Doku: „Immobilienblase – Pleitegeier“

Der deutsch-französische Fernsehkanal „arte“ präsentierte 2012 die Doku „Immobilienblase – Pleitegeier„. Dort kommen Banker zu Wort, die beim Aufpumpen der US-Immobilienblase beteiligt waren, die bekanntlich 2008 platzte und zur Finanzkrise führte. Die Beschreibungen erinnern stark an die Immobilienblase, die sich gerade in Schweden aufpumpt. Offensichtlich wurde nichts aus der Finanzkrise gelernt.

Paul Jorion, Etnologe, Ökonom. Er war Investmentbanker bei „Countrywide Financial“, der größten Hypothekenbank der USA:

„Was ist nötig, um eine derartige Dynamik anhält und die Preise immer weiter steigen. Es muss ständig neue Käufer geben. Leute, die noch nie ein Haus gekauft haben. Also wurde 2005/2006 damit begonnen, immer ärmeren Leuten Geld zu leihen: Mexikanern, Afroamerikanern. Bis die Reserven an potentiellen Käufern erschöpft waren. Für jede Bevölkerung auf der Welt gilt. Nach den Ärmsten kommt niemand mehr.“

„Also da bekommt einer ein Darlehen. Er beleiht sein Haus, sagen wir mit 99% des Wertes. Bei einem Haus für 100.000 Dollar, leiht er sich 99.000. Ein Jahr später ist sein Haus 120.000 Dollar wert. Da ruft ihn seine Bank an und sagt:

„Wir geben Ihnen ein neues Darlehen, nicht mehr über 100.000 sondern über 120.000 Dollar. Sie können also über weitere 20.000 verfügen.“

Und von der Differenz, den 20.000 bezahlt der Mann seine Monatsraten. Tatsächlich haben die Leute für ihre Häuser Kredite aufgenommen, die über ihre Verhältnisse gehen. Also können sie ihre Raten nur bezahlen, wenn sie sich noch mehr Geld liehen. Das ist die Logik einer Blase.

Und was passiert, wenn einer davon abhängig ist, dass die Immobilienpreise steigen und sie stagnieren, dann ist er ein toter Mann. So hat sich das abgespielt.“

„Bei einem Hypothekendarlehen berücksichtigt der Banker zwei Dinge: Ihre Fähigkeit als Darlehensnehmer den Betrag zurückzuzahlen und den Wert des Hauses.

Nun kennt aber das amerikanische System keine gesetzliche Verpflichtung zur Rückzahlung. Der Darlehensnehmer kann einfach das Haus verlassen und den Schlüssel bei der Bank abgeben. Er ist also nicht verpflichtet zu zahlen. Solange die Immobilienpreise steigen, ist es für die Bank im Grunde uninteressant, ob sie den ursprünglichen Kredit zurückbekommt. Warum? Weil die Bank die Option hat, das Haus aufgrund einer Insolvenz des Besitzers zu beschlagnahmen und wieder zu verkaufen. Und das ist eine Option, die immer einen Gewinn verspricht.“

Gerard de Plainval, Geschäftsführer einer Investmentgesellschaft:

„Wie das geht: Sie erhalten Geld, investieren es. Es funktioniert, weil sie die Kurse künstlich steigen lassen. Also kaufen sie nochmehr und die Kurse steigen weiter. Sie schütten Dividenden aus, also bekommen sie nochmehr Geld. Die Ersten, die eingestiegen sind, jubeln, was für eine Art Geld zu verdienen. Also kommen noch mehr und es gibt noch mehr Geld und die Kurse steigen immer noch, weil alle kaufen und am Ende: Puff. Die Blase platzt.“ 15:40

2 Gedanken zu „Doku: „Immobilienblase – Pleitegeier““

  1. „Und von der Differenz, den 20.000 bezahlt der Mann seine Monatsraten. “
    Geil! Vor dem Knall war das ganz hip, innovativ. Ich habe heute noch den Zeitungsartikel vor dem geistigen Auge, in dem sich Münchau über die „altbackenen“ Beleihungsregeln deutscher Banken und Sparkassen lustig gemacht hat. Warum denn keine 120%-Beleihung, wenn das US-Banken so erfolgreich machen und die Wirtschaft damit ankurbeln? Da fehlen Dir die Argumente, vor dem Knall.

  2. Und das Schlimme ist ja, dass Münchau nicht nur Unrecht damit hatte. Deutsche Institute haben solche Kredite nicht an den Michel vergeben: Gott behüte. Aber sie haben den amerikanischen Banken ihre Geschäfte mit John Doe refinanziert. Und sie haben diese Geschäfte in Irland und Spanien refinanziert, weil sie entweder dumm oder skrupellos sind.
    Das allerschlimmste ist aber, dass es ihnen gelungen ist, danach dem Michael weis zu machen, dass an allem nur der amerikanische Sozialstaat und der faule Spanier oder Grieche schuld sind. Das ist nun wirklich zum Davonlaufen.

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