Böhnhardt/Mundlos hätten Polizeifunk abgehört und Funkgerät vor Selbstmord in Klappfach aufgeräumt

Wichtiger Bestandteil der Erklärung, warum Mundlos und Böhnhardt sich am 04.11.11 umbringen wollten, ist, dass sie den polizeilichen Funkverkehr abgehört hätten. Auf diese Weise hätten sie erfahren, dass die Polizei nach ihrem Wohnmobil suchte. So wäre der Gedanke gereift sich umzubringen. Als zwei Streifenpolizisten schließlich ihr Wohnmobil in dem Wohngebiet „Stregda“ entdeckten, hätten sie den geplanten Selbstmord schnell ausgeführt.

Zur Untermauerung dieser Darstellung ist es notwendig, dass ein Funkgerät sich offen im Wohnmobil befindet, in Griffnähe der beiden Männer. Die Spurensicherung des Ermittlers Gerd Sopuschek konnte diesen Nachweis jedoch nicht erbringen – im Gegenteil, das Gerät soll in einem Klappfach verstaut gewesen sein, nachdem es zuvor auf der Sitzbank liegend fotografiert wurde. 

Die Spurensicherung erstellte ein sogenanntes „Spurenband“ im Ordner „Bd 4-1 6 Obj Tatbefund WoMo – Bilder KPI Gotha“, aufgeführt in „Bilder KPI Gotha vom 06.11. bis 16.11.2011 aus den Komplexen K.1.3 – K.1.9“. Alle Fotos entstanden in einer privaten Halle eines Abschleppunternehmens in Eisenach, in der die Spurensicherung vorgenommen wurde.

Die gefundenen Gegenstände wurden Bildtafeln zugeordnet und durchnummeriert. Das Funkgerät mit einem Blatt der polizeilichen Funkfrequenzen erhält die Bildtafel 6, „BT6 Detailaufnahme BT6.1-BT6.2“: Gefunden „auf rechter Sitzbank“. Dort liegt es jedoch nicht mehr im Wohnmobil, sondern ist bereits entnommen.

funkgeraet-nsu-mit-papier

Ausschnitt „BT6 Detailaufnahme BT6.1-BT6.2“

Sehr seltsam mutet an, dass am DIN-A4 Papier keine Brandschäden erkennbar sind, obwohl es auf der Sitzbank gelegen haben soll.

Im Spurenband gibt es mehrere Fotos, die das Funkgerät auf der verschmorten rechten Sitzbank liegend zeigen, zum Beispiel: „Panorama 4 Aufenthaltsraum“, „Übersichtsaufnahme 2 – Aufenthaltsraum“, „Übersichtsaufnahme 4 – Aufenthaltsraum“.

funkgeraet-nsu-wohnmobil

Ausschnitt aus „Übersichtsaufnahme 4 – Aufenthaltsraum“, das Funkgerät liegt gut sichtbar auf der Sitzbank.

Im Spurenband „Bd4-1-11ObjTatbefundWoMo-Komplex1.4“ wird es beschrieben

1.4./216.0 ein Funkgerät
Typ: Sonstige Spur
Beschreibung:
Typ: ein Funkgerät – Farbe: schwarz, Marke:
ALBRECHT, Typ: AE65 H, Nr. 75014016
Gesichert am 05.11.2011
Gesichert wo: Bildtafel 6.1; rechte Sitzbank, im
Original in Pappkarton gesichert
Gesichert von: Sopuschek, KOK
Verbleib: BKA
Identifikationsnummer 1.4./216.0

1.4./217.0 ein Blatt DIN A-4 mit Funkkennern und Frequenzen
Typ: Sonstige Spur
Beschreibung:
Typ: ein Blatt DIN A-4 mit Funkkennern und
Frequenzen – Polizeidienststellen: ARNSTADT,
GOTHA, EISENACH, ERFURT
Gesichert am 05.11.2011
Gesichert wo: Bildtafel 6.2; rechte Sitzbank im
Original in Pappkarton gesichert
Gesichert von: Sopuschek, KOK
Verbleib: BKA
Identifikationsnummer 1.4./217.0″

Laut des Asservatenverzeichnisses, „Bd 11 Ass Grundsatz Obj 1“, wäre es jedoch am 05.11. in dem linken Klappfach oberhalb der Sitzbank, gegenüber der Eingangstür gefunden und sichergestellt worden!

