Teil 8: Nutzte Michele Kiesewetter die Theresienwiese als Pausenort?

Gegen 11:30 kauften Michele Kiesewetter (MK) und ein bis heute unbekannter Kollege in der Bäckerei Kamps ein. Die Verkäuferinnen erkannten den Polizisten von früheren Einkäufen. Daher konnte der Streifenpartner nicht Martin Arnold gewesen sein, da er zum ersten Mal in Heilbronn war. Um wem könnte es sich handeln?

Volker G.?

Wenn MK in Heilbronn uniformiert, mit einem BMW-Streifenwagen als Fahrerin oder Beifahrerin eingesetzt war, dann war stets Volker G. auch in ihrer Gruppe. Das waren der 29.03 und 20.02.

Es wäre daher wichtig, seinen (angeblichen) Streifenpartner vom 25.04., Ralf S., zu befragen. Er ist der einzige Zeuge, der lediglich 2007 von der Sonderkommission (Soko) befragt wurde.

MK wurde beobachtet, wie sie morgens am 25.04 im BMW-Dienstwagen die Kaserne verließ – einen Beifahrer konnte der Zeuge nicht erkennen. Volker G. wiederum sagt, er wäre am 25.04 von zuhause direkt nach Heilbronn gefahren. Holte ihn MK ab?

Deswegen ist die Frage wichtig

Warum fuhr Kiesewetter kurz nach 11:30 die Theresienwiese zum ersten Mal an? Wie erklären sich die Sichtungen weiterer Streifenwagen in dem Bereich? Sollte ein Islamisten-Treffen, Geldübergaben verhindert werden? Dann würde auch ihr zweiter Aufenthalt um 14:00 dort klarer werden. 

In den Ermittlungsakten werden ihre beiden Aufenthalte mit Pausen erklärt. Da der Ort allgemein als Pausenort genutzt worden wäre, hätte es auch jemand anderes treffen können. Diese Darstellung ist jedoch falsch.

Aus den Zeugenaussagen der Mitglieder der BFE-Einheiten kann geschlossen werden, dass die Theresienwiese bei den BFE-Einheiten 522 und 523 weitgehend unbekannt war. Als Beispiel wird die Aussage ihrer Freundin Romy S. dargestellt: MK hätte andere Pausenorte in Heilbronn gehabt. Die Theresienwiese war ihr nicht als Pausenort bekannt.

„Vorsitzender Wolfgang Drexler: War es denn dort üblich, dass man im Bereich der Theresienwiese Pause gemacht hat?

Z. R. S.: Nein.

Vorsitzender Wolfgang Drexler: Davon haben Sie nichts gewusst?

Z. R. S.: Nein. Also, mir war die Stelle bis dahin komplett unbekannt. Wir haben halt überall, irgendwo in der Gegend, mal Pause gemacht.“

Deshalb ist von großer Bedeutung, die Hintergründe ihrer beiden Aufenthalte von ihrem ersten Streifenpartner zu erfahren.

Soko stellt Sachverhalt falsch dar

Um den Sachverhalt zu vertuschen, manipulierte die Soko die Akten: In der Übersicht „Ermittlungsübersicht Vernehmungen von Angehörigen der BFE 523 und EZ 514“ werden die Aussagen der Zeugen falsch sinnhaft zusammengefasst.

Bei fünf von fünfzehn Zeugen steht, dass die Theresienwiese als Pausenort bekannt gewesen wäre: Einheitsführer BFE 523 Thomas B., Gruppenführer TEZ 514 Manfred E., Steffen J. (514), Jeanette R. (514) und Stefanie B. (514). In den Wortprotokollen ihrer Aussagen steht jedoch das genaue Gegenteil: Die Theresienwiese war als Pausenort zur Tatzeit unbekannt. Zum Teil wurde er ihnen erst nachträglich bekannt gemacht, so dass die Zeugen ihn zur Zeit der Befragung kannten.

