Gregor Gysi, Katja Kipping würden wie Tsipras zu Verrätern werden

Die führenden Linken-Politiker Gregor Gysi und Katja Kipping kritisierten zwar im Bundestag das dritte „Hilfspaket“ für Griechenland, sie stellten aber klar:

„Denn sie hätten, so sagen etwa Gregor Gysi und Katja Kipping, in Griechenland selbst schweren Herzens mit „Ja“ für ein Paket gestimmt, das sie voll und ganz ablehnen.“ (telepolis)

Aufgrund der Dimension des Verrates von Alexis Tsipras, sagt das viel aus über das Politikverständnis von Gysi und Kipping! 

Er schloss sich der medialen Propaganda an, dass ein „Grexit“ aus dem Euro zu noch mehr Verelendung führen würde, als das Weiterführen der neoliberalen Politik. Obwohl 61% der Griechen dazu „Nein“ (OXI) sagten, deutet Tsipras das Votum als ein „Ja“ für den Euro um und führt die neoliberale Politik fort, obwohl sie diametral zu seinen Wahlversprechungen steht.

Laut des geschassten Finanzministers Varoufakis reagierte der Kreis um Tsipras geschockt auf das klare „OXI“, es hätte eine „eisige“ Atmosphäre nach Bekanntwerden des Ergebnisses geherrscht.

„Die Führung um Tsipras ist regelrecht in Panik verfallen angesichts der elektrisierten Massenstimmung nach dem Oxi. Varoufakis erzählt, wie er am Abend des Referendums in den Maximo kam, in den Präsidentenpalast. Ganz Athen, ganz Griechenland lag sich jubelnd in den Armen, tanzte, sang und platzte vor Kampfgeist und Selbstbewusstsein – aber rund um Tsipras herrschte eisige Stimmung als Varoufakis mit seinem „Wow, this is great!“ zur Tür hereinkam. Dieses Ergebnis war weder erwartet noch gewünscht worden.“ (telepolis)

Laut des Künstlers und Historikers „Prinz Chaos II.“ hätte sich  Alexis Tsipras nie für Alternativen zum Euro interessiert; er zog keinen „Plan B“ in Erwägung.

Dass Gysi und Kipping  sich dem Tsipras-Verrat anschließen würden, überrascht nicht wirklich: Schon während des Ukraine-Konflikts beteiligten sie sich an der Hetz-Kampagne gegen Russland. Katja Kipping verherrlichte die „Maidan“-Bewegung:

„Die Maidan-Bewegung das hatte ja wirklich, da waren ja ganz viele mit edlen Motiven und guten Zielen. Am Anfang haben sie sich sogar gegen die Oligarchen gewendet. Das Problem war nur: Es ist irgendwann einkassiert worden.“

„Die Annexion der Krim war ein Bruch des Völkerrechts, den man nicht entschuldigen kann.“ (youtube)

Gregor Gysi schlug den Krim-Bewohnern vor, nach Russland auszuwandern, wenn es ihnen in der Ukraine nicht gefällt.

„Wenn das erlaubt ist, dann hätten wir nie sagen dürfen, dass die Abtrennung des Kosovo ein Völkerrechtsbruch war. Es war aber ein Völkerrechtsbruch. Die Mehrheit wollte ganz bestimmt weg. Aber die Mehrheit, die das Land verlassen will, hat das Recht zu gehen, aber nicht mit Territorium.” (youtube)

Gregor Gysi und Katja Kipping sind keine vertrauenswürdige Politiker, denen eine alternative Regierungsverantwortung zugetraut werden könnte.

