Nachdenkseiten loben Regierungsmaßnahmen bei Coronakrise

Gestern veröffentlichte Jens Berger in den „Nachdenkseiten“ den Artikel „Der Blindflug durch den Lockdown setzt sich fort“. Dort lobt Berger indirekt den Lockdown der Regierung, dadurch hätte sich die Zahl der Neuinfektionen abgeschwächt.

„So nimmt die Zahl der vom RKI angegebenen Neuinfektionen seit dem 18. März – also seit gut einem Monat – ab. Zur Einordnung: Am 9. März wurden in vielen Bundesländern Veranstaltungen über 1.000 Teilnehmer untersagt. Am 16. März verständigten sich Bund und Länder zu gemeinsamen Leitlinien gegen die Ausbreitung; der Beginn des Lockdowns.“ Jens Berger

Begann Rückgang der Fallzahlen bereits vor dem Kontaktverbot?

Jens Berger wählt als zeitliche Bezugsgröße den 09. und 16. März, um den Zusammenhang zu fallenden Fallzahlen herzustellen. Die wirklich große Einschränkung, der Kontaktverbot, galt aber erst ab dem 23. März! Davor wurden am 09. und 16. März nur „kleinere“ Einschränkungen erlassen, etwa am 09. März die Schulschließungen, am 16. März etwa, dass Gaststätten nur von 06:00 bis 18:00 geöffnet haben dürfen.

Die Wahrheit, die Jens Berger damit umschiffte, ist: Die Regierung hätte sich die Kontaktsperre sparen können. Sie hatte keinerlei Wirkung. Zu diesem Ergebnis kam auch der Finanzwissenschaftler Prof. Homburg. Ab dem 10. März steckte ein Infizierter weniger als einen Menschen an. In einem youtube-Interview sagte er:

Die Reproduktionszahl 1, die die Kanzlerin als Erfolg des Lockdown präsentiert, war schon 2 Tage vor den Maßnahmen des 23.3.2020 erreicht. „Der Lockdown hat überhaupt keine Auswirkungen auf die Verbreitung des Virus“, so der ehemalige Regierungsberater von Kanzler Schröder.“

Völlig unverständlich ist daher, warum die Kontaktsperre jetzt trotzdem weitergeführt wird.

Laut dem Robert Koch Institut würde sich der Coronavirus im Durchschnitt 5-6 Tage im Körper unbemerkt entwickeln, bis der Infizierte krank wird. Das würde heißen, dass nicht „nur“ die Kontaksperre sondern auch die Maßnahmen vom 16. März unwirksam waren!

Der Journalist Paul Schreyer geht auf dieses Argument vertiefend ein. Auf seiner Internetseite „Multipolar“ steht im Artikel „Coronavirus: Regierung ignoriert grundlegende Daten“ am 06. April:

„Laut offizieller Interpretation lässt sich an der aktuellen Stabilisierung der täglichen Fallzahlen ablesen, dass „die Maßnahmen wirken“ würden. Doch das ist mehr als zweifelhaft. Die Schulschließungen sind seit Kalenderwoche 12 [16.03] in Kraft, die Kontaktsperre seit KW 13 [23.03]. Eine Wirkung von Maßnahmen ist laut RKI aber erst nach 2 bis 3 Wochen erkennbar, wegen der Inkubationszeit und dem Zeitverzug zwischen Erkrankung und Eingang der Meldung beim RKI. Daher dürften erste messbare Wirkungen frühestens in KW 14 [30.03], eher aber in KW 15 bis 16 [06.04. bis 13.04] erkennbar sein. Die Fallzahlen stagnieren jedoch schon seit KW 13 [23.03], ausgelöst durch einen langsamer werdenden Anstieg der Anzahl der Tests (KW 11: 127.000 Tests, KW 12: 348.000 Tests, KW 13: 354.000 Tests).

Die behauptete Kausalität ist somit nicht schlüssig. Was sich tatsächlich nachweisen lässt, ist ein massiver Rückgang ALLER Atemwegserkrankungen seit KW 10 [02.03-08.03], wie folgende RKI-Grafik zeigt:“ Paul Schreyer

2 Gedanken zu „Nachdenkseiten loben Regierungsmaßnahmen bei Coronakrise“

  1. Die letztgenannte RKI-Grafik (steiles Abfallen der Gesamtzahl von akut Atemwegserkrankten ab Anfang März) hatten wir hier schon eine Woche vor Paul Schreyer behandelt:
    http://friedensblick.de/30014/robert-koch-institut-veraendert-zaehlweise-von-corona-infizierten/#comment-9567

    Das bereits damals erwartbare Eigenlob der Politiker ist jetzt eingetreten – sie „adoptieren“ einfach eine Entwicklung, die schon vor ihren tollen Maßnahmen begonnen hatte und die jetzt als kausale Folge ihrer quasi „maßgeschneiderten“ Politiker-Maßnahmen ausgegeben wird.

    Jens Berger liest halt nicht bei Paul Schreyer oder beim Friedensblick – aber immerhin bemerkt und kritisiert er die kopflos-verengte Zahlen-Sicht von RKI und Panik-Politikern, die so tun als sei die pubkikumswirksame Anzahl der positiv Getesteten irgendwie repräsentativ, während sie sich alle Zeit der Welt lassen für eine wirklich brauchbare „bundesweite bevölkerungsrepräsentative seroepidemiologische Studie“, die schon vor Wochen veranlasst hätte werden müssen, aber „erst Mitte Mai beginnen und erst im Juni erste Ergebnisse liefern soll“.

