Es sterben in Italien nicht mehr Menschen, als in den Jahren zuvor

Vor ein paar Tagen gab Dr. Wolfgang Wodarg der „Wissensmanufaktur“ (youtube) ein Interview. Er wies dort auf die statistisch belegte mangelnde „Übersterblichkeit“ in China oder Italien hin. Es sterben heute nicht mehr Menschen, als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr:

“ (…) und man kann es auch ablesen an den Todesfällen. (…) Und es stimmt die Grippe ist gefährlich, egal welche der Viren uns da angreifen. Jedes Jahr (…) sterben mehr Menschen in der Grippesaison als zum Beispiel im Sommer. Da gibt es jedesmal so eine Welle und diese Übersterblichkeit, die ist in diesem Jahr nicht größer als in anderen Jahren zuvor, auch wenn man guckt, wie sieht es aus in China. Sieht man nicht mehr Fälle, obwohl in China ja Alarm geschlagen wurde, da ist nicht mehr passiert und in Italien, wo man jetzt so großen Lärm macht, auch da ist die Sterblichkeit in der vorherigen Woche und in der Woche davor nicht höher gewesen, eher niedriger noch, als in den Vorjahren.“

Dies bestätigte auch die Organisation „European Monitoring of excess Mortality“ (Euro Momo). Bis zur 11. Woche dieses Jahres wurde eine „(…) steigende Sterblichkeit (…) nicht beobachtet (…).“ Auch bei der Sterblichkeit in Italien ist anhand der Grafen keine ungewöhnliche Aufwärtsbewegung im Vergleich zu den Vorjahren ersichtlich, siehe https://www.euromomo.eu/outputs/zscore_country_total.html

„Therefore, although increased mortality is currently not being observed in the EuroMOMO figures, this does not mean that increased mortality does not occur in some areas or in some age groups, including mortality related to COVID-19.“ (Euro Momo)

Dr. Wodarg geht auf seiner Internetseite auf die Fragen verunsicherter Bürger detailliert ein, https://www.wodarg.com/fragen-und-antworten-zu-corona-virus-covid-19/

7 Gedanken zu „Es sterben in Italien nicht mehr Menschen, als in den Jahren zuvor“

  1. Italien ist momentan nur regional betroffen. Solange das so bleibt, wird es in der Gesamtstatistik der Todesfälle kaum Auffälligkeiten geben. Hoffen wir, dass das so bleibt. Sollte sich die Krankheit mit dieser Wucht allerdings auf ganz Italien ausbreiten, dann wird man das Ansteigen der Todesfälle im bisher auf EuroMomo gewählten Maßstab nicht mehr darstellen können. Es werden dann auch keineswegs nur die älteren Jahrgänge sterben.

    In China hat man sofort die Reißleine gezogen und hart durchgegriffen. Man war durch SARS gewarnt und hatte die Pläne zum Neubau prov. Krankenhäuser und zur Einleitung von Notfallmaßnahmen in der Schublade. Auch in anderen asiatischen Staaten hatte man mit SARS Erfahrung aus früheren Jahren.

    Letztlich kann ich nur immer wieder darauf hinweisen, dass COVID-19 in der Tat für sich genommen keine besondere Gefahr darstellt. Die Gefahr liegt im Zusammenbruch der medizinischen Versorgung für die Geamtbevölkerung, weil in sehr kurzer Zeit eine hohe Anzahl von Patienten anfällt, welche intensivmedizinisch therapiert werden müssen. Und dieser Punkt kommt mir bei Dr. Wodarg einfach zu kurz.

    Bleibt zu hoffen, dass die Europäer die Kurve noch kriegen. Meiner Meinung nach ist es dafür bereits zu spät, aber hoffentlich irre ich mich da.

  2. Die Mehrheit der Menschen sind flüchtige Nachrichten-Konsumenten, die aktuell von widersprüchlichen Meldungen verunsichert werden: Ist das neue Coronavirus nun etwas „Mildes“, was 80% (und vor allem die doch immunschwachen Kleinen!) kaum spüren?

    Oder handelt es sich um eine massenhaft auftretende „neue Lungenkrankheit“, wie immer wieder mal sehr pauschal berichtet wird (und fast klingt wie Lungenpest)?
    Letzteres scheint sich eindrucksvoll zu bestätigen durch gespenstische TV-Bilder aus Italien mit nächtlichen Kolonnen von Militärfahrzeugen, die, wie man uns sagt, Leichen aus völlig überlasteten Krankenhäusern abtransportieren.

    Daher zunächst mal Grundlegendes zur Lungenentzündung:
    „In Deutschland erkranken jährlich 350.000 bis 500.000 Menschen an einer ambulanten – außerhalb eines Krankenhauses erworbenen – Pneumonie. Lungenentzündungen treten vor allem im Herbst und Winter auf und treffen oft ältere Menschen mit chronischen Erkrankungen.
    Besonders gefährlich ist eine Lungenentzündung, wenn sie im Krankenhaus ein Patient erwirbt, der bereits durch Vorerkrankungen geschwächt ist: Neben Pneumokokken befallen dort vielfach andere Erreger, wie Pseudomonas, Staphylokokken oder Pilze, die Lunge.
    In Westeuropa ist die Lungenentzündung unter allen Infektionskrankheiten die häufigste Todesursache. Weltweit sterben Schätzungen zufolge jährlich etwa drei bis vier Millionen Menschen daran.“
    https://www.lungeninformationsdienst.de/krankheiten/lungenentzuendung/verbreitung/index.html

    Die Hauptinfektionskrankheit (unter dem Aspekt Tödlichkeit) ist also nicht nur in einzelnen schlimmen Jahren anzutreffen, sondern unser ständiger Begleiter. Sie hat nicht den einen gruseligen Erreger, sondern derer viele. Sie hat und hatte aber schon immer eine Hauptzielgruppe: die geschwächten Alten.

    Zu der in diesem Link kurz angerissenen Krankenhaushygiene lieferte das Robert-Koch-Institut ganz unaufgeregt hohe Zahlen: Jährlich sind in Deutschland „bis zu 20.000 Tote durch Krankenhausinfektionen“ zu erwarten,
    https://www.tagesschau.de/inland/infektionen-101.html

    Dieser Bericht kam noch kurz vor dem Corona-Ausbruch in China, beschreibt aber ein seit vielen Jahren bekanntes und ärgerliches, aber medial und politisch vernachlässigtes Thema. Denn 20.000 Tote sind kein Pappenstiel, sondern entsprechen zahlenmäßig einer schweren Grippewelle (und auch das jährlich, nicht wie bei der Grippe nur alle paar Jahre).

    Und schließlich reden wir hier nicht von mehreren separaten Baustellen, sondern es trifft wiederum hauptsächlich die geschwächten Alten, die neben ihrer hohen, unvermeidbar-natürlichen (ambulanten) Infektions-Anfälligkeit auch noch die vermeidbare Krankenhaus-Unhygiene ertragen müssen.

    Wenn die Welt nicht gerade im Panik-Modus ist, kann eine Lungenentzündung trotz heftiger Beschwerden und häufigen Arztbesuchen auch leicht mal übersehen werden. Eine in meinem Haus wohnende Rentnerin litt vor Jahren monatelang an einer „hartnäckigen Erkältung“, bevor den Weißkitteln endlich ein Licht aufging. Sie hat diese Lungenentzündung überlebt – anders als im gleichen Winter mehrere Rentner in einer einzigen Straße einer etwas weiter entfernten deutschen Stadt, wie mir ein dort wohnender Bekannter erzählte.
    Ich hatte mich damals noch gewundert, warum von einer Lungenentzündungs-Welle nichts in den Medien zu lesen war.

    Während diese verstorbenen Rentner vermutlich aus Arglosigkeit nicht im Krankenhaus waren (oder erst als es ganz dramatisch wurde) , hat Italien zwei menschengemachte und damit vermeidbar gewesene Probleme: zum einen die viel zu wenigen Krankenhausbetten, was bei uns so zum Glück nicht zutrifft, auch wenn neoliberale Ideologen dahingende Wunschträume hatten (und noch haben?).