9 Gedanken zu „Gregor Gysi, Katja Kipping würden wie Tsipras zu Verrätern werden“

  1. Es ist nicht ganz angemessen, das Problem in dieser Weise zu personalisieren. Man muss mal darüber nachdenken, ob es sich nicht um ein grundsätzliches Problem des „Links sein“ handelt.
    In meiner Jugend bin ich am Samstagabend gerne in den „Club alpha 60“ gegangen. Das war schon nicht mehr richtig cool, aber nett und günstig. Mir war es in jedem Fall lieber als öde, glitzernde Discos, obwohl ich als strebsamer, pflichtbewusster Arbeiterjunge mit guten Noten und Pullunder da nicht so ganz hingepasst habe. Machte nichts, anderswo war es nicht besser 🙂
    Im Club war es natürlich ganz angesehen, über den „Scheiß-Staat“ zu jammern, am besten hilflos und weinerlich: Riesige moralische Ansprüche, die von vorne herein dafür gemacht sind, dass man sie nicht erfüllen kann und deshalb auch nicht muss, weil man ja klein und schwach ist. Der schönste Aufruf, den ich dazu jemals gehört habe, kam von einem süßen, hilflosen Mädchen: „Wer in dieser Welt keine Drogen nimmt, der muss doch ein Schwein sein!“ Ja, ja, besser war es trotzdem, wenn man keine nahm.
    Gleichzeitig war die Stadt natürlich immer diejenige, von der die Kohle zu kommen hatte, am besten mehr als im Vorjahr. Die Stadt war deshalb der gute Staat, in dem die meisten Stadträte ja helfen wollten, darüber fing unmittelbar und vollständig der böse an. Proteste gegen die Stadt waren natürlich normal, da notwendig, damit die Alma Mater die nächste Ration Milch hergab. Das gleiche Muster fand man später an der Uni wieder. Die Lautsprecher der Studentengremien holzten ständig gegen die Uni, teilweise so schräg, dass kein Student mehr verstand oder wissen wollte, worum es eigentlich ging. Kohle und Unterstützung hatten aber natürlich von der blöden Uni zu kommen, und die echt Bösen saßen in der Landesregierung, denn viele Profs waren ja voll OK. Und das gleiche Muster findet man natürlich auch bei Syriza und der Eurozone wieder. Die kleine, gute Polis heißt in diesem Fall eben Griechenland, die bösen, geizigen Oberbehörden hocken in Berlin und Brüssel.
    Dass ein Linkspolitiker, der dieses Spiel jahrzehntelang mitgespielt und sich mitangesehen hat, irgendwann mal zum Verrat bereit ist, muss man schon ein wenig verstehen! Der Verrat ist notwendiges Element in diesem Spiel, weil er allein den ewigen Kreislauf von Vorwürfen und Morgengabe in Gang hält. Der Ausstieg aus dem Euro wäre sowas wie das Ende der Beziehung eines Kindes zu seiner Mutter gewesen, das passiert nicht in einer scharfen Wendung, sondern erst nach langem Hin und Her.
    Linkssein ist keine Lösung, Georg, glaub es mir. Rechtssein ist auch nicht besser, was die kranke Beziehung zum Staat angeht 🙂 Nur frei, bockig. eigensinnig und wählerisch sein ist eine Lösung, aber das weißt Du selbst. Linke sollte man nur wählen, damit sie intelligente Opposition machen. Das sind immer nur kurze Phasen 🙂

  2. Es ist in der Tat so, dass sich Grüne und Linke (bei letzteren gibt es Ausnahmen) voll hinter den Putsch in Kiew gestellt haben.
    In dessen Verlauf die demokratische Nachfolgeregierung Janukowitsch, die zwei Jahre vorher gegen den prowestlichen Vorgänger ins Amt gewählt wurde, gestürzt und das jetzige Unglücksregime an die Macht gehievt wurde.
    Bei den Grünen sind rund 99,99 % der Politiker für die Nato und gegen Russland. Bei den Linken dürften es nur etwa 60 % sein.
    Aber immerhin. Das verbindet diese Leute mit Merkel, der Nato und den Faschisten in Kiew.

  3. Die Grünen sind extrem NATO-oliv, nicht nur ein bisschen, sondern in teilweise wirklich erschreckend naiver und tödlicher Weise, siehe Marie-Luise Beck. oder Werner Schulz, der schon mal die Dardanellen sperren wollte. Wenn ich ökologische Themen für wichtig halte, kommt für mich deshalb ganz klar eher die ÖDP in Frage.
    Die Haltung der Linken zu Ukraine und Russland halte ich dagegen für wesentlich gesünder: sie sind zwiegespalten zwischen einer Ablehnung der verlogenen NATO-Propaganda und einer Ablehnung von Zar Putin und seiner russischen Propaganda. Man darf Putin nicht bewundern und unterstützen, weil man die NATO-Lügen nicht mehr hören will! Der Kerl ist ein Geheimdienst-Verbrecher wie Robert Gates oder Papa Bush, da darf man nicht viele Unterschiede machen. Leute, wir müssen uns nicht entscheiden, ob wir den Barschel-Mord oder den Litwinenko-Mord gut finden, ob wir Wolgodonsk oder 911 gut finden. Für die Ablehnung einer Eskalationspolitik um die Ukraine ist das nicht nur überflüssig, sondern extrem schädlich. Wir sind hier in Deutschland, wir wissen nicht genug darüber, wer weniger böse ist und wir wollen das Schlimmste verhindern. Das muss reichen.

    1. @ hinterm Busch

      Zumindest zündelt Putin nicht wie Obama in anderen Ländern.
      Und das ist es, was uns hier in Deutschland betrifft.
      Diese wahnsinnige Flüchtlingsbewegung kommt eben auch aus den gewollten Umstürzen in Nordafrika.
      Und dahinter steckt keinesfalls Russland. Das wollen wir mal festhalten.

  4. Das, was in Griechenland mit der Umdeutung von OXI zu einem Ja durch Tsipras geschehen ist, scheint mir ein typisches Beispiel der Dialektik von Basis, die begeisterten Massen nach dem Referendum und auf der anderen Seite, die entgeisterte Parteispitze zu sein, die fürchtete, nicht mehr Herr diese neuen Situation zu sein.

    Für solche geschichtliche Ereignisse gibt es historische Beispiele: Vielleicht das Folgenreichste, die Ablehnung eines Massenstreiks durch die Führung der deutschen Sozialdemokratie. Wäre ein Massenstreik damals 1914 von der deutschen Arbeiterbewegung durchgeführt worden, so wäre es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zu einem Weltkrieg gekommen, und auch Rosa Luxemburg, die glühende Befürworterin eines solchen Massenstreiks, wäre wohl nicht ermordet worden, sondern hätte die Herrschenden der Welt das Fürchten gelehrt.

    Zum Weiterlesen: Hans Dieter Müller, der Kopf in der Schlinge. Entscheidungen im Vorkrieg, Mit einem Nachwort von Alexander Kluge, es 1289,Frankfurt 1985
    Mit einem Nachwort von Alexander Kluge, es 1289,Frankfurt 1985

  5. @ Aldo

    Wenn es 1914 in Deutschland zu einem umfassenden Generalstreik gekommen wäre, dann wäre der Krieg nicht ausgefallen, sondern kürzer geworden.
    Es wären mehr deutsche Soldaten gefallen, weil kaum Nachschub an Munition (wie 1918) zur Front gelangt wäre.
    Frankreich hätte sofort Elsass und Lothringen annektiert und die Österreichisch- ungarischen Truppen wären von der russischen Armee zusammen geschossen worden.
    Gleiches wäre den deutschen Truppen in Frankreich geschehen. Nur der britische Zugriff auf die deutschen Kolonien in Afrika wäre so gekommen, wie es kam: Gleich zu Beginn des Krieges.

  6. Nachsatz: Es ist nicht zielführend die Kriegspropaganda der Gegner von 1918 ungeprüft zu übernehmen.
    Es waren Sozialdemokraten, die den Vertrag von Versailles nicht unterschreiben wollten, aber dann schliesslich doch infolge der Kriegsdrohungen der Sieger dem zustimmen mussten.
    Und dabei ging es weniger um die Höhe der Reparationszahlungen, als vielmehr um das erzwungene Anerkenntnis, den Krieg verursacht zu haben.

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