Teil 4) Wo liegt die wirkliche Gefahr der Target2-Ungleichgewichte?

Die deutsche Bundesbank hat eine Forderung über 1 Billion Euro an die anderen Zentralbanken der Euro-Länder, davon Italien von über 400 Mrd. Euro.

Obwohl Italien in den letzten Jahren kein Leistungsbilanz-Defizit mehr hat, also mehr exportiert als importiert, leihen deutsche Geschäftsbanken dem überschuldeten Land weiterhin Geld. Wertpapiere aus Italien bieten mehr Rendite, Zinsen als Wertpapiere aus Deutschland.

Angenommen Italien würde den Staatsbankrott erklären, dann könnte es das geliehene Geld nicht zurückzahlen. Die deutschen Geschäftsbanken wären damit gleichfalls von der Pleite bedroht und damit die ihnen anvertrauten Gelder. Falls die Bundesregierung die Banken rettet, dann würden die Länder miteinander „abrechnen“. Am Ende könnte der maximale deutsche Verlust die Höhe der Target2-Forderung stehen, also über 400 Mrd. Euro.

Ein Großteil des verliehenen Geldes ist jedoch längst wieder in Deutschland im Umlauf, entweder weil vermögende Italiener ihr Geld dorthin überwiesen, Grund- und Boden in Deutschland kauften, oder weil deutsche Produkte gekauft und nach Italien importiert wurden. 

Im Fall der Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands zu Italiens, die sich vor allem zwischen 2008 und 2012 angesammelt haben, erhielten die deutschen Exportunternehmen ihr Geld immer. Die deutsche Bundesbank kann das Geld schlecht von ihnen zurückverlangen, wenn sie ihre Forderung an die italienische Zentralbank nicht durchsetzen kann!

Wie verhält es sich zu den Kapitalexporteuren? Angesichts der „Lösung“ der Finanzkrise 2008 kann kein Zweifel bestehen, dass die Bundesregierung die Banken wieder retten wird, auf Kosten erhöhter Staatsverschuldung. Die Bundesregierung dürfte die Geschäftsbanken wieder retten, indem die 400 Mrd. Euro aus der Staatskasse aufgebracht werden würden.

Das Problem dabei ist jedoch, dass diese 400 Mrd. Euro bereits großteils in Deutschland im Umlauf sind. Wenn nach einer Bankenrettung die Geschäftsbanken ihre Gläubiger auszahlen, würde das Geld diesmal in Deutschland bleiben (sicherer Hafen), so würde sich sowohl die Bargeldmenge wie auch die Sichtguthaben (M0) gefährlich aufblähen. Vor dem gleichen Problem würde Deutschland bei einer Staatspleite der USA stehen. Einerseits leiht Deutschland den USA Geld (Kapitalexport), andererseits kauft sich die USA damit Güter in Deutschland ein. Das Geld fließt also zum Teil wieder zurück, nur eben zu einer anderer „Person“.

Eine Inflationierung der Geldmenge würde mit einer Erhöhung der Leitzinsen und einer restriktiven Geldpolitik beantwortet werden. Darunter und unter einem stärkeren Euro (da Italien aus der gemeinsamen Währung aussteigen würde) dürfte die deutsche Realwirtschaft massiv leiden.

Es kann nur gehofft werden, dass ein vernünftiger Weg für die südländischen Länder (auch für die USA) aus der Schuldenfalle heraus gefunden werden kann. Ansonsten kommt irgendwann das aufgezeigte Schreckens-Szenarium auf uns zu.

Ein Gedanke zu „Teil 4) Wo liegt die wirkliche Gefahr der Target2-Ungleichgewichte?“

  1. „Angenommen Italien würde den Staatsbankrott erklären, dann könnte es das geliehene Geld nicht zurückzahlen. Die deutschen Geschäftsbanken wären damit gleichfalls von der Pleite bedroht und damit die ihnen anvertrauten Gelder“

    Staatsbankrott oder Individualbankrott unterscheiden sich im Prinzip nur dadurch, daß der Staat viel länger per Krediten (woher auch immer) am Leben erhalten wird und sich viel höher verschulden kann ( u.a. auch weil es keine Besicherungspflicht für Staatsschulden gibt).
    Klar sollte sein, daß das Schuldenniveau der westlichen Industriestaaten (insbesondere das der USA) ein Ausmaß erreicht hat, wo es es unweigerlich zum crash kommen muß.

    https://www.youtube.com/watch?v=SSBqeOLs_ds

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