NSU-Watch fasst unsauber gerichtliche Aussage zusammen

Es gibt den begründeten Verdacht, dass der Tatortbefund des Heilbronner Polizistenüberfalls falsch ist. Zwei Taxifahrer, die vor der ersten Streife zur Theresienwiese kamen, sagen übereinstimmend, dass Michele Kiesewetter gegen 14:15 leblos neben dem Auto auf dem Boden lag. Dies bestätigte der Soko noch eine weitere Zeugin. Dagegen sahen zwei Radfahrer Kiesewetter gegen 14:00 noch im Auto sitzen, jedoch kopfüber aus der geöffneten Türe halb heraus-gelehnt.

Besonders wichtig sind die Aussagen der ersten zwei Streifenpolizisten, die gegen 14:17 am Tatort eintrafen. Der Beamte Joachim Thomas behauptet, dass Michele Kiesewetter weiterhin im Auto saß, kopfüber aus der Türe hinausgelehnt! Der Tatortbefund basiert auf seiner Aussage.

Die Streifenpartnerin von Thomas war Kerstin Ki.. Daher ist von großer Bedeutung, was sie im NSU-Prozess dazu sagte. Lag Kiesewetter inzwischen auf dem Boden, wie die drei Zeugen aussagen, oder saß sie tatsächlich weiter im Auto? 

Die Organisation „nsu-watch“ fasst in eigenen Worten ihre Aussage sinnhaft zusammen:

„Die Kollegin sei halb draußen in Richtung auf den A-Holm gelegen, der Kollege, wie gesagt, draußen. Auf dem Beifahrersitz seien eine Sonnenbrille und Zigaretten gelegen. Bei der Kollegin sei das Gürtelsystem seitlich verdreht gewesen. Als Verletzungen beim Kollegen habe sie vor allem festgestellt, dass er am Kopf geblutet habe. Sie hätten die Kollegin zur Seite getragen.“ (nsu-watch)

Was heißt „halb draußen“? Wie kommt „nsu-watch“ auf diese unklare Darstellung? Damit wird der Eindruck erweckt, dass Kiesewetter noch immer im Auto saß und der Tatortbefund richtig wäre – zufälligerweise?

Diese irreführende Darstellung fliegt durch ein Wortprotokoll des Bayerischen Rundfunks auf! Dort steht, laut Kerstin Ki. Kiesewetter neben dem Auto, auf dem Boden lag! 

„G.: Wie lagen die Opfer?
K.: Die Kollegin lag draußen, der Kollege hatte die Füße noch im Auto, lag auf dem Rücken, seine Zigaretten und seine Sonnenbrille lagen da noch. Der Kollege hat am Kopf geblutet. Beim Kollegen haben wir die Schutzweste und das Hemd aufgemacht, die Kollegin ist später auf die Seite getragen worden.“ (br)

Mehr Infos zum Thema Umlagerung von Michele Kiesewetter:

Teil 6: Wurden Dienstwaffen erst Minuten nach dem Überfall geraubt?

Der Journalist Thomas Moser unterstreicht die Bedeutung von Wortprotokollen für den NSU-Prozess. Im Gegensatz zur Nebenklage und Verteidigung, hätten die Richter ein sogenanntes „Richterprotokoll“, das „nicht Bestandteil der Prozessakten“ wäre. Darauf würde das Urteil beruhen. Das hätten die anderen Prozessteilnehmer nicht und deswegen einen Nachteil, niemand protokolliert wortwörtlich die Zeugenaussagen für sie.

„Zirka 40 Seiten umfasst die Mitschrift an jedem Verhandlungstag. Etwa 12 redaktionell bearbeitete Seiten stellen Bezler und seine Kollegen in den NSU-Watch-Blog ins Netz, zugänglich für jedermann, zusätzlich eine türkische Übersetzung.“ (deutschlandfunk)

Angesicht der irreführenden Darstellung bei „nsu-watch“ ist verständlich, warum deren redaktionell bearbeitete Mitschriften nicht belastbar sind.

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