    Er knüpft hierbei vermutlich an die Mitteilungen eines ausgewiesenen Experten an:
    Schon am 3. April hatte Gerd Bosbach, emeritierter Professor für Statistik und Mathematik, im Nachdenkseiten-Interview beim Teil-Thema fehlende Erhebungen zum Stand der „Durchseuchung“ der Bevölkerung auf langjährige Erkenntnisse der Wahlforschung hingewiesen:
    Nämlich, „dass sich schon bei 2.000 Teilnehmern recht zuverlässige, also repräsentative einfache Ergebnisse – wie der Anteil der Infizierten oder der Anteil der wirklich Kranken – erzielen lassen. Mit 12.000 Teilnehmern könnte auch schon differenziert ausgewertet werden, zum Beispiel nach Alter und Geschlecht.
    Bei regelmäßiger Wiederholung bekämen wir auch die Entwicklung gut mit. Repräsentatives Testen ist keine große Kunst, beim Mikrozensus macht das das Statistische Bundesamt jedes Jahr. Warum hat man das nicht längst gemacht? Begründet wurde das bisher immer damit, dass zu wenige Tests verfügbar wären. Nun erfolgten laut RKI in der 13. Kalenderwoche 350.000 Tests. Wieso sollte es nicht möglich sein, mehrere Tausend davon abzuzweigen, um endlich mit sauberen Daten zielgenau zu entscheiden?“
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=59903

    Schnellstmöglich repräsentative Zahlen ermitteln, um sachlich fundierte Entscheidungen treffen zu können – das war laut dieses Statistik-Experten sowohl nötig als auch (ohne Risen-Aufwand) mögich und hätte eigentlich quasi eine sofort anlaufende Routine-Maßnahme sein können und müssen. Also alles andere als eine geniale Idee, auf die nur besonders geniale Menschen kommen; die Ausrede „Hinterher ist man immer schlauer“ zählt daher nicht. Somit scheint es sich um eine Frage des (Nicht-Wissen-)Wollens unserer Entscheidungsträger zu handeln – um damit um eine hochpolitische Frage.

    Jens Berger ist Experte für Politik und Wirtschaft (samt deren – oft genug korrupte – Verflechtungen); im Sinne einer größtmöglichen Wirksamkeit macht es daher durchaus Sinn, wenn er sich auf die Teilfrage „Politisches Versagen und dessen Gründe“ beschränkt. Würde er im gleichen Beitrag die zweite Frage „Killervirus oder nicht“ thematisieren, könnten seine Gegner sich an dieser zweiten Frage und Bergers Nicht-Expertentum festbeißen – und völlig von Frage 1 ablenken.

    Wichtig ist nur, dass sich bei Bergers (Zwischen-)Resümee alle kritischen Geister wiederfinden: „Besser als ein Auf-Sicht-Fahren im Nebel wäre es jedoch, den Nebel zu vertreiben.“

    Der Nebel besteht selbstverständlich nicht nur in wenig bis gar nicht repräsentativen RKI- (und Johns-Hopkins-)Zahlen und dem (wirklich nur?) „blinden“ Dran-Klammern der Politiker.

    Fragen zur aufgebauschten Gefährlichkeit eines Virus, der die standarmäßig immunschwachen Kinder verschont und daher auch bei „sterbenahen Risikogruppen“ evtl. nur einen Schein-Angriff hinlegt, also mehr Sündenbock-Virus ist denn Killer-Virus und mehr Panikfolgen-Tote verursacht als Virus-Tote:

    Dafür gibt es separate Experten, z.B. den Hamburger Rechtsmediziner Prof. Püschel, der die dubiose RKI-„Empfehlung“, doch bitte keine Obduktionen zu machen, tatkräftig und mit Rückendeckung seiner Landesverwaltung zur Seite geschoben hatte und dabei erwartungsgemäß auf Wahrheiten stieß, für die das RKI schon die ganze Zeit über ein auffälliges Desinteresse gezeigt hatte – beim Thema, wieviel von den „mit“ Corona Gestorbenen denn wirklich auch „an“ Corona starben.

    Prof. Püschel (selber bereits TV-erfahren) und seine ggf. medien-versierten Mitstreiter können kompetenter als ein Jens Berger den Finger in diese zweite Wunde legen – jeder eben in seinem Fachgebiet; Arbeitsteilung ist Trumpf.

  2. Die Kontaktsperren/ Massenquarantänen waren anfänglich aus Sicht der Regierungen sicher richtig. Es ist erstaunlich dass das nicht offen von allen eingeräumt wird. Die weitere Entwicklung war damals vor dem Hintergrund der Szenarien in Spanien und Italien nicht einschätzbar. Und die Regierungen sind auf Experten angwiesen und wenn diese Experten zu diesem oder jenem raten, ist eine Regierung in Unkenntnis eigenem Spezialwissens förmlich gezwungen, diesen Ratschlägen auch dann zu folgen, wenn sie falsch sind. Interessanter Beitrag heute dazu von Thierry Meyssan

    https://www.voltairenet.org/article209751.html

    Allerdings ist 4 Wochen später für jeden klar, dass der Lockdown für Deutschland sofort aufzuheben ist. Selbst die absoluten Zahlen sprechen ganz klar dafür

    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/156902/umfrage/sterbefaelle-in-deutschland/

    Die Sterbefälle in Deutschland sind in keiner Weise erhöht. Es sei mal dahingestellt, ob es eine zweite Welle der Infektion mit einem mutierten Virus geben wird, welche auch Deutschland hart trifft. Jedenfalls ergreift die deutsche Regierung keine nachhaltigen Maßnahmen dagegen, geht also selbst nicht davon aus, dass von den Mutationen des Virus oder dem heutigen Typ derzeit oder später noch irgendeine ernsthafte Gefahr ausgeht.

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