Auch Clemens Binninger propagiert Mundlos Selbstmord

Auch der parlamentarische NSU-Ausschuss des Bundestages propagiert den sogenannten erweiterten Selbstmord von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Für diese Idee bringt Clemens Binninger (CDU) ins Spiel, dass Uwe Mundlos ja bei seinem Selbstmord gestanden haben könnte. So könnten die fehlenden Blut- und Gewebemuster an der Wand hinter ihm erklärbar sein. Auch diese Erklärung klingt seltsam, da Mundlos nach seinem Kopfschuss weiter stark blutete und dabei gegen die Wand hinter ihm fiel.

Die Südwest-Presse fragte Binninger:

„Ist der Selbstmord von Böhnhardt und Mundlos mittlerweile geklärt?

Ja, ich glaube, da können wir sagen: Am erweiterten Selbstmord gibt es keinen vernünftigen Zweifel. Es waren Mord, Brandlegung, Selbstmord. In dieser Reihenfolge. Die Tatsache, dass man auf dem Foto Mundlos in der einer Ecke sitzen sieht, sich aber kein Blut an der Wand befindet, ist kein Beleg dafür, dass er sich nicht erschossen hat. Vielmehr ist alles stimmig, wenn man sich von der Annahme löst, er habe schon beim Abgeben des Schusses gesessen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat er aber gestanden. Deswegen lag auch die Pumpgun nicht direkt bei ihm und deswegen gibt es auch eine durchschossene Wohnwagendecke.“

Statt zu mutmaßen, wäre es notwendig gewesen, eine Blutmuster-Analyse erstellen zu lassen. Tatortfotos aus den Ermittlungsakten liegen vor. Das wird von den Abgeordneten wiederum nicht vorgenommen, wahrscheinlich weil am „erweiterten Selbstmord“ von Anfang an kein vernünftiger Zweifel entstehen durfte: Staatschutz. 

7 Gedanken zu „Auch Clemens Binninger propagiert Mundlos Selbstmord“

  1. Interessant ist bei der Betrachtung dieser Frage nicht der Umstand, dass Herr Binninger heute zu einer solchen Überzeugung gelangt.

    Die Frage ist doch, wieso Michael Lotz bereits am 04.11.2011 um 23.45 Uhr davon überzeugt seine konnte, dass sich Böhnhardt und Mundlos aus Furcht vor Strafe nach einem Bankraub selbst töteten. Siehe hierzu auch die Lotzsche Erstmeldung. Objektiv lagen nämlich zum Zeitpunkt dieser Erstmeldung keine Anhaltspunkte für eine solche Schlussfolgerung vor.

      1. Ja, kann schon sein. Lotz hat gegen 15 Uhr mit Klüpfel telefoniert. Verschriftet hat er es um 23.45 Uhr erstmalig.

        Bezüglich der angenommenen Selbsttötung war die Erkenntnislage um 23.45 Uhr für Lotz mit der um 15 Uhr fast identisch. Damit die Sache nicht schon an der Haftanordnung-Gerlach scheitert, hat Lotz in seiner Vernehmung einen Kontakt mit Menzel nach 15 oder 17 Uhr (müsste ich jetzt nachlesen) ausgeschlossen.

        Trotzdem ist es schon bei oberflächlicher Betrachtung offensichtlich, dass am 04.11.2011 weder um 15 Uhr noch um 23.45 Uhr Grund zu der Annahme bestand, Böhnhardt und Mundlos hätten sich selbst getötet.

        Das Herr Binninger heute zu dieser Überzeugung gelangt, ist fast selbstverständlich. Binninger ist auf die Informationen angewiesen, welche ihm vorliegen und an denen es aus seiner Sicht nichts zu bezweifeln gibt. Wenn man allerdings der Frage nachgeht, wie diese Informationen entstanden sind, dann landet man fast automatisch wieder bei Lotz, Menzel, Schilling, Stefan, Nennstiel, Wolfram usw., d.h., am Ausgangspunkt. Denn all die Vorgenannten haben Berichte an vorgesetzte Dienststellen verfälscht und den UA 6/1 in besonders dreister Art belogen.

        1. Oh, die armen Abgeordneten werden böse angelogen.

          Nein, für mich gibt es keine Entschuldigung für die Leichtgläubigkeit der Abgeordneten. Da laden die Volksvertreter die Polizisten in ihren Ausschuss und sprechen sie sogar auf die fehlenden Blutmuster an. Ein Polizist antwortet, Mundlos stand und spekuliert einfach so die Ungereimtheit weg. Statt diese Aussage zu überprüfen, Blutmuster-Analyse, glauben die einfach der Aussage. Sie lassen sich anlügen.

          1. Das stimmt nicht Georg. Definitiv nicht. Der Ausschuss hat tatsächlich versucht das nachzuvollziehen, was sich am 04.11.2011 in Eisenach tatsächlich zugetragen hat.

            Ich habe früher auch so gedacht wie Du, musste meine Meinung aber revidieren. Es ist auch sinnlos dieses Fass aufzumachen. Im Prinzip hat z.B. die Abgeordnete König die gleichen Fragen gestellt, wie sie auch Du bzw. der AK NSU und andere auch gestellt haben. Ich habe gemerkt, dass Frau König tatsächlich ernsthaft bemüht war und immer noch ist, die Wirklichkeit des 04.11. nah an den tatsächlichen Geschehnissen zu rekonstruieren. Frau König ist mit Abstand das couragierteste Ausschussmitglied. Das mag vielen nicht in den Kram passen, ändert aber deswegen nichts. Darüber hinaus ist sie halt auch noch Politikerin der Linken. Herr Dittes vedient dagegen dieses Lob nicht. Auch die anderen geben sich redlich Mühe. Frau Marx macht ihre Sache gut – von einigen Auffälligkeiten mal abgesehen. Aber das große Bild und die Erkenntnisse, welche der Ausschuss gewonnen hat, sind mit Abstand das Beste, was es zu den Ereignissen in Eisenach am 04.11.2011 gibt.

          2. Ich war vor Ort in Erfurt, bei Menzels zweiter Aussage. Dort revidierte er seine erste Darstellung, es wäre Kiesewetters Dienstwaffe zuerst gefunden worden. Jetzt war es Arnolds Dienstwaffe gewesen. Niemand fragte nach, wie es zu diesem Sinneswandel gekommen ist.

            Hast Du eine Erklärung für dieses fahrlässige Nicht-Nachfragen?

            http://friedensblick.de/20614/nsu-ausschuss-ex-polizeichef-michael-menzel-veraendert-aussage-zur-kiesewetter-schusswaffe/

  2. Der Platz reicht hier für Erklärungen eh nicht aus. Hast Du nicht selbst geschrieben, dass der Ausschuss Menzel angezeigt hat? Hab ich noch so in Erinnerung – Frau Marx hat sich wohl Dir gegenüber so geäußert, glaube ich. Die glauben dem Menzel dort kein Wort, das geht auch aus den Fragestellungen hervor.

    Zu beobachten war in der letzten Vernehmung, dass Menzel regelrecht unverschämt und dreist dem Ausschuss gegenübertrat. Der denkt wohl, nach so langer Zeit würde sich da garnichts mehr aufklären lassen. Wir werden sehen.

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