Bundestag-Untersuchungsausschuss und Zschäpes (angebliche) Fingerabdrücke am NSU-Film

Der zweite NSU-Ausschuss des Bundestages traf einige absurde Bewertungen der Faktenlage, vor allem hinsichtlich der Todesumstände von Böhnhardt/Mundlos und der Beweissicherung in Wohnmobil und Zwickauer Brandruine. Die Parlamentarier schreiben darüberhinaus in ihrem Abschlussbericht, dass an einem der fünfzehn versandten „Bekenner“-filme ein Fingerabdruck von Beate Zschäpe gewesen wäre:

„Zweifel an dieser Aussage weckt zum einen, dass sich nur auf einer der 15 von den jeweiligen Adressaten bekannt gemachten Zusendungen eine Spur Beate Zschäpes in Form eines Fingerabdruckes befand.“ (Abschlussbericht, 2. NSU-Ausschuss, Bundestag)

Als Quelle gibt der Ausschuss einen Bericht des Bundeskriminalamtes an.

„In dem Erkenntnisbericht der BAOTrio vom 21. August 2012
wurde dazu folgendes Ergebnis vermerkt:

„Bei der molekulargenetischen/daktyloskopischen Untersuchung konnte in zwei Fällen DNA an den Postsendungen festgestellt werden, für die Uwe MUNDLOS als Spurenverursacher nicht auszuschließen ist. Uwe BÖHNHARDT konnte als Spurenverursacher einer daktyloskopischen Spur in einem Fall identifiziert werden, ebenso Beate ZSCHÄPE.
Dabei handelte es sich um zwei Fingerspuren ZSCHÄPES auf der Rückseite des Briefumschlages der Sendung an die ‚Lippische Landes-Zeitung, […] Detmold‘.

An allen untersuchten Zusendungen wären also nur ein Fingerabdruck von Uwe Böhnhardt, sowie zwei von Beate Zschäpe gewesen. Diese Darstellung wird anhand der im Internet veröffentlichten Untersuchungsberichte hiermit überprüft.

Die Untersuchungsberichte sprechen ein klares Bild: Es gab keine DNA und keine Fingerabdrücke von Beate Zschäpe an den versandten sogenannten „Bekenner“filmen, die Kuverts inklusive. Stattdessen gibt es DNA und Fingerabdrücke von bis heute unbekannten Personen!

Daraus kann nur geschlossen werden, dass Beate Zschäpe nichts mit den Zusendungen zu tun hatte.

Um diese Schlussfolgerung zu vermeiden, könnte sich das Bundeskriminalamt (BKA) zu Falschbehauptungen hingerissen haben, die die Parlamentarier ungeprüft nacherzählten.

Angebliche Fingerabdrücke Zschäpes

Während des NSU-Prozesses behauptete BKA-Auswerterin Jeanette Pf. am 21.07.15, dass an der Sendung an die „Lippische Landes-Zeitung“ zwei Fingerabdrücke von Zschäpe festgestellt worden wären. Sie sagte dem Gericht:

„Beim Asservat 56.1 hätten definitiv zwei Fingerabdrücke der Angeklagten zugeordnet werden können.“ (nsu-watch)

„Stahl sagt, dass Pf. angegeben habe, dass auf dem Asservat 56.1 zwei Fingerabdrücke festgestellt worden seien. Dazu sagt Pf., dass sie sich das KT-Gutachten nochmal explizit angeschaut habe zur Vorbereitung. Stahl: „Was für ein Asservat war das?“ Pf.: „Das war der Briefumschlag an die Lippische Landes-Zeitung.“ Sie meine, es sei einmal ein Zeigefinger gewesen und einmal ein Ringfinger, also ein Finger von jeder Hand.“

Untersuchungsbericht: Zwei unbekannte Fingerabdrücke

Laut des Behördengutachtens vom 16. März 2012 wurden an der Sendung tatsächlich zwei Fingerabdrücke festgestellt, die die Spurennummern 56.1.1-D1, 56.1.1-D2 erhielten. Die Abdrücke wurden „mit Sammlung/AFIS verglichen, das heißt mit den Fingerabdrücken der NSU-Verdächtigen, sowie mit dem BKA- Datenbestand. Ergebnis: Sie konnten nicht zugeordnet werden!

