Geplanter Verschleiß – der Kapitalismus zerstört sich selbst

Warum gibt es eingebaute Schwachstellen in neuen Produkten, sogenannten „geplanten Verschleiß“? Es gibt drei Gründe, die aufbauend auf dem Buch von Professor Dr. Christian Kreiß „Geplanter Verschleiss – Wie die Industrie uns zu immer mehr und immer schnellerem Konsum antreibt (…)“ dargelegt werden. Die Hintergründe führen direkt zum Selbstzerstörungsmechanismus hin, der im Kapitalismus inhärent ist.

Es gibt drei Gründe für „geplanten Verschleiss“.

Verschuldung Unternehmen

Die Verschuldung der Unternehmen steigt seit Jahren stärker als deren Geldvermögen. Verschuldete Unternehmen sind dazu verdammt, vermehrt Gewinne zu erwirtschaften, um zu überleben. Vom Gewinn muss der Kredit plus Zins zurückgezahlt werden – mehr Geld als zuvor bei der Bank aufgenommen wurde. 

Geldvermoegen-schulden-deutschland

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Helmut Creutz, „Das Geldsyndrom 2012“

„Die Arbeitnehmer des AEG-Konzerns haben nach Ansicht der IG-Metall-Mitgliederzeitschrift „Metall“ seit 1970 „wie wild für die Banken geschuftet“. In einer jüngsten Ausgabe wirft das Blatt den Banken vor: Obwohl die Produktivität jedes AEG-Mitarbeiters über dem Branchendurchschnitt gelegen habe, sei eine Sanierung unmöglich gewesen, weil jeder AEG-Beschäftigte, seit 1970 allein 29.000 DM Zinsen habe erarbeiten müssen. Die Banken hätten insgesamt „3,9 Milliarden DM aus dem Konzern gesaugt“. Das sei dreimal soviel wie der Staat in der gleichen Zeit an Steuern von der AEG erhalten habe.“ Nordwest-Zeitung vom 1. September 1982 aus „das Geldsyndrom, S. 357

Gewinnorientierung

Die Geldvermögen werden zunehmend nicht mit unternehmischer Tätigkeit erzielt, sondern mit Spekulation. Auch das im Unternehmen investierte Eigenkapital muss die Rendite-Erwartung erfüllen. Unternehmen stehen als unter zunehmenden Druck, ihre Gewinne den Erwartungen anzupassen. 

Zuwachsraten im Vergleich, Geldvermögen, Bruttosozialprodukt, Zinsen

Professor Christian Kreiß:

„Je stärker die Gewinn- und Kapitalmarktorientierung, die auf Renditemaximierung setzt, desto anfälliger sind tendenziell Unternehmen, auf die Strategie des geplanten Verschleißes zu stzen, da sie rein ökonomisch gesehen für das einzelne Unternehmen (…) unschlagbare Vorteile verschafft. Durch die Internationalisierung der Kapitalmärkte in den letzten Jahrzehnten und den Siegeszug des aus den USA stammenden Share-holder-Value-Konzepts seit den 1990er-Jahren ist der Druck auf die Unternehmenslenker, die Renditen zu erhöhen, deutlich gestiegen.“

„Der eigentliche Grund für diesen Wachstumszwang ist das exponentielle Wachstum der Vermögen. Das führt zwangsweise, ja beinahe naturgesetzlich, zu immer stärkerer Vermögenskonzentration und Ungleichheit. Dadurch, dass (…) sogenannte leistungslose Einkommen (…) unbegrenzt über den Zinseszinseffekt wachsen können, baut sich ein immer größer werdender Anlagedruck auf.“

Die Sendung „frontal21“ berichtete über den steuerbegünstigten Ankauf von Unternehmen durch Finanzinvestoren, sogenannten „Heuschrecken“. Unternehmen verkommen dadurch zu Spekulationsobjekten. Die „Heinz Böckler Stiftung“ erklärt:

„Das Problem, was wir als Gewerkschaft mit diesem Geschäftsmodell haben, ist,  dass diese Firmen häufig mit viel Schulden gekauft werden. Das heißt, die Finanzinvestoren nehmen dafür Kredite auf und diese Kredite werden dann häufig auf das Unternehmen übertragen und das Unternehmen muss dann diese Kredite abbezahlen.“

Dadurch werden Unternehmen regelrecht „ausgepresst“ und ausgeplündert. Laut des betroffenen Betriebsrates von „FTE“, Jürgen Hennemann, „wird nur das allernötigste investiert, das was gebraucht wird, um das Unternehmen gerade so am Leben zu erhalten.  (…) Finanzinvestoren operieren nur nach Zahlen, sie sehen keine langfristige Ausrichtung des Unternehmens.“

