Teil 4: Hinweise auf geheimgehaltenen Einsatz der BFE 523

Sämtliche Polizisten der Einheit BFE 523 hätten Urlaub gehabt, bis auf die nach Heilbronn entsandte Gruppe um Michele Kiesewetter. Trotzdem befanden sich weitere Beamte in anderen Einsätzen. Es wurde sogar der Einheitsführer Thomas B. in der Kaserne der Bereitschaftspolizei Böblingen gesehen!

Sven H., Leiter des Geschäftszimmers der BFE 523, war dort noch am Montag, 23.04, vormittags:

Ich war am Montag vor dem 25.04. noch einen halben Tag im Geschäft und habe dann vereinbart mit – ich hatte ja Vertreter damals im Geschäftszimmer – – Ich habe dann vereinbart, dass die in der Woche über die Arbeit von mir übernehmen, weil ich von quasi Dienstag ab die ganze Woche dann frei geplant hatte.“

„Z. S. H.: Also ich habe die Meinung damals immer vertreten, wenn Urlaubswoche ist, dann sind alle zu Hause oder machen frei.

Abg. Dr. Ulrich Goll FDP/DVP: Vielleicht vorweg noch eine Verständnisfrage zu der Urlaubswoche: Wie sah das aus? Ist dann immer eine Einheit in Urlaub gegangen abwechselnd?

Z. S. H.: Nein, also eine ganze Einheit geschlossen.“

Desweiteren waren die zwei BFE 523 Beamten Frank K. und Susanne W. ab 06:15 in Stuttgart im Einsatz. Als Grund wird in den Akten nur „Anlaß“ genannt.

Darüberhinaus stellte die Soko fest, dass zwei weitere BFE 523 Beamte um 14:45 Kontrollen in Heilbronn vornahmen, obwohl sie offiziell gar keinen Dienst hatten. Ihre DNA wurde an den Unterziehgürteln von Michele Kiesewetter (MK) und Martin Arnold (MA) festgestellt. In den Akten wird das damit erklärt, dass sie die Gürtel mit den Opfern getauscht haben könnten:

„Ob und ggf. wie häufig sich Kollegen einer Einheit untereinander diverse Ausrüstungsgegenstände (hier Unterziehgürtel) untereinander austauschen/leihen kann nur gemutmaßt werden, ist aber It. Auskunft verschiedener Einheitsbeamter nicht unüblich.“

Ende Juli 2011 bemerkte die Soko, dass Daniel S. und Matthias S. „noch gar nicht vernommen“ worden seien! Sie wären an dem Tag laut Einheitslisten der BePo Böblingen „bei keinem Einsatz eingeteilt worden“!

Volker G. in Urlaubswoche öfters im Einsatz

Volker G. war mit MK am 25.04 in Heilbronn eingesetzt. Zuvor hatte er in gleichen Urlaubswoche zwei weitere Einsätze. Wie konnte es sein, dass er in der Urlaubswoche dreimal im Einsatz war, ohne dass das Geschäftszimmer davon etwas erfuhr?

„Wenn es eine Anweisung zum Urlaubmachen gegeben hat, warum gab es dann diesen Einsatz in Heilbronn, bzw. laut unseren Einsatzlisten auch noch andere Einsätze? Auf den Listen bist du zum Beispiel am 23.04.2007 bei einem Einsatz in Pforzheim und am 24.04.2007 bei einem Einsatz in Mössingen dabei gewesen.“

Volker G.s Antwort war, dass er Überstunden machen wollte. Er erklärte nicht, wie er an die Einsätze von anderen Einheiten herankam.

„Wie oben schon erwähnt wollte ich bis zu meinem Weggang aus der Bepo einfach noch Stunden machen. Die Einsätze in Pforzheim und Mössingen waren Einsätze von anderen Zügen, die ich freiwillig unterstützt habe. In Pforzheim war es ein Gerichtschutzmaßnahme und in Mössingen war es eine ganz normale Konzeption.“

BFE 523 – Einheitsführer Thomas B. in Kaserne anwesend?

Thomas B. wäre zur Tatzeit alleine am Bärensee radeln gewesen und hätte gar nicht gewusst, dass Teile seiner BFE-523 in Einsätzen waren. Nachdem er von seiner Freundin telefonisch benachrichtigt wurde, radelte er nach Gerlingen zurück, duschte und fuhr zum Tatort.

Vorsitzender Wolfgang Drexler: Jetzt haben Sie laut Ihren Angaben gesagt, Sie seien auf einer Radtour am Bärensee gewesen.

Z. T. B.: Richtig.

Vorsitzender Wolfgang Drexler: Dann sind Sie vom Bärensee mit dem Fahrrad nach Hause gefahren, Sie haben geduscht, haben Sie gesagt, und dann sind Sie wohl mit Ihrem Privatauto nach Heilbronn gefahren.

Z. T. B.: Richtig.

Laut eines Routenplaners bräuchte ein Radfahrer vom Bärensee nach Gerlingen, dem damaligen Wohnort von B., 30 Minuten. Per Auto sind es von Gerlingen nach Heilbronn zusätzliche 45 Minuten. Wenn er die Benachrichtigung um 14:25 erhielt, dann hätte er frühestens gegen 15:40 ankommen können.

Er wäre zügig durch die Verkehrsbehinderungen gekommen, da er einer Polizeikolonne in seinem Zivilwagen hinterherfuhr. Währenddessen hätte er telefonierte. Für diese Geschichte kann Thomas B. keine Zeugen aufbringen.

Er hätte die Leiche Kiesewetters nicht abgedeckt gesehen. Die Spurensicherung hätte gerade die Arbeit aufgenommen. Tatortfotos zeigen die Leiche jedoch bereits gegen 14:40 unter einer schwarzen Plane. Thomas B. hätte in weniger als 20 Minuten zum Tatort eilen müssen!

„Frage:
War Michele abgedeckt?

Antwort:
Nein.
Es waren viele Kollegen, auch einige von der BePo Böblingen am Tatort. Ich erinnere mich auf jeden Fall an die Kollegen Andreas R., Rüben H.. Ich glaube Jörg E. war auch dort und hat Bilder gemacht, sicher bin ich mir hier nicht. Alle drei Kollegen sind nicht von meiner Einheit, sondern von der BFE 522. Von meiner Einheit war am Tatort niemand. „

Oder kam Thomas B. just in dem Moment zum Tatort, als die Spurensicherung gegen 14:45 kurzzeitig die Plane entfernte, um Fotos von MK zu machen?

Von den befragten Polizisten vor Ort erwähnt niemand Thomas B., sie wurden jedoch auch nicht danach gefragt. Lediglich die in Heilbronn mit Kiesewetter eingesetzten Timo H., Volker G. und Uwe B. wollen ihren Einheitsführer dort gesehen haben.  Dagegen sagte Thomas B., dass er niemanden seiner Einheit dort sah.

Patrick S. sah Thomas B. in der Böblinger Kaserne

Der Bereitschaftspolizist Patrick S. von der Einheit TEZ 512 befand sich in der Zeit in der Böblinger Kaserne. Als seine Gruppe vom Überfall informiert wurde, ging er ins Geschäftszimmer der BFE-523. Er war ein ehemaliges Mitglied dieser Einheit und kannte Michele Kiesewetter persönlich. Im Geschäftszimmer traf er Thomas B. und fuhr mit ihm und einer weiteren Person nach Heilbronn!

„Ich bin dann direkt zum Geschäftszimmer der BFE 523 gegangen. Ich bin dort auf den Thomas B. getroffen, der gesagt hat, er brauchte zwei Leute, die mit ihm nach Heilbronn fahren. Ich erinnere mich nicht mehr, wer noch da war. Auf jeden Fall haben wir unsere Waffen geholt und wir sind alle drei in zivil nach Heilbronn gefahren.“

Folgender Nachtrag wurde vom vernehmenden Polizisten dem Protokoll angeführt. Der Beamte stellte nachträglich fest, dass eine Aussage im Protokoll weggelassen wurde.

„Als es um die Fahrt nach Heilbronn ging wurde der S. von mir gefragt wer auf welchem Platz im Auto saß. Er antwortete drauf, dass er selber hinten saß und der Thomas B. auf jeden Fall nicht auf dem Fahrersitz saß, da dieser während der Fahrt telefonierte.“

Laut Routenplaner dauert eine Fahrt von Böblingen nach Heilbronn 53 Minuten. Dann wäre Thomas B. etwa gegen 15:20 angekommen. Laut Patrick S. wären sie jedoch ins Polizeirevier in Heilbronn gefahren. Er glaubt, dass Thomas B. dort mit ihnen blieb.

„Wir sind zum Polizeirevier in Heilbronn gefahren und haben gefragt, was wir helfen können. Es gab keine Aufgabe für uns und wir sollten auf den Dachboden gehen, wo sich schon andere Einsatzkräfte befanden und ein oder zwei Seelsorger. Ich glaube, Thomas B. ist auch mit uns dort geblieben. Wir saßen recht lange dort oben. Zu tun gab es nichts für uns und ein paar Stunden später, sind wir dann wieder zurück zur BEPO gefahren. Das hat natürlich lange gedauert, weil alles abgesperrt war, Am Tatort waren wir nicht.“

Jochen R. (BFE 522) sah Thomas B. im Revier gegen 16:45.

Gruppenführer Timo H. sah Thomas B. zusammen mit Peter H. an der Theresienwiese eintreffen.

„Ich kann mich auch noch an Kollegen der Führung von der Bepo Böblingen, darunter war Thomas B., Peter H., Eckbert H. erinnern. Ich meine die Kollegen sind zusammen am Tatort angekommen.“

Der Bereitschaftspolizist Claus Max R. bestätigte, dass Peter H. nach Heilbronn fuhr.

