Teil 3) So könnte das Problem der Target2-Ungleichheiten gelöst werden

Den Diskussionen um Target2 liegt ein Machtkampf zwischen Realwirtschaft und Finanzwirtschaft zugrunde. Der Kampf spielt sich innerhalb der sogenannten „Krisenländer“ und „Erfolgsgeschichten“ im Euroraum ab. Die europäische Zentralbank (EZB) bevorzugt mit ihrer Null-Zins-Politik seit 2012 die Realwirtschaft gegenüber den Finanzhaien. Damit rettete sie die gemeinsame Währung, da ansonsten die Schulden für die Krisenstaaten nicht mehr tragfähig gewesen wären. Im Zuge von Staats- und Bankenpleiten wären deutsche Kapitalkredite an die überschuldeten Staaten zu Totalverlusten geworden, was EZB-Kritiker gerne übersehen.

Wie entwickelte sich Italien wirtschaftlich in den letzten 10 Jahren?

Die Leistungsbilanz ist seit 2012 positiv, es wird seitdem wesentlich mehr ex- als importiert, dies wird von der steigenden Wettbewerbsfähigkeit Italiens bestätigt.  Die Industrieproduktion befindet sich jedoch auf dem gleichen Niveau wie vor dem Krisenjahr 2008, dies spiegelt sich in einer leicht gefallenen Energieerzeugung wieder.

Das Problem Italiens liegt im Inland und es heißt Überschuldung. Die private Kreditaufnahme ging zwar leicht zurück, die private Kreditaufnahme im Verhältnis zur Wirtschaftskraft liegt jedoch weiter auf hohen 172% des Bruttosozialproduktes. In den letzten 10 Jahren stieg die Staatsverschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftskraft bis 2014 um 30% auf 130%, seitdem verhaart sie auf diesem hohen Niveau. Deutschland verringerte dagegen die private Verschuldung in den letzten 10 Jahren von 160% der Wirtschaftskraft auf 140%. Die Staatsverschuldung fiel in den letzten Jahren auf 64%.

Der Unterschied zwischen Deutschland und den „Euro-Krisenländern“ wie Italien ist, dass sich die „Krisenländer“ während und nach der Finanzkrise 2008 aufgrund Bankenrettungen wesentlich stärker verschuldeten als Deutschland. Deutschlands Kapital, das bis 2007 in die „Krisenländer“ floss, wurde damit gerettet. Ohne die „Rettungsschirme“, die ab 2012 aufgespannt wurden, hätten die Zinsen die Krisenländer erdrückt. Trotzdem konnte das Problem der Überschuldung nicht gelöst werden: Die Target2-Ungleichgewichte zeigen, dass das Kapital weiterhin in Deutschland angelegt wird und von dort teilweise als Kredit in die „Krisenländer“ zurückfließt.

Die „Krisenländer“ und deren Realwirtschaft brauchen einen Schuldenschnitt. Das Zinsniveau ist in diesen Ländern noch immer zu hoch und der Euro ist etwa 15% zu stark, Tendenz steigend. Um diesen Prozentsatz öffnete sich die Schere der Wirtschaftsleistung Italiens und Deutschlands nach 2008. Der „italienische“ Euro müsste dementsprechend abwerten können, damit wieder faire Wettbewerbschancen bestehen. Dagegen sträuben sich verständlicherweise alle Kräfte, die von einer starken Landeswährung profitieren, z. B. Rentner, Pensionäre, Vermieter, Verpächter, Wertpapier- und Anleihenbesitzer.

In Deutschland gibt es gleichfalls einen Machtkampf zwischen realwirtschaftlichen Interessen und dem Kapitalmarkt, aber unter umgekehrten Vorzeichen. Die Eurorettungspolitik der EZB und die Kapitalzuflüsse aus den „Krisenländern“ prügelten das Zinsniveau nach unten. Finanz-Lobbyisten prägten das Wort „Strafzinsen“ oder gar „Enteignung der Sparer“. Hier ist anzumerken, dass niemand gezwungen wurde, sein Geld in einer deutschen Geschäftsbank einzuzahlen.

Dass sich in Deutschland anhäufende Kapital wurde bis 2012 teilweise durch Target2 an Kreditnehmer in den Krisenländern zurückgeschleust. So konnte das Leistungsbilanzdefizit trotz Kapitalflucht finanziert werden. Vor allem profitiert jetzt jedoch die deutsche Exportwirtschaft vom Euro, der seit 2008 bis heute deutsche Waren auf dem Weltmarkt um 15% verbilligte. Deutschland profitiert indirekt vom wirtschaftlichen Stillstand in den Krisenländern.

Lösungsverschlag für wirtschaftliche Erholung durch Abwertung

Der Außenwert von Euros, die in Krisenländern sind, müsste schrittweise um bis zu 15% abgewertet werden. Wie könnte dies am Beispiel Italiens konkret gemacht werden:

  • Für jeden Euro, der nach Italien überwiesen wird, erhält der „Absender“ sofort eine Gutschrift zwischen 5%-15%. Das Kapital muss jedoch in einem Bankkonto mittel- und langfristig angelegt werden. Dies führt zu einem Absinken des Zinsniveaus bei Geschäftsbanken. Das Ziel sind Minus-Zinsen für Schuldner. Die Gutschriften finanziert teilweise die EZB, im Rahmen ihres Geldschöpfungsmonopols. 
  • Jeder Euro, den man aus Italien überwiesen erhält, verliert bei der „Umrechnung“ im Ausland sofort an Kaufkraft, zwischen 5%-15%. Die Kosten trägt der italienische „Absender“. Damit werden auch die Gutschriften finanziert. 

Die Initiative für eine natürliche Wirtschaftsordnung veröffentlichte den Artikel „Risiken und Chancen von Trumps Handelspolitik“ des Autors Axel Thorndorff. Der Inhalt dreht sich zwar um die USA, deren Lage ist jedoch mit der Italiens vergleichbar. Beide Länder „leiden“ unter einer zu starken Währung.

„Der Status des Dollar als Weltleitwährung ist daher für die USA nicht nur ein Segen, es ist zugleich ein Fluch.“

Deshalb spiegelt die Problemanalyse zum Teil auch die Situation der Krisenländer wieder.

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