Der vertuschte Mord an König Ludwig II, Erbauer von Schloss Neuschwanstein

Die Serie „Welt der Wunder“ rekonstruierte in der Dokumentation König Ludwig II, Historische Kriminalfälle den Tod des bayerischen „Märchenkönigs“ im Jahr 1886. Die Journalisten bekamen dafür Zugang zum „geheimen Hausarchiv der Wittelsbacher in München.“ „Welt der Wunder“ untersuchte die Originalakten und widerlegte die bis heute gültige offizielle Darstellung der Vorkommnisse.

Der Hintergrund des Ablebens von Ludwig II war ein massiver Konflikt mit der politischen Führung Bayerns. Das bayerische Kabinett entmündigte Ludwig II am 9. Juni 1886 und entzog ihm die Regierungsverantwortung. Sein Onkel Luitpold übernahm am 10. Juni die Regierungsgeschäfte. 

Angesichts seiner drohenden Festnahme flüchtete sich der „Märchenkönig“ auf Schloss Neuschwanstein. Dort wurde er am 11. Juni festgenommen

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Er wurde gegen seinen Willen in eine Klinik für Geisteskranke am Starnberger See gebracht, wo er am 13. Juni verstarb. 

„Welt der Wunder“ lässt Experten und Nachkommen von Zeugen zu Wort kommen, zitiert aus alten Polizeiakten und Obduktionsberichten. Dadurch wird ersichtlich, dass es bis heute eine Verschwörung gibt, die Todesumstände von König Ludwig II zu vertuschen. Zwei Punkte springen dabei heraus:

Kein Wasser in der Lunge von König Ludwig II

Fakt ist, dass der Nervenarzt Dr. Gudden mit König Ludwig II zu einem Spaziergang am Starnberger See aufbrach. Dr. Gudden bestand darauf, dass keine Pfleger sie begleiteten.

Laut der offizieller Darstellung wäre es zu einem Streit gekommen. Ludwig II hätte erst Dr. Gudden unter Wasser gedrückt und getötet, dann hätte sich der 1,93 cm große Ludwig II im hüfthohem, 1,30 cm hohen Wasser selbst ertränkt. In der Obduktion stellten die Mediziner jedoch fest, dass kein Wasser in seinen Lungen war. Wie ist das möglich?

„Welt der Wunder“ befragte dazu Prof. Wolfgang Eisenmenger vom Institut für Rechtsmedizin Uni München. Er beschreibt die typischen Merkmale einer Wasserleiche. Bei ertrunkenen Körpern wäre eine eingetrocknete Substanz in Luftröhre und Rachenbereich zu finden, die wie „Seifenschaum“ aussieht. Die Lungen wären „massiv gebläht“ und  würden wie ein „Luftkissen“ wirken.

„Bei der Sektion des königlichen Leichnams finden die Ärzte keines dieser typischen Anzeichen. Laut des Obduktionsprotokolls wäre der König in guter körperlicher Verfassung.“ (29:53)

Eisenberger kommentiert die Befunde:

„Im Sektionsprotokoll ist keine Todesursache ex­pres­sis ver­bis angegeben. Wahrscheinlich waren sich die beteiligten Ärzte nicht darüber klar, wie sie den Tod erklären sollten. Die Wassertiefe war gering.“

„Zweifel sind angebracht. Man hat es sich wohl unter dem Druck, dass hier ein König aus dem See gezogen wird und ein behandelnder Nervenarzt, ebenfalls tot im See liegt, zu einfach gemacht, die Vorgänge abzuklären.“

Dr. Guddens Uhr blieb eine Stunde später stehen

Was massiv gegen die offizielle Darstellung spricht ist, dass Dr. Guddens Uhr eine Stunde später stehenblieb, als die Uhr von Ludwig II., obwohl ja beide zur gleichen Zeit ins Wasser gegangen wären.

„Ludwigs Uhr bleibt um 18:54 stehen. Die Uhr von Dr. Gudden läuft jedoch noch fast 1 Stunde und 13 Minuten weiter. Wie ist das möglich?“

„Welt der Wunder“ fragte den Uhrmachermeister Ralf Meertz, wie lange eine vergleichbare, nicht wasserdichte Uhr im Wasser weiterlaufen kann. Meertz bewies in einem Test, dass es nicht einmal 20 Sekunden dauert bis die Zeiger der antiken Uhr stehenbleiben. Meertz weist darauf hin, dass die alten Uhren so „offen wie Scheunentore“ wären und Wasser schnell eindringen kann. „Welt der Wunder“ kommentiert:

„Der Uhrentest macht eines klar: Bernhardt von Gudden kann nicht zur selben Zeit wie König Ludwig gestorben sein und schon gar nicht vor ihm. Aber genau das behaupten die Originalprotokolle.“

Fazit

Der Märchenkönig Ludwig II baute in Bayern Schlösser, die von tausenden Touristen besucht werden. Laut der infamen offiziellen Darstellung wäre er ein irrer Mörder und Selbstmörder. Wäre es nicht den Verdiensten von Ludwig II angemessen, seinen Tod endlich aufzuklären, seinen Ruf wiederherzustellen und von den infamen Vorwürfen auch offiziell zu entlasten? Beispielsweise könnte seine Leiche exhumiert und nochmals untersucht werden.  Oder glaubt im Grund sowieso niemand ernsthaft der offiziellen Geschichte? Aber wer ist so mächtig, die wahren Vorkommnisse bis heute zu vertuschen? Wer profitiert davon? Welche Interessen gibt es?

11 Gedanken zu „Der vertuschte Mord an König Ludwig II, Erbauer von Schloss Neuschwanstein“

  1. Mal die Pläne für die Schlösser angeschaut, die er noch bauen wollte, obwohl er beispielsweise in Herrenchiemsee nicht ein einziges mal genächtigt hatte?

    Er hat schlicht und einfach zuviel Geld ausgegeben und war für den Staat (und das darbende Volk) deswegen nicht mehr länger tragbar. Und weil er partout nicht von seinem Hobby lassen wollte…..

    Herzliche Grüße

    Rogers

    1. Laut „Welt der Wunder“ hätte er es aus seiner eigenen Tasche bezahlt. Gut, er war hoch verschuldet, am Ende übernahm der Staat wohl die Schulden, keine Ahnung. Damals war wohl noch nicht absehbar, dass das Tourismusgeschäft boomen wird.

      Was König Ludwig II hoch anrechne, ist, dass er sein Geld nicht in die Armee / Kriegsplanung steckte.

      1. Schon möglich. Aber vom normalen Volk, jenseits aller Adelstitel, sah auch niemand nur einen einzigen Heller, es sei denn, er / sie dienten zur Erfüllung der diversen Gelüste dieses „Märchenkönigs“.

        MfG

        1. Ich bin Gegner der Monarchie, König Ludwig II war kein „Menschenfreund“, aber auf ihren Einwand könnte ich erwidern, dass er mit seinen Bauten viele Arbeitsplätze geschaffen hat. Er bezahlte doch, oder?

