Vertuschte Soko-Chef Huber zweiten Streifenwagen an der Heilbronner Theresienwiese?

Am 25.04.2007 überfielen gegen 14:00 Unbekannte die Streife bestehend aus Michele Kiesewetter (MK) und Martin Arnold in der Heilbronner Theresienwiese, während die beiden Bereitschaftspolizisten neben dem Trafohäuschen in ihrem geparkten BMW-Streifenwagen saßen.

Am 28.11.2017 befragte der Baden-Württemberger NSU-Untersuchungsausschuss den Leiter der Sonderkommission (Soko) „Parkplatz“, Frank Huber. Er sollte den Abgeordneten die Ermittlungen schildern, die die Soko bezüglich der Streifenwagen unternahm, die an unterschiedlichen Stellen und Zeiten auf der Theresienwiese gesehen wurden. Für Huber handelte es sich offenbar stets um die Streife der überfallenen Polizisten. Er konnte einen Teil der Abgeordneten überzeugen, dass die Streife möglicherweise auf der Suche nach einem ruhigen, schattigen Pausenplätzchen gewesen wäre. Sie könnten ihren Streifenwagen einfach nur aufgrund Hitzeeinwirkung der Sonne umgeparkt haben. 

Im folgenden werden die unterschiedlichen Zeugenaussagen und Sichtungen vorgestellt. Dadurch wird die Erklärung Hubers in Zweifel gezogen. Es wird klar, dass sich dort mindestens zwei Streifenwagen zeitweise befunden haben müssen.

Dabei übernehme ich Teile einer Analyse, die ich von „riemenkarl“ erhalten habe. 

Sichtungen Streifenwagen am Vormittag

Die Zeugenaussagen haben Nummern, die an den Orten der Sichtungen in der Karte eingezeichnet sind. Die Pfeile zeigen die Fahrtrichtung des Streifenwagens, die grünen Sterne den Ort des geparkten Autos.

Zeugen 2, 3, 4 und 8 sahen den Wagen direkt neben dem Trafohäuschen stehen, dem späteren Tatort, die Zeugen 5, 6 jedoch im nördlichen Teil der Theresienwiese, in Richtung Hafenstraße.

Zeugen 2, 3 und 4 sahen den Wagen zwischen 11:30 und 11:43 am Trafohäuschen. Um 11:45 bemerkten ihn jedoch zwei weitere Zeugen (5, 6) auf der anderen Seite der Theresienwiese, an der Hafenstraße!

Gegen 12:00 beobachten Zeugen 7 und 8 den Wagen wieder am Trafohäuschen.

Zu den einzelnen Aussagen.

11:00 UHR, drei Zeugen. Bäckerei Kamps, Sülmer Straße 68

Zur genannten Zeit bestätigten zwei Verkäuferinnen der Bäckerei Kamps, Bianca und Gertrud V. mit einem weiteren Zeugen, die Anwesenheit eines Polizisten und einer Polizistin die beide dort einkauften. Sie hätten den Beamten von früheren Einkäufen gekannt. Damit ist ausgeschlossen, dass es sich um Arnold handelt, da er zum ersten Mal am 25.04. in Heilbronn war. Ein Zeuge beobachtete, dass der Beamte den BMW 5er Streifenwagen gefahren hatte. Laut Arnold wäre jedoch MK die Fahrerin gewesen. MK wurde auch auf der Fahrerseite liegend gefunden.

11:27 UHR, Otto S. (1)
Fuhr die Hafenstraße in Richtung Karlsruhe Straße. Nach passieren der Bahnunterführung, kam von links ein Streifenwagen aus der Frankfurter Straße über die Theresienstraße und fuhr auf den dortigen Parkplatz. Seiner Ansicht nach könnte es sich um einen VW Kombi gehandelt haben. Der Fahrer soll ein junger Polizeibeamter gewesen sein.

Gleiches Fahrzeug wie es die Zeugen bei der Bäckerei sahen? Widerspruch: VW Kombi und BMW 5er Kombi. Die Einkaufszeiten sind nicht völlig klar, wurden aber von den Zeugen bei der ersten Vernehmung mit „gegen 11:00 UHR“ angegeben. Könnte somit eventuell derselbe Streifenwagen sein.

11:30 UHR, Laura B. (2)
Sah am späteren Tatort einen Streifenwagen stehen. Vermutlich seien zwei Personen bei geöffneten Türen im Wagen gesessen.

11:35 UHR, Dorothea H. und Madien M. (3)
Beide gaben übereinstimmend an, dass als sie mit der S-Bahn die Brücke überquerten, einen Streifenwagen am Trafohaus stehen sahen.

