Buchvorstellung: Das Ende der Rentenökonomie, Teil 1) Bodenwert besteuern

Prof. Dr. Dirk Löhr und Fred Harrison gaben dieses Jahr das Buch „Das Ende der Rentenökonomie“ heraus. Darin legen sie mit verschiedenen anderen Autoren dar, „wie wir globale Wohlfahrt herstellen und eine nachhaltige Zukunft bauen können“. Das Buch ist Mason Gaffney gewidmet.

Ich zitiere verschiedene besonders eindrucksvolle Aussagen der Autoren und fasse sie in drei Teilen zusammen: Teil 1) Bodenwert besteuern, Teil 2) Umverteilung stoppen, Teil 3) Verwirrung auflösen.

Am 18./19. November 2017 finden die 60. Mündener Gespräche zum Thema „Bodenreform und Staatsfinanzierung“ in Wuppertal statt, u. a. mit Prof. Dr. Löhr. Hier ist das Anmeldeformular.

Gliederung Teil 1) Bodenwert besteuern

  1. Woher kommen Bodenrenten?
  2. Bodenwertsteuer hat positiven Effekt auf Produktivität
  3. Idee einer Bodenwertsteuer stammt vom „Aufklärer“ Adam Smith
  4. Geoklassische Wirtschaftswissenschaft
  5. Henry George
  6. Henry George Theorem
  7. Mason Gaffney


Woher kommen Bodenrenten?

„Natur: Dieser Einkommensstrom tauchte ungefähr vor 10.000 Jahren mit der ersten landwirtschaftlichen Revolution auf. Bis zum industriellen Zeitalter bildete die Rente aus der Natur den größten Teil des Nettoeinkommens. Die Rente nahm über die Zeit hinweg verschiedene Formen an. Sie machte die Innovationen möglich, welche sich in der städtischen Zivilisation kristallisierte.

Und schließlich fand noch eine Umschichtung hin zu den Renten statt, die geschaffen wurden durch die …

Gesellschaft: vom 18. Jahrhundert an stiegen die Renten – in absoluten Zahlen sowie als Anteil am gesamten Einkommen gerechnet – aufgrund der Investition in die Infrastruktur an, die mit der Industrialisierung einherging. Neue Wasser- und Abwassersysteme verbesserten die Gesundheit der Bevölkerung; Bildung und Ausbildung, die durch den Staat finanziert wurden, sowie andere staatliche Investitionen, führten zu einem exponentiellen Anstieg des Stroms der Bodenrenten – geschaffen also durch die kollektive Anstrengung der Bevölkerung und ihrer staatlichen Agenten.

Allerdings wurde der gesellschaftliche Charakter der Renten durch die feudalen Patrizier bestritten. Man sozialisierte die Bevölkerung dahingehend, dass sie die Legitimität von Bodenrenten als privates Einkommen akzeptierte.“

„Renten sind (…) ein erzielbares potenzielles Einkommen, wie es durch den Markt eingeschätzt wird. Bodenrenten ändern sich nicht aufgrund der Anstrengungen des Inhabers, sondern aufgrund seiner Möglichkeiten. Die tatsächlichen Bodenerträge bleiben hinter den Bodenrenten zurück, wenn der Standort weniger erfolgreich bewirtschaftet wird, als dies von Konkurrenten zu erwarten gewesen wäre. Der Gegenwartswert der zukünftigen Bodenrenten ist der Bodenwert, der Verkaufspreis des Landes. (…)

Ein Vorteil, den Bodenwert anstatt die Bodenrenten zu besteuern liegt darin, dass die Bodenrenten oft nicht ermittelt werden können, der Bodenwert aber gut im Verkaufspreis sichtbar ist.“ (S. 76)

„Land“ wird zur Produktion aller Güter und Dienstleistungen benötigt (…) grundlegendste Ressource und die Quelle allen Wohlstands. Bodenwert ergibt sich aus ökologischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten, nicht aus individuellen Handlungen. (S. 198)

„Die ursprünglichen Rent-Seeker waren die Lords und Gutsherren, die Allmenden und Stammesland einfriedeten, so dass sie die Renten daraus einstecken konnten – produziert von Leuten, die nunmehr den Status eines Pächters innehatten, während ihre Grundherren oft in große Städte wie Edinburgh und London auswanderten, um von den Renten ihres Clans zu leben – mit einem abnehmenden Sinn für die nobless oblige. Seit damals wurde das Rent-Seeking ausgeweitet. Mittlerweile sind diejenigen eingeschlossen, die Einfluss im Bankensektor haben und diejenigen, die die Politik im Sinne der Ergatterung von Privilegien beeinflussen können.

Dieser Befund passt nicht mit der Vision einer Gesellschaft zusammen, die auf der fairen und gleichen Behandlung aller gründet. In einer gerechten Gesellschaft würden die Einnahmen der Produzenten neuer Güter in den Händen derjenigen bleiben, die für ihren Lebensunterhalt arbeiten. Aber das Nettoeinkommen – die ökonomische Rente nach der Auszahlung von Löhnen und Gewinnen – würde anders gehandhabt werden. Die ökonomische Rente ist ein zusammengesetzter Wert, der die Leistungen von Gesellschaft und Natur abbildet. Darum, wie der schottische Moralphilosoph Adam Smith aufzeigte, wäre er die richtige Quelle für die Finanzierung von öffentlichen Dienstleistungen (…).“ (S. 329)

2. Bodenwertsteuer hat positiven Effekt auf Produktivität

„Der Bodenertrag wäre höher als die durchschnittliche Pacht, die wir für die Nutzung des Bodens ohne Gebäude zahlen. Da die [heutigen] Steuern die Bodenrenten mindern, würden als Folge einer Abschaffung von Steuern die Bodenrenten steigen. Aber im Vergleich zur Abführung von Lohnsteuern für unsere Angestellten, wäre die Zahlung einer jährlichen Bodenertragssteuer eng mit unserer Zahlungsfähigkeit verknüpft.“ (S. 277)

„Die Abschaffung von schädlichen Steuern ist eine sich selbst finanzierende Strategie. Weil die Steuern, die den Wohlstand beeinträchtigen, reduziert oder beendet werden, steigen die Renten des „Bodens“ in all seinen Formen um die entsprechenden Beträge. Dies wird durch die ATCOR-These erklärt – All Taxes Come Out of Rent. Die politischen Auswirkungen sind von herausragender Bedeutung: bei der Abschaffung von schädlichen Steuern müssen die derzeitigen öffentlichen Dienstleistungen nicht geopfert werden. Das steht in Gegensatz zu dem Sparprogramm der Regierung nach 2008, durch das die Steuern erhöht oder öffentliche Leistungen reduziert wurden, um die Haushaltsdefizite zu verringern.

Die Vergemeinschaftung der Renten demokratisiert die öffentlichen Finanzen. Menschen haben die Macht darüber, wann, warum und wie sie die Dienstleistungen finanzieren, die sie nutzen wollen. Das ist heute zum Beispiel im Immobilienmarkt der Fall:“ (S. 335)

„Wenn sich jemand für einen Wohnort entscheidet an dem er leben will, wird das Haus aufgrund zweier Kriterien ausgewählt.

Die Vorzüge des Gebäudes werden bewertet, zum Beispiel ob es die gewünschte Anzahl an Schlafzimmern hat oder wie der Zustand der Ausstattung ist.

Auch die Nähe zu den gewünschten öffentlichen Dienstleistungen wie Transport, Schule und Parks spielt eine Rolle. Dies wird von Maklern als wichtige Information herausgehoben, da ihre Qualität und Zugänglichkeit den Preis der Immobilie beeinflusst.

