Griechen werden infamerweise für Fehlkonstruktion des Euro verantwortlich gemacht

Es ist niederträchtig, die Griechen pauschal für die Fehlkonstruktion des Euro verantwortlich zu machen! Nach der Euro-Einführung in Griechenland hatten viele Griechen aus dem Mittelstand und der Oberschicht auf einmal mehr Kaufkraft zur Verfügung. Banken gewährten ihnen Kredite, Unternehmen boten auf einmal erschwingliche Produkte aus Deutschland. Warum hätten die Griechen die Angebote ablehnen sollen?

So kam es zu einem kreditfinanzierten Defizit des Außenhandels. Das heißt, dass griechische Banken u.a. deutsche Sparvermögen an Griechen verliehen, die damit Produkte aus Deutschland kauften. Deutschland profitierte von dieser Schulden-Blase massiv, da es eine wettbewerbsfähige Wirtschaft hat und eine große Sparneigung der Bevölkerung. Die Banken machten jahrelang gute Geschäfte mit den griechischen Zinszahlungen. Nach der Bankenkrise 2008 bewerteten Ratingagenturen jedoch die Bonität der griechischen Schulden immer negativer, sprich Griechenland wurde von „Heuschrecken“ und Spekulanten angegriffen. Die in Griechenland angelegten deutschen Sparvermögen standen auf der Kippe.

Daraufhin verstaatlichte Griechenland die maroden Banken und verkaufte sie kurz darauf mit Milliarden-Verlusten. Dafür bekam es einen viel zu kleinen Schuldenschnitt. Teil des Wahnsinns war, dass seitdem unter anderem Deutschland für die faulen Kredite bürgt, mit Steuergeld! Statt die Banken einfach pleite gehen zu lassen, wird im Falle einer griechischen Staatspleite der deutsche Steuerzahler die Banken auszahlen. Das heißt, dass Deutschland gratis Waren nach Griechenland exportiert hat. Das Beispiel Island zeigt, dass die Bankenrettung nicht alternativlos gewesen wäre.

Gerade die Armen hatten jedoch gar keine große Möglicheit, sich an der Schuldenblase zu beteiligen. Gerade sie trafen jedoch die Spardiktate aus Berlin und Brüssel am härtesten, die Kürzungen der Staatsausgaben. Die Armutsrate liegt heute bei 35%! Die Wirtschaftsleistung brach um 25% ein. Statt die Banken zu retten, hätten die „Rettungskredite“ vielmehr die griechische Wirtschaft wettbewerbsfähig machen müssen.

Ich kann verstehen, dass viele Deutsche keine weiteren Gelder in die Fehlkonstruktion stecken möchten, aber ich kann auch verstehen, dass viele Griechen gestern „Nein“ zu weiteren Spardiktaten sagten. Statt sich gegeneinander aufhetzen zu lassen, sollten die betrogenen Völker die Verantwortlichen der Misere zur Rechenschaft ziehen.

23 Gedanken zu „Griechen werden infamerweise für Fehlkonstruktion des Euro verantwortlich gemacht“

  1. Diesen Wahnsinn höre ich in den Cafes allerorten. DIE GRIECHEN SIND SCHULD. Diese Teutschen wollen nicht einsehen, dass Papierwährungen, der Parteienstaat, ja Staaten an sich der Fehler im System sind. Immer sind die anderen Schuld.

    1. Ja, gerade die einfach strukturierten Leute mit Hauptschulabschluss, auch die an den Stammtischen wählen CDU/CSU. Es stimmt auch die „Generation Praktikum“ im Geheul gegen die Griechen ein, obwohl auch diese gesellschaftliche Gruppe Opfer des kapitalistischen Unrechtssystems ist. Gerade junge Deutsche fordern, die Griechen aus dem Euro zu schmeißen.
      Die Geschichte zeigt, dass die Reichen schon immer die Geknechteten gegeneinander auszuspielen wussten.

  2. Richtig, gerade die einfach Strukturierten wählen CDU/CSU. Man sollte aber auch nicht vergessen was z.B. ein Vizekanzler Gabriel bezüglich Griechenland zum Besten gab oder was EU -SPD -Schulz blubberte!
    Die SPD ist leider von der CDU/CSU kaum mehr zu unterscheiden, bis auf ihre Verdienste zu Mindestlohn und das gewerkschaftliche Engagement.
    Zu Griechenland hat Augstein sehr gut und prägnant geschrieben:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/augstein-zu-griechenland-nein-zum-referendum-kolumne-a-1041705.html

  3. Bosbach hin, Merkel her, sind doch inzwischen Martin Schulz und Sigmar Gabriel die schärfsten Hunde, was die Griechenland-Diskussion angeht. Warum, weil sie sich mit dem ESM- und der Euro“rettung“ am stärksten und unnötigsten in die Klemme geritten haben!
    Das hat mich veranlasst, die Frage aufzuwerfen, ob vielleicht die SPD die dümmste Partei Deutschlands ist:
    http://www.hintermbusch.e/spd.html
    Alles, was nicht stimmt an der Griechenland-„Rettung“, hat Sahra Wagenknecht aus linker Sicht schon 2012 (und davor) vorgetragen. Oh Wunder: im Ergebnis deckt es sich erstaunlich mit einer konservativen Sicht auf den Euro-Murks.
    Drei Punkte sind aus meiner Sicht essentiell:
    – Griechenland hatte seit Jahren keine Chance mehr, seine Schulden zu bedienen oder abzuzahlen. Es ist also nicht wahr, dass der Krug erst mit Syriza zerbrochen ist. Das sind nur die Boten, die man jetzt hängen will.
    – Nichts, was jetzt ökonomisch passiert, wird mich dazu bringen, die Griechen zu beschimpfen. Das bedeutet aber NICHT, dass man das Land unbedingt im Euro halten kann oder muss und dass seine Regierung nicht zusätzlichen Mist produzieren kann.
    – Der Euro ist höchstwahrscheinlich polit-ökonomisch bereits tot. Es wird aber noch eine Weile (1-5 Jahre) dauern bis jeder gemerkt hat, wie sehr er schon stinkt.
    Spannende Zeiten und wahnsinnig gefährliche noch dazu, da soll sich mal niemand täuschen!

    1. Griechenland ist pleite. Diese Wahrheit wollen unsere Politiker nicht ins Auge blicken. Es ist der helle Wahnsinn, wenn es jetzt zu einem dritten Rettungskredit mit Staatsknete kommen sollte, der wieder nur den Banken zugute kommt. Es hilft nur ein brachialer Schuldenschnitt, auf Kosten der Geldverleiher, die in Griechenland mit Zinsen Geld verdienten.
      Historisches Vorbild Deutschland, wir wurden so auch unsere Schulden los.
      http://www.fr-online.de/schuldenkrise/schuldenerlass-wie-griechenland-bei-der-rettung-deutschlands-half,1471908,11569276.html?dmcid=sm_fb

      Innerhalb des Euros zu bleiben, macht für Griechenland nur Sinn, wenn es nicht wieder zu einem Wirtschaftskrieg mit Deutschland kommt. Das heißt, dass unsere Exportindustrie nicht die griechische Wirtschaft platt machen darf, es macht keinen Sinn, wenn Spardiktate und Steuererhöhungen ihr den Rest geben. Ich weiß auch nicht, wie ein Ausgleich gehen soll.
      Dieser Euro ist einfach eine Fehlkonstruktion. Es müsste eine gemeinsame Sozial- und Wirtschaftspolitik geben, die einen fairen Ausgleich schafft. Das heißt, dass BMW einfach eine Fabrik in Athen aufstellt.

      1. Alles richtig. Aber wer sollte alles das steuern? Die Politik verplempert seit Jahren europaweit ihre Zeit mit Euro-Gipfeln, mit Dingen also, die sich in einem flexiblen Wechselkurssystem teilweise selbst regeln würden (teilweise aber auch nicht). Es führt kein Weg an der Einsicht vorbei, dass der Euro eine Katastrophe ausgelöst hat. Wenn er jemals eine Chance gehabt hat, dann ist sie vor langer Zeit verspielt worden, u.a. mit der Lohnsenkungspolitik in Deutschland und exzessiver Kreditaufnahme/-vergabe durch/an die Südländer.
        Wir müssen jetzt von da aus weitermachen, wo wir stehen: in der Scheiße. Es wird noch eine Weile dauern, bis wir alle gemerkt haben, dass wir da auch mit drinstecken.

  4. Na ja, noch mal.
    Es gibt ein inneres und ein äußeres Problem.

    Das innere ist Griechenland selber. Das wird hier von einigen straff ignoriert.
    Die Griechen haben sich ein betrügerisches Verteilungssystem geschaffen. Versorger ist der Staat, der aber von seinen Griechen nicht ansatzweise refinanziert wird.
    Das Modell an sich ist nicht neu, denn das Modell ist der Kern der sozialen Marktwirtschaft gewesen, Staatsverschuldung.
    Bei den Griechen ist das Modell aber total pervertiert. Das betrifft sowohl die Dimension der Ausgaben, als auch die begleitende Degeneration der Staatsfunktion.
    Damit ein Gefühl für die Dimension entwickelt wird.
    Die DDR hat mit 25 Mrd. DM Verbindlichkeiten die Hufe hoch geklappt. Griechenland hat es trotz kleinerer Bevölkerung auf 600 Mrd. DM gebracht.
    Das kann man ideologisch motiviert ignorieren, ökonomisch ist es ein Betrugsmodell eines ganzen Volkes, nicht des Staates, oder nur der Oligarchen.
    Die gegenwärtige griechische Gesellschaft funktioniert nur als Defizitstruktur.
    Ohne radikale Umstrukturierung geht gar nichts und ohne radikales Umdenken in der griechischen Lebensweise geht keine Umstrukturierung.
    Die letzten fünf Jahre haben gezeigt, da wollen die Griechen nicht ran.

    Das äußere Problem sind Staatsverschuldungen über die Finanzmärkte.
    Es ist falsch, das sich Staaten über den Finanzmarkt Geld holen und es ist Betrug.
    Beim Euro verschärft sich der Fehler.

    1. Nochmal: Die Staatsverschuldung Griechenlands ist erst mit der Bankenkrise 2008 explodiert! Erst durch Merkels Bankenrettung verschuldete sich Griechenland, mit Deutschland als Ausfallbürgen. Wo ist Ihr Problem, das zu verstehen?

      “Und so nahm die Verschuldung der europäischen Volkswirtschaften lange zu – in Griechenland von ca. 180 % 1999 auf ca. 280 % 2008 (und das ist noch niedrig; Spaniens Gesamtverschuldung stieg im gleichen Zeitraum von etwa 200 auf 500% an).[2] Diese Zunahme ging, zumindest in Griechenland, jedoch nicht auf den Staatshaushalt zurück. Dessen Verschuldung war, gemessen am BIP, zwar hoch, aber konstant, und schwankte 2001-2008 zwischen 105 und 110%. Der Anteil des Staats an der Gesamtverschuldung schrumpfte demzufolge von ca. 65% auf 40%; der Anstieg war vor allem von Finanzinstituten, Unternehmen, und Haushalten getragen.”http://www.heise.de/tp/artikel/45/45347/1.html

      1. „Wo ist Ihr Problem, das zu verstehen?“

        Falls du mich meinst Georg, ich habe da kein Problem. Du kannst dir gerne die falschen Zahlen anschauen um zu gewollten Schlussfolgerungen zu kommen.

        Keinesfalls sind Griechenlands Schulden mit Merkel explodiert. Um dein Spanien zu nehmen. 2006 war die pro Kopf Verschuldung bei Spanien bei 9000 Euro. Da hatte die Griechenlandexplosion schon längst stattgefunden, die lagen bei stolzen 20.000 Euro.

        Auch das griechische Strukturproblem, auf das ich verwiesen habe, kannst du 2006 locker im Vergleich beider ablesen. Die Staatsschulden bezogen auf die Staatseinnahmen lagen bei den Spaniern bei 96 Prozent.
        Na und bei den Griechen?
        Richtig.
        Stolze 267 Prozent Staatsschulden gegen Einnahmen!
        Im Verlauf der nächsten Jahre kratzten die immer mal an den 400 Prozent.

        Das könnte man jetzt noch toppen mit den getarnten Staatsschulden, die die Griechen z.B. mit den Ami Banken über konstruierte Kreditmodelle im Milliardenbereich ausgehandelt hatten usw.

    2. „Das Modell an sich ist nicht neu, denn das Modell ist der Kern der sozialen Marktwirtschaft gewesen, Staatsverschuldung.“

      Diese Aussage ist grober Unfug.
      Warum?
      Als es noch eine soiale Marktwirtschaft gab ( 60er und 70er Jahre) war die Staatsverschuldung gering, unter 20 %, vom BIP.
      Richtig los mit der Schuldenmacherei des Staates und dem Absahnen der Banken bei der Finanzierung der Staatsschulden ging es in den 80er Jahren, in Deutschland durch die „Wende“ und mit Privatisierungen.
      Wenn in der Folge eine Rückzahlung einer Schuldentranche fällig war, stockten die die Banken einfach auf, gaben noch höhere Kredite als fällig waren an den Staat und kassierten damit immer mehr Zinsen und Zinseszinsen.

      Das ging und geht locker, weil der Staat als Schuldner braucht keine „Sicherheiten“.
      Staatschulden sind also unbesichert und durch die automatische Erhöhung der Staatschulden und der Zins-und Zinsezinseinnahmen ( bis zum heutigen Tage) verdienten und verdienen sich die (privaten) Banken dumm und dämlich, z.B. mit billigem Zentralbankgeld, was teuer weiterverliehen wird und bei der Zentralbank z.B. mit Staatsschuldverschreibungen besichert wird.

      Als es schief ging ( Griechenland war und ist seit mindestens 2010 bis heute pleite) wegen offensichtlich falscher Risikoeinschätzung der Geldgeber, wurde den (franz. und deutschen) Banken (die 2010 zusammen 40+30= 70 % von Griechenlands Schulden hielten) per „Rettungsschirm“ aus dieser Risikopatsche geholfen (dank Bruich des Maastrichter Vertrags durch Sarkozy und Merkel) und das Risiko zunächst zum Grossteil Europas Bürgern, also der grossen Masse der Steuerzahler aufgebürdet.
      Gleiches passierte z.B. also sich die Banken 2008 im wallstreet casino, wo inzwischen 30x soviel Umsatz generiert wird wie in der Realwirtschaft (!!) , verzockten. Es kam (in den USA und Europa, nicht in Island!) zum bail-out dieser Zocker und Betrüger.

      Da es das zukünftig nicht mehr geben sollte (Übernahme des Zockerrisikos durchs dumme, gemeine, arbeitende Volk) gibt es zukünftig den bail-in, sprich der einzelne Bankkunde haftet für „seine“ Bank und muss deren Risiko tragen, durch allfällige Abzüge bei den Einlagen, wenn sich seine Bank verzockt.

      1. „Diese Aussage ist grober Unfug.“

        Kaum.
        Die soziale Marktwirtschaft wurde grundsätzlich über Schulden finanziert.
        Der Anteil am BIP ist da völlig egal.
        Entscheidend ist, das der Haushalt über den sie finanziert wird, sie sich nicht leisten kann.
        Also werden Schulden gemacht.
        Die BRD hat ab 1955 keine Schulden mehr getilgt.
        Nur noch Schulden mit mehr Schulden bezahlt.
        Für Kaufleute war das nach altem bürgerlichen Gesetzbuch ein Straftatbestand.
        Wechselreiterei!

        Zur Wende war die pro Kopf Verschuldung der BRDler bereits 2,5 mal so hoch wie die der Ossis.
        Nur mit dem Unterschied, das die DDR Verbindlichkeiten den Charakter eines Umlaufmittelkredites hatten. Der war durch Warenwirtschaft gedeckt. Die DDR war ein Staatskonzern.

        Das wars aber auch. Es fehlte Geld für Investitionen, denn beim bauen eines Staatsanleihen Schuldenturms durfte die DDR nicht mitmachen.
        Das Beispiel Griechenland mit 600 Mrd. DM Verbindlichkeiten gegenüber 25 Mrd. DM DDR ist doch an Deutlichkeit nicht zu toppen. Was wäre wenn, liegt hier doch auf der Hand.
        So aber hatte die DDR sich kaputt gespart.

        Mit dem Wegfall des Kommunismus steht Westeuropa vor genau dem gleichen Problem.
        Das Kaputtsparen ist jetzt auch dort ein Thema.
        Ein Thema, das 1983 Carl Friedrich von Weizsäcker in seinem letzten großen Werk “Der bedrohte Frieden” mit brutaler Weitsicht umrissen hat. Hier mal seine Grundthesen, da bleibt kein Auge trocken und die meisten seiner Vorhersagen sind heute auf den Weg gebracht.
        http://lupocattivoblog.com/2010/03/03/carl-friedrich-von-weizsacker-der-bedrohte-frieden-heute-buch-von-1983/

        1. roger
          „Die soziale Marktwirtschaft wurde grundsätzlich über Schulden finanziert. Der Anteil am BIP ist da völlig egal.
          Entscheidend ist, das der Haushalt über den sie finanziert wird, sie sich nicht leisten kann. Also werden Schulden gemacht.“
          Wir reden aneinander vorbei! Der Anteil der Schulden am BIP ist eben nicht völlig egal!
          Schulden hier allein als “ das Modell ist der Kern der sozialen Marktwirtschaft gewesen, Staatsverschuldung.“

          hinzustellen wie roger das macht ist und bleibt grober Unfug, w e i l unser heutiges turbo.bzw. raubtierkapitalistisches System inzwischen völlig ü b e r schuldet ist und diese Schulden n i e mehr zurückbezahlt werden können.

          Wenn im Rahmen einer sozialen Marktwirtschaft Schulden von z.B. im Höchstrahmen von bis zu 60 % des BIP gemacht wurden, ist dies volkswirtschaftlich ohne weiteres vertretbar. Der Staat (auch im Rahmen einer sozialen Marktwirtschaft) muss (ein Privathaushalt kann) Schulden machen, um z.B. Infrastrukturprojekte, Strassen, Schulen etc. zu finanzieren . Der Staat kann natürlich mit Schulden auch Kriege finanzieren, wie wir seit 1999 bei allen Staaten der westlichen Industrienationen sehen. Auch dies ist für die Zinsen und Zinseszinsen und mit Geldschöpfungsmonopol ausgestatten privaten Banken ein lohnendes Geschäft.

          Solange sich die Staatsschulden im o.g. Rahmen bewegen und die Wirtschaft einigermassen läuft ist alles in Ordnung.

          Wenn man aber über diese Grenzen hinaus Schulden macht , wie die die westlichen Nationen seit den 80/90er Jahren zunehmend taten, wobei sich aus der sozialen Marktwirtschaft der heutige Wirtschaftsneoliberalismus sprich Turbo/Super/ Raubtierkapitalismus mit all seinen Auswüchsen (Schere zwischen Arm/Reich) entwickelt hat, dann ist dieser und n i c h t die verflossene soziale Marktwirtschaft zu kritisieren und für Abhilfe (Änderung des Bankensystems, Monopolkontrolle, Verbot der Privatisierung von Existenzbedürfnissen) zu plädieren bzw. zu sorgen!
          Kurzum, der Neoliberalismus unter dem die Masse des Volkes leidet (Paradebeispiel und Vorreiter USA) muss kanalisiert und beschnitten werden damit die neue Wirtschaftsform wieder für den Souverän (die Masse des Volkes) erträglich wird.

      2. Ach ja, in einem stimmen wir überein :
        roger :“Es ist falsch, das sich Staaten über den Finanzmarkt Geld holen und es ist Betrug.“
        Der Staat sollte seine (im Rahmen einer oben skizzierten, überschaubaren Verschuldung) Kredite von den Zentralbanken zu gleich günstigen Konditionen (wie dei Geschäftsbanken) nehmen.

  5. Das Problem liegt auch da: bis 2008 waren nicht nur die Griechen der Meinung, man könne immer weiter aufschulden.
    Nach 2008, dem Platzen der ersten Schuldenblase, wurde das anders gesehen. Aber es gab keine Alternative als schlechtem Geld weiteres hinterher zu werfen, zumal das eine politische Entscheidung war.
    Die „Griechenlandrettungen“ dienten vor allem dazu die überwiegend von französischen Banken vergebenen Kredite, die nun fällig wurden, zu bedienen.
    Die Behauptung, die Griechen hätten nichts bekommen (nicht von Ihnen), aber gern im Fernsehen wiederholt, ist daher nicht sachgerecht. Denn Griechenland hätte sonst selbst leisten müssen. Aus welcher Tasche nun zuerst gezahlt wurde, ist doch belanglos. Und jetzt hat man in Berlin und in Brüssel langsam begriffen, dass, wenn man jetzt wieder nachgibt, die Kreditwürdigkeit des Euro insgesamt leidet.
    Und deshalb, nur deshalb wird heute so hart verhandelt.
    Denn die Merkel und der Schäuble können nicht, wie noch vor zwei Jahren lügen… das sei nun aber die allerletzte Kreditvergabe.

    1. Deutsche Banken waren ähnlich in GR engagiert wie französische. Ich halte nichts davon, permanent die Verantwortung ins Ausland abzuschieben aus deutscher Feigheit davor, zur Abwechslung mal gegen die eigene Nomenklatura vorzugehen.
      Um mal bei Helmut Kohl & Co. anzufangen: es war Betrug, eine No-Bailout-Währungsunion zu versprechen, weil es so etwas nicht geben kann. Das haben wir jetzt auf die harte Tour gelernt, aber Wilhelm Hankel hat damals schon davor gewarnt und wurde nach bewährter Manier in die „ewiggestrige“ Ecke gestellt.

  6. GRIECHENLAND = DDR
    Man darf nicht vergessen, daß Merkel und Schäuble zur „Treuhand“-Regierung von Helmut Kohl in den 1990er Jahren gehörten. U. a. über die „Treuhand“ wurde damals systematisch die Wirtschaft in Ostdeutschland/DDR zerschlagen und verbliebene ‚Juwelen‘ oftmals unter strafrechtlich relevanten Verhältnissen Oligarchen und Großkonzernen zugeschoben. Programm war es, nicht etwa eine funktionierende Industrie und Wirtschaft in Ostdeutschland aufzubauen, sondern jeden Ansatz dazu zu zerstören.

    Merkel-Schäuble, aber auch die SPD (Gabriel, Steinmeier) vertreten den Liberalismus. Dessen Ziel es ist, jegliches Staatsvermögen zu zerschlagen und in die Hände von Konzernen und Oligarchen zu transferieren („Privatisierung“). Daß die Industrie der ehem. DDR (um die diese – zumindest von der anderen Ostblockstaaten – immer beneidet worden war) zerschlagen wurde, war vorrangiges Ziel. Die nun auftretende hohe Arbeitslosigkeit in Ostdeutland (und eine bis heute anhaltende Arbeits-Migration von dort in den Westen der BRD) war diesen Vertretern des Liberalismus eine willkommene Folgewirkung. Denn nur wenn eine Bürgerschaft gespalten wird in Reiche und Arme, und nur wenn die Armen dann fortlaufend unter Druck gesetzt und hin- und hergescheucht werden können (Jobcenter, Hilfe zum Lebensunterhalt usw.), ist die Bevölkerung beherrschbar.

    Nun wird gegen Griechenland in ganz vergleichbarer Weise vorgegangen. In Griechenland soll „der Staat“ zerschlagen und die Bevölkerung in noch größere Armut getrieben werden als bisher. Lediglich die ‚Juwelen‘ wollen Schäuble-Merkel-Gabriel aus der griechischen Wirtschaft herausreißen („privatisieren“) – dazu zählen insbesondere die erheblichen griechischen Öl- und Gasvorkommen in der Ägäis. Siehe – noch aus 2013(!): https://www.youtube.com/watch?v=jpJSx9-1V0U
    Aus 2015: https://www.youtube.com/watch?v=mDyV1RAdgxk ;
    Hörenswert auch: http://tarpley.net/audio/20150701-WGT_on_Rense.mp3 ;
    Auch aus 2013: https://www.youtube.com/watch?v=0Jgq6h-UQi8 .

    Dem Wohl eines Landes und seiner Bevölkerung hingegen dient allein das Gegenteil von „Privatisierung“: Nämlich die Errichtung von STAATSBETRIEBEN.
    Alte Säcke, wie ich, erinnern sich noch an den Staatsbetrieb „Volkswagenwerk“ in den 1960er Jahren. DIE Erfolgsgeschichte schlechthin! In der ganzen Welt wurden VWs verkauft wie geschnitten Brot. In den USA waren Käfer und VW-Bus („Bully“) DER Verkaufsrenner unter den dortigen Jugendlichen (siehe den VW-Bus links von Bob Dylan: http://www.feelnumb.com/wp-content/uploads/2009/11/the_freewheelin_bob_dylan.jpg ).
    In der BRD wurde der damalige französische Staatsbetrieb Renault zum erfolgreichsten Importeur. Sein „R4“ war DAS Auto der Jugendlichen in der BRD.

    Kommunisten können natürlich mit Staatsbetreiben genauso wenig umgehen wie Liberalisten. Aber gerade das heutige Rußland zum Beispiel zehrt doch auch heute noch von den paar Staatsbetrieben, die man aus kommunistischer Zeit übernommen hat. Der Jelzin-Zögling und Liberalist Putin hat natürlich – nach Merkel-Art – auch fast alle Staatsbetriebe zerschlagen und das Staatsvermögen an Oligarchen und Konzerne praktisch verschenkt. Rußland ist heute deshalb ein rückständiges Land, welches fast ausschließlich vom Verkauf von Rohstoffen lebt (so wie Saudi-Arabien). Mit einer Ausnahme: Die Rüstungsbetriebe wollten Jelzin-Putin doch lieber behalten. Und gerade die Produkte dieser paar Rüstungsbetreibe verkaufen sich heute ebenfalls wie geschnitten Brot! Und sie sind auf absolut toptechnologischem Stand. Auch die russischen Raumfahrtbetriebe, die man ebenfalls behalten hatte, arbeiten überaus erfolgreich!

    Für Griechenland – aber auch für die BRD und die andern EU-Staaten – brauchen wir wieder das alte Prinzip des überaus erfolgreichen MERKANTILISMUS: Ausbau der Infrastruktur und die Errichtung von Staatbetrieben. Nur so wurde aus dem einst bitterarmen Preußen eine führende Industrie- und Wissenschaftsnation. Für das Nachkriegs-Japan galt dasselbe. Und z. B. für das früher bitterarme Schweden (Massenauswanderung in die USA) auch.

    Die Propaganda-Behauptung der Liberalisten, Wohlstand und Fortschritt werde durch das „Genie“ des „freien Unternehmers“ vorangebracht, ist hahnebüchender Quatsch: Der homo sapiens hat sich seit etwa 100.000 Jahren genetisch praktisch nicht verändert. Lediglich unbedeutende Kleinigkeiten, wie unterschiedliche Haut-, Haar- und Augenfarbe und die ostasiatischen Mandelaugen kamen hinzu.
    FRAGE: Warum dann aber wurden Fahrrad, Auto, Flugzeug, Computer, Computer-Betriebssysteme, Telefon, elektrisches Garagentor nicht schon vor 100.000 Jahren erfunden?
    ANTWORT: Weil diese Entwicklung – fast ausschließlich – immer eine KOMMUNALE Leistung war.
    FOLGERUNG: Die Wirtschaft eines Landes muß deshalb der „Kommune“ bzw. den Bürgern gehören. Unternehmern denen das (und hohe Steuern und hohe Lohnnebenkosten) nicht gefällt, stehe es frei, ihr Unternehmen in den Tschad oder nach Bangladesh umzusiedeln.

    WAS HEISST DAS FÜR GRIECHENLAND?
    Der griechische Staat muß wieder Herr seiner Wirtschaft werden. Unlängst las ich einen Artikel, in welchem der deutsche Verfasser seiner Verwunderung Ausdruck gab, daß der einzige Zucker, den er in Griechenland kaufen konnte, „Südzucker“ aus der BRD war.
    Hier muß es Griechenland eingeräumt werden, einen eigenen Wirtschaftskreislauf mit einer eigenen Zollgrenze aufzubauen, damit z. B. eine eigene Zuckerindustrie (mit entsprechenden Arbeitsplätzen) entstehen kann. Auf „Südzucker“ kommt dann soviel Zoll/Steuern, daß sich der griechische Zucker verkaufen läßt . Die Wende-DDR hat es – vor der Zerschlagung durch Kohl-Schäuble-Merkel doch ganz richtig gemacht: Auf den in der Wende-DDR begehrten West-Joghurt kam saftige Steuer; als Tchibo-Kaffe in der Wende-DDR verkaufen wollte, erzwang die Regierung Modrow, daß Tchibo dafür eine eigene Kaffee-Rösterei nebst Verpackungsanlage in (ich glaube) Rostock errichten mußte.

    Griechenland sollte also den Euro behalten – aber eine eigene Zollregion errichten. Letzteres vielleicht auch zusammen mit andern Ländern (Mazedonien, Serbien, Rumänien). Eine „EWG“ (= die „Europäische Wirtschaftsgemeinschaft“ der 1950ger Jahre) für arme EU-Länder sozusagen.

    1. Deine Begeisterung für Staatsbetriebe scheint mir sehr übertrieben. VW, Renault und Fiat waren damals so erfolgreich, weil sie sich nur gegenseitig Konkurrenz gemacht haben. Heute gibt es starke Wettbewerber und praktisch keine Handelsschranken mehr.
      „Griechenland sollte also den Euro behalten – aber eine eigene Zollregion errichten.“
      Das ist doppelt unmöglich, weil die Partner es nicht zulassen werden. Die Zollregion widerspricht eindeutig den EU-Verträgen und würde sofort den Ausschluss aus der EU nach sich ziehen bzw. bedeuten. Wenn Griechenland eine eigene schwache Währung einführt, wirkt das wie ein Zoll, aber auf viel weniger bürokratische und absolut unangreifbare Weise. Eine eigene Zuckererzeugung sollte sich dann aufbauen lassen. Das große Problem ist die Übergangszeit, in der sich die Bevölkerung Südzucker nicht mehr leisten kann, aber nichts anderes in den Regalen steht. Das wird sehr hart werden und die Leute werden Hilfe zum Überleben benötigen. Im Grunde müsste die Regierung ab sofort die Leute von den Bauern bis zu den Handwerkern und kleinen Unternehmern motivieren und unterstützen, dass sie die Initiative ergreifen: Marktwirtschaft von und für kleine Leute. Wenn sie das mit ihrer Herkunft schaffen, sind sie wirklich Helden. Ich lasse mich gerne überraschen, sehe aber deutlich die Möglichkeit, dass sie von Anfang an in eine Art DDR-Wirtschaft rutschen und in spätestens einem Jahr hinweggefegt werden.

  7. Das die meisten Deutschen ungebremsten Wirtschaftsliberalismus wie in den USA ablehnen sieht man ja z.B. am Niedergang der FDP.
    Mittelwege sind gesucht, wie k e i n e Privatisierung von Existenzbedürfnissen wie Wasser, Strom, Gas, Müllabfuhr, Wohnung.
    Alles andere, da kein Existenzbedürfnis kann man dem freien Markt überlassen.
    Arbeitnehmerrechte dürfen nicht eingechränkt werden, vgl. z.B. Kirchen Tendenzarbeitsrecht, oder die „Verbote“ Mitglied einer Gewerkschaft zu sein.
    Die oberste Aufgabe des Staates ist also, dafür zu sorgen, dass der Friede erhalten wird u n d das die Existenzbedürfnisse der Bürger (hier ohne Gewinnabsichten) gesichert sind.
    Dazu gehören z.B. : saubere Luft, Unterkunft, sauberes Trinkwasser, gesunde Nahrung.

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