Die vertuschte Verbindung zwischen dem Heilbronner Polizistenüberfall und der Ceska-Mordserie

Der Heilbronner Polizistenüberfall vom 25.04.07 wird seit November 2011 dem „National-Sozialistischen-Untergrund“ (NSU) zugeschrieben, genauso wie die Ceska-Mordserie. Der Tod der Polizistin Michele Kiesewetter markierte das Ende dieser Serie, die ab 2000 neun Menschenleben forderte. Für einen einzigen Täter sprechen die Beweismaterialien, die im Wohnmobil mit den erschossenen Böhnhardt, Mundlos und in Beate Zschäpes Wohnung, dem Schutthaufen davor, gefunden wurden. Ab Ende 2011 ist so bekannt, dass die Verbrechen von einem Täterkreis begangen wurden. Aber bereits davor erkannten drei Zeugen die Verbindung. 

Bereits neun Tage nach dem Überfall vermutete der Onkel der erschossenen Polizistin Michele Kiesewetter, Mike Wenzel, dass eine Verbindung zu den “Türkenmorden” bestünde. Das hätte ihm der thüringer Kriminalbeamte aus Saalfeld Uwe Möller gesagt.

Die Verbindung wären verdächtige Radfahrer und das verwendete Kaliber der Munition gewesen. Diese Darstellung ist jedoch falsch. Bei den beiden Verbrechen wurden unterschiedliche Kaliber verwendet, beim Heilbronner Polizistenüberfall gehörten Radfahrer nicht zum vermuteten Täterkreis von 4-6 Personen.

Der thüringer Untersuchungs-Ausschuss (U-Ausschuss) konnte die Ungereimtheit trotz Zeugenbefragungen nicht aufklären, im Gegenteil. Die Aussagen der beiden Polizisten Wenzel und Möller stehen teilweise konträr zur Darstellung in den Akten.

Eine zweite Person sah eine Verbindung. Sie wird bis heute seitens des Rechtsstaates und der Parlamente ignoriert.

Ein David F. wandte sich am 10.03.2010 in einer email an das Bundeskriminalamt (BKA). Er fragte, ob es sein könne, „dass die „Döner-Mordserie von dem selben Täter wie beim Mordfall in Heilbronn begangen wurde, wenn ja könnte ich sicher weiterhelfen“.

Weiter heißt es in dem Dokument des U-Ausschusses, dass die email an die Sonderkommissionen „Bosporus“ und „Parkplatz“ weitergeleitet wurde und: „Erst 2012 wurde David Friedel vernommen.“ Der Name ist ausgeschrieben.

Der Untersuchungsausschuss kennzeichnet die Anlage als „GEHEIM“, „amtlich geheimgehalten“.

Warum wurde David Friedel bisher weder von einem der zahlreichen U-Ausschüsse noch vom NSU-Staatsschutzsenat vernommen? Passt seine Aussage etwa nicht zur offiziellen Version der Bundesanwaltschaft?

Mitte 2015 schrieb ich die Vorsitzende des thüringer U-Ausschusses Dorothea Marx (SPD) sowie die Abgeordnete Katharina König (Linke) an und informierte sie über den Sachverhalt, ohne eine Antwort erhalten zu haben.

Auch in den Bundestags-Protokollen der Zeugenbefragungen taucht der Name David Friedel nicht auf! Stattdessen wird lediglich nach Markus Friedel gefragt. Sowohl das Baden-Württemberger Landesamt für Verfassungsschutz wie auch das Landeskriminalamt Stuttgart sagte der Name nichts. (Bundestag)

Clemens Binninger (CDU/CSU): Ich meine nicht nur das Trio, ich meine auch Namen wie Torsten Schau, Markus Friedel.

Zeugin Bettina Neumann: Nein, überhaupt nicht.

Clemens Binninger (CDU/CSU): Alles nichts?

Zeugin Bettina Neumann: Überhaupt nicht.“

Die Frage ist, ob David Friedel mit Markus Friedel verwandt ist? Dann wäre eine Verbindung zur NSU vorhanden. Das zeigt folgende Meldung:

„Dazu gehört der Neonazi Markus Friedel, der in Jena zusammen mit dem Trio an einer Kreuzverbrennung in Ku-Kux-Klan-Manier teilgenommen haben soll und später nach Heilbronn übersiedelte.“ (swp)

Es ist bis heute nicht geklärt, ob jemals Markus Friedel als Zeuge verhört wurde.

