Teil 9: TEZ 514 machte gerade am 25.04.07 keine Pause in der Theresienwiese

Am 25.04.07 war ab 12:30 eine zweite Einheit der Bereitschaftspolizei Böblingen in Heilbronn im Einsatz, neben der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) 523: Der Taktische Einsatzzug (TEZ) Nummer 514. Die Abfahrt von Böblingen war um 11:45, das Einsatzende um 19:00.

Die TEZ besuchte zusammen mit der BFE-523 eine M-Text Schulung, die von 12:30 bis 13:30 dauerte. Obwohl erst seit zwei Stunden im Dienst hätte die Gruppe danach geschlossen Pause gemacht. Als Begründung wird angeführt, dass kein konkreter Auftrag bestanden hätte. Sie hätten nur Kontrollen in der Drogenszene durchführen sollen. Die Theresienwiese war bei den meisten Mitgliedern dieser Einheit als Pausenort bekannt, jedoch machten nur wenige Personen dort tatsächlich selbst Pause.  

Bei dem Heilbronner Einsatz waren folgende Polizisten beteiligt: Stefanie B., Matthias G., Jeannette H., Steffen J., Cecille R., Jochen S., Natascha T. und Janette R. Gruppenführer war Manfred E.

Zivile Streife

Janette R., Mathias G. und Cecille R. waren in zivil unterwegs. Sie bestätigen die M-Text Schulung. Danach kauften sie sich ein Eis in einem Cafe, als der Überfall passierte. Janette R. kannte die Theresienwiese als Pausenort nicht, G. und Cecille R. nützten ihn dagegen. Etwa eine halbe Stunde nach dem Überfall kontrollierte die Gruppe das östliche Neckarufer in Richtung Wertwiesenhof. 

Janette R.

Nachträglich hörte sie, dass Kollegen dort Pausen machen würden.

„Frage:
Kanntest Du die Theresienwiese und war sie Dir als Pauenplatz bekannt ?
Antwort:
Ich selber habe dort nie Pause gemacht, Habe nach dem Vorfall aber gehört, dass viele Kollegen ihn als Pausenplatz genutzt haben. Ich habe immer auf dem Revier Pause gemacht.“

Schilderung des 25.04.2007:
Wir vom TEZ 514 sind so gegen 12.00 Uhr auf dem Revier in Heilbronn angekommen. Dort hatten wir gemeinsam mit der BFE, die schon morgens im Einsatzraum Heilbronn war, eine Schulung im Dachgeschoß. Da alle Hunger hatten, sind wir ziemlich schnell in den Einsatzraum gefahren. Ich war zusammen mit Mathias G. und Cecille R. in zivil im Einsatz.

Wir sind dann zum Bahnhof, um nach unseren Kollegen zu schauen, denn es kam über Funk, daß sich dort möglicherweise zwei Verdächtige, die auch Waffen dabei hätten, aufhalten. Auf Frage: Was aus der Spur mit den zwei Verdächtigen wurde, kann ich nicht sagen. Ich weiß weder, ob es sich um Männer oder Frauen handelte, noch welcher Ethnien die angeblich Verdächtigen angehörten, Noch, ob sei jemals gefunden wurden. Ich empfehle aber, dazu die Kollegen B. und H. zu befragen. Sie waren nämlich vor Ort, als wir die Meldung über Funk mithörten.“

„Uns wurde dann ein Fahndungsraum zugewiesen. Wir liefen den Fußweg am Neckar in Richtung Wertwiesenpark entlang und schauten auch am Neckarufer nach Verdächtigem. Wir gingen dann über die Otto-Konz-Brücke und befragten auf der anderen Seite des Neckars, Personen die in einem Schleusenturm oder so was ähnliches, arbeiteten. (…)
Auf Frage:
Wir waren zu dem Zeitpunkt zu dritt. Zwei Frauen und ein Mann. Wir haben damals nicht russisch miteinander gesprochen und von uns hat sich auch keiner die Hände im Fluß gewaschen.“

Cecille R.

Sie und Kollegen machten „generell“ Pausen in der Theresienwiese.