Bereits um 14:30 hatte Thomas B. Kontakt mit Geschäftszimmer

Sven H. wurde gegen 14:30 vom Geschäftszimmer angerufen, er sprach mit Maik S.. Der richtete ihm von Thomas B. aus, dass die BFE 523 nicht in die Kaserne zurückkommen bräuchte.

„Z. S. H.: Das war gegen 14:30 Uhr. Da habe ich den Anruf erhalten.

Vorsitzender Wolfgang Drexler: Und was haben Sie dann gemacht?

Z. S. H.: Ich habe mich fertig gemacht, bzw. zuerst habe ich den Herrn S., der mich angerufen hat, gefragt: „Was ist jetzt zu tun?“ Dann hat er zu mir gesagt, ich soll zu Hause bleiben. Da sage ich: Wieso zu Hause? Ich denke, es gibt was. Ich muss ja vielleicht ins Geschäft gehen oder wie auch immer, wenn so was passiert ist. – „Ja, der Herr B. hat gesagt, wir sollen zu Hause bleiben.“

Warum sollte der Leiter der BFE 523 in einer Urlaubswoche sich in der Böblinger Kaserne aufhalten? Weil es einen Einsatz gab, den er von dort verfolgte?

Carolin L. (BFE 522) ging kurz nach dem Überfall in das „ac-hoc“-Zimmer der Kaserne, wo gerade eine Besprechung zwischen dem Leiter der Bereitschaftspolizei Peter H. mit den Zugführern der Einheiten stattfand. Sie konnte sich nicht erinnern, ob der Zugführer der BFE 523 Thomas B. auch anwesend war.

„Ich bin dann ins Ad-Hoc-Stüble, wo eine Besprechung zwischen Pit H. und den Zugführern stattfand, um meine Informationen loszuwerden. Dort war auch noch nichts bekannt und in der Folge kam operative Hektik auf. (…)

Frage:
War Tom B. auch bei der von dir oben genannten Besprechung?

Antwort:
Gute Frage, ich kann mich nicht daran erinnern. (…)“

Geheim gehaltener Einsatz?

MK fuhr am Vormittag mit einem bis heute unbekannten Kollegen zum ersten Mal die Theresienwiese an, kurz nach 11:30.

Es gibt eine ganze Reihe von Zeugenaussagen, die Streifenwagen zwischen 11:00 Uhr und 14:00 sahen, auch in Zeiten in denen MK nachweislich dort nicht sein konnte. Um welchen Einsatz es sich handelte, ist unbekannt. Hervorstechend sind folgende Zeugenaussagen:

25.04.07 gg 12.30 Uhr Theresienwiese: Streifenfahrzeug Kombi stand im Heck zum Neckar neben dem „Stromhäuschen“. Gleich darauf ist das Polizeifahrzeug in Richtung Theresienstraße weggefahren. Im Fahrzeug waren ein Mann und eine Frau, glaubt, dass Frau gefahren ist.

25.04.07 gg. 13.45 Uhr Fahrradweg entlang der Bahnlinie Höhe Theresienwiese: Ein Polizeifahrzeug steht nicht am späteren Tatort sondern im rechten Winkel zum Radweg, vorwärts eingeparkt.

25.04.07 gg 13.50 Uhr, Karlsruher Str/Einfahrt Theresienstr: Streifenwagen 5 er Kombi, grün/weiß, fährt von der Karlsruher Str. in die Theresienstraße ein. Männlicher Fahrer, kein Beifahrer

25.04.07 zw. 13.50 und 13.55 Uhr, Theresienwiese kur vor der Einfahrt Otto-Konz-Brücke: Zeuge will einen stehenden Streifenwagen im dortigen Bereich gesehen haben.

Kein einziger der befragten Kollegen Kiesewetters bestätigt einen dortigen Aufenthalt in der Zeit.

Desweiteren hielten sich im Bereich der Theresienwiese drei Informanten der Polizei auf. Der Journalist Thomas Moser  nennt „V-Person 1749“. Desweiteren sollen Agenten des US-Geheimdienstes „DIA“ den Überfall beobachtet haben, siehe seinen Artikel „Agententreff Theresienwiese„.

Passierte der Mord während eines Einsatzes, der bis heute von Staats wegen verheimlicht wird? Wollte die BFE ein Treffen von islamischen Terroristen auf der Theresienwiese verhindern? Eventuell handelt es sich bei den Tätern um hochrangige Informanten (ausländischer?) Geheimdienste, deren Festnahme/Enttarnung (angeblich) das (US? -) Staatswohl gefährden würde, wie es immer so schön heißt. Dieser politischen Vorgabe könnten sich die Beamten fügen, auch weil sie um ihre eigene Sicherheit besorgt sind. Auf diese Weise können sich die Mörder hinter dem zu vertuschenden Einsatz verstecken. 

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