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Quelle: youtube

Christian Kreiß: „Unter Verteilungsgesichtspunkten stellt also geplante Obsoleszenz [Verschleiß] eine Umverteilung von Endverbrauchern zu der vergleichsweise kleinen Gruppe der Aktionäre von Großunternehmen dar.“ S. 23, „Profitwahn“

Marktsättigung

In der Marktwirtschaft befinden sich Unternehmen im Wettbewerb. Es ist eine normale Entwicklung, dass die Nachfrage durch vermehrtes Angebot (durch Konkurrenten) gesättigt wird, die Preise fallen, und die Gewinne der Unternehmen sinken.

„Solange die Nachfrage munter wächst und die Produktion kaum Schritt halten kann, ist die gewollte Verkürzung der Haltbarkeit zur Renditerhöhung aus ökonomischer Sicht nicht nötig.“ (S. 21)

Erst wenn der Markt gesättigt ist, Überkapazitäten drohen, haben Unternehmen den ökonomischen Anreiz, dass ihr Produkt vorzeitig unbrauchbar wird, oder das Produkt dem Kunden unbrauchbar erscheint (Werbung). Kreiß gibt dazu ein Beispiel von der Automobilindustrie.

„Die US-Automobilindustrie sah sich bereits Ende der 1950er-Jahre mit einer starken Marktsättigung konfrontiert und es existierten hohe Überkapazitäten. Das trieb die US-Automobilhersteller in dem hoch wettbewerbsintensiven US-Automarkt geradezu in einen Wettlauf um immer kürzer haltende Fahrzeuge. (…)

In Frankreich dagegen lag zur gleichen Zeit genau die entgegengesetzte Situation vor: Die Nachfrage nach Automobilen wuchs in den 1950er-Jahren im Zuge des Nachkriegsaufschwungs sprunghaft, die französischen Autobauer kamen mit der Lieferung nicht hinterher. (…) Das Ergebnis dieser Situation für die Langlebigkeit der Automobile: Die Haltbarkeit der französischen Autos lag damals beim Mehrfachen der US-Autos.“ (Packard, Vance (1960): The Waste Makers. Neuauflage 2011, New York)

Es ist in dem Punkt auch eine Frage der Gesetzgebung, dass geplanter Verschleiß verboten wird, und Konsumenten die Möglichkeit erhalten, „schwarze Schafe“ zu erkennen.

Volkswirtschaftliche Schäden

Kreiß zeigte Untersuchungen auf, nachdenen „gut 11 Prozent aller Konsumentenkäufe“ auf Gegenstände mit starken geplanten Verschleiß entfallen.

„Die Konsumausgaben der privaten Haushalte in Deutschland beliefen sich im Jahr 2012 auf 1 442 Milliarden Euro. Hiervon entfielen (…) 11,3 Prozent auf Gegenstände, die starkem geplanten Verschleiß unterliegen (um 50 Prozent verminderte Produktlebensdauer), das entspricht etwa 163 Milliarden Euro. (…) Also werden den Konsumenten 81,5 Milliarden Euro Kaufkraft, 50 Prozent von 163 Milliarden Euro, künstlich entzogen für vorzeitige Produktneukäufe.“ S. 115

„Auf Gegenstände, die schwachen geplanten Verschleiß unterliegen (25 Prozent verminderte Lebensdauer), entfallen demnach derzeit etwa sieben Prozent aller Einkäufe der Verbraucher, das entspricht etwa 100 Milliarden Euro pro Jahr. Die Gegenstände (…) haben laut Annahme eine um 25 Prozent künstlich verminderte Lebenszeit, das entspricht etwa 25 Milliarden Euro (…).

Addiert ergeben sich damit (…) 106,5 Milliarden Euro (…)“

Kreiß bewertete Produkte mit eingebauten, geplanten Verschleiß als „unnötige Arbeit“. Statt solche Produkte zu bauen, könnten die Angestellten und Arbeiter auch frei nehmen.

„Die durchschnittliche jährliche Arbeitszeit je Vollzeitbeschäftigten liegt in Deutschland momentan bei etwa 1650 Stunden. Sieben Prozent weniger Arbeitszeit würde bedeuten, dass die Wochenarbeitszeit von derzeit etwa 38 auf gut 35 Wochenstunden gesenkt werden könnte oder dass jeder Vