Dubiose SMS-Nachrichten umgekommener Opfer im NSU-Komplex

Im sogenannten NSU-Komplex gibt es eine ganze Reihe ungeklärt umgekommener Menschen. Die Ermittlungsergebnisse basieren zum Teil auf SMS-Nachrichten, die jedoch auch vom Täterkreis stammen könnten. Sollten die Ermittlungen so in die falsche Richtung gelenkt werden? Folgende Tabelle fasst die inhaltliche Botschaften in den SMS-Nachrichten der Verstorbenen zusammen.

botschaft-sms

Michele Kiesewetter

Im letzten Artikel kam ich zum Schluss, dass die Sonderkommission offenbar SMS-Nachrichten erfand. Dieser Verdacht gründet sich darauf, dass die Verbindungsnachweise der Handy-Provider nicht die SMS zeigen, die es laut Ermittlungsakten gegeben hätte.

Obwohl die Verbindungsnachweise nur für den Tag des Überfalls beantragt wurden, 25.04.07, obwohl die Handyspeicher (Gerätespeicher, SIM-Karte) keine entsprechenden SMS-Nachrichten enthielten, stehen beispielsweise folgende Nachrichten in den Ermittlungsakten. Sie sollen sich Kiesewetter und Arnold zwei Tage bevor sie überfallen wurden geschrieben haben:

Geister-SMS-Kiesewetter-Arnold

Auf welcher Quelle beruhen Nachrichten?

Am Montag um 12:43 hätte Kiesewetter Arnold gefragt, ob er „Lust“ hätte, mit ihr zusammen am Donnerstag „raus“ zu fahren.

Sie hätte sich dabei geirrt, dass der Einsatz am Donnerstag wäre. Nachdem Arnold sie auf den Fehler aufmerksam machte und fragte, ob sie in der polizeilichen Geschäftsstelle „BePo“ sei, schrieb sie zurück: Sie hätte „geschaut“ und bestätigte direkt ihren Standort.

Die unbekannten Verfasser der SMS könnten also folgende Desinformation verbreiten wollen:

Michele Kiesewetter fehlten noch am Montagmittag wichtige Informationen über  ihren Einsatz. Sie hätte keine Ahnung gehabt, „wer mit wem raus geht“, sie hätte sich sogar über den Einsatztag geirrt. Erst nachdem sie „geschaut“ hätte, wäre sie informiert gewesen.

Dass impliziert, dass sie während ihres Besuchs in ihrer thüringer Heimat in Oberweißbach, der von Freitag bis Samstag dauerte, keine Personen aus ihrem Umfeld hätte informieren können.

Laut Arnolds Zeugenaussage im NSU-Gerichtsverfahren hätte Kiesewetter ihn jedoch bereits am Sonntag „angerufen“, um zu fragen, ob er gemeinsam mir ihr „die Schicht machen wolle“.

„RA Scharmer fragt, wie es zur Zuteilung von Frau Kiesewetter gekommen sei. Das wisse er nicht, erwidert der Zeuge. Da sei eine Pinnwand vor der Geschäftsstelle. Die Liste für die Schicht sei schon voll gewesen, irgendwann habe sich dann jemand gestrichen und er habe sich eingetragen.
Scharmer will wissen, ab wann das ersichtlich gewesen sei. Am Donnerstag vor dem Einsatz sei die Liste gehangen, sagt der Zeuge. Am Sonntag habe ihn Kiesewetter angerufen und gefragt, ob man die Schicht gemeinsam machen wolle.“

Laut Zeugenaussagen eines Polizisten im NSU-Gericht, wäre Michele Kiesewetter bereits am 19.04. angeboten worden, den Einsatz am 25.04. zu übernehmen. Am Freitag, den 20.04., hätte sie zugesagt. Zu diesem Zeitpunkt war sie in der thüringer Heimat. Sie hätte also ihren möglichen Mördern aus dem privaten Umfeld diese Information geben können.