    Zum anderen – und das verbindet sie mit uns und vielen anderen Ländern – eine Ansteckungspanik, die zum Selbstläufer werden kann. Da auch medizinisches Personal überleben will, sind die Praxen vieler ambulanter Ärzte nicht mehr überfüllt wie in anderen (Grippe-)Jahren, sondern nur noch verkürzt geöffnet sowie „für Infektionsträger gesperrt“ – die dann in ihrer Not auf Krankenhäuser (Notaufnahme etc.) ausweichen, was in Italien in Verbindung mit Problem Nr. 1 unweigerlich zu den bekannten Folgen führt.

    Dass wir Deutschen aus so einer Panik-Schleife besser herauskämen, kann man angesichts der bescheuerten Klopapier-Panik ausschließen. Denn obwohl genug produziert wird und auf Lager ist, obwohl nicht mehr geschissen wird (es geht ja keine Durchfallgrippe um) und obwohl Paniker seit zwei Wochen hamstern, was das Zeug hält und ihre Vorratskeller vermutlich bald platzen werden: Die Regale sind kurz nach dem Auffüllen wieder leer.

    An der Mangel-Panik kann man die Völker erkennen: Die Italiener stehen aktuell an für Krankenhausbetten, die Deutschen für Klopapier und die Amerikaner für Schusswaffen.

  3. Über 99% der am Virus Gestorbenen hatten (auch? oder ausschließlich?) andere Krankheiten, verlautet die italienische Nationale Gesundheitsbehörde (Istituto Superiore di Sanità) in einer jetzt drei Tage alten Pressemeldung:
    https://www.bloomberg.com/news/articles/2020-03-18/99-of-those-who-died-from-virus-had-other-illness-italy-says

    Eine Grafik schlüsselt auf: 0,8 % hatten keine andere Krankheit, jeweils ca. 25% hatte eine bzw. zwei und 48,5% hatten drei oder mehr andere Krankheiten.

    Das Durchschnittsalter der Gestorbenen lag bei 79,5 Jahren (der ebenfalls erwähnte Median von 63 Jahren ist in diesem Zusammenhang nicht aussagekräftig, eher die folgende Zahl: bis zum 17. März starben 17 Menschen unter 50 Jahren).

    Alle italienischen Opfer unter 40 Jahren waren männlich und hatten ernsthafte Vorbelastungen. (Zusätzlich zu den Kindern gibt es also auch für Schwangere Entwarnung!)

    Eine weitere Studie wird erwähnt, die für Italien von einer viel größere Anzahl von Infizierten ausgeht, so dass die prozentuale Sterblichkeit gar nicht so viel größer ist als in anderen Ländern. Das war zwar schon lange zu erwarten, aber halt nicht von unserer (angeblich seriösen und alles so akribisch hinterfragenden) Mainstream-Presse.

    Zu den ersten Ländern außerhalb Chinas, in denen das Corona-Virus auftauchte, zählt Japan.
    Überall ging es ganz klein los, aber dort wundert man sich inzwischen, wo eigentlich der große Ausbruch bleibt.
    Experten rätseln, warum es unter den entwickelten Ländern immer noch eines der am wenigsten betroffenen ist.
    Ganz anders als in China hatte man nämlich auf Quarantäne und Schul-Schließungen verzichtet. Die Pendlerzüge Tokios sind immer noch voll und die Restaurants offen.
    https://www.japantimes.co.jp/news/2020/03/20/national/coronavirus-explosion-expected-japan/

    1. Dort steht, dass Japan ganz einfach viel weniger testet und deshalb die Krankenhäuser nicht überlastet sind. In der gleichen Zeit prognostiziert ein WHO-naher Professor in London eine baldige Explosion der Corona-Toten in Japan.

      „Kenji Shibuya, a professor at King’s College London and a former chief of health policy at the World Health Organization, sees two possibilities: that Japan has contained the spread by focusing on outbreak clusters, or that there are outbreaks yet to be found.

      “Both are reasonable, but my guess is that Japan is about to see the explosion and will inevitably shift from containment to delay-the-peak phase very soon,” he said. “The number of tests is increasing, but not enough.”