Ein Sonderfall ist Thomas B.: 2007 hätte er den Ort als Pausenort gekannt, im Jahr 2010 nicht. Bei dieser Darstellung blieb er auch 2015 im parlamentarischen Untersuchungsausschuss von Baden-Württemberg:

„Frage:
Ist Ihnen die Theresienwiese in Heilbronn als ein sog. Pausenplatz bekannt?
Antwort:
Ich selbst war bis vor dem 25.04.07 noch nie an diesem Platz. Er ist mir aber durch die Erzählungen von Gruppenführern und Einsatzbeamten als einsolcher bekannt.“ (Aussage 2007)

„Frage:
War dir vor der Tat der Umstand bewusst, dass die Kolleginnen/Kollegen der BePo Böblingen bei Einsätzen auf der Theresienwiese Pause gemacht haben?
Antwort:
Die Theresienwiese selber habe ich vor der Tat gar nicht gekannt. Dass unsere Leute im Rahmen von Einsätzen dort Pause gemacht haben, war mir vorher auch nicht bekannt.“(Aussage 03.05.2011)

„Vorsitzender Wolfgang Drexler: War Ihnen denn die Theresienwiese als Pausenort bekannt?

Z. T. B.: Nein.“ (Aussage 19.10.15)

Die Übersicht der Soko vermittelt desweiteren einen falschen Eindruck, da nur fünf Mitglieder von Kiesewetters Einheit befragt wurden. Von den fünf bestätigte noch eine weitere Person, die Theresienwiese als Pausenort zu kennen:

Uwe B.

Er war am Tattag mit MK in Heilbronn eingesetzt. In seinen Zeugenaussagen widerspricht er sich im Laufe der Jahre. Unterschiedliche Zeugenaussagen bei Soko:

04.05.07: „Ich habe dort noch nie Pause gemacht. Als Pausenplatz ist die Theresienwiese bei uns schon bekannt.

25.05.2011: „Ich kenne mich dort auch aus, die Theresienwiese
hat mir vor der Tat schon etwas gesagt, war mir aber weder als Pauseparkplatz noch als Kontrollort bekannt.“

Dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss sagte er wieder, dass ihm der Ort als Pausenort bekannt gewesen sei!

„Vorsitzender Wolfgang Drexler: Aber die Theresienwiese war Ihnen bekannt, dass man dort auch Pause macht?

Z. U. B.: Dass es Kollegen gibt, die da Pause machen, ja.

Vorsitzender Wolfgang Drexler: Das war Ihnen bekannt?

Z. U. B.: Ja.“

In Kiesewetter Einheit BFE 523 war die Theresienwiese als Pausenort jedoch weitgehend unbekannt, genauso in der Schwestereinheit BFE 522. Daher sind in der Übersicht überproportional viele Vertreter (10) der Einheit TEZ 514 vertreten, wo der Ort zum Pausen zum Teil genutzt wurde. 

Auch zwei Beamte in der BFE 523 beteiligen sich an der Lügengeschichte, der Ort wäre als Pausenort in der BFE 532 allgemein bekannt gewesen, sogar MK hätte dort gepaust.

Das sind der aus Sachsen stammende Olaf M. (WG-Partner von Alexander D.?) sowie der Thüringer Marcel M. (WG-Partner von Timo H.). 

Marcel M.

Er war ausgerechnet der WG-Partner von Timo Hess, von 2001 bis 2006.

„Wir haben unseren Einsatzbeamten immer gesagt, dass sie ihre Pause auf dem Revier machen sollen. Komischerweise haben Michele und auch viele andere Kollegen in Heilbronn oftmals auf der Theresienwiese, am späteren Tatort, Pause gemacht.“

Olaf M.

Auch der Name Olaf M. könnte bereits gefallen sein. Es könnte sich um den Zimmernachbarn von Alexander D. handeln. Ausgerechnet M. behauptet, dass die Theresienwiese als Pausenort in der BFE 523 bekannt gewesen und auch von MK genutzt worden wäre.

Frage:
Warst Du mit Michele auf der Theresienwiese?
Antwort:
100 %ig kann ich das nicht mehr sagen, aber ich denke schon.

Frage:
Du warst am 03.04.2007 gegen 14:00 Uhr mit der Michele auf der Theresienwiese. Kannst du dich noch daran erinnern?
Antwort:
Das kann sein, speziell erinnere ich mich daran nicht.