„Frage:
Gab es da bestimmte Zeiten oder auf der Thereseinwiese selbst bestimmte bevorzugte Örtlichkeit?
Antwort:
Wir machten unsere Pausen generell neben dem Trafohäuschen, da war man „sichtgeschützt“ und wenn die Sonne schien hatte man Schatten.“

Die M-Text Schulung hätte nur 15 Minuten gedauert.

„Frage:
Welche Kollegen/-innen sind Dir noch von der BFE In Erinenrung ?
Antwort:
Ich kann mich nur noch an die Michelle erinnern, sie saß im Lehrsaal vor mir. Sonst ist mir von der BFE kein Name in Erinnerung, es ist lange her und ich kann mich deshalb nur an die Michelle erinenrn, vor allem, weil es an diesem Tag passiert ist. Die Schulung dauerte ca. 15 Minuten, danach
fuhren wir raus.“

Es gab keinen konkreten Einsatzplan an dem Tag. Es sollten „lediglich Kontrollen auf der Szene durchgeführt“ werden.

„Ich meine, es ging wieder um die Drogenszene, meiner Erinnerung nach war es so, daß es keinen konkreten Auftrag gab, sondern lediglich Kontrollen auf der Szene durchgeführt wurden, um Personenerkenntnisse zu erlangen. Wir fuhren dann raus auf die Szene, das war die Janette R., der Mathias G. und ich. Wir fuhren direkt zum Eiscafe „Delatte“, da es sehr heiß an diesem Tag war und wir Lust auf Eis hatten. Wir hatten kaum das Eis in der Hand, da rauschten schon die ersten Streifenwagen mit Blaulicht und Martinshorn an uns vorbei.“

Matthias G.

Auch er bestätigt die gemeinsame Schulung mit der BFE-523.

„Den Kollegen Arnold am 25.04.2007 das erste mal in der M-Text-Schulung auf der Polizeirevier Heilbronn gesehen. Die Schulung wurde von dem damaligen FEG-Leiter durchgeführt. Wie er hieß, weiß ich nicht mehr. Jetzt wo mir hier der Name Z. gesagt wird, kann ich es bestätigen. Ich weiß, dass unser Zug und die BFE 523 teilgenommen hat. An weitere Teilnehmer kann ich mich nicht erinnern, auch nicht an Kollegen aus Heilbronn. Ich glaube, dass ich während der Schulung schräg hinter dem Kollegen Arnold saß und wir uns auch in der Schulung kurz unterhalten haben. Dabei ging es um den Inhalt der M-Text-Schulung.“

Er wusste, dass die Theresienwiese von Kollegen als Pausenort genutzt wurde.

„Frage:
Wird die Theresienwiese von eingesetzten Kräften der Bereitschaftspolizei regelmäßig angefahren?
Antwort:
Ich kenne den Parkplatz an der Theresienwiese. Allerdings komme ich da so gut wie nie hin. Ich weiß aber, dass dieser Platz von Kolleginnen und Kollegen zum Pause machen genutzt wird.“

„Wir haben unser Einsatzfahrzeug stehen lassen und sind zu Fuß den Radweg hinter dem Trafohäuschen in Richtung Otto-Konz-Brücke abgegangen. Wir sind auf keine Personen getroffen und auch im Nachhinein kann ich sagen, dass wir auf nichts Verdächtiges gestoßen sind. Wir haben auch die Gebüsche kontrolliert.
(…) An einer bestimmten Stelle am Radweg sahen wir eine Unterführung direkt am Neckar. Ich glaube, Janette und ich sind über den Zaun gestiegen und sind durch die Unterführung zur Brücke gegangen. Es war wie ein riesengroßes Abflussrohr, auch dort haben wir nichts Verdächtiges wahrgenommen. Cecille ist glaube ich weiter auf dem Radweg gelaufen. (…)

