Mitmenschlichkeit führt zu Glück und Gesundheit

Die Wissenschaft beweist: Alle Werte, die das Gefühl von Isolation fördern, führen häufig zu Leid und Krankheit. Alle Werte hingegen, die Gefühle von Verbundenheit, Nähe, Verstehen fördern, führen zu Glück und Gesundheit.

1989 wurde die Untersuchung „Malignant melanoma“ der medizinischen Fakultät der Universität Stanford veröffentlicht. Ihr Inhalt: Krebskranke Frauen wurden per Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt. In beiden Gruppen wurden die gleichen konventionellen Krebsbehandlungen durchgeführt – Bestrahlung, Chemotherapie und Operationen. Zusätzlich traf sich eine Gruppe einmal pro Woche für 90 Minuten in einer unterstützenden Gesprächsgruppe. Dort konnten die Teilnehmer in einer vertrauensvollen Atmosphäre über ihre Gefühle und Herausforderungen sprechen. Sie fanden eine Atmosphäre vor, in der sie sich sicher und aufgehoben fühlten und keine Angst vor Bewertung und Kritik hatten oder davor, sich lächerlich zu machen.
Mehrere Jahre später zeigten die Ergebnisse: Die Frauen, die sich wöchentlich in der Gruppe getroffen hatten, lebten wesentlich länger als die Frauen aus der Vergleichsgruppe. Alle Frauen aus der Kontrollgruppe (ohne Gespräche) waren bereits verstorben. Die einzigen Frauen, die noch lebten, kamen aus der Gruppe, die sich regelmäßig traf.

Quelle: Fawzy, F. L.; Fawzy, N.W.; Hyun, C. S.; u. a. (1993): Malignant melanoma:
Effects of an early structured psychiatric intervention, coping, and
affective state on recurrence and survival years later, in: Archives of
General Psychiatry, 50, S. 681– 689

Studenten der Harvard Universität wurden gebeten, sich einen Dokumentarfilm über Mutter Teresa anzuschauen. Er zeigte, wie sie den kranken und sterbenden Armen in den Slums von Kalkutta half. Eine andere Studenten-Gruppe sah sich einen belanglosen
Film an. Im Durchschnitt zeigte sich bei den Zuschauern des Mutter- Teresa-Films eine beträchtliche Zunahme von schützenden Antikörpern und damit eine Stärkung des Immunsystems. Bei der anderen Gruppe war dies nicht der Fall.

Quelle: McClellan, D. C.; Kirshnit, C. (1988): The effect of motivational arousal
through films on salivary immunologlobulin, in: Psychology and
Health, 2, S. 31– 52

Die so genannte Roseto-Studie wurde im US-amerikanischen Roseto durchgeführt. Über fünfzig Jahre wurden die Menschen dieser Stadt intensiv beobachtet. Dabei wurde festgestellt, dass während der ersten dreißig Jahre der Untersuchung in Roseto im Vergleich zu Nachbarorten auffallend wenige Menschen an Herzinfarkt starben. Dieses Ergebnis war zunächst erstaunlich, da in allen Gemeinden der Umgebung die gleichen Risikofaktoren für Herzerkrankungen – Rauchen, fettreiche Ernährung, Diabetes usw. – vorlagen. Außerdem standen in allen Orten vergleichbare Krankenhäuser, Ärzte und Wasserversorgungseinrichtungen zur Verfügung. Als Grund für diese geringe Zahl an Herzinfarkten stellte sich schließlich heraus: Roseto bestand aus Einwanderern, die alle aus einer einzigen Stadt in Süditalien stammten. Unter ihnen herrschten ein hohes Maß an ethnischer und sozialer Homogenität sowie enge familiäre Bindungen und eine dichte soziale Vernetzung. So lebten bis Ende der 1960-er und Anfang der 1970-er Jahre drei Generationen unter einem Dach. Religion, Tradition und soziale Bindungen besaßen eine hohe Bedeutung. Jedoch änderte sich dies etwa dreißig Jahre später, denn die Bürger von Roseto zogen teilweise in andere Städte, und Fremde zogen stattdessen ein. Der Zusammenhalt und die sozialen Bindungen verschwanden; Anonymität und Gleichgültigkeit entstanden. Gleichzeitig stieg die Zahl der Herzinfarkte so stark an, dass sie sich auf dem gleichen Niveau wie in den Nachbargemeinden einpendelte.

Quelle: Egolf, B.; Lasker, J.; Wolf, S.; Potvin, L. (1992): Featuring health risks and
mortality: the Roseto effect: a 50-year comparison of mortality rates; in:
American Journal of Public Health, 82 (8), S. 1089 –1092

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