Ungereimtheiten beim Polizeieinsatz gegen Las Vegas Todesschützen

US-Präsident Donald Trump sprach davon, dass in Las Vegas „Wunder“ passiert wären, „in many ways a miracle“. Als Beispiel nannte das schnelle Eintreffen der Polizei, „how quickly the police department was able to get in was really very much of a miracle“. 

Diese Darstellung entspricht auf grotesker Weise nicht der Wahrheit. Nach offizieller Darstellung hätte ein Sonderkommando erst 72 Minuten nach den ersten Schüssen Paddocks Hotelzimmer gestürmt. 

Polizeichef Joseph Lombardo gab gestern eine Pressekonferenz und stellte folgenden Ablauf vor:

22:05 – erste Schüsse werden gehört.

22:12 – die ersten zwei Polizisten kommen im 31. Stock an und melden, dass die Schüsse direkt von einem Stockwerk weiter oben herrühren.

22:15 – die letzten Schüsse werden abgefeuert.

22:17 – die ersten zwei Polizisten treffen im 32. Stock ein.

22:18 – sie treffen auf einen Sicherheitsoffiziellen („security officer“), der ihnen sagt, dass er angeschossen wurde. Er gibt ihnen die exakte Position des Tatverdächtigen.

22:26-22:30 – acht weitere Polizisten treffen im 32. Stock ein und durchsuchen die Hotelzimmer nach verletzten Personen, weil sie keine Schüsse mehr hören. „They move this way because they no longer hear the gunfire of an active shooter situation“.

22:55 – die acht Polizisten kommen am Ende des Hotelflurs schließlich an der Hoteltüre des Tatverdächtigen an.

23:20 – die Hoteltüre wird aufgebrochen und Polizisten betreten das Hotelzimmer. Sie treffen auf den toten Paddock.

Als Begründung für die Verzögerung sagte sein Stellvertreter Kevin McMahill, dass die Schüsse aus dem Hotelzimmer aufhörten. Daher wurde Paddock nicht mehr als aktiver Schütze eingeordnet.

Diese Darstellung ist auch durch einen weiteren Punkt schwer verständlich: Paddock hätte durch die Türe seines Hotelzimmers herausgeschossen und so einen im Hotelflur stehenden Mann am Bein verletzt. Dieser Mann wird von Lombardo als „security guard“ oder „security offical“ des Hotels bezeichnet.

Der Sicherheitsmann wäre laut Lombardo von Hotelgästen informiert worden. Er versuchte daraufhin herauszufinden, wo sich der Schütze befand und was passierte („what was occuring“) [27:24]. Als die Polizei aus dem Aufzug kam, stand er vor ihnen.

Die Polizisten wurde von einem Hotelgast informiert, der im 31. Stock wohnte, direkte unterhalb von Paddocks Zimmer [28:30]. Tatsächlich informierte der Irak-Krieg Veteran Chris Bethel vom 30. Stock die Polizei über die Schüsse über ihm. 

Im 31. Stock war der Hotelgast Floyd Conrade. Er hätte nicht die Polizei oder das Hotel angerufen, sagte er in einem Interview der „New York Times“ sagte, auch in einem Fernsehinterview. Zuerst dachte er, dass es ein Feuerwerk gewesen wäre. Als er die Geräusche als Schüsse interpretierte, schaute er aus seinem Hotelzimmer und traf auf Polizisten.

Obwohl der Sicherheitsmann des Hotels im Flur des 32. Stocks angeschossen wurde, hätte er die Einsatzkräfte in die anderen Hotelzimmer des Flurs gelassen, indem er ihnen mit seinem Generalschlüssel aufsperrte. Er half sogar die Zimmer zu durchsuchen. [index 31:11].

Tatsächlich zeigen Aufnahmen vom Hotelflur, dass in der Eingangstüre auf 30 Zentimeter Höhe Einschusslöcher vorhanden sind. Laut Lombardo wären 200 Geschosse in den Hotelflur abgeschossen worden. „Bild.de“ zeigte inzwischen Fotos vom Flur, wo kein Blut auf dem Boden zu sehen ist, auch keine Einschusslöcher an Wänden oder Flurboden. Laut Lombardo wäre es „unglaublich“, dass der Sicherheitsmann des Hotels keine zusätzlichen Verletzungen erlitt, als er durch die Türe angeschossen wurde. Er wäre unglaublich mutig gewesen.

Polizeichef Lombardo sagte vor fünf Tagen noch, dass Paddock Überwachungskameras installierte, um über die Ankunft von Polizeikräften im Hotelflur vor seinem Hotelzimmer informiert zu sein. Während der gestrigen Pressekonferenz sagte er jedoch, dass keine der Kameras etwas aufzeichnete, „none of the cameras were recording“.

Der Polizeichef widerspricht der Darstellung, dass Polizisten aus dem Hotelzimmer beschossen worden wären. Die zuerst an der Hoteltür eintreffenden Polizisten wurden nicht durch die Türe hindurch beschossen.

„Die Polizisten und das Sondereinsatzkommando („first strike team“)  erreichten innerhalb 12 Minuten den 32. Stock des Hotels, nachdem die ersten Schüsse abgefeuert wurden. Das ist phantastisch. Als die Beamten an der Tür zum Hotelzimmer des Tatverdächtigen ankamen und den Ort bestätigten, hörten die Schüsse auf. Im Einklang mit ihrer Ausbildung erhielten die Beamten einen „Masterkey-Card“ vom Sicherheitsmann des Hotels und begannen die [anderen] die Hotelzimmer systematisch zu durchsuchen. (…) weil kein Schüsse mehr abgefeuert wurden, sie hörten keine zusätzlichen Schüsse, dachten sie, dass es wichtig ist zu evakuieren, im Fall, dass der Tatverdächtige sich verbarrikadierte.“

Später kam eine besondere Sondereinsatz-Einheit  (nach den ersten acht Polizisten) und traf im Hotelflur ein, schwer bewaffnet und geschützt, mit ihren Gewehren auf die Zimmertüre gerichtet. Als sie im Hotelflur waren, bemerkten sie, dass vor der Zimmertüre ein Rollwagen stand, auf dem Kameras installiert waren. Deshalb zog sich die Einheit zurück und bestellte besondere Ausrüstung und Verstärkung. Der Polizeichef verteidigte diese Verzögerung, weil …

„… keine Schüsse vom Tatverdächtigen zu diesem Zeitpunkt gehört wurden.“

„Eine Sache, die ich ausgelassen habe, war, beim ersten Versuch, als sie im Hotelflur Ausschau hielten. Da haben sie die Kameras im Rollwagen gesehen. Es war offensichtlich, dass mehrere Salven durch die Türe hindurch-geschossen wurden. Durch die Einschusslöcher der Türe hindurch sahen die Polizisten eine Waffe, durch die Öffnungen der Türe, aber kein Tatverdächtiger wurde gesehen. Dass waren die Kugeln, die er durch die Türe hindurchschoss, um auf den Sicherheitsmann („security guard“) zu schießen.“

Die Fotos der „Bild“ zeigen nicht diese Kameras.

Als das Sondereinsatzkommando schließlich beim zweiten Versuch in das Hotelzimmer stürmte, fanden sie den leblosen Paddock.

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