Bevor wir uns auf den Weg zum Radweg machten oder unmittelbar vorher kam der Hubschrauber, der den Kollegen Arnold abgeholt hat. Wie lange wir uns auf der Theresienweise aufhielten, kann ich nicht sagen. Ich habe kein Zeitgefühl gehabt.
Wir sind dann über die Brücke gegangen und dort auf den Kollegen B. vom Polizeirevier Böckingen gestoßen. (…) Wir haben ihm dann gesagt, dass wir zur Schleuse gehen, um nachzusehen, ob dort jemand ist. Das haben wir dann auch gemacht und die Personalien des Schleusenwärters notiert, welche wir später auf dem Polizeirevier Heilbronn, ich glaube dem Kollegen Zeggel, mitgeteilt haben.
Der Schleusenwärter hat uns gesagt, dass ein Boot mit Arbeitern auf dem Neckar unterwegs gewesen sei. Ob seine Arbeiter etwas beobachtet hatten konnte er uns nicht sagen, da sie noch nicht zurück waren. Ich glaube, soweit der Schleusenwärter die Personalien der Arbeiter wusste, haben wir sie notiert. Dann sind wir zurück zur Theresienwiese.

Erste Streife in Uniform

Gruppenführer Manfred E. und Natascha T. waren uniformiert.

Manfred E.

Ihm wurde die Theresienwiese als Pausenort erst nachträglich bekannt gemacht.

„Ich habe nachher von den Kollegen gehört, dass dort oft Pause
gemacht wurde. Ich habe oft auf der Dienststelle Pause gemacht. Ich selbst war nie an der Theresienwiese zum Pausemachen. Einmal habe ich am Schlachthof Pause gemacht, in der Nähe vom späteren Tatort.“

Kannst Du dich an den Tattag, den 25.04.2007 erinnern?

Dienstbeginn war für uns am späten Vormittag. Wir sind etwa 50 Minuten nach Heilbronn gefahren und sind dann mit der anderen Gruppe Bereitschaftspolizei zu einer Schulungsveranstaltung. Beide Gruppen haben dann vollzählig an der Schulung teilgenommen.

Die Veranstaltung ging etwa eine Stunde. Danach sind die von der BFE gleich rausgefahren, weil die schon versorgt waren, mit
Fahrzeugen und Funkgeräten, die waren vor uns da, sie hatten Dienstbeginn um 08:30. Ich meine, die hätten dann auch Hunger gehabt, die kamen wohl vorher nicht zum Essen. Später ist dann auch meine Gruppe rausgefahren, ich bin nicht gleich mit rausgefahren, weil ich noch ein Protokoll erstellte, (…).“

Natascha T.

Sie wusste, dass „viele“ in der Theresienwiese Pause machten.

„Zum Beispiel habe ich selbst nie auf der Theresienwiese Pause gemacht. Ich wusste damals schon, dass viele dort Pause machen.“

Sie sah MK während der Schulung.

„Sehen, aber wir haben uns nie persönlich unterhalten. Ich hätte das Gesicht von ihr mit der BFE in Verbindung gebracht, aber einen Namen von ihr wusste ich vor der Tat nicht mal. Wir sind am 25.04.2007 zwar beim Polizeirevier im selben Lehrsaal zu einer Schulung der internen Vorgangsbearbeitung der PD Heilbronn gesessen, dies habe ich aber erst im Nachhinein realisiert.“

Fragen:
Hast du und Kollege E. Uniform getragen oder ward ihr in zivil unterwegs?
Antwort:
Wir waren in Uniform im Einsatz.“

Die Schulung dauerte 1-1,5 Stunden. Ihre Kollegin R. hätte ihr erzählt, das MK und Martin Arnold ihr sagten, dass sie Hunger hätten und etwas zum essen kaufen wollten.

„Nach der Schulung, die ca. 1 – 1 Y2 Stunden gedauert hat, bin ich mit den Rauchern nach draußen gegangen. Ich glaube es waren sowohl Kollegen von meiner Einheit als auch von der BFE, auf jeden Fall kann ich mich noch an die Kollegin R. erinnern. Ich war dann noch eine Weile draußen geblieben, weil Kollege E. am PC noch eine Checkliste schreiben wollte. Kollegin R. hat mir nach der Tat erzählt, dass sie mit Michele Ljfltl Martin gesprochen hat, A&- ob diese noch ein bisschen bei ihnen stehen bleiben wollen, worauf die beiden meinten, dass sie gleich losgehen, weil sie Hunger hätten und sich etwas zu Essen kaufen wollten.“

Zweite uniformierte Streife

Zur zweiten uniformierten Gruppe gehörte Steffanie B., Jeanette H., Jochen J. und Jochen S. Sie waren mit einem VW T4-Bus unterwegs.