11:43 UHR, Gerlinde G. (4)
Sah aus dem vorbeifahrenden Regionalzug ein Streifenwagen neben dem Trafohaus stehen.

11:45 UHR, Wolfgang A. und Thomas A. (5) und (6)
Diese beiden Zeugen gaben übereinstimmend an, einen BMW-Streifenwagen mit GP-Kennzeichen auf der Theresienwiese gesehen zu haben. Der Standort wurde damit angegeben, dass der Wagen in Richtung Hafenstraße gestanden sei, 30m in nördlicher Richtung entfernt von der Einfahrt. Besetzt mit einer Frau und einem Mann. Bei der Frau geht Wolfgang A. von Kiesewetter aus. Es machte den Eindruck als frühstückten beide. 

Die Zeiten von Zeugin Laura B., Zeuge Wolfgang A. und Zeuge Thomas A. liegen dicht beieinander. Jedoch ist der Standpunkt des Polizeiautos jeweils ein anderer. Gab es zwei Polizeiautos oder hat man umgeparkt?

Im amtlichen Ermittlungsbericht der Soko aus dem Jahr 2012 wird die Aussage von Wolfgang A. und Thomas A. falsch wiedergegeben. Dort steht: 

„Das Fahrzeug sei unbesetzt gewesen. Auch in der Nähe hätten sie  keinen Polizeibeamten gesehen.“

Als ich den Zeugen Wolfgang A. darüber telefonisch befragte, dementierte er diese Darstellung. Er hätte beide Polizisten im Auto gesehen, als sie gerade Brotzeit gemacht hätten.

Wolfgang A. war bisher der einzige Zeuge, den ich kontaktierte. Befinden sich mehr falsche Darstellungen in den polizeilichen Ermittlungsakten? 

11:30 / 12:00 UHR (vermutlich nach 11:45 UHR), Elke J. (7)
Die Zeugin hatte im angegebenen Zeitraum Mittagspause. Während dieser Zeit überquerte sie die Theresienwiese. Dabei fiel ihr ein Streifenwagen auf, der neben dem Trafohäuschen stand und sich kurz darauf in Bewegung setzte und davon fuhr. Als Besatzung gab die Zeugin eine Polizistin und einen Polizist an. Keine Angaben wer Fahrer und Beifahrer war.

An anderer Stelle wird in den Akten die Zeit der Sichtung mit 12:30 UHR angegeben. Kann wegen der angeblichen Schulung nicht Michele Kiesewetter gewesen sein. Auch gibt die Zeugin an dieser Stelle (andere Vernehmung) an, dass eine Frau den Wagen gefahren haben soll.

12:00 UHR, anonymer Hinweisgeber (8)
Sieht Streifenfahrzeug mit GP-Kennzeichen am späteren Tatort.

12:30-13:30: Schulung im Polizeipräsidium Heilbronn

Von 12:30-13:30 hält sich MK im Polizeipräsidium Heilbronn auf, aus Schulungszwecken.

Sichtungen nach 12:00 bis Überfall 14:00

Folgende Grafik macht klar, dass es zwei bis drei Streifenwagen gewesen sein mussten, die sich in der fraglichen Zeit an und in der Theresienwiese aufhielten – zwischen 13:30 und 14:00 sahen Zeugen unterschiedliche Streifenwagen an unterschiedlichen Orten.

Zeugen 1, 5, 9 sahen einen Streifenwagen zwischen 13:22 und 13:55 im südlichen Bereich der Theresienwiese. Von Bedeutung ist Zeuge 5, da er um 13:45 einen BMW-Streifenwagen von der Karlsruher Straße in die Theresienwiese abbiegen gesehen hat. Der Fahrer war männlich – diese Beobachtung überschneidet sich mit der Zeugenaussage aus der Bäckerei Kamps vom Vormittag. Zeuge 6 sah um 13:45 einen Streifenwagen im nördlichen Teil der Theresienwiese geparkt, auch hier Überschneidung mit Vormittags-Zeugen. Zeuge 10 beobachtete gegen 14:00 einen VW-Van in der Theresienstraße.

Zeugen Zeugen 2, 3, 7 und 8 wiederum sahen den Streifenwagen zwischen 13:30 und 14:00 aus einer anderen Richtung anfahrend, von der Bahnhofsstraße, Frankfurter Straße! Zeuge 4 sah den Streifenwagen direkt neben dem Trafohäuschen geparkt, unmittelbar vor dem Überfall.

Zu den einzelnen Aussagen.