„Nach Auswertung der daktyloskopischen Spuren wurde festgestellt:

2 für Vergleichszwecke geeignete Spur, davon 2 mit Sammlung/AFIS verglichen

2 nicht zugeordnete, Spuren – Nrn.: 56.1.1-D1, 56.1.1-D2“, Aktenzeichen ZD 23-4 E11-474

Auch Medien berichten im Jahr 2012 noch, dass -keine- Fingerabdrücke Zschäpes gefunden wurden.

„Allerdings konnten an keinem der sichergestellten Umschläge Fingerabdrücke oder DNA-Spuren von Zschäpe gesichert werden. Ob sie die Umschläge wirklich verschickt hat, ist daher fraglich.“ (Frankfurter-Rundschau, „Indizien und Lücken“, 09.08.2012)

„Auch wenn auf den Umschlägen keine DNA gefunden wurde, wie es in Sicherheitskreisen heißt, deuteten auch die Poststempel auf sie als Absenderin.“ (taz,“Knallharte Überzeugungstäterin“, 24. 1. 2012)

Erst 2013 schreibt Andreas Förster von einem Abdruck.

„Nur auf einem der sichergestellten Umschläge sind jedoch Fingerabdrücke von Zschäpe gefunden worden, auf den restlichen gab es keinerlei Spuren oder DNA von ihr oder ihren beiden Freunden.“ (Cicero, „13 Fragen, die der NSU-Prozess beantworten muss“, 10. April 2013)

Angesichts dieser Ungereimtheit verwunderte das mangelnde Engagement der Anwälte von Beate Zschäpe, die Aussage von Jeanette Pf. kritisch zu hinterfragen. Inzwischen ließ Zschäpe sogar von ihren neuen Anwälten eine Stellungsnahme vorlesen, dass sie die Filme am 04.11.11 eigenhändig in den Briefkasten vor ihrer Wohnung geschmissen hätte.

Fingerabdruck Uwe Böhnhardt bestätigt

An der Zusendung „Patria-Versand“ war tatsächlich ein Fingerabdruck Böhnhardts. Im Untersuchungsbericht vom 11. Januar 2012 steht:

„Nach Auswertung der daktyloskopischen Spuren wurde festgestellt:
1 für daktyloskopische Zwecke nicht geeignete Spur – Nr.: 27.1-D3
2 für Vergleichszwecke geeignete Spuren , davon
2 mit Sammlung/AFIS verglichen
1 identifiziert (Spurnummer(n) siehe identifizierungsbericht(e))
1 nicht zugeordnete, Spur – Nr.: 27.1-D1

Bei der vergleichenden Untersuchung wurde festgestellt, dass die am 04.11.2011 in Erfurt letztmalig erkennungsdienstlich behandelte Person, geführt unter den Personalien
BÖHNHARDT, UWE, geb. am 01.10.1977 in JENA
Spurenverursacher/in ist.
Identität:
der Spur (Nr.)
27.1-D2
mit dem Abdruck des
rechten Ringfingers“, Aktenzeichen ZD 23-4 E11-474

Laut des Inhabers des Patria-Versandes, Franz Ludwig G., ging das Kuvert mit Film erst am 23.11.2011 ein.

„Vorgestern am 23.11.2011 gegen 11 Uhr kam die Post. Meine Tochter, Claudia G., öffnete unter anderem ein braunes DIN-A5-Kuvert.“

Beate Zschäpe soll die Filme jedoch bereits am 04.11.11 zur Post gebracht haben! Spätestens ab 08.11.11 war es ihr unmöglich, die Filme zu versenden – sie war in Haft. Der Film an „Patria-Versand“ kam jedoch erst am 23.11.11 an!

Leider klärte der Ausschuss auch diese Ungereimtheit nicht auf, geschweige denn der NSU-Schauprozess. 

Ein Gedanke zu „Bundestag-Untersuchungsausschuss und Zschäpes (angebliche) Fingerabdrücke am NSU-Film“

  1. Findet man Spuren, ist der Angeklagte überführt.
    Findet man keine Spuren, beweist das überhaupt nichts.
    Gängige Praxis in deutschen Gerichten.

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