungen vor und stellen sich deren Urteil bzw. einem „Voting“ des Publikums. Diese Sendungen bedienen das Motiv, nur die Stärksten würden überleben. Schwache ernten eher Häme als Mitgefühl. Die Shows sind damit ein Spiegelbild gesellschaftlicher Aggressivität.
Dieter Bohlen und Heidi Klum sind die unumstrittenen Autoritäten ihrer Sendungen. Sie bestimmen – oft überraschend willkürlich –, wo es langgeht. Sie sagen, worauf es ankommt. Sie verbreiten die Illusion, von ihnen könne man lernen, wie man berühmt und erfolgreich wird. Die Castingshows tun so, als seien sie Exerzierplätze fürs Leben – Feuertaufen, durch die man hindurchmuss, um dann abgehärtet im Leben zu bestehen.

3. Die Werte, die offen oder versteckt propagiert werden, sind Egoismus und ein schon überwunden geglaubter Sexismus. In dem Gesangswettbewerb werden die Kandidaten redaktionell zu einem bunten Panorama von Stereotypen zurechtgebogen. Im Model-Wettstreit werden junge Frauen in extremer Form reduziert auf ihren Körper. Sie lernen, dass erfolgreich nur sein wird, wer sich anpasst. Insbesondere GNTM erzieht zu Gehorsam. (…)

8. Diese Idole können Vorbilder sein, denen man nacheifert, oder Eigenschaften haben, an
denen man sich reibt. Die Castingshows behaupten, sich der Entwicklung von Persönlichkeiten zu widmen. Die Sprüche von Bohlen, Klums Ideale eines perfekten Äußeren und die Figur Daniela Katzenbergers sind vor allem für ein jugendliches Publikum interessant. Es ist sich unsicher, was die eigene Zukunft betrifft.
Die offiziellen Bildungszertifikate garantieren nicht automatisch einen hohen sozialen Status. Welches Können ist für einen guten Beruf nötig? Fragen der Selbstdarstellung, des Designs, des selbstbewussten Auftretens scheinen oft wichtiger zu sein als substanzielles, fachliches Können oder nachhaltiges Wissen. In diese Verunsicherung hinein wirken die Castingshows mit ihren vermeintlichen Weisheiten fürs Leben.

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