Brexit: Viele Briten sehen freie Einwanderung von EU-Bürgern kritisch

Das „Inforadio“ berichtete über die Stimmung im Nordosten Englands. Dort ist die überwiegende Mehrzahl der Briten für einen Austritt aus der politischen EU. Ein immer wieder angeführter Grund ist die freie Zuwanderung von EU-Bürgern, in diesem Falle von Polen. Die von vielen Briten angeführte Begründung ist die trostlose wirtschaftliche Lage, etwa fehlende Arbeitsplätze, und verfallende bzw. fehlende Infrastruktur.

Schon während der Fernsehdebatte mit Ministerpräsident David Cameron kritisierte beispielsweise ein dunkelhäutiger Brite die freie Zuwanderung, wodurch sich die wirtschaftliche und soziale Situation seiner Familie verschlechtert hätte.

Diese Kritik an der EU-Politik hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern mit Armut und wirtschaftlichen Problemen, die durch Zuwanderung nochmals verschärft werden. 

Der Ökonom Hans-Werner Sinn führte im ZEIT-Interview aus, dass die Löhne im Niedrig-Lohn-Bereich in den USA seit langem stagnieren, „weil immer mehr Geringqualifizierte einwanderten.“

„Ein zusätzliches Angebot – in diesem Fall an gering qualifizierten Arbeitskräften – drückt den Preis beziehungsweise den Lohn für diesen Typus von Arbeitskraft.“

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Es müsste klar sein, dass die Zuwanderer keine Wunder vollbringen können. Wenn das wirtschaftliche Umfeld gut ist und die neuen Bürger Arbeitsplätze und Wohnungen bekommen, wie bei uns in den 60er und 70er Jahren, dann ist Zuwanderung eine Bereicherung für das Land. Integration ist möglich.

Niemand kann jedoch ernsthaft bestreiten, dass das Gegenteil auch der Fall sein kann. Dieses Argument hat nichts mit Rassismus zu tun. Dann wären auch die Schweizer rassistisch gegen uns Deutsche, weil sie unsere Zuwanderung in die Schweiz beschränken.

Es ist daher überhaupt kein Wunder, dass in einer Umfrage des Instituts „Yougov“ 40% der hier lebenden Bürger mit Immigrationshintergrund der Ansicht sind, Deutschland solle weniger Flüchtlinge aufnehmen, 24 % sind der Meinung, es sollten überhaupt keine neuen Flüchtlinge aufgenommen werden.

3 Gedanken zu „Brexit: Viele Briten sehen freie Einwanderung von EU-Bürgern kritisch“

  1. Das Dilemma entsteht dadurch, dass die „einfache“ Arbeit aus Profitgründen der der grossen Konzerne in Niedriglohnländer abwandert, dadurch soziale Probleme durch Arbeitslosigkeit wie Aggressions Gewalt und Kriminalität in den Ursprungsländern steigen.
    Einzig mögliches Rezept dagegen ist Änderung des Banken-und Staatsverschuldens Systems (dadurch Einsparung von vielen Milliarden Euro für Zinszahlungen des Staats), Abkehr von der Aggressions und Angriffspolitik der NATO/EU mit immensen MIlitärausgaben und mehr Aufrüstung (Einsparungen beim „Verteidigungsetat“) und damit verbunden vernüftige Politik gegenüber Russland.

    Allein mit diesen beiden Punkten (bei MIndestlohn!) kann der Staat über ein Beschäftigungsprogramm (Wohnungen, Strassenbau, erneuerbare Energien, etc.) und arbeitsmarkt- gesteuerter Einwanderung die Probleme lösen.

    Abgesehen z.B von der parallelen Einführung einer Reichensteuer und einer Börsenumsatzsteuer.

    1. Du liegst nicht ganz falsch, übersiehst aber wichtige Punkte und kommst deshalb zu vollständig linkskonformen Lösungen:
      1.) Die Europäer geben nicht wirklich viel für Rüstung und Verteidigung aus, insbesondere Deutschland. Die Bundeswehr ist ein Witz. Die immensen Rüstungsausgaben der NATO fallen praktisch nur bei den USA an und gehen dort voll auf Kredit. Die Rechnung dafür ist wahrscheinlich schon geschrieben aber noch nicht verschickt. Sie wird in jedem Fall von denjenigen bezahlt werden, die glauben, sie hätten „Vermögen“, auch wenn es nur wenig ist.
      2.) Eine Änderung des Geldsystems ist kein Pappenstiel und nicht an jedem Eck zu haben.
      3.) Die Reichen, die die Politik melken kann, sind immer in der Mittelschicht zu finden. Mit den wirklich Reichen legt sich Politik im Ergebnis nie an, weil sie von Ihnen abhängt. Eine Linke, die überlebt, kooperiert irgendwie und holt sich die Kohle lieber von dem Handwerker oder Arzt, der 60 Stunden in der Woche hart arbeitet.
      4.) Eine Änderung der Wirtschafts- und Sozialpolitik muss entweder global durchgesetzt werden oder der nationale Protektionismus muss wieder hergestellt werden. Du suchst Dir aus, was Du für realistischer und wünschenswerter hältst.

  2. Hallo Georg,
    Ich habe gerade eine Aussage eines Demografen und Historikers übersetzt und kommentiert, der vor 26 Jahren vorausgesagt hat, dass Fragen der Demografie und Migration für Europa und seine Nationen schicksalhaft sein werden:
    https://hintermbusch.wordpress.com/2016/05/06/erfindung-europas-schlusskapitel/
    Vor 20 Jahren hat er dann vorausgesagt, dass der Euro ein totales Desaster wird, wenn er denn kommt:
    https://hintermbusch.wordpress.com/2016/02/10/erfindung-europas-vorwort-zur-2-auflage/
    Inzwischen ist er einer der vermutlich schärfsten und intelligentesten EU-Kritiker ohne tagespolitische Interessen überhaupt. Ganz nebenbei in 2,3 Sätzen hat er sich jetzt erstmals öffentlich über Merkels Einwanderungspolitik geäußert:
    https://hintermbusch.wordpress.com/2016/06/18/emmanuel-todd-uber-merkels-einwanderung/
    Er hält sie für eine Verzweiflungstat mit gedämpften Hoffnungen und sehr ernsten Folgen für Deutschland. Man sieht an Frage und Antwort auch sehr schön, wie lächerlich moralisch verbrämt und an den echten Fragen vorbei in unserer Öffentlichkeit solche Debatten geführt werden.

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