Zwischen 12:35 UHR und 12:40 UHR, Taxifahrer Mustafa K.
Der Zeuge bemerkte ein Polizeifahrzeug mit GP- Kennzeichen in der Kaiserstraße nahe Inselbrücke, welches in Richtung Bahnhof fuhr.

Sollten Michele Kiesewetter und Martin Arnold mittags gegen 12:30 UHR und 13:30 UHR die angebliche Schulung besucht haben, so könnten diese unmöglich in dem gesehenen Fahrzeug gewesen sein.  GP-Kennzeichen: Fahrzeug zugehörig der 5.BePo in Göppingen?

12:45 UHR, Jamil CHEHADE
Der Zeuge kommt zu diesem Zeitpunkt das erste Mal am späteren Tatort vorbei. Er geht den Fahrradweg entlang in Richtung Innenstadt. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich kein Streifenwagen auf der Theresienwiese.

13:22/23 UHR, Markus W. (1)
Der Zeuge befuhr die Otto Konz Brücke von Böckingen kommend in Richtung Heilbronn. Während er die Karlsruher Straße entlang fuhr, sah er auf der linken Seite auf dem Fahrbahnrad bzw. auf dem Gehsteig in Höhe der Bushaltestelle einen BMW 5er Kombi Streifenwagen abgestellt. Der Standort war am südlichen Ende der Theresienwiese gegenüber der Werkstatt Pit-Stop. Das Fahrzeug war unbesetzt.

Bei diesem Streifenwagen kann es sich nicht um den Streifenwagen handeln, der mit Michele Kiesewetter besetzt war. Sie soll zwischen 12:30 und 13:30 UHR im Polizeipräsidium Heilbronn bei einer M-Tex Schulung gewesen sein.

13:37 UHR (um diese Zeit herum), Alexander R. (2)
Der Zeuge sah auf Höhe der CC Bank in der Bahnhofsstraße, einen (vermutlich)BMW-Kombi-Streifenwagen in Richtung Bahnhof fahren. Zur Besetzung des Fahrzeugs konnte er keine Angaben machen. Er telefonierte um 13:37 UHR mit seiner Frau. Er geht davon aus, die Sichtung im Zeitraum des Telefonates gemacht zu haben.

Vermutlich handelt es sich bei der Sichtung von Zeuge Alexander R. und dem Ehepaar R.-S. um ein und dasselbe Fahrzeug. Grund hier führ, die zeitliche nahe beieinander liegenden Sichtungen und die Fahrtrichtung von Osten nach Westen (Bahnhofsstraße nach Kreuzung Bahnhofsweg/Frankfurter Straße).

13:35/40 UHR (ungefähr), Ehepaar R.-S. (3)
Die Zeugin Martina R.-S. fuhr mit ihrem Mann per Fahrrad von Heilbronn-Mitte in Richtung Westen, zu dem Fahrradweg der parallel der Gleise entlang führt. Dabei überquerten beide den Zebrastreifen an der Kreuzung Bahnhofsweg und Frankfurter Straße. Währenddessen fiel der Zeugin ein alter brauner Mercedes auf, der am dortigen Zebrastreifen anhielt. Dahinter befand sich ein Streifenwagen mit ortsfremdem Nummernschild (keine Heilbronner Nummer). Zu den Polizisten können keine Angaben gemacht werden, außer, dass es zwei waren (Geschlecht und Aussehen unbekannt). Die Marke des Streifenwagens ist unbekannt. Nach dem Überqueren der Straße, fuhr der Mercedes in Richtung Theresienwiese (von der Frankfurter Straße kommend links runter/südlich). Das Polizeiauto verlor sie aus den Augen, Fahrtrichtung unbekannt.

An anderer Stelle wird in den Akten vermerkt, dass dieses Polizeifahrzeug in Richtung Hafenstraße gefahren sein soll.

13:40 / 45 UHR, Michael L. (4)
Der Zeuge läuft auf dem Fahrradweg oberhalb der Theresienwiese von Böckingen in Richtung Heilbronn. Zu diesem Zeitpunkt sieht er neben dem Stromhäuschen ein Polizeifahrzeug.

13:45 UHR, Manfred K. (5)
Er kam von der Otto-Konz-Brücke in Richtung Heilbronn und sah im Zeitraum der genannten Zeit ein Streifenwagen neben sich stehen. Beide befanden sich auf der Karlsruher Straße. Der Streifenwagen fuhr bei der Grünphase nach links in Richtung Theresienstraße. Die Streife fuhr ein Polizeibeamter, einen Beifahrer sah er nicht.