Die Seltsame hieran ist, dass der Teil des „Haus“-Wertes, der für den Zugang zu öffentlichen Leistungen gezahlt wird, nicht an die staatlichen Stellen fließt, welche die Einrichtungen zur Verfügung stellen. Stattdessen wird dieser Wert (die Lagerente) dem Verkäufer des Hauses gezahlt. Dieser Zahlungsfluss deckt den pathologischen Charakter der Steuerregelung auf.“ (S. 335)

3. Idee einer Bodenwertsteuer stammt vom „Aufklärer“ Adam Smith

Die klassische Ökonomen entstammten den französischen Physiokraten und den Denkern der schottischen Aufklärung, zu denen auch der Moralphilosoph Adam Smith gehörte. (…) Sie verstanden, dass die Rechte des Einzelnen untrennbar mit Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft verbunden waren. (…) Die Menschen sollten frei in der Art und Weise sein, wie sie ihr Leben gestalten (laissez faire), aber sie sollten auch ihre Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft anerkennen.

Der Mechanismus, über den dies umgesetzt werden sollte, basiert auf den ökonomischen Renten. Diese sollten die Leistungen finanzieren, die durch öffentliche Institutionen angeboten werden. Die klassischen Ökonomen verstanden, dass als Folge einer Privatisierung der ökonomischen Renten Parasitentum entsteht. (…)

Private Ansprüche an gesellschaftlich geschaffenen ökonomischen Renten sind nicht nur ungerecht. Sie schädigen auch die Gesellschaft, wenn diejenigen, welche die ökonomischen Renten einer Nation unter ihre Kontrolle bringen wollen, auch die politische Macht innehaben. So waren in Europas zwei führenden Nationen – Frankreich und Großbritannien – die Grundeigentümer Berater des Königs und auch staatliche Verwalter.“ (S. 17 ff.)

Klassische Wirtschaftswissenschaftler erkannten, dass die „Bodenrente“, die wir heute „ökonomische Rente“ nennen, ein unverdientes Einkommen darstellt, das aus dem Privileg von Eigentumsansprüchen unter dem Schutz des Staates entsteht. Adam Smith schreibt:

„Sobald das Land eines Staates komplett in privater Hand liegt, lieben es die Grundeigentümer, so wie alle anderen, dort zu ernten wo sie niemals etwas gesäht haben und eine Rente zu vereinnahmen, auch wenn diese nur aus der Kraft der Natur entspringt“ (Smith ([1776] 1904:I.6.8). (…)

Der mathematisch begabte Finanzier David Ricardo fand heraus, was die Höhe der Renten bestimmt: Die Rente für eine Parzelle Land resultiert aus seinen Vorteilen gegenüber solchem Land, das es kaum wert ist genutzt zu werden (Ricardo, [1818] 1996). Die Überlegenheit von Grundstücken hängt nicht nur von der Bodenqualität ab sondern auch – viel wichtiger – vom Standort.

Grund und Boden im Zentrum großer Städte bringt die höchsten Renten, weil hier die hochwertigsten Aktivitäten in einer Wirtschaft stattfinden können: die Zusammenarbeit hochqualifizierter Spezialisten wie Anwälte, Banker oder Börsenmakler. (…) Wie viel mehr würde ein Entwickler beispielsweise für eine zentrale Lage zahlen als für eine im Randbezirk der Stadt? (…)

John Stuart Mill schrieb:

„Der übliche Fortschritt einer Gesellschaft, die durch Wohlstand wächst, tendiert zu jeder Zeit dazu, die Einkommen der Grundeigentümer zu erhöhen; um ihnen sowohl eine größere Summe als auch einen größeren Anteil am Wohlstand der Gemeinschaft zu verschaffen, unabhängig von dem Aufwand, den sie zu tragen haben. Praktisch im Schlaf werden sie reicher, ganz ohne Arbeit, Risiko oder Sparen. Welches Recht haben sie, nach dem allgemeinen Prinzip der sozialen Gerechtigkeit, auf diesen Zugang zu Reichtümern?“ Mill ([1848] 1909: V.2.28)“ (S. 92 ff.)

„Er beschreibt, wie Grundsteuern die Landnutzung beeinflussen. Zersiedelung wird durch Subventionen der Bodenwerte ausgelöst, was zu einer übermäßigen Inanspruchnahme von Land führt. Mason spricht auch von Planung mit geringer Dichte, die eine verstärkte Flächen-Neuinanspruchnahme verursacht. Auf Gebäude bezogene Grundsteuern verursachen eine geringer vertikale Nutzung des Landes und eine größere horizontale Ausbreitung. Gaffney weist darauf hin, dass Hypothekenzinsen die größten Kosten eines Gebäudes sind. Der nächstgrößte typische Kostenblock ist die auf den Gebäuden lastende Grundsteuer. Bodenwertabgaben setzen Land frei, das ansonsten zu Spekulationszwecken und der impliziten Subventionen wegen gehalten wird.

Gaffney weist auf einen anderen Vorteil des Geofiskalismus hin: Der geringere Kaufpreis für Grund und Boden macht es auch für Leute mit geringerem Einkommen zugänglich. (…) Aufgrund des geringeren Kreditbedarfs erleichtern rentenbasierte öffentliche Einnahmen den Bodenerwerb für diese Gruppe.“ (S. 141)

„Adam Smith betrachtete es als fundamentale Ungerechtigkeit, dass landlose, arbeitende Menschen zu Steuern herangezogen wurden, während die Grundeigentümer die nicht erarbeitete Renteneinnahmen behalten konnten.“ (S. 269)

4. Geoklassische Wirtschaftswissenschaft

„Die Wurzeln der geoklassischen Ökonomie reichen bis zur klassischen politischen Ökonomie zurück. Klassische Ökonomen befassten sich mit den großen Fragen von Wachstum, Verteilung und Nachhaltigkeit. Sie erkannten drei Produktionsfaktoren – Land, Arbeit und Kapital – und nahmen an, dass ökonomisches Wachstum letztendlich durch die Knappheit von Land begrenzt ist. David Ricardo hinterließ uns das Gesetz der Rente; andere lobten die Vorzüge der Besteuerung von Land. Adam Smith schrieb:

„Beides, die Bodenrente und die gewöhnliche Miete oder Pacht sind Formen des Einkommens, welche der Eigentümer in den meisten Fällen ohne eigenes Zutun genießt. Auch wenn ein Teil dieser Einnahmen zur Deckung der staatlichen Ausgaben von ihm abgeführt werden sollte, wird dadurch keine Entmutigung des wirtschaftlichen Fleißes stattfinden. Das jährliche gesellschaftliche Erzeugnis von Land und Arbeit, das reale Vermögen und Einkommen der großen Masse des Volkes, könnte nach Erhebung einer solchen Steuer das Gleiche sein wie zuvor … Nichts kann vernünftiger sein als dass ein Fonds, welcher seine Existenz der guten Regierungsführung verdankt, besonders besteuer wird .. zu Unterstützung der Regierung“ (Smith 1776: V.2.75-76) (S.51)

„Hudson kritisiert insbesondere an nationalen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, dass diese nicht die Höhe der Bodenrente beinhalten, indem die Bodenrente von den Zinsen, Gewinnen und Steuerzahlungen verdeckt wird.“ (S. 132)

5. Henry George (1839 – 1897)

„Im geoklassischen Paradigma sind Bodenrenten nicht das Einkommen von Personen oder von Unternehmen, sondern des Staates. Der Bodenwert wird von der gesamten Gesellschaft auf Basis der zur Verfügung stehenden Ressourcen produziert. Es ist das Gemeinschaftsprodukt von kulturellen und politischen Institutionen, Staatsinvestitionen, natürlichen Ressourcen, Ökosystemdienstleistungen und den unbeabsichtigten, unbezahlten, zufälligen Effekten des menschlichen Handels auf andere Menschen (Externalitäten). Bodenrenten konzentrieren sich auf gesunde Städte, in denen Haushalte und Unternehmen sich zum beiderseitigen Nutzen ballen. Gaffney erkennt bei Henry George an, dass dieser das Wesen der urbanen Synergien und des unermesslichen Wertes, welchen diese produzieren, erfasst hatte:

„George sah Städte als Fokus der Kommunikation, Kooperation, des Zusammentreffens und des Austauschs, was er als Grundlage der Zivilisation betrachtete. Er sah Städte als eine neue Grenze, eine endlose Reihe von neuen Grenzen, weil die Stadt als ein ganzes steigende Erträge hervorbringt. Das ungehinderte Zusammentreffen von Menschen unter gleichen Rahmenbedingungen beschleunigt die Kooperation und Spezialisierung über den Markt. Multivariate Interaktionen in Städten erzeugen Synergien. … Das Ganze ist größer als die Summer seiner Teile … Dieser synergetische Überschuss, sagt George, schlägt sich in den urbanen Bodenrenten nieder. Hierdurch erklärt er ein hervorstechendes Phänomen seiner Zeit, welches andere Ökonomen komplett übersahen: den beispiellosen Anstieg der urbanen Renten und Landpreise, sowie der Reichtum und die Macht der Bodeneigentümer. (Gaffney 1998:6)“ (S.70)

„Henry George veröffentlichte „Fortschritt und Armut“ (Progress and Poverty“ im Jahr 1879. (…) Das Buch wurde zum ersten wirtschaftwissenschaftlichen Bestseller. Doch die Botschaft war bedrohlich. Armut und Massenarbeitslosigkeit, soziale Spaltung und Zersiedelung, welche die natürlichen Habitate beeinträchtigten, waren danach alles andere als natürlich. Vielmehr zeigte das Finanzsystem bösartige Symptome. Das Gegenmittel bestand in einer Finanzformel:

  • Schaffe die Steuern auf die verdienten Einkommen der Leute ab;
    setze die Leute dazu in die Lage und verlange auch von ihnen, dass sie für die Leistungen bezahlen, die sie von der Natur und von der Gesellschaft erhalten.
    (…) Es ging um das Einkommen, das als Rente vor allem in den Bodenmärkten entstand. Doch dies war eine unmittelbare Bedrohung für diejenige Klasse, welche die Macht monopolisiert hatte, sowie deren Unterstützer (wie das Hypothekenkredite gewährenden Financiers).“ (S.20)

„George bemerkte (…), dass Großgrundbesitzer ihr Land oft unzureichend nutzten oder es gar vollständig der Nutzung vorenthielten. Meistens führte er diese Hortung während des Bodenrausches in Kalifornien auf „Bodenspekulation“ zurück; aber manchmal bemerkte er, dass wohlhabende Besitzer ihren Grund und Boden nur deswegen zurückhielten, weil sie es sich leisten konnten. Indem er diese Beobachtung der Bodenhortung mit seiner Lohntheorie kombinierte, kam George zu dem Schluss, dass eine erhebliche Ungleichheit im Grundeigentum auch zu einer entsprechenden Ungleichheit der Löhne führt. Das heißt, je größer der Anteil an Grund und Boden einer reichen Minderheit ist, desto schlechter die Qualität der Grundstücke, die den ärmeren Arbeitern zur Verfügung stehen – und somit wird über Arbitrageprozess auch das Lohnniveau entsprechend gedrückt.

George musste nicht lange suchen, um nach einem Ausweg zu finden; er übernahm einfach die Thesen zur Bodensteuer, die schon Adam Smith aufgestellt hatte. Darüberhinaus zeigte er auf, dass die Lösung in der Hand jedes Staates und jeder Stadtverwaltung liegt:

Es gilt, die Immobilienbesteuerung ausschließlich auf die Bodenwerte umzuschichten, und alle anderen Steuern abzuschaffen. Die Bodensteuer würde das unverdiente Einkommen von „Bodenmonopolisten“ einsammeln und sie so dazu zwingen, ungenutztes Land zu verkaufen oder zu vermieten, was natürlich gleichzeitig den Arbeitern mehr Land verschaffen würde. Mit dieser Steuer ginge auch der Eigentumsanspruch der öffentlichen Hand an den natürlichen Ressourcen einher, wobei diese den besten Wirten zugeteilt werden würden.“ (S. 99)

George verglich den Bodenwert, der von Mängeln wie Spekulationen gekennzeichnet war, mit einem unabsichtlichen allgemeinen Kartell, das viel gutes Land von der vollen Nutzung zurückhielt und Arbeit und Investoren in weniger ertragreiches Land trieb.