      2. „dass er sein Geld nicht in die Armee / Kriegsplanung steckte.“
        Nun ja, er hat seine Armee 1870 von der Pfalz aus als erste gegen Frankreich geschickt und damit einen großen Anteil am Sieg von Sedan gehabt. Nur mal so als Anmerkung.
        Warum hat er sich auf dieser Grundlage nicht für eine regionale Eigenständigkeit von Elsass/Lothringen eingesetzt? Er hätte damit Süddeutschland im Deutschen Reich stärken und dieses Reich erheblich stabiler machen können. Stattdessen wurde das „Reichsland“ Elsaß-Lothringen eine preussische Kolonie, in der preussische Leutnants die „Wackes“ anschließend 40 Jahre lang nach Herzenslust kujonieren durften, bis der Ruf „Merde la Prusse, vive la France!“ durch das Elsass schallte. Die Elsässer waren nicht blöd und haben sehr wohl gemerkt, dass die Franzosen jahrhundertelang ihre kulturelle Eigenständigkeit und Freiheit mehr respektiert hatten als die gleichsprachigen Preußen. Erst nach 1919 wurde das zuvor weitgehend deutschsprachige Elsass-Lothringen französischsprachig.
        Von Bismarck hat er sich übrigens mit einem üppigen Batzen Schmiergeld (natürlich für seine privaten Schlossbauten) die Souveranität Bayerns abkaufen lassen und damit die Gründung des weitgehend preußischen Deutschen Reiches ermöglicht. Der Kerl war nach allen Maßstäben korrupt und ein kompletter Versager in seinem Amt.
        Man sieht an diesem Beispiel sehr schön, wohin es führt, wenn solche Ämter vererbt werden und eine Abwahl nicht möglich ist. Hätte man ihn abwählen können, wäre er nicht ertränkt worden.

        1. Laut „Welt der Wunder“ hätte Bayern nach der Niederlage gegen Preußen seine Unabhängigkeit verloren. Es hätte einen Geheimvertrag gegeben, dass es Preußen militärisch beistehen muss. Keine Ahnung, ob das so stimmt.

          1. Wenn es stimmt, dann bedeutet es nichts anderes, als dass die Freiheit der Bayern gegenüber Preußen ungefähr so groß war wie heute die Freiheit der Deutschen gegenüber den USA. Genau solche Geheimverträge, die die Freiheit der Deutschen beschneiden, vermutet ja u.a. der Fatalist als ein Hintergrund hinter der Nichtaufklärung von Terror in diesem Land (mit guten Gründen wohlgemerkt).
            Was er nicht dazu sagt: eine Rückkehr zum Deutschen Reich würde deshalb nicht automatisch meine Freiheit als Bürger und Wähler in diesem Landes vergrößern. Die heutigen Zwänge würden nur durch andere Zwänge ersetzt werden. Es würde mir nichts nützen, wenn auf diesen dann „deutsch“ draufstehen würde.
            Es war schon immer unlauter, das Streben nach Freiheit in ein nationalistisches Projekt zu verwandeln. Das ist ein Surrogat, ein Betrug. 1866/70/71 war es Bismarcks Betrug und zur Strafe haben wir Wilhelms Preußen bekommen.
            Zurück zu Ludwig: er war der verfaulte Vollpfosten in dem Spiel.

  2. – dass er mit seinen Bauten viele Arbeitsplätze geschaffen hat. Er bezahlte doch, oder?-
    Das gilt übrigens auch für Tebart van Elst, die Erbauer der Elbphilharmonie und des Flughafens in Berlin.
    Das sind alles Konjunkturprogramme.

  3. Ich war vor Jahren in Neuschwanstein und in Herrenchiemsee und auf der Fraueninsel. Es gibt eine Ausstellung mit Fotos und den Briefwechsel mit seiner Frau, mit der er aber nie die Ehe vollzogen hatte. Und es gibt den Abdruck von mindestens zwei Briefen, die Ludwig an Bismarck schrieb. Es waren Hilfeersuchen in höchster Not. Denn er sollte für Unzurechnungsfähig erklärt werden. Das geschah dann später auch, weil Bismarck meinte dies nütze vor allem dem König Ludwig.
    Denn wer unzurechnungsfähig war, konnte für sein Tun und Lassen nicht belangt werden. Und Ludwig hatte durch seinen Lebensstil und die Prunkbauten einen ganzen Schuldenturm aufgebaut.
    Ob er dann im Starnberger See sterben musste, was ich auch glaube, oder seinen körperlichen Beschwerden entgehen wollte, wird wohl nie geklärt werden. Fakt ist, dass Ludwigs Zähne infolge übermäßigen Schokoladegenusses halb verfault und sein Körper aufgedunsen und voller Gicht war.
    Soweit der letzte Arzbericht kurz vor seinem Tod.

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