Bekommt Thüringer NSU-Ausschuss nicht die Blutspuren-Analyse des Wohnmobils?

Am 04.11.11 betraten drei Ermittler im Eisenacher Stadteil Stregda ein Wohnmobil, in dem die zwei erschossenen Männer Böhnhardt und Mundlos lagen. Bei den Polizisten handelt sich um Polizeichef Michael Menzel sowie Kriminaloberkommissarin (KOK) Sylvia Mi. und KOK Tilo Ho. Die Beamten widersprechen sich scheinbar gegenseitig, welche Dienstwaffe der überfallenen Heilbronner Polizisten Arnold und Kiesewetter zuerst im Wohnmobil gefunden wurde.

Eine weitere Ungereimtheit ist die seltsame Verteilung der Blutspuren im Wohnmobil: Obwohl sich Mundlos mit einer Pumpgun in den Mund geschossen haben soll, sind in den Tatortfotos kaum Blutspuren hinter ihm sichtbar. Daher wäre eine sogenannte Blutspuren-Analyse mehr als angebracht.

Am 22.10.15 sagte KOK Sylvia Mi. dem Ausschuss, dass eine solche Analyse der Blutspuren im Wohnmobil angefertigt worden sei, jedoch erst zwei Wochen nach dem 04.11.11.

[spoiler]In einer weiteren Mail ging es um die Dokumentation für die Blutspurenmusteranalyse. Die Namen von zwei Kollegen werden genannt, die auch den Brandschutt dokumentierten und Blutspuren für anschließende Blutspurenmusteranalyse. [/spoiler]

„Die Abg. König (DIE LINKE) hakt nach: Am 16. November 2015 zog der Generalbundesanwalt das Verfahren an sich, demnach gab es bis zum 16.11. keine Blutspurenmusteranalyse? Ja.

Wer den Auftrag erteilen müsste? Normalerweise der Kriminaltechniker, wenn der meint, dass man noch eine Information mehr bräuchte. Die Spurensicherung haben sie dann aus eigenen Stücken heraus gemacht, so die Zeugin, weil es bis dahin ja noch nicht gemacht wurde.“

„Es wurde nicht angewiesen, dass wir das machen sollen. Wir haben das von uns aus gemacht“, gerade um den hinteren Bereich des Wohnmobils zu dokumentieren. (Hajo Funke) 

[spoiler]Die Abg. König (DIE LINKE) fragt weiter: Wie wichtig ist denn für die Ermittlung des Tathergangs eine Blutspurenmusteranalyse? „Es macht die Tatrekonstruktion eine Spur vollständiger“ berichtet Frau Michl, zum Beispiel bei der Frage „Hat er nun gehockt oder gestanden“. Die Abg. Pelke (SPD) fragt anschließend, ob es notwendig sei, um den Tathergang zu rekonstruieren. Die Zeugin antwortet: „Notwendig ist es nicht, es ist ein stückweit noch genauer. “ Abg. Dittes (DIE LINKE): „Aber wenn man es richtig macht, dann gehört es dazu?“ Frau Michl: Ja, wenn man das Puzzle komplett machen will. Sie machen das auch oft.“

Am 4. November wurde das Wohnmobil ja von Stregda in dieHalle des Abschleppunternehmers Herrn Tautz gefahren. Dort stand es dann, wurde auf eine eingezogene Ebene geladen und mehrfach hin und her bewegt, die Blutspurendokumentation fand dann erst zwei Wochen später statt. Die Abg. König (DIE LINKE) fragt sich, ob dass dann nicht Einfluss nehme. Die Zeugin äußert, dass es einen Schlüssel für die Halle gab. Da „müssen wir unserem Herrn Tautz vertrauen“. [/spoiler]

KOK Tilo Ho. bestätigte am 14.01.16 dem Ausschuss, dass eine Analyse vorgenommen wurde. Offenbar machte er sogar selbst die speziellen Spheron-Fotos (es könnte sich aber auch ein Rechtsschreibfehler im Protokoll von Katharina König eingeschlichen haben, König schrieb statt „er“ „der“).

„Wann die Blutspurenmusteranalysse statt fand, weiß er nicht mehr genau, glaubt aber erst später. Nach [360 Grad] Spheron-Aufnahmen befragt, gibt er an, dass diese in den Ermittlungsakten sein müssten. Spheronaufnahmen würden immer 2x auf einem Stick und 1x auf DVD an die Dienststelle geschickt werden. Grundsätzlich könne man damit sehr viele Aufnahmen machen, im Wohnwagen ging es jedoch nur beschränkt. Für vernünftige Aufnahmen bräuchte man einen Meter Abstand zu den Objekten. Im Wohnmobil hat der die Spheron-Kamera bedient, „Ich glaube es gibt drei Aufnahmen von dem Wohnmobil.Inneren“.“ (haskala)

[spoiler]Zu den Spheron-Aufnahmen ergänzt er, dass es damals immer noch eine Sicherung [bei der Tatortgruppe] gab. Er arbeite jedoch seit einem Jahr nicht mehr dort und weiß das es nochmal einen Serverwechsel gab. Auf die Frage was es zum Betrachten der Aufnahmen braucht, gibt der Zeuge an: „nur einen normalen Windows Rechner, 32bit; nicht 64 bit“. Die Server habe er früher betreut, mache das aber inzwischen nicht mehr.“[/spoiler]

Meine Nachfrage, ob der Ausschuss die Analyse schon erhalten hat, beantworteten die Abgeordneten Katarina König und Madeleine Henfling nicht.

Am 3. März 2016 hörte der thüringer Ausschuss Gerichtsmediziner, die Böhnhardt und Mundlos obduzierten. Sie wurden von den Abgeordneten auch zur Blutspuranalyse befragt.

Die Fragen würden laut eines Berichtes des Journalisten Kai Mudra darauf hindeuten, dass der Ausschuss eine Analyse in Auftrag geben könnte.

„Das hartnäckige Fragen mehrerer Ausschussmitglieder immer wieder zu diesem Punkt lässt vermuten, dass der NSU-Untersuchungsausschuss eine derartige Untersuchung in Auftrag geben könnte.“ (nsu-leaks)

Laut der Gerichtsmediziner sei damals eine Blutspurenanalyse nicht angefordert worden“, aber …

„Die vorhandenen 360-Grad-Fotos aus dem Wohnmobil würden das Erstellen einer solchen Expertise aber immer noch ermöglichen, bestätigten sie.“ (ebd)

Es wäre auch nicht verlangt worden, den genauen Todeszeitpunkt zu bestimmen.

„Keine genauen Angaben konnten die beiden Rechtsmediziner gestern im Ausschuss zum genauen Todeszeitpunkt vortragen. Das zu bestimmen, sei nicht verlangt worden.“

4 Gedanken zu „Bekommt Thüringer NSU-Ausschuss nicht die Blutspuren-Analyse des Wohnmobils?“

  1. Die Sphären-Bilder sind geleakt… sie stammen vom 4.11.2011, 16-18 Uhr etwa. Es sind 3.
    Akte: Bd-4-1-8.

    Wessen Blut dort gefunden wurde ist unklar. Die Probenahme zum Beispiel im Bad erfolgte erst am 18.11.2011. Was hat das BKA dazu ausgewertet?

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