Teil 5) Kiesewetters Zweithandy ist verschwunden

Laut Kiesewetters Mutter hatte ihre Tochter im Tatzeitraum zwei Handys genutzt, ein „Sony Ericsson“1 und ein Nokia-Handy. Ermittler fanden allerdings das Sony Ericsson – Handy (angeblich) nicht.

Im Auswertebericht der Soko-alt steht eine SMS der Mutter, die sie an ihre Tochter am 25. April um 17:35 schrieb: „Hallo Michelle, melde dich bitte sofort bei mir“.Da die Nummer der Mutter nicht im Einzelverbindungsnachweis (EVN) des Providers Telekom steht, ist es unmöglich, dass sie diese SMS an die Telekom-Nummer ihrer Tochter schrieb. Stattdessen dürfte die Mutter die SMS an eine andere Nummer ihre Tochter geschickt haben. Aber wie kommt diese SMS in den Gerätespeicher des anderen Handys? Kopierten unbekannte Personen die SMS aus dem Speicher des Sony Ericsson und verschoben die SMS zum Nokia-Handy?

In den Ermittlungsordnern werden verschiedene Taucheinsätze erwähnt, die erfolglos verlaufen wären. Am 05. April 2011 fragte die Soko-neu einen der beteiligten Polizeitaucher, wann die Unterwasser-Einsätze stattgefunden hätten. Dadurch wird aktenkundig, dass Taucher schon am Tattag und am 26. April das Neckarufer absuchten. Am 30. April tauchten sie in einem See im Wertwiesenpark.2 Sie fanden ein Sony Ericsson. Die Soko-alt bewertete es als nicht tatrelevant, weil es „schon seit längerer Zeit im See lag“3. Daher kam es zu keiner Auswertung.

Der LKA-Ermittler Klaus B. erwähnte während seiner Vernehmung im Bundestag eine Zeugenaussage, die den Grund der Taucheinsätze aufhellt: Ein Zeuge beobachtete, wie ein verdächtiger Mann, der zum Neckarufer da reingesprungen ist“, ein Handy „am Ufer“ wegwarf. Das Handy wurde auch gefunden worden, wäre jedoch nicht tatrelevant gewesen.4

Hatte Sony Ericsson – Handy eine Nummer des Providers O2?

Die Soko-Ermittlerin Sabine R. betonte, dass es bei der Handyauswertung nichts gab, „was irgendwie auffällig war.“5 Ihre Aussage ist unverständlich. Der Soko-neu lagen sogar Rechnungen des verschwundenen O2-Zweithandys vor. Die Rechnungen beweisen, dass Kiesewetter neben der Telekom-Handynummer noch eine O2-Nummer hatte. Sabine R. befragte am 16. Dezember 2010 die damalige WG-Partnerin Yvonne M. und erwähnte explizit das O2-Handy Kiesewetters. Es fehlt die Rechnung für April 2007. Sie fragte, wem Yvonne M. die Rechnung gegeben hätte.6 Während der Befragung von Nicole K. erwähnte der Ausschuss-Vorsitzende Wolfgang Drexler, dass „Kriminalhauptkommissar T. anlässlich eines Besuchs in Oberweißbach noch weitere Unterlagen, nämlich Einzelverbindungsnachweise, Verträge und Rechnungen, sichergestellt“ hätte. Bei Erwähnung der O2-Rufnummer reagierte Nicole K. mit Heiterkeit.7 Auch diese Ermittlerin konnte oder wollte nichts dazu beitragen, den Sachverhalt aufzuklären: „Ja, aber ich kann Ihnen nicht beantworten, weshalb die Frau K. mehrere Telefone gleichzeitig hatte.“

Nutzte Kiesewetter zwei Handys zur Tatzeit? Hatte das Nokia-Handy eine t-mobile Nummer, das Sony Ericsson – Handy eine O2-Nummer?

1O. 6, S. 188, A. a. 19.10.10

2Vgl. O. 11, S. 411

3O. 3, S. 565, Vermerk vom 03.05.07

4Vgl. Bundestag, NSU-UA, Anlage 19, 35. Sitzung, 20.10.16, S. 110: „Weniger. Also, das Einzige, was gewesen wäre: dass der eine, der zum Neckarufer da reingesprungen ist, vielleicht dann da unten irgendwas da reingeschmissen hat am Ufer; aber ansonsten gab es nichts Spezielles. Also, wie gesagt, auch direkt nach der Tat ist getaucht worden. Da gibt es eine Spur, dass einer ein Handy ins Wasser geworfen hat. Das hat jemand beobachtet. Da ist danach getaucht worden. Das hat man auch gefunden, glaube ich, sogar. (…) Monika Lazar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Und auch bei wiederholtem Tauchen ist da nichts Tatrelevantes, auch nach Jahren nichts, gefunden worden? Zeuge Klaus B.: Nein.“

5Landtag Baden-Württemberg, NSU-UA, 31. Sitzung, 26.10.15, S. 155: „Also, auffällig im Jahr 2007 war jetzt da nichts. (…) Auffällig war, im Nachhinein betrachtet, zumindest in Richtung jetzt Täterschaft gar nichts. Also, wir hatten da gar nichts, was irgendwie auffällig war.“

6O. 11, S. 140, A. a. 16.12.10: „Uns liegen die Einzelgesprächsnachweise eures gemeinsamen Festapparates und des Handys von Michèle vor (02-Handyvertrag mit homezone Festnetznummer). Allerdings fehlen hier Unterlagen für den April 2007. Möglicherweiese sind diese nach der Tat mit der Post gekommen. Hast du diese noch? Kam sonst irgendwelche Post für Michèle nach der Tat bzw. nach der Besichtigung? Wem hast du diese Post gegeben?“

7Landtag Baden-Württemberg, 37. Sitzung, 07.12.15, S. 60: „(Heiterkeit bei Zeugin)“

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