Jochen S.

Auch ihm war die Theresienwiese als Pausenort bekannt, fast jeder in TEZ 514 hätte den Ort gekannt. Verschiedene Streifen würden dort „in der Regel“ pausen. Es hätten sich jedoch nur um die sechs Personen dort „häufig“ aufgehalten.

Er wollte exakt in der Zeit zur Theresienwiese, um dort zu pausen, als der Überfall passierte. Er wäre jedoch in seiner Gruppe überstimmt worden. Unglaublicherweise bestätigen diese Version die anderen Mitglieder der Gruppe nicht. Gab es stattdessen einen Auftrag, den sich die Beamten entzogen?

„In der Regel wird die Theresienwiese in der Zeit von 13.30 – 14.30 Uhr von verschiedenen Streifen zu diesem Zweck aufgesucht. Dabei kommt es immer auf das aktuelle Einsatzgeschehen an.“

„Ich stand dort immer exakt an der späteren Tatörtlichkeit am Trafohäuschen. Wir parkten da auch genauso ein, mit Sichtrichtung auf den Platz.“

„Es war auch so, dass es nicht viele von uns waren die dort so häufig Pause gemacht haben. Vielleicht so 6 Leute oder so. Das waren definitiv der Dominik H., die anderen Fallen mir gerade nicht ein, aber aus unserem Zug waren es bestimmte Leute. Ich meine fast jeder hat den Ort gekannt, aber dass viele dort regelmäßig Pause gemacht haben glaube ich nicht. Ich denke es war eher ein überschaubarer Personenkreis aus unserem Zug.“

„Frage:
Ist dir bekannt, dass die BFE dort auch Pause gemacht hat?
Antwort:
Dass die BFE dort Pause gemacht hat, wusste ich nicht, das hat mich eher gewundert. Als ich am Tattag dies mitbekommen habe, habe ich mich schon gefragt, ob das Zufall ist, oder ob ich sogar Glück hatte, weil ich dort so oft stand. Da ich bis auf den Tattag selten mit der BFE in Heilbronn eingesetzt war, ist mir das nicht bewusst gewesen. Ich bin dort so oft gestanden und habe zuvor nie einen von der BFE dort gesehen.

Frage:
Warst du am Tattag in zivil oder in Uniform unterwegs?
Antwort:
An dem Tag war ich in Uniform unterwegs. Wir waren an dem Tag zu viert im Fahrzeug unterwegs. Wir waren, soweit ich weiß, in einem VW T4 unterwegs. Mit im Fahrzeug waren die Kollegin B. und die Kollegin H. Wer der vierte war, weiß ich nicht mehr genau.“

„Wie war der weitere Ablauf nach der Schulung auf dem Revier in Heilbronn?
Antwort:
Nach der Schulung hat sich alles verlaufen. Wir haben uns in unserer Gruppe unterhalten, wo wir etwas zu Essen holen. Die Kollegen B., H. und der Kollege J. (wurde von UZ. bekanntgegeben) wollten zum Burger King oder McDonalds. Ich wurde quasi überstimmt. Ich wollte zum Subway und hätte ganz sicher auf der Theresienwiese Pause gemacht, so wie fast immer. Da der McDonalds und Burger King in der anderen Richtung lag sind wir auf Vorschlag in die Weinberge zum Pausemachen gefahren. Dort war ich vorher noch nie. Es dauerte keine 20 Minuten nach Verlassen des Polizeireviers, bis die Meldung von der Tat über Funk kam. Wir standen zu der Zeit in den Weinbergen.
Wir wussten mittels Ausschlussverfahren ziemlich schnell, wer die Opfer waren. Wir haben uns noch die Frage gestellt, in was die so schnell reingeraten sind, dass es zu so einer Tat kam. Ich war .