An anderer Stelle wurde der Zeitpunkt der Sichtung mit 13:50 UHR angegeben. Dieser Streifenwagen muss ein anderer sein als die oben beschriebenen Zeugensichtungen. Er kam aus südlicher Richtung und fuhr nach Norden. Wenn der Streifenwagen mit Kiesewetter besetzt zu diesem Zeitraum von der Bahnhofsstraße (oder wo anders war) aus gekommen ist, dann muss dies folglich eine andere Streife gewesen sein. 

An anderer Stelle wurde der Zeitpunkt der Sichtung mit 13:50 UHR angegeben. Wenn der Streifenwagen mit Kiesewetter zu diesem Zeitraum von der Bahnhofsstraße aus gekommen ist, dann muss dies folglich eine andere Streife gewesen sein. Vielleicht auch die gleiche, die später gegen 14:05UHR (laut Zeuge Jürgen N.) am nördlichen Eingang der Theresienwiese gesehen wurde, also kurz nachdem Überfall!

13:45 UHR, Algis K. (6)
Der Zeuge befuhr die Fußgängerbrücke von Böckingen kommend in Richtung Heilbronn Bahnhof. Auf Höhe der Theresienwiese sah er einen Streifenwagen parken, der jedoch nicht am späteren Tatort stand. Das Streifenfahrzeug soll im nördlichen Teil der Theresienwiese unter den dortigen Bäumen, mit der Fahrzeugfront in Richtung des Radweges bzw. der Bahngleise geparkt gewesen sein. Personen und Polizisten sah er nicht.

Wo stand dieser Streifenwagen? Standortwechsel (gab es ein Standortwechsel von Michael L.s Sichtung?)? Gab es einen zweiten Streifenwagen? War es der gleiche Streifenwagen den zuvor der Zeuge Manfred K. sah? Zeitlich könnte dies passen. Michael L. sah vermutlich den gleichen Streifenwagen. Hier könnte es sich um eine ähnliche Beobachtung handeln, wie sie Wolfgang A. gegen 11:45 UHR machte.

13:50 UHR, Margret S.
Die Zeugin befuhr mit ihrem Fahrrad die Fußgängerbrücke von Böckingen kommend in Richtung Heilbronn Bahnhof. Kein Streifenwagen vor Ort. Lediglich vier weitere Autos.

Fuhr der besagte Streifenwagen weiter zu einem anderen (Treff-) Punkt? Derselbe Streifenwagen den Algis K. und Manfred K. zuvor gesehen hatten? Besetzt mit einem Mann als Fahrer laut Manfred K.?

13:50 UHR (ungefähr), Perihan Ö. und Havva N. (7)
Als die Zeuginnen in Richtung Bahnhof fuhr und vor dem Bahnhof an einem Fußgängerüberweg an einer roten Ampel warten musste, fiel ihr ein Polizeiauto auf, das ihnen entgegen kam (vom Bahnhof kommend). Der ungefähre Standort ist am Bahnhof Nähe Busparkplatz. Dies beschrieben sie als einen längeren Wagen, womöglich ein Kombi. Besetzt sei das Fahrzeug mit einer Polizistin als Fahrer und einen jungen Polizisten als Beifahrer. Die Polizistin hatte dunkelblonde bis braune hochgesteckte Haare und trug eine Sonnenbrille. Das Polizeiauto bog ab und fuhr in Richtung Schlachthof(grobe Richtung Theresienwiese).

Möglicherweise dieselbe Sichtung wie von den Zeugen R.-S., Algis K. und Alexander R. Sichtung müsste daher vor 13:50 UHR gemacht worden sein. Andernfalls ein weiterer/anderer Streifenwagen! Der zweite Streifenwagen könnte MK gewesen sein?

13:55 UHR (ungefähr), Alla S. (8)
Als die Zeugin sich gerade etwa auf halber Strecke zwischen der Hafenstraße und Beginn der Eisenbahnbrücke auf dem Fußweg parallel zur Eisenbahnlinie befand, bemerkte sie einen Streifenwagen, der von der Hafenstraße kommend auf die Theresienwiese gefahren kam. Dadurch, dass sie schon auf halber Strecke der Theresienwiese war hatte sie nicht gesehen, aus welcher Richtung das Polizeiauto in die Theresienwiese eingebogen war. Zur genauen Uhrzeit befragt gab sie an, dass dies etwa gegen 13.50 Uhr oder 13.55 Uhr gewesen sein müsste. Auf die Frage, ob ihr zu diesem Zeitpunkt irgendetwas Besonderes oder Merkwürdiges aufgefallen war gab die Zeugin an, dass ihr aufgefallen war, dass das Polizeiauto langsam und „ruppig“ auf dem Platz in Richtung dem Stromhäuschen fuhr. Vordem Stromhäuschen bog das Polizeiauto nach links ein. Sie befand sich zu diesem Zeitpunkt etwa in gleicher Höhe und lief geradeaus weiter über die Eisenbahnbrücke.