    2. Während Europa nicht so rigoros wie China sein will, aber doch den Menschen dazu rät, das Haus möglichst nicht mehr zu verlassen, zeigt Chinas Nachbar Südkorea „Alternativen : Wie Südkorea das Coronavirus ohne Ausgangssperre eindämmt“.

      „Und das, obwohl es dichter besiedelt ist als Deutschland. Viel wichtiger noch: Südkorea ist im Gegensatz zu China wie Deutschland eine Demokratie – und musste bislang nie eine Ausgangssperre verhängen. Im Gegenteil: ,Wir finden, dass ein Lockdown keine vernünftige Lösung ist‘, sagte Kim Woo-Joo, ein Virologe der Korea University, dem Wissenschaftsmagazin ,Science‘. Südkorea verzichtet weitgehend auf Freiheitsentzug der Bürgerinnen und Bürger. Zwar sind Schulen geschlossen, Restaurants, Geschäfte und Shopping Malls aber blieben weiter geöffnet, ein Ausgangsverbot für die Bevölkerung gibt es bislang nicht.“
      https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/wie-suedkorea-das-coronavirus-ohne-ausgangssperre-eindaemmt-li.79353

      Südkorea entwickelte schon Tests, als das Virus im Land noch kaum ausgebrochen war. Nun werden dort etwa 84.000 Menschen pro Woche getestet – im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung fast drei Mal so viele wie in Deutschland.
      Und anders als Deutschland testet Südkorea dabei nicht nur Menschen mit Symptomen, sondern die breite Masse – während mmer mehr Deutsche selbst bei Symptomen keine Chance auf Tests haben.

      Fällt in Südkorea ein Test positiv aus, kommen alle Kontaktpersonen des Betroffenen gezielt unter Quarantäne – Vorteil dieser Methode: Südkorea erkennt so möglichst früh möglichst viele der noch symptomfreien Infektions-Fälle.

      Per App, also „mit ausgeklügelter Digitaltechnik – und massiven Einriffen in den Datenschutz“ werden Infos (über Infektionsketten etc.) an die Bevölkerung gegeben.

      Ein Schlenker zu Japans Erfolgsgeheimnis ergänzt den Artikel:
      „Getestet wird, anders als in Südkorea, nur bei schweren Symptomen. Doch Social Distancing gehört in Japan zur Kultur. Statt sich zur Begrüßung die Hände zu schütteln, verneigt man sich. Ein konsequentes Hygienebewusstsein wird schon Kindern gelehrt, ist man erkältet, gehört das Tragen von Mundschutzmasken zur Höflichkeit dazu. “

  4. Natürlich sterben in den betroffenen Regionen erheblich mehr Menschen als in den Vorjahren. Wie schon gesagt fällt das statistisch für Gesamtitalien (noch) nicht ins Gewicht. Zitat,

    „Für viele Patienten kommt die Hilfe zu spät – sie überleben die Infektion mit dem Coronavirus trotz künstlicher Beatmung nicht. In Bergamo sind allein in den letzten fünf Tagen 300 Menschen an Covid-19 verstorben. Die Zahl der Todesfälle pro Kopf der Bevölkerung ist auf das Zehnfache des Vorjahrs gestiegen.“ Zitat Ende

    https://www.rnd.de/panorama/rnd-report-aus-italien-corona-horror-in-bergamo-bald-auch-in-mailand-4Z4IRS7XHJDNZAUV445S6VFWEU.html

    Dr. Wodarg behauptet also falsche Tatsachen.

    Richtigerweise steht dieser Blog unter dem Motto: „Jeder Mensch ist gleich wertvoll“. Demzufolge ist es auch bedeutungslos, ob vorwiegend alte Menschen mit Vorerkrankungen sterben. Die Gesellschaft hat die Pflicht alles zu tun, um jeden Menschen zu retten. Ansonsten braucht man zukünftig auch keine Jugendlichen mehr zu retten, welche sich leichtsinnig selbst in Lebensgefahr gebracht haben. Der Verweis darauf, dass hier Menschen qualvoll ersticken, welche sowieso bald gestorben wären, öffnet gedanklich einen menschenverachtenden Abgrund.

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