„(…) darüber schon schockiert, weil ich an der Stelle von Michele gewesen sein könnte. Ich denke aber, dass die Tat nicht auf eine bestimmte Person gerichtet war und es somit jeden von
uns hätte treffen können.“

Steffen J.

Der Pausenort Theresienwiese war ihm erst nachträglich bekannt. Er hätte von der (angeblichen) Diskussion über den Pausenort nichts mitbekommen. Die einzigen BFE-Uniformierten in der Schulung waren MK und Martin Arnold gewesen!

Frage.
Am Tattag warst du ebenfalls in Heilbronn im Einsatz?
Antwort:
Ich war am Tattag in Heilbronn im Einsatz. Zusammen war ich mit der Kollegin B., mit Koll. Jochen S. und der Jeanette H. in einem Fahrzeug, in dem Vw Bus T4. Wir trugen alle Uniform. Der Auftrag war so weit ich mich erinnern kann allgemeiner Art, also Bekämpfung der Drogenszene.
Es war um die Mittagszeit, wir haben uns zunächst verpflegt, also beim MC Donalds was geholt und fuhren in den Weinberg in Richtung Stuttgart und haben dort gegessen. Dann kamen die Funksprüche, ich glaube los ging es von 6/21, also der FLZ in Heilbronn, dass Kollegen auf der Theresienwiese angeschossen wurden.

Dies wusste ich, da wir zuvor bei der PD Heilbronn waren und der Kollege Z. von Heilbronn mit uns eine Computerschulung machte, ich meine es war ne M-Text Schulung. Dort habe ich die anderen Kollegen gesehen und deswegen habe ich auch gesehen, dass die einzigen BFE’ler in Uniform die Michelle und der Koll. Arnold war.“

„Antwort:
Mir war bekannt, dass dies ein großer öffentlicher Platz in Heilbronn ist. Ich fuhr damals in der Heilbrunner „Einsatzzeit“ vielleicht 2 mal über diese Theresienwiese. Ich glaube wir haben dort keine Kontrollen gemacht sondern sind nur drübergefahren.
Ich habe dort auch nie Pause gemacht. Ich habe auch erst im Nachhinein mitbekommen, dass wohl ein paar Kollegen/innen diesen Platz als Vesperplatz nützten. Die meiste Zeit meiner Heilbronner Zeit war ich in Zivil unterwegs, aus dem Grund kannte ich die Plätze auch nicht, wo die uniformierten Pausen machten.“

Jeannette H.

Auch ihr war die Theresienwiese als Pausenort nicht bekannt, eine Abstimmung darüber erwähnte sie nicht einmal.

„Wie gesagt ist mir auch die Theresienwiese nicht als Pauseparkplatz bekannt gewesen. Wir haben manchmal auf dem Revier Pause gemacht oder einfach zwischendrin irgendwo ein Brötchen gegessen.“

„Ich glaube die Schulung ging mindestens bis 12 Uhr, auf jeden Fall war es Mittagszeit, als sie zu Ende war. Wir sind als erstes nach der Schulung rausgefahren und haben uns etwas zu Essen geholt. Wir sind dann zu McDonalds gefahren und haben uns etwas geholt. Wir sind dann zum Essen in die Weinberge gefahren.“

Es hätte auch keine Diskussion über den Pausenort gegeben.

„Frage:
Gab es noch andere Vorschläge, wo man Pause machen könnte?
Antwort:
Nein, wir sind einfach rumgefahren und haben geschaut, wo wir uns am Besten hinstellen könnten. Ich glaube auch nicht, dass der Steffen dort schon einmal war. Denn als über Funk die Nachricht von der Schießerei kam, haben wir so schnell gar nicht in die Stadt gefunden.
Als wir in den Weinbergen Essen waren, kam der Funkspruch, dass eine Kollegin angeschossen wurde und dass diese uniformiert gewesen sein soll. Ich ging dann im Kopf durch, wer von uns in Uniform und wer in zivil unterwegs war. Mir war dann schnell klar, dass es ich bei der Kollegin um Michele handeln musste.“

Stefanie B.

Sie nahm auch an der Schulung teil. Die Theresienwiese war ihr nicht als Pausenort bekannt, auch ihrem Freund Dominik W. nicht. Dass sie Jochen S. überstimmt hätte oder an eine Diskussion über den Pausenort teilnahm, verneint sie!