13:55 UHR (plus wenige Minuten), Ewald R. (9)
Der Zeuge befuhr mit seinem Auto die Theresienstraße in südlicher Richtung um anschließend auf die Otto-Konz-Brücke ab zu biegen. Dabei stellte er fest, dass in Bereich der unteren (südlichen) Einfahrt der Theresienwiese ein Polizeiauto war. Er vermutet, dass dieses gestanden habe.

13:5? UHR (geschätzte Zeit), Thomas K. (A) und (10)
Der Zeuge befand sich gegen kurz vor 14:00 UHR (Zeit nicht ganz klar, zwischen 13:50 und 13:55UHR) mit seinem Fahrzeug in der Nähe Frankfurter Straße Kreuzung Theresienstraße. Dabei fielen ihm drei Männer auf, die aus der Frankfurter Straße von Richtung Bahnhof herunter kamen und in Richtung Theresienstraße liefen. Der Zeuge beschrieb die Personen als südost-europäisch aussehend. Möglicherweise war auch noch ein vierter dabei, der aus südlicher Richtung vom alten Schlachthof kommend, zu den drei Männern dazu stieß. Kurz nach dieser Beobachtung fuhr er mit seinem Fahrzeug von der Frankfurter Straße nach links in die Theresienstraße in Richtung Süden. Der Zeuge bemerkte dabei auf der Höhe des alten Turms (Luftschutzbunker auf der Theresienwiese), ein Streifenwagen, vermutlich einen kleinen Van, welcher ihm entgegen kam.

Martin Arnold gab bei seiner ersten Vernehmung an sich daran erinnern zu können, am Tattag in einem VW T-4 Bus gesessen zu haben. Es könnte sich dabei aber auch um dieselbe Sichtung handeln, die auch die Zeugen Markus W., Manfred K. und Ewald R. sahen. Hierbei könnte es sich um ein anderen Streifenwagen handeln der von Süden in Richtung Theresienwiese fuhr.

14:05 UHR, Jürgen N. 
Der Zeuge befuhr am Tattag die Hafenstraße in südlicher Richtung. Er fuhr gegen kurz vor 14:00UHR von seinem Wohnort los und parkte sein Fahrzeug gegen kurz nach 14:00 UHR auf der Höhe des Eros-Centers in der Hafenstraße, kurz vor der Eisenbahnunterführung (geschätzte Fahrdauer von seinem Wohnort aus bis zum Abstellen des Autos, laut Google-maps circa 8 Minuten). Anschließend ging er dann von der Hafenstraße, unter der Unterführung hindurch und auf die andere Straßenseite in die Theresienstraße. Dort fiel ihm auf der nördlichen Einfahrt zur Theresienwiese ein Polizeifahrzeug auf. Die folgenden Beobachtungen machte er von der Unterführung aus, circa 10 bis 15m entfernt, in südlich blickender Richtung. Das Polizeifahrzeug, ein 5er BMW Streifenwagen, stand gegen der Fahrtrichtung mit zwei Rädern auf dem Bürgersteig direkt neben der ersten Einfahrt (von Norden gesehen). Neben dem Polizeiauto befanden sich ein Polizist, den er als circa 1,89m groß beschrieb, und eine südländisch aussehende Passantin von circa 1,75m Größe, welcher der Polizist kontrollierte. Einen zweiten Polizisten sah er nicht. Die Frau hatte eine schlanke Gestalt, lange glatte schwarze Haare, ungefähr zwischen 20 und 30 Jahre alt.

Der Zeuge sagt in aller Deutlichkeit, dass er den Beamten und das Polizeifahrzeug um kurz nach 14:00 UHR an der nördlichen Einfahrt der Theresienwiese gesehen hat. Wie kann diese offensichtliche Tatsache in die Geschichte passen? Offiziell kamen die ersten Beamten aber erst gegen 14:22 UHR an! (vorher mit 14:18 UHR angegeben) Bei der Frage welche Größe der vernehmende Beamte gehabt habe, sagt der Zeuge, dieser sei ungefähr 1,89m groß. Vermerkt wird hierbei, dass der Beamte eine tatsächliche Größe von 1,92m hat. Was lässt sich aus dem Vermerk in den Akten schließen?

–> Ist hier bekannt welcher Beamte die Kontrolle kurz nach 14:00 UHR durchführte? Was hatte der Polizist kurz nach dem Anschlag dort zu suchen, wo der Funkspruch und der Notruf offiziell noch gar nicht raus waren?