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Auch in anderen dubiosen Sterbefällen im NSU-Komplex setzen sich die Verdachtsmomente fort, dass SMS-Nachrichten vom Täterkreis stammen könnten, bzw. von interessierten Kreisen gefälscht wurden, um die Ermittlungen fehlzulenken. Beispielsweise hätten sich die Mörder die Handys aneignen können, um die Nachrichten selbst abzusetzen. Interessant ist, dass in zwei Fällen, Heilig, Richter, genau dieser Verdacht von Verwandten, Freunden geäußert wurde.

Der Journalist Thomas Moser fasste die verschiedenen unnatürlichen Todesfälle im NSU-Komplex bereits zusammen: Für mehr Informationen zu den einzelnen Fällen ist sein Artikel empfohlen.

Florian Heilig

Florian Heilig entfernte sich am Abend von seiner Ausbildungsschule. Wo er die Nacht verbrachte ist ungeklärt. Er wurde in seinem brennenden Auto am nächsten Tag gegen 09:00 Uhr früh sterbend entdeckt. 

„Laut einem Mitschüler von der Berufsschule hinterließ er in der Nacht vor seinem Tod eine Status-Meldung auf WhatsApp, die der Mitschüler als klaren Hinweis auf einen Suizid sieht.“ (spiegel)

Die Schwester Heiligs bemerkte gegen 12 Uhr nachts, dass ihr Bruder einen für ihn untypischen WhatsApp-Status veröffentlichte. Sie glaubte nicht, das er es selbst gepostet hätte.  Obwohl er die Sängerin „Nena“ nicht hörte, zitierte ihr Bruder sie:

„Du weißt nicht, was du morgen erlebst, du weißt nicht, ob du morgen noch lebst.“ 

Die Schwester betont:

„An dem Punkt möchte ich eine Anmerkung machen. Wenn man dieses Zitat bei Google oder so eingibt, dann kommt da, dass es ein Lied von der Nena ist. Noch eine Bemerkung: An der Beerdigung von der M. K. [Michele Kiesewetter] lief auch ein Lied von Nena.(…)

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Heiligs Vater sagte, dass Florians Ex-Freundin „Bandini“ ihm sagte, dass sie 35 WhatsApp-Nachrichten bis morgens 4:38 Uhr“ mit Florian gewechselt hätte. (Landtag, Baden-Württemberg, Wortprotokolle bei „die-Anstifter„)

Sascha W., Freund von „Bandini“

„Bandini“ war die Freundin von Florian Heilig und sagte im Baden-Württemberger Ausschuss aus, März 2015. Kurz darauf verstarb sie an einer Lungenembolie. Zuvor erlitt sie einen Motorrad-Unfall und einen Schlag auf das Knie. Obwohl sie beim Arzt war und Medikamente bekam, hätte ein Blutgerinnsel die Embolie ausgelösen können.

Ihr Freund Sascha W. verstarb Anfang Februar 2016 dann ebenfalls. Die „Welt“ berichtete am 24.02.16, dass er eine Abschieds-SMS verschickte, in der er seinen Selbstmord ankündigte: 

„Der Tote habe kurz vor dem Suizid noch eine ‚digitale Nachricht‘ versandt. Also ein Abschiedsbrief per SMS, wenn das mal nicht hieb- und stichfest ist! Undenkbar, dass da jemand anderes die Finger im Spiel, sprich auf den Tasten gehabt haben soll.“

„Gleiches gilt für die zwei Abschiedsnachrichten, die per Handy verschickt wurden. Ob sie von Sascha W. stammten, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Die Staatsanwaltschaft schweigt sowohl über den Inhalt der Abschiedsnachrichten, als auch über den Empfänger, noch wer den Toten gefunden hat.“ (Telepolis)

Es gibt eine Verbindung zum Todesfall „Jörg Haider“. Es könnte sein, dass es denselben Obduzenten gibt.

Thomas Richter, alias „Corelli“

Der langjährige Geheimdienst-Informant, Deckname „Corelli“, wäre an einer unentdeckten Diabetes-Erkrankung gestorben. Sein Freund Thomas M. berichtete über eine unübliche SMS Richters an ihn.