„Frage: ‚
Kanntest / kennst du die Theresienwiese?
Antwort:
Die Theresienwiese ist für mich Festplatz gewesen. Erst nach der Tat habe ich davon erfahren, dass dort Kollegen und Kolleginnen von mir regelmäßig Pause gemacht haben.
Auch als Kontrollort für mich total uninteressant. Es haben viele von uns im Nachhinein erzählt, dass sie dort Pause gemacht haben. Ich habe immer auf dem Revier oder in den Weinbergen Pause gemacht. Mir war es nie in den Sinn gekommen in der Stadt an einem Ort, wo ich beobachtet werde, Pause zu machen.

Frage:
Ist dir bekannt, dass die BFE dort auch Pause gemacht hat?
Antwort:
Ist mir nichts bekannt. Selbst Dominik W., mit dem ich 2007 zusammen war und jetzt wieder zusammen bin, hat mir davon nichts erzählt. Dominik ist 2007 ja auch schon in der BFE 523 gewesen, so wie Michele.

Frage:
Ist dir in Erinnerung, dass Kollege S. ursprünglich auf die Theresienwiese zum Pause machen wollte? Lt. seinen Angaben hättet ihr ihn überstimmt.

Antwort:
Ich wusste nichts davon. Vielleicht hat er mit den anderen beiden geredet.

Zum Tagesablauf macht sie folgende Angaben:

„Frage:
Wie war dein Verhältnis zu Martin Arnold und Michele Kiesewetter?
Antwort:
Martin habe ich am 25.04.2007 in Heilbronn das erste Mal gesehen, mehr nicht. Der 25.04.2007 war meiner Erinnerung nach auch der einzigste Einsatz zusammen mit Michele. Sie saß im Lehrsaal auf dem Revier Heilbronn noch vor mir und ich dachte mir die ganze Zeit „die Arme“ und sie ist bestimmt traurig, weil ich wieder mit Dominik zusammen bin.“

„Frage:
Was habt ihr im Lehrsaal gemacht? Fand dort eine M-Text Schulung statt?
Antwort:
Es war eine Besprechung, ich meine es ging um irgendwelche neue Kontrollverfahrensweisen, ich glaube um die neuen Regularien im Platzverweisverfahren.
Eine M-Text-Schulung war es definitiv nicht, wäre ja auch unlogisch für die BePo. Es war keine Schulung, sondern ein Vortrag. Wer ihn gemacht hat, weiß ich nicht mehr. Es waren aber auf jeden Fall noch andere Kollegen außer den Kollegen und Kolleginnen der BePo. Es waren schon mehrere. Der Saal war voll. Namen weiß ich echt nimme.“

„Danach haben wir die Streifen eingeteilt und sind zum Essen holen rausgefahren. Ich bin mit den Kollegen S., J. und Kollegin H. in einem T4 gefahren. Wir haben uns bei McDonalds Essen geholt und sind in die Weinberge gefahren. Gleich darauf, wir standen gerade und haben in unsere Burger gebissen, da kam der Funkspruch, den ich nie vergessen werde. Da schrie eine Kollegin irgendwas von „Kollegin Ex“.“

„Dann kam der Funkspruch, „eine Kollegin der BePo“, worauf es nicht lange dauerte und ich wusste, um wen es sich handelt, nämlich um Michele. Ich habe die anderen eingesetzten Kolleginnen ausschließen können. Wir waren total durcheinander, sind dann gleich in Richtung Stadt gefahren.“

„Alles lief so sehr chaotisch ab. Tausend Telefonate, Funksprüche und überall rannten Polizisten herum. Mein Gruppenführer Manfred E. konnte auch nichts sagen. Keiner wusste was zu tun ist. Plötzlich kam von irgendwo her die Meldung, dass einer mit einer MP am Bahnhof rumm rennt. Dann sind wir dort hingefahren und da waren zahlreiche Polizisten, ich glaube der FEG Leiter Z. auch. Dort haben wir uns „wie in trance“ im Bahnhof und ind den Zügen, Bussen und Stadtbahnen umgesehen. Alles lief wie im Film ab. Ich weiß noch, dass sich Kollegin H. vor lauter Angst hinter mir versteckt hat.“

Unglaubliche Diskrepanzen

In der TEZ 514 gibt es unterschiedliche Stimmen, ob die Theresienweise als Pausenort benutzt wurde. Die Ungereimtheit wird größer dadurch, dass die ortsansässigen Heilbronner Polizisten den Ort als Pausenplatz nicht kennen.