14:05, Thorsten Udo B. und Tina K. 

In Ordner 1 wird die Aussage von Thorsten Udo B. und Tina K. wiefolgt dargestellt: „Kurz nach 14:00„ rief B. seine Verlobte an und erzählte ihr, was er kurz davor sah: Als er die Hafengasse in Richtung Theresienwiese fuhr, sah er kurz vor der Eisenbahnbrücke „drei Männer auf der rechten Seite die Böschung herunter“ rennen. In der Theresienwiese war bereits Polizei.

„Als er dann auf der Höhe der Theresienwiese gefahren sei, habe er gesehen, dass bereits Polizei auf der Theresienwiese gewesen sei. Frau K. bestätigt die Angaben ihres Verlobten und legte die Anrufzeit auf „kurz nach 14:00 Uhr“ fest.“

Fazit

Für sämtliche Sichtungen kann unmöglich allein die Streife aus MK und Martin Arnold verantwortlich sein. Gegen Hubers Erklärungen sprechen desweiteren die Vielzahl der Ungereimtheiten, die sich aus seiner Behauptung ergeben. Die Anzahl dagegen-stehender Zeugenaussagen, die sich teilweise gegenseitig stützen, sprechen gegen eine unterstellte fehlerhafte Beobachtung/Erinnerung. Aus dieser Feststellung ergibt sich die Frage, was und warum hartnäckig seit Jahren vertuscht werden könnte.

Hier zwei Stimmen aus der Pressekonferenz der Landtagsabgeordneten. Wie bewerteten die Abgeordneten die Einschätzung des Soko-Leiters Frank Huber? Siehe aufgezeichnete Pressekonferenz bei Radio „Dreyeckland“.

Es dürfte sich hier um eine Stellungsnahme von Arnulf von Eyb (CDU) handeln. Der Name wurde jedoch in der Pressekonferenz undeutlich ausgesprochen.

„(…) Und ich habe den Eindruck, dass wir heute keine weiteren verwertbaren Kenntnisse aus seinem Munde gehört haben und es wird so bleiben und damit müssen wir uns abfinden.

Also diese Zeugenaussagen, die wir haben, er hat ja drauf hingewiesen, es kann ein Irrtum sein. Es kann sein, dass man sich in der Zeit vertan hat. Es kann sein, dass man verschiedene Stellungen vertan hat. Ich halte es für durchaus möglich, dass das eine Auto da stand und, dass die dann möglicherweise aus welchen Gründen auch immer an das Trafohäuschen gefahren sind. Es ist dasselbe Fahrzeug, es ist zu unterschiedlichen Zeiten passiert. Das ist einfach so. Wir können also hier nicht die Vorstellung haben, dass wir alles so rekonstruieren können, wie das vielleicht bei einem Bauplan ist, da darf kein Zentimeter fehlen. Das wird hier nicht möglich sein.“

Dr. Boris Weirauch (SPD):

„Kleine Ergänzung dazu. Er hat ja auch auf Nachfrage gesagt, es wäre insgesamt schlüssig gewesen. Also es gab natürlich Ausfransungen, so sagt er, weil es Zeugenaussagen sind, die quasie nicht kompatibel sind. Aber in der Gesamtschau, hat er gesagt, wäre es letztendlich feststellbar gewesen, wo und wie sich das Fahrzeug, nicht in der Gänze, aber in der Grundanlage dann halt auch bewegt hat. Er hat ja gesagt, es mag sein, dass man auf der Theresienwiese auf der rechten Seite sich mal kurze Zeit aufgehalten hat, möglicherweise ist auch die Verlagerung Richtung Trafohäuschen dem Wetter geschuldet gewesen. Es war ja an dem Tag sehr sonnig [„Genau“ – zustimmender Zwischenruf eines Abgeordneten], dass man in die Beschattung hineingegangen ist. Das hat er ja alles gesagt.

Aber ich räume natürlich ein, dass die Zeugenaussagen ein anderes Bild in dieser Konstellation mitgeben, aber ich sage aus der Ausfransung, weil man dann natürlich wieder sagt, andere bestätigen wieder ja wieder wie die Fahrzeuge anderweitig gestanden haben. Und des hat er letztendlich nochmals deutlich gesagt, dass in der Gesamtschau des ein schlüssiges Bild sei.“

Nachfrage Journalist Thomas Moser: „Sie könnten die Zeugen ja jetzt befragen!“ [zweifelndes „Hmm“ einer Abgeordneten]

Antwort Weirauch: „Aber da wird man ja wahrscheinlich kein anderes Ergebnis in dieser Situation dann halt auch bekommen. Weil wir haben ja jetzt quasie ja schon ihn auch nochmals gehört in der ganzen Sache, aber selbstverständlich sind wir ja noch mit der Beweisaufnahme noch nicht am Ende.

