NSU-Ausschuss: Ex-Polizeichef Michael Menzel verändert Aussage zur Kiesewetter-Schusswaffe

Heute befragten die Abgeordneten des thüringer NSU-Ausschusses den damaligen Polizeichef von Gotha Michael Menzel. Er leitete den Einsatz gegen die (angeblichen) Bankräuber Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 04.11.11.

In seiner Aussage im Jahr 2014 sagte er, dass die Verbindung von den Bankräubern von Eisenach zum Heilbronner Polizistenmord über die Schusswaffe der Polizistin Michele Kiesewetter gelang. Er hätte sie auf dem Tisch liegen gesehen. Anhand der Waffennummer konnte sie schnell am Nachmittag identifiziert werden.

Hier ist ein Auszug aus dem ersten thüringer Abschlussbericht:

„Gegen 16:30 Uhr sei festgestellt worden, dass es sich bei der im Wohnmobil auf dem Tisch in der Sitzecke aufgefundenen Waffe ggf. um die Waffe der Polizeibeamtin Kiesewetter handeln könnte, da die ermittelnde Beamtin vor Ort die Individualnummer dieser Pistole mit dem Fahndungsbestand der Polizei abgeglichen und einen entsprechenden Hinweis erhalten habe. Unmittelbar darauf habe er gegen 16:30/17:00 Uhr Kontakt mit dem damaligen Leiter der SoKo Parkplatz aufgenommen und ihn für den Samstagmorgen eingeladen. Ziel sei es gewesen, in dem Ermittlungskomplex „Waffe/Tötungsdelikt Kiesewetter“ von Anfang an zusammenzuarbeiten.“

Auch als Zeuge wiederholte Menzel diese Darstellung im müncher NSU-Prozess:

„Bei der Waffe, die auf dem Tisch lag, sei der Magazinboden geschmolzen gewesen und eine Patrone ausgetreten: „Ich konnte sie als Patrone identifizieren, wie sie auch von Polizeibeamten verschossen wird.“ Die Gesamtsituation und die mögliche Polizeimunition habe ihn veranlasst, die Ermittlungen zu diesen Personen und Waffen voranzutreiben. Er habe die Soko zusammengerufen und Aufgaben verteilt. Gegen 16.00 Uhr habe die Waffe als diejenige der Kollegin Kiesewetter identifiziert werden können.“ (nsu-watch)

In seiner heutigen Aussage im thüringer Ausschuss wiederholte er nicht mehr diese Darstellung. Stattdessen deutete er, an dass es die Schusswaffe des anderen überfallenen Polizisten war: Die Waffe von Martin Arnold wäre in der Nasszelle des Wohnmobils gefunden und dann identifiziert worden. Kiesewetters Waffe wurde erst am späten Abend identifiziert!

Auf Nachfrage des AfD-Abgeordneten Jörg Henke sagte Menzel:

„Es sind bis heute nicht alle Waffen zweifelsfrei identifiziert worden. Sie stellen auf die Waffen der Polizeibeamten ab.“

Menzel führte dann aus, dass die Waffennummern der überfallenen Polizisten Arnold und Kiesewetter in der Bundesdatei „INPOL“ zur Fahndung registriert waren.

„Diese Sachfahndungsdatei ist abgefragt worden mit einer der Waffennummern, [unverständlich] Arnold und damit die abgelesene Waffennummer in INPOL geprüft.“

Henke: „Jetzt muss ich nochmal nachfragen. Sie sagen die vorgefundene Waffe war Arnold?“

„Bei der sichergestellten Waffe in Stregda vor Ort ist der Beamte Hoffmann, das ist der der die Sicherung gemacht hat. Also um sicherzugehen, dass das die Waffe ist, da müsst ihr ihn befragen, aber  aus meinem Erinnerungsvermögen heraus, war es die Waffe von Arnold.“

„Die Identifizierung der Waffe Kiesewetter ist nach meinem Gedächtnisstand am 04.11. in den späten Abendstunden gewesen. Die verantwortliche Beamtin heißt Knobloch und müsste einvernommen werden.“

4 Gedanken zu „NSU-Ausschuss: Ex-Polizeichef Michael Menzel verändert Aussage zur Kiesewetter-Schusswaffe“

  1. Tja Bio, die Schwaben sagten aus, sie wurden gegen Abend wegen des Fundes der Dienstwaffe Kiesewetter angerunfen worden… die haben jetzt alle gelogen.

    Göttlich!

  2. Menzel heute im MDR Interview (Transkript):

    “Und da die Komplexität dieses Tatortes von vorneherein klar war, hat man sich dann in der Gesamtheit dazu entschlossen, was übrigens auch nicht unüblich ist, dieses Fahrzeug an einen sicheren Ort zu verbringen. (…) Dass die Harke, die Blutharke, ein Werkzeug ist der Feuerwehr, und zum Einsatz kam um eben Brandnester, die im Wohnmobil vorhanden waren einfach ein Stückchen weit zu öffnen, so dass man qualifiziert auch mit der Feuerwehr löschen konnte.”

    Ergo: wenn der Tatort komplex ist bringt man ihn durcheinander. Ist üblich so.

    https://machtelite.wordpress.com/2014/11/02/nsu-komplex-drei-jahre-systematische-vertuschung/

    In einem weiteren MDR Artikel von heute heißt es :

    „Die Feuerwehrharke habe er verwendet, um eine Waffe in dem Fahrzeug zu suchen. “

    Wollte Menzel beim Löschen helfen oder nach einer Waffe suchen?

  3. Der Abtransport des Womos ist kein Problem, er wird nur aus taktischen Gründen derart zum Problem aufgebauscht.

    Nette Ablenkungsstrategie von den wichtigen Fragen, weiter nichts.

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