Nach seiner Zeit wurde die Westküste mit hohen Steuern auf Arbeit und Kapital belastet. Aber es ist möglich, solche Steuern abzuschaffen und so die Nettolöhne ansteigen zu lassen. Mit dem Anstieg der Löhne (…) geht ein Anstieg des BIP einher. Der Anstieg wird aufgrund des Wegfallens der aktuellen Steuern erzeugt, was die Grenzproduktivität der Arbeit erhöhen würde.“ (S. 209)

„Der nächste merkliche Effekt wäre eine Verringerung des Grundstückpreises, weil spekulative Anlagen in Land nicht mehr profitabel wären. Würde man eine Abgabe auf das Land seiner optimalen zugelassenen Nutzung entsprechend erheben, würde der Eigentümer dieses entweder nutzen oder es jemanden verkaufen, der dies tun würde. (…) Ohne Steuern wären mehr Menschen fähig ihren Lebensunterhalt auf abgelegenen und weniger fruchtbarem Land in Schottland zu verdienen. Auf solchem Land kann genug Einkommen erwirtschaftet werden, um Löhne und Zinsen zu zahlen aber nicht eine entsprechend hohe Pacht.“ (S. 274)

6. Henry George Theorem

„Der Bodenwert ist zu Beginn der Gesellschaft nicht relevant, aber wenn die Gesellschaft sich durch den Anstieg der Population und den Fortschritt der Wissenschaften entwickelt, wird er immer bedeutender. In dem zivilisierten Staat, selbst in den jüngsten, ist der Bodenwert als Ganzes genommen ausreichend, um die gesamten Aufwendungen der Regierung zu tragen. In den höher entwickelten Ländern ist er weit mehr als ausreichend.“ (George 1879:406).

7. Mason Gaffney (geb. 1923)

„Mason Gaffney ist ein führender Ökonom der georgistischen Schule des Wirtschaftsdenkens. Dieses wirtschaftliche Konzept entstammt der Theorie, welche von Henry George während des späten 19. Jahrhunderts entwickelt wurde.“ (S. 121)

„Ein großer Beitrag für die Geschichte der Ökonomie ist Gaffneys Berechnung bezüglich der fiskalischen Kapazität des Bodens. Er kam zu dem Ergebnis, dass etwas die Hälfte des Immobilienwertes auf den Bodenwert entfällt. Neoklassische Ökonomen streiten nicht ab, dass die Besteuerung des unelastischen Faktors Boden einen geringeren Wohlfahrtsverlust erzeugt als die Besteuerung elastischerer Quellen, wie etwas Kapital. Doch sie lehnen die sogenannte „Bodenwertsteuer“ als bedeutungslos ab, da sie glauben, dass die Bodenrente nur etwa zwei Prozent des Nationaleinkommens ausmacht. Geffney zeigte, dass genug Bodenrente vorhanden ist, um die öffentlichen Leistungen zu finanzieren, was im Einklang mit dem „Henry George-Theorem“ zu Staatsfinanzierung steht, das von Joseph Stiglitz und anderen entwickelt wurde.

Der größte (…) Beitrag von Gaffney war seine Erforschung der Vergangenheit des ökonomischen Denkens, um die dunkle Seite der Geschichte der neoklassischen Ökonomie aufzudecken. „The Corruption of Economics“ offenbarte das mutwillige und erfolgreiche Unterfangen der Grundeigentümer in den USA, die auf Henry George zurückgehende Bodenwertsteuer-Bewegung zu schwächen. Der beste Weg, die Bewegung zur Besteuerung des Bodenwerts zu stoppen war es, die Ökonomie selbst zu ändern, sodass der Bodenwertsteuer die akademische Legitimation entzogen wird.“ (S.123 ff.)

„Das Problem ist nicht der nicht-existente freie Markt, sondern die staatlichen fiskalischen und monetären Subventionen des Bodenwerts, welche den nicht nachhaltigen Spekulationsboom befeuern. Das Mittel, das Gaffney „Geofiskalismus“ nannte, ist nicht der staatliche Eingriff, sondern die marktbasierte Zurückzahlung des Nutzens, welche man von der Regierung erhalten hat. Dies verhindert, was Fred Harrision (2006) als die „Rückforderung“ von gezahlten Steuern durch die Reichen bezeichnet hat.“ (S. 130)

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