„Von Bedeutung ist, was Thomas M. über die Tage kurz vor Richters Tod berichtete und was das Bundeskriminalamt an Hand seiner Handy-Daten ermittelte. Am 28. März 2014 telefonierten die beiden Thomas‘ fast 23 Minuten lang miteinander. Am 2. April fragte Thomas M. per SMS: „Alles klar?“ Am 3. April kam eine kurze Antwort-SMS vom Handy Richters: „Bin krank“. Daraufhin fragte M. zurück: „Wie krank?“ Doch Richter meldete sich nicht mehr. M. danach noch einmal per SMS: „He, was ist los? Schreibst du jetzt endlich mal?“

(…)

Thomas M. kam es seltsam vor, dass Richter lediglich mit zwei Worten antwortete. Das sei absolut untypisch für ihn gewesen, Richter habe immer ganze SMS-Romane geschrieben – und wörtlich: „Als wäre er es nicht selbst gewesen.“ Stammte die Rückmeldung „Bin krank“ überhaupt von Richter selber? (Heise

Arthur Christ

Der junge Mann hätte sich möglicherweise selbst verbrannt. Die polizeilichen Ermittlungen beruhten zum Teil auf der Abfrage der Funkzellen, in die sich Arthurs Handy eingeloggt hätten.

Ein Ermittler berichtete dem Baden-Württemberger Ausschuss über die Funkzellenabfrage von Christs Handy. Es soll sich in der Funkzelle der Werkstatt seines Vaters eingeloggt haben. Von dort könnte sich Arthur Christ das Benzin beschafft haben, um sich selbst im Auto zu verbrennen. Kurz danach war sein Handy tatsächlich am späteren Tatort eingeloggt gewesen, um das Benzin dort abzustellen?

„Um 22:14 Uhr – auch ein sehr auffälliger Punkt – war ein Anruf seines Freundes A., der angegeben hat, dass er bald Feierabend macht und ob er ihn abholen könne. Zu dem Zeitpunkt war der A. dann im Bereich der Werkstatt des Vaters eingeloggt mit seinem Handy, hat aber gegenüber seinem Freund gelogen, hat angegeben, er seinoch in Heilbronn im Krankenhaus. Der Freund hat hierzu noch angegeben, dass ihm bei diesem Telefonat aufgefallen sei, dass der A. sehr leise gesprochen hat.

Um 22:39 Uhr ruft er den A. dann noch mal zurück, dass er ihn dann abholt demnächst, und zu diesem Zeitpunkt war er dann im Bereich des möglichen späteren Fundorts eingeloggt mit seinem Handy. Wir können also nicht ausschließen oder man muss fast davon ausgehen, dass er an jenem Abend unbemerkt in der Werkstatt des Vaters war und anschließend auch unbemerkt im Bereich des späteren Fundorts.“ (Die-Anstifter)

Seltsam mutet an der Geschichte an, dass Christ sich nicht gleich verbrannte. Er unternahm anschließend eine „kurze Spritztour mit seinen Freunden“, denen er sein schnelles Auto „Lexus“ vorführte. Dann ging er mit einem Freund essen und schlenderte in der Innenstadt umher. Dann half er einem Pannen-Fahrzeug. Um 1:30 setzte er seinen Freund zu Hause ab. Um 1:48 soll er sich in seinem Auto selbst verbrannt haben.

Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig

In diese Aufstellung passt auch der (angebliche) Selbstmord von Kirsten Heisig. Zum Großteil beruht das Ermittlungsergebnis auf einer Abschieds-SMS, die sie an ihre Tochter geschickt hätte.

„Das letzte Lebenszeichen der Richterin war eine SMS. An ihre Tochter schrieb die seit Montag verschwundene Kirsten Heisig (†48) vermutlich : „Das ist alles zu viel für mich. Ich glaube, ich habe alles falsch gemacht.“ (express)

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