8 Gedanken zu „Vertuschte Soko-Chef Huber zweiten Streifenwagen an der Heilbronner Theresienwiese?“

  1. Eine sorgfältige Analyse, welche sicher einen großen Arbeitsaufwand erforderte. Ich habe ja selbst ausreichend Erfahrung, um das einschätzen zu können.

    Was meines Erachtens fehlt ist die Haupttatsache, auf welche das Indiz (der vertuschte zweite Streifenwagen) hinweisen soll. Zum Beispiel könnte man als Hypothese formulieren, das das Indiz „kein Rauchgas im Blut keinen Ruß in den Lungen“, bei den toten Fahrzeuginsassen, auf die Haupttatsache Mord hinweist.

    Wie ist das aber in diesem Fall. Auf welche Haupttatsache weist das Indiz „Anwesenheit weiterer Streifenwagen zur Tatzeit in Tatortnähe“ denn hin? Was ist hier die Hypothese?
    Das die zweite Streifenwagenbesatzung in den Mord an Kiesewetter verwickelt war? Oder das Ex Soko-Leiter Huber lügt? Das also die vermeintliche Lüge Hubers die Streifenwagenbesatzung schützen soll, welche in den Mord an Kiesewetter verwickelt war?

    Aus mehreren Gründen wären das sehr steile, in meinen Augen unhaltbare Thesen. Betrachtet man den Sachverhalt als ein Indiz des ersten Verdachts und prüft es in Bezug auf das Vorliegen der Haupttatsache – und umgedreht auch in Bezug auf Vorliegen der Nicht-Haupttatsache – dann wird die enorme Schieflage der der Behauptung „Vertuschung“ deutlich. Übrig bleibt eine reine Verschwörungstheorie. Ich wollte darauf hinweisen ohne die Arbeit zu diskreditieren. Ich habe die gleichen Fehler früher auch gemacht.

    1. Ich verstehe nicht, meinst Du: Weil es keine Hauptatsache (Motiv) gibt, gibt es auch kein Indiz (Vertuschung)?

      Wenn Du das meinst, fände ich es ziemlich steil, weil es ja einen zweiten Dienstwagen gegeben haben muss und Huber das offenbar dementiert.

  2. Du bringst die Begriffe durcheinander.

    Haupttatsachen sind solche Tatsachen, die Merkmale des gesetzlichen Tatbestands sind, also. z.B. die „Wegnahme“ beim Diebstahl, „mit Gewalt“ beim Raub, der Vorsatz und insbesondere die Täterschaft (wer wegnimmt) des Beschuldigten.

    Wikipedia schreibt weiterführend dazu:

    Ein Indizienbeweis in einem Gerichtsverfahren liegt vor, wenn von dem Vorliegen einer oder mehrerer Tatsachen
    (Indiztatsachen) auf die eigentlich zu beweisende Haupttatsache logisch geschlossen werden kann.[1] Die Indiztatsachen müssen im Prozess voll bewiesen sein, also zur
    Überzeugung des Gerichts feststehen. Zum Beweis dienen alle
    herkömmlichen Beweismittel.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Indizienbeweis

    Das Motiv dagegen kann zum Täter führen, wenn es erkannt wird. Allerdings gilt dies nur für qualitativ und quantitativ außergewöhnliche Motive – sonst käme ja praktisch jeder in Frage.

    Du verwechselst die Grundbegriffe und das allein muss schon zum Scheitern führen. Das ist die „unsichtbare Wand“, welche ich schon an anderer Stelle ansprach. Die „Aufklärer“ im Netz haben es versäumt, sich hier in entsprechender Weise fortzubilden. Wie soll denn die Staatsanwaltschaft in einer Sache ermitteln, wenn von vornherein garnicht klar ist, was überhaupt gemeint ist? Deswegen werden Strafanzeigen in Sachen NSU mit Recht meistens sofort wieder eingestellt

    Also nochmal. Auf welche Haupttatsache soll die Existenz des zweiten Dienstwagens (Indiz) denn hinweisen? Oder auf welche Haupttatsache soll das „Dementi“ Hubers denn hinweisen, wenn man das einmal als Indiz werten würde. Wieviel Jahre nach der Tat hat Huber ausgesagt und wie wahrscheinlich ist es, dass er sich zu diesem Zeitpunkt noch an alles erinnern konnte?