„14./216.0 Funkgerat, Marke Albrecht, Typ AE65 H Nr. 75014016 Bildtafel 6 1; linkes Klappfach gegendber Eingangstur, Im 05.11.11 KOK Sopuschek KPI Gotha Original in Pappkarton gesichert“

… genauso wie das Blatt mit den Funkfrequenzen.

„14./217.0 1 Blatt DIN A-4 mit Funkkennern und Bildtafel 6.2; linkes Klappfach gegenuber Eingangstur, im 05.11.11 KOK Sopuschek KPI Gotha, Frequenzen Original in Pappkarton gesichert“

Es existiert ein Foto in der „Teilakte 1-4-inneraum“, welches noch in Stregda aufgenommen wurde. Das helle Fenster zeugt vom Sonnenlicht. Dort ist kein Funkgerät zu sehen!

kein-funkgeraet-nsu-wohnmobil

Ausschnitt „Teilübersicht von der rechten Sitzbank“.

Das Funkgerät dürfte also zu einem späteren Zeitpunkt auf die rechte Sitzbank gelegt worden sein, wahrscheinlich um die offizielle Darstellung zu untermauern.

Auch die „K.1.4 – Sphären“-Aufnahmen vom 04.11.2011, 16:48 Uhr, zeigen auf der Sitzbank noch kein Funkgerät, Akte „Bd4-1-8ObjTatbefundWoMo-Komplex1.4“.

Die Vorsitzende des thüringer NSU-Untersuchungsausschusses Dorothea Marx (SPD) befragte suggestiv den verantwortlichen Polizisten, Gerd Sopuschek, der die Spurensicherung durchführte.  Wahrscheinlich wollte sie ihm eine goldene Brücke schlagen.

„Sie haben verschiedenste Spuren gesichert und dabei soll sich auch ein Funkgerät befunden haben aus dem linken oberen Klappfach gegenüber der Eingangstür. Da soll eine Funkfrequenzliste dabei gelegen haben.“

Herr Sopuschek:

„Jawohl, die ist auch fotografiert. Das ist auch alles bildlich dokumentiert.“

Der AfD-Abgeordnete Henke fragte nach:

„Ja, zwei Nachfragen. Warum wurde der Funkscanner zweimal gefunden, einmal auf der Sitzbank und einmal im Schrank? Das steht in den Berichten.“

Herr Sopuschek:

„Na gut. Ich könnte jetzt nur mutmaßen, dass die ziemlich verschmolzen waren, dass man … Ich müsste die Bilder dazu jetzt sehen. Ich kann es nicht sagen, ob zwei Funkscanner da waren oder bei einem ein Funkgerät und eins – kann ich jetzt so aus dem Effeff nicht sagen, tut mir leid.“

Für diese Darstellung gibt es jedoch keine Beweise: Kein einziges Foto in den Ermittlungsakten zeigt das Funkgerät in dem Klappfach liegen, und: Warum sollten es die Bankräuber Mundlos, Böhnhardt dorthin verstaut haben, wenn sie doch den Polizeifunk abgehört hätten? 

Ein Gedanke zu „Böhnhardt/Mundlos hätten Polizeifunk abgehört und Funkgerät vor Selbstmord in Klappfach aufgeräumt“

  1. offensichtlich wurde vor und zum Zeitpunkt der „Selbstmorde“ das Funkgerät nicht benutzt, sondern war im Klappfach oberhalb der Sitzbank (worauf es dann später von der Polizei abgelegt wurde, ähnlich der schwarezen Bauchtasche ) mit dem Display nach unten zeigend untergebracht.
    Erkennbar an den Erweichungs/Schmelzspuren nur auf der Display Seite des Funkgeräts erkennen, während das hinten angehefte, zusammengefaltete Frequenzenpapier keine Brand oder Kokelspuren oder Auflagerungen auffwies.

    Wäre das Funkgerät ursprünglich auf der Sitzbank gelegen, wie insinuiert, hätte es nicht nur auf der Display Seite Verschmorungen gehabt sondern auch im Seitenbereich und das angeklemmte Papier wäre ebenfalls verkokelt gewesen. Zudem hätte man Auflagerungen von herabfallenden Deckenresten erwarten müssen, die nicht dokumenitert sind.

    Es sieht also alles danach aus, daß dieses Funkgerät mit angeklippten Frequenzenpapier, im Klappfach oberhalb der Sitzbank verstaut war und zwar mit dem Display nach unten , was die Erhitzungsspuren nur auf der Displayseite und das völlig unbeschädigte Frequenzpapier hintenauf , zwanglos erklärt.

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