Yves S. (TEZ 514)

„Frage:
Kanntest du die Theresienwiese als Pauseparkplatz?
Antwort:
Bis zu diesem Zeitpunkt kannte ich die Theresienwiese nur von der Vorbeifahrt oder vom Hörensagen in Bezug auf Wegbeschreibungen. Ich wusste auch nicht, dass dort Kollegen Pause gemacht haben, das habe ich erst am Abend des Tattages erfahren, als wir mit Kollegen zusammen saßen und diese erzählt haben, dass sie dort öfter Pause gemacht haben.“

Unglaublich ist ein Pausentreffen zweier Streifenwagen folgender der TEZ-514 Bereitschaftspolizsten: Es soll zwischen Jochen S., Natascha K. sowie Cecille R., Dominik H. am 19.04.2007 am exakt den gleichen Ort stattgefunden haben, wo zwei Wochen später der Überfall sich ereignete.

Natascha K. (514)

Frau K. bestätigt das Treffen.

„Frage: Haben Sie öfters auf der Theresienwiese Pause gemacht?
Antwort:
Ich kann mich nicht daran erinnern, wie oft ich auf der Theresienwiese war oder ob ich vielleicht sogar nur einmal dort war. Auf jeden Fall erinnere ich mich daran, dass ich wenige Tage vor der Tat gemeinsam mit einem Kollegen dort Pause gemacht habe. Ich meine, wir haben uns dort mit einer zweiten Streife getroffen. Ich weiß allerdings nicht mehr, mit wem ich unterwegs war und wer dazukam. Mir ist aber noch deutlich in Erinnerung, dass wir dort genauso parkten, wie später die Michele Kiesewetter und der Martin Arnold. Ich weiß noch, dass wir eben auch an diesem Trafohäuschen standen, weil es abgelegen war und man von der Bevölkerung wenig wahrgenommen wurde, es war dort wenig Personenverkehr.

Vorhalt:
Sie waren am 19.04.2007 mit dem Koll. S. zw. 16. und 17.00 Uhr an der späteren Tatörtlichkeit. Ebenfalls zur selben Zeit parkten dort die Koll. R. und der Koll. H. Erinnern Sie sich daran?
Antwort:
Ja, jetzt erinnere ich mich wieder daran, dass ich mit dem Koll. Jochen S. unterwegs war und dass die Cecile und der Dominik auch auf die Theresienwiese kamen und wir uns mit ihnen getroffen haben, wie spät es war, weiß ich nicht mehr.“

Dominik H.

„Frage:
Gab es sonst noch Besonderheiten bei den Einsätzen in Heilbronn?
Antwort:
Wir haben häufig auf der Theresienwiese Pause gemacht. Ich war am Tag vor der Tat dort mit anderen Kollegen zusammen. Ich glaube an diesem Tag war ich in Zivil unterwegs. Ich stand dort aber auch öfter mit einem Streifenwagen und in Uniform zum Pause machen.“

„In Heilbronn gab es für uns, also für meine Kollegen aus dem taktischen Einsatzzug, diesen Pausenparkplatz auf der Theresienwiese.“

Vorhalt:
An dieser Stelle werden dem Kollegen seine hier bekannten Pausenzeiten vorgelesen.
Antwort:
Das waren vor allem Kollege S., Kollegin R. und möglicherweise Kollege L.
Wir haben uns dort auch manchmal mit anderen Streifen getroffen. Dabei war es egal ob die Streifen uniformiert oder zivil unterwegs waren. Wir haben uns dann meistens kurz vorher über Handy verabredet.“