    1. Kann ich Deine Aussage folgendermaßen interpretierten:
      Weil keine Haupttatsache erkennbar ist, gibt es keine Vertuschung des zweiten Streifenwagens?
      „dann wird die enorme Schieflage der der Behauptung „Vertuschung“ deutlich.“

  3. Oh je Georg 🙂

    Ne, ich frage nur, was die Haupttatsache denn hier sein soll? Mord? Falschaussage? Ich verstehe nicht, worum es geht. Hubert hat seine Aussage 10 Jahre nach der Tat gemacht. Geschenkt, muss man garnicht erwähnen. Ich verstehe auch die Beweiskraft des Indizies „zweiter Streifenwagen in Tatortnähe“ nicht. Soll das heißen, die Polizei hat was mit dem Mord an Kiesewetter zu tun und die Existenz dieses Streifenwagens um diese Zeit an diesem Ort weist auf die Haupttatsache „Mord“ hin? Wenn man das weiterdenkt, dann merkt man schon, dass es völlig absurd wird.

    1. Sehr geehrter Herr Hegr,
      wenn sie die Verwicklung der Polizei in den Mord an Frau Kiesewetter als absurd bezeichnen, wie ist denn ihr persönliches Fazit in der Nachbetrachtung der Dinge,wenn ich fragen darf?
      Wird der Fall nie wirklich aufgeklärt? Waren die beiden Zufallsopfer?Haben die Uwe`s doch etwas damit zu tun oder waren es ganz andere Täter? Was ist ihre Meinung?

      1. Ich hatte mich bei meinen Antworten auf den Blogbeitrag bezogen. Sie stellen ganz allgemeine Fragen, auf welche es sicher keine bequemen Antworten im Sinne der „Aufklärer“ im Internet gibt.

        Zunächst einmal ist die Tathergangshypothese der Bundesanwaltschaft auf den ersten Blick – wenn man die feinen Details weglässt – sehr wahrscheinlich zutreffend. Das gilt auch für die Ereignisorte Eisenach und Zwickau . Es ist dagegen in hohem Maße unwahrscheinlich, ja tatsächlich absurd, der Polizei die flächenübergreifende Verwicklung in die Ereignisse zu unterstellen. Legt man hypothetisch ein konspiratives Szenario zugrunde, dann darf dies auf keinen Fall mit derartig „weichen“ Indizien, wie im hier zugrunde liegenden Blogbeitrag „plausibilisiert“ werden. Das ist dann astreine Verschwörungstheorie. Ich meine das nicht abwertend, sondern stelle das nur fest. Ich habe selbst einen jahrelangen Lernprozess hinter mir und sehe den Sachverhalt heute eben anders als noch vor einem oder zwei Jahren.

        Was meinen Sie denn mit „wirklicher“ Aufklärung? „Wirklich“ ist der Fall bereits aufgeklärt, nur haben wir, also die virtuelle Gemeinde im Netz, eben intuitiv eine andere Vorstellung davon. „Wirklich“ im Sinne von „real“ kann die „Aufklärung“ im Netz aber niemals sein. Sie ist virtuell und nicht „wirklich“. Darauf habe ich schon 2014 hingewiesen. Wer hat sich denn von den real existierenden Personen der virtuellen „Aufklärung“ an das Gericht in München gewandt und dort seine Bedenken vorgetragen? Nicht der Verteidigung oder der Anklage, sondern dem Gericht. Steht doch jedem Bürger frei das zu tun.

        Ihre abschließenden Fragen kann ich nicht beantworten. Nicht weil ich keine eigene Überzeugung dazu habe, sondern weil der Platz hier nicht ausreicht, diese Überzeugung auch zu begründen.

  4. Hallo Georg!

    Wollte mich jetzt mal bedanken für die wirklich tollen Artikel und Recherchen die du diesbezüglich machst! Die Grafiken und Zeugensichtungs-Auflistungen geben wirklich einen guten Überblick.

    Wie man meiner Meinung weiter kommen würde wäre definitv, in dem man nett bei allen damaligen Zeugen nachfragt, was sie wann genau beobachtet haben. Ich wette da würde noch einiges interessantes bei herauskommen, da die Zeugenaussagen ja nachweislich gravierend umgeändert, oder wichtige Aussagen heruntergespielt wurden.

    „Thorsten Udo B“ sah m.M.n. wohl die Täter. Für mich ist das der einzig sinnvolle Fluchtweg. Ich hatte das auch mal hier erklärt:

    http://nsu-leaks.freeforums.net/thread/115/heilbronn-personal-point-view?page=13&scrollTo=66608

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.