Am 15. April 2015 befragte der Staatschutz-Senat einen „Markus Fr.“ über „Wohlleben, Böhnhardt, Zschäpe, Mundlos, Nazi-Szene Chemnitz“. Handelte es sich dabei um Markus Friedel? Die Internetseite des NSU-Prozessbeobachters „Querläufer“ scheint die Frage mit „Ja“ zu beantworten. Hier wird der Name jedoch mit „Marcus Friedel“ ausgeschrieben.

Das Protokoll von „nsu-watch“ gibt Auskunft über die Befragung. Der Name wird nicht ausgeschrieben, nur mit Markus Fr. angegeben.

Unglaublicherweise interessierte sich kein Prozessteilnehmer dafür, ob „Markus Fr.“ David Friedel kennt. Keine Nachfragen. Auch zum Sachverhalt „Kreuzverbrennung“ fragte der Senat nicht nach.  

Vielleicht ist Markus Fr. nicht mit Markus Friedel identisch? 

Laut Fr.s Aussagen vor Gericht stimmt die Darstellung von „swp“ nicht. „Von 1991 bis 1994 habe er seine Lehre in Stuttgart gemacht“.

„RA Narin fragt, wer die Kontaktpersonen Fr.s in Heilbronn seien. Fr.: „Meine Verwandtschaft, von der Mutter der Cousin [phon.] zum Beispiel.“ Die hätten nichts mit der Szene zu tun. Er nennt den Namen.“ (nsu-watch)

Er kam 1994 wieder nach Chemnitz zurück und bliebt dort bis heute. 

„Auf Frage, was er nach 1994 gemacht habe, als er wieder zurück nach Chemnitz gekommen sei, sagt er, er habe seitdem durchgehend bei seinem Vater als Textilreiniger gearbeitet bis jetzt immer noch.“

Die Kreuzverbrennung fand aber im Sommer 1995 statt, also ein Jahr nachdem Fr. von Stuttgart nach Chemnitz zurückkam.

Der CDU-Abgeordnete Clemens Binninger sagte in einer Ausschuss-Sitzung, dass ein „Markus F.“ bei einer Kreuzverbrennung dabei war und „später“ in Heilbronn wohnte! Im Gegensatz zu vorher, bei Markus Friedel, wird jetzt im Protokoll der Name nicht ausgeschrieben.

„Clemens Binninger (CDU/CSU): Weil wir hier diesen Fall hatten. Und bei dieser Kreuzverbrennung waren Beate Zschäpe und ein Markus F. dabei, der später in Heilbronn gewohnt hat, als Teil dieser Szene aus Sachsen. Haben Sie nie erfahren?“

Also handelt es sich wohl bei Markus Friedel und Markus Fr. um unterschiedliche Personen. Das würde heißen, dass sowohl Markus wie David Friedel bisher nicht befragt wurden.

Es gab noch eine dritte Person, die über eine Verbindung aussagen hätte können. Florian Heilig, der 19-jährig Selbstmord begangen hätte.

Heilig sagte im Sommer 2011 zwei Ausbildungs-Kolleginnen, dass er wisse, wer die Polizistin Kiesewetter ermordet hätte. Auch von „Dönermorden“ war die Rede. Erst im Sommer 2015 wurden die Zeuginnen polizeilich befragt.

Die Stuttgarter Nachrichten zitierten ihre Aussagen, für die sich der Baden-Württemberger U-Ausschuss nicht interessierte.

„Zum Beispiel hat er uns erzählt, dass er wisse, wer die Polizistin erschossen habe. Er hat auch von einem ‚Dönermord‘ erzählt. Er fragte mich, ob ich das mitbekommen habe und sagte, es sei nicht der erste derartige Mord gewesen und er wisse auch, wer dafür verantwortlich sei.“

Der U-Ausschuss lud diese Zeuginnen nicht vor. Stattdessen schließen sich die Abgeordneten der Behördenmeinung an und schreiben im Abschlussbericht in parteiübergreifender Einigkeit:

„Der Ausschuss konnte mit Ausnahme der Aussagen der Zeugen ,Bandini‘ und Gerhard Heilig keine tatsächlichen Anhaltspunkte dafür finden und schließt im Ergebnis aus, dass Florian Heilig wusste, wer den Anschlag auf Michèle Kiesewetter und Martin Arnold verübt hat.“