Frage:
Ist dir die Theresienwiese in Heilbronn ein Begriff?
Antwort:
Ja, dort haben wir von der BFE 523 öfter unsere Pausen verbracht. Ich war dort unter anderem mit Alexander Drossel und Volker, der Nachname fällt mir gerade nicht ein. Ich war dort mit dem T4 oder auch mit dem BMW, in dem die Michele erschossen wurde.
Frage:
Wie bist du auf diesen Pausenplatz gekommen?
Antwort:
Durch den Volker, der beim Prev Heilbronn sein Praktikum gemacht hatte. Er hatte sehr gute Ortskenntnisse und meinte, dass man dort ungestört Pause machen könnte. Wir standen allerdings nicht am Traffohäuschen sondern zwischen den parkenden Autos. Bei uns war die Theresienwiese in der ganzen Einheit als Pausenplatz bekannt.“

Frage:
Warst du am 25.04.2007 im Einsatz?
Antwort;
Nein. Es war unsere Freiwoche der Einsatz sollte vom taktischen Zug gefahren werden. Das ging dann nicht, warum weiß ich nicht mehr, es wurden Freiwillige gesucht. Ich glaube ich wurde auch angerufen, habe aber danken abgelehnt.“

Alexander D. widerspricht jedoch Olaf M.: Er nützte die Theresienwiese nie als Pausenort!

„Vorsitzender Wolfgang Drexler: Haben Sie die Theresienwiese als Pausenort einmal benützt?

Z. A. D.: Nein, gar nie.“

Olaf M. sei der Pausenort von einem „Volker“ gezeigt worden. Handelt es sich hier um Volker G.? In der Einheitsliste der BFE 523 gibt es nur einen Volker:

„Frage:
Wie bist du auf diesen Pausenplatz gekommen?
Antwort:
Durch den Volker, der beim Prev Heilbronn sein Praktikum gemacht hatte. Er hatte sehr gute Ortskenntnisse und meinte, dass man dort ungestört Pause machen könnte. Wir standen allerdings nicht am Traffohäuschen sondern zwischen den parkenden Autos.
Bei uns war die Theresienwiese in der ganzen Einheit als Pausenplatz bekannt. Ich war schon bei meinem ersten Einsatz in Heilbronn dort, das muss 2006 gewesen sein.“

Volker G.

Volker G. wurde noch am Tattag, am 25.04.2007, in den Umkleidekabinen der Bereitschaftspolizei in Böblingen um 16.35 Uhr befragt. Er war zuvor auch in Heilbronn eingesetzt gewesen. Seine Aussage ist, dass der Ort -nicht- als Pausenort bekannt sei.

„Frage:
Was machten die PM’in KIESEWETTER und PM ARNOLD auf der Theresienwiese?
Antwort:
Das weiß ich nicht
Die selbe Frage haben wir uns nach dem Vorfall auch schon in der Gruppe gestellt. Keiner von uns hat eine Erklärung dafür. Wir vermuten, dass sich die beiden etwas zum Essen oder Trinken geholt hatten und daher auch den Dienstwagen rückwärts dort abstellten.“

Während seiner Befragung am 26.06.11 gab er zu Protokoll:

„… genauso ist es mit den Presseberichten, dass die Theresienwiese ein Pauseparkplatz der Kollegen gewesen sein soll. Ich selber habe dort nie Pause gemacht, habe keinen Kollegen dort jemals beim Pausemachen gesehen und mir war es vorher nicht bekannt, dass es so sein soll. Aus dem Kollegenkreis habe ich hierüber nie etwas mitbekommen.“

Wie kam MK dazu, in der Theresienwiese Pause zu machen?

Dominik W. war ein Freund von MK. Sie wären gemeinsam auf Streife gewesen, als sie ihn gebeten hätte anzuhalten. Sie wolle telefonieren. Da sie zufälligerweise an der Theresienwiese waren, stoppte er sogar in der Nähe des späteren Tatortes. Nach dem Gespräch kam MK zu ihm zurück in den Wagen und sagte, dass hier doch ein guter Ort wäre, um zu stehen und zu beobachten. Am 04.05.07 sagte er der Soko, dass eine oder zwei Wochen vor der Tat sie die Theresienwiese angefahren hätten.

„Frage:
Wann war dieses letzte Mal mit ihr in Heilbronn?
Antwort:
Das muss etwa 1 oder 2 Wochen davor gewesen sein. Es war auf jeden Fall ein Montag. Es müsste dann entweder der 16.04. oder der 09.04. gewesen sein.“

Auch am 26.05.2011 wiederholte er diese Aussage:

„Wobei mir einfällt, dass es einen Einsatz in Heilbronn gab, eine Woche vor der Tat, bei dem ich mit Michele in Heilbronn eingesetzt war. Bei diesem Einsatz bin ich mit Michele zusammen auch auf die Theresienwiese gefahren. (…) Die Theresienwiese ist mir weder als Pauseparkplatz noch als Kontrollörtlichkeit bekannt. Es war eher zufällig, dass wir dort im Rahmen der dienstlichen Streife vorbeigefahren sind.“

Michele Kiesewetter war jedoch nicht an den von Dominik W. genannten Zeiten in Heilbronn eingesetzt! Im April war sie in Heilbronn nur am 02., 03. und 25.04.!

Die Soko sprach ihn 2011 indirekt auf diese Ungereimtheit an. Es müsste sich um ihren gemeinsamen Einsatz am 02.04 handeln. Er bejaht diese Feststellung.

„Frage:
Auf den Einsatzlisten konnten wir nachvollziehen, dass es sich bei diesem Einsatz um den 02.04.2007 handeln müsste. Bei diesem Einsatz warst du mit Michele im späteren Opferfahrzeug unterwegs. Bei diesem Einsatz war auch zeitgleich der TEZ 514 in Heilbronn eingesetzt, darunter auch deine Freundin Stefanie B..
Antwort:
Das hätte ich so nicht mehr gewusst. Auch dass ich mit Steffi und Michele in einem gemeinsamen Einsatz war, war mir so nicht bekannt. Es ist aber richtige, dass wir an dem Tag an dem wir auf der Theresienwiese zum telefonieren angehalten haben, mit einem 5er BMW unterwegs waren. Ob dies das spätere Opferfahrzeug war, weiß ich nicht mehr.“

In den Fahrtenbüchern der Dienstwagen ist jedoch MK weder als Fahrerin noch als Beifahrerin eingetragen.

„An den Einsatztagen 19.02/02.04/03.04. war PM’in Kiesewetter in keinem der in Heilbronn eingesetzten Fahrzeug als Fahrer oder Beifahrer im Fahrtenbuch eingetragen.“

Lügt Dominik W.?

Dominik W. bezeugte dem parlamentarischen Ausschuss im Jahr 2015, dass ihr Aufenthalt in der Theresienwiese ein oder zwei Wochen vor dem Überfall stattgefunden hätte!

„Vorsitzender Wolfgang Drexler: Wann waren Sie denn vor dem Mord an der M., vor dem Tattag das letzte Mal in Heilbronn eingesetzt, ungefähr?

Z. D. W.: Sehr vage: Ich würde behaupten, eine Woche oder zwei Wochen vorher. Aber ich glaube – – Ich würde „eine Woche vorher“ sagen.

Vorsitzender Wolfgang Drexler: War da die M. K. an dem Tag Ihr Streifenpartner?

Z. D. W.: Ja, ja, das kommt hin. Das müsste der letzte Einsatz gewesen sein. (…)

Vorsitzender Wolfgang Drexler: Sind Sie gefahren an dem Tag?

Z. D. W.: Mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit bin ich gefahren, ja.

Vorsitzender Wolfgang Drexler: Aber Sie sind dann dort hingefahren, also neben diese Hütte hin auf der Theresienwiese. Hat die M. Ihnen gesagt, Sie sollen dort hinfahren?

Z. D. W.: Nein, sie hat – –

Vorsitzender Wolfgang Drexler: Weil sonst wären – –

Z. D. W.: Sie hat mir nicht gesagt, dass wir da hinfahren sollen, weil sie kannte den Flecken so noch nicht. Das war ihr so noch nicht bekannt, dass man da überhaupt stehen kann oder dass es den gibt, die Theresienwiese. Ich weiß nur noch, dass sie so was Ähnliches wortlautmäßig zu mir gesagt hatte, dass sie jetzt da noch nicht war und dass es ja gar nicht so schlecht ist, wenn man sich hier mal hinstellt, und man kann ja relativ viel beobachten.
Vorsitzender Wolfgang Drexler: Das heißt, wenn Ihr Einsatz acht Tage oder 14 Tage vorher war – – Also, zu dem Zeitpunkt, wo Sie da hingefahren sind, …

Z. D. W.: Ja.

Vorsitzender Wolfgang Drexler: … hat auf jeden Fall die M. K. den Ort nicht gekannt als einen Ort, wo man Pause machen kann.

Z. D. W.: Davon gehe ich aus, ja. Wir standen auch nicht neben dem Häuschen, wo die Tat passiert ist, …

Vorsitzender Wolfgang Drexler: Ja.“

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