Wenn ich auf der Theresienwiese Pause gemacht habe, dann haben wir das Auto genauso geparkt, wie das spätere Opferfahrzeug parkte. Der Grund für mich lag in der Übersichtlichkeit über den Parkplatz. Hinter uns lag ja nur noch der Fuß-/Radweg und dann kam ja schon das Neckarufer.“

Die Theresienwiese ist mir als Einsatzort von zwei Einsätzen in Erinnerung. Einmal fand dort ein  Flohmarkt statt. Ich war dort vermutlich mit dem Kollegen S. als uniformierte Fußstreife eingesetzt. Wir haben uns selbständig dazu entschieden, da an diesem Tag sonst nicht viel los war.
Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, aber ich vermute stark, dass wir den Streifenwagen in der Nähe des späteren Tatortes geparkt hatten. Wir haben damals eine Straftat angezeigt. Da war ein Verkäufer, der irgendein Emblem mit einem Hakenkreuz drauf verkaufen wollte.
Dann haben wir auf der Theresienwiese noch eine Fahrzeugkontrolle durchgeführt. Der Fahrer hatte telefoniert. Wir waren damals zu dritt in zivil unterwegs. Ich meine es war mit dem Kollegen S. und einer Kollegin. Wir haben uns ca. 20 min. mit dem Fahrer auf der Theresienwiese beschäftigt. Besonderheiten gab es dabei keine.“

„Frage:
Wie und wann haben Sie von der Tat erfahren?
Antwort:
Ich war zuhause. Ich hatte frei. Ich war im Internet und habe dort eine Meldung gelesen und dann habe ich meinen Kollegen und Kumpel den Jochen S. angerufen. Ich wusste, dass er in Heilbronn im Einsatz war, der hat mir dann näheres erzählt. Das Gespräch war nicht sehr lang. Er hat mir auf jeden Fall gesagt, dass Michele KIESEWETTER getötet wurde. Er hatte mir gesagt, er habe es per Funk in den Weinbergen mitbekommen. Er selbst hatte die Michele noch an dem Tag in einer Fortbildung gesehen. Ich wusste erst vom Namen her nicht genau wer sie war, aber die Erinnerung kam dann schon wieder. Ich war dann auch auf ihrer Beerdigung in der Kirche. Da war der ganze Zug.
Frage:
Uns liegt eine Einsatzliste vom 25.04.2007 vor. Nach dieser waren Sie von 05.00 – 14.30 Uhr in Stuttgart zum Objektschutz eingesetzt. Was sagen Sie dazu‘?
Antwort:
Oje, nach meiner Erinnerung hatte ich frei. Aber vielleicht war ich doch morgens im Dienst, Auf jeden Fall habe ich am späten Nachmittag mit dem Jochen telefoniert, da war ich zuhause.“

Pausenort für TEZ 514 – Beamte noch am 24.04.07, einen Tag vor dem Überfall?

„So machte am Tag vor der Tat der Streifenbeamte Patrick H. zusammen mit seiner Kollegin Elke S. auf der Theresienwiese Pause. Wie Kiesewetter und Arnold gehörten auch die beiden zur Bereitschaftspolizei Böblingen.

In den Ermittlungsakten steht dazu höchst Merkwürdiges. Angeblich soll Patrick H. in einer Vernehmung durch die Kriminalpolizei Heilbronn im Juli 2007 angegeben haben, am Tatort „noch nie Pause“ gemacht zu haben. H. erfährt von seiner angeblichen Aussage erst Jahre später, im Oktober 2010, als das Landeskriminalamt viele Polizisten noch einmal befragt. H. ist überrascht und bestreitet, die Aussage jemals gemacht zu haben. Damals sei er nicht einmal vernommen worden. Ist diese angebliche Vernehmung also konstruiert? Wenn ja, von wem und warum? Vielleicht, um davon abzulenken, dass der Anschlag gezielt Michèle Kiesewetter galt?“ (Thomas Moser, „Mord mit Merkwürdigkeiten„)

Der Blogger „fatalist“ geht kritisch auf die Ausführungen ein und weist darauf hin, dass es sich bei Elke S. um eine Thüringerin wie Michele Kiesewetter handelt.

 

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