Laut der Mutter von Florian Heilig kommentierte ihr Sohn die Meldung vom Selbstmord von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sowie der Existenz eines NSU wie folgt:

„Das war alles ganz anders. Die Presse lügt doch nur. Das wurde von höherer Stelle organisiert. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie viele Beamte und hochgestellte Rechtsanwälte, ja sogar Politiker in diese Sache verwickelt sind.“ Und er meinte damit nicht Politiker der NPD! (Compact, 2014)

Heilig sagte, dass es ein kriminelles Netzwerk gäbe, welches in den Staat hineinreiche und so protegiert würde.

Diese Erklärung könnte so einiges erklären.

5 Gedanken zu „Die vertuschte Verbindung zwischen dem Heilbronner Polizistenüberfall und der Ceska-Mordserie“

  1. In manchen Fällen hat man den Eindruck, die Wahrheit interessiert nicht, weil man Begünstigte schützen will.
    Wir erfahren das inzwischen über acht Jahre. Man verfolgt lieber Unschuldige als schuldige Begünstigte zu verurteilen!
    Mit Rechtsstaat hat das nichts zu tun.

  2. Vielleicht ist die Schäuble-Fraktion involviert? Oder alles ist so schlimm, dass ein Auffliegen Mord und Totschlag nach sich zöge, so dass irgendjemand unsere Politiker vor die Wahl gestellt hat: Entweder Flüchtlinge, oder wir legen’s offen.

    Klingt selbst in meinen Ohren hahnebüchen, aber die derzeitige Politik zeigt ja, dass nichts hahnebüchen genug ist, um nicht doch umgesetzt zu werden.

  3. Was will so ein grad der Pubertät entwachsenes Bürschchen denn an Durchblick und Wissen haben ? Und welche Kreise weihen ein 21 jähriges Jüngelchen in eine Sache ein, die schon etliche Tote verursacht hat ? Wie soll der Burschi als kleiner Provinz Nachwuchs Nazi Kenntnis von solchen Sachverhalten erlangt haben ? Und selbst wenn dem so wäre – da wartet man dann schlappe 6 Jahre, bis man das Bürschlein entsorgt ? Und morgen ist Weihnachten !

    MfG

  4. „Heilig sagte, dass es ein kriminelles Netzwerk gäbe, welches in den Staat hineinreiche und so protegiert würde. “ Zitat Ende

    Indizien dafür gibt es beim sogenannten NSU mehr als genug.

    Wie man aus einer – letztendlich unpolitischen nach Identität suchenden – Gruppe von Jugendlichen, durch den Einsatz sechsstelliger Beträge und dutzender sog. V-Leute, ein tatsächlich rechtsradikales Netzwerk geschaffen hat, dass allein ist schon hochgradig kriminell. Man muss aber sehen, dass die treibende Kräfte dahinter bestimmt keine „Rechten“ waren, denn „Rechte“ sind ja selbst schon quasi Nazis, in diesem freiesten Staat, den es je auf deutschem Boden gab.

    Und man kann den Bogen vom Anfang direkt an das Ende spannen. Wie kommt das apabiz dazu, „exklusiv“ ein Tätervideo an den Spiegel zu verkaufen? Wer „exklusiv“ verkauft, der muss Urheberrechte nachweisen können. Ein „Bekenntnis des NSU“ – und damit eine Prägung der deutschen Öffentlichkeit in dieser Sache – erfolgte also post mortem erst durch Linksradikale.

    Es besteht also schon ein begründeter Verdacht, dass es ein kriminelles Netzwerk war, welches den NSU aufgeblasen hat. Mutmaßlich handelt es sich dabei jedoch um

    “ ein kriminelles linksfaschistisches Netzwerk, welches in den Staat hineinreicht und so protegiert wird.“

  5. Florian Heilig ist ein Thema, was man im Auge haben muss, was aber nichts bringt. Die vorhandenen Informationen lassen kein Grundordnung für eine vernünftige These zu.

    Das beginnt schon bei der einfachen Frage, was hat ihn akut gefährlich gemacht, das man eingriff?

    Die Betonung liegt auf akut. Denn wenn er Informationen hatte, hatte er die schon eine Weile. Das war bekannt, man ließ ihn aber damit rumlaufen.

    Was hat sich geändert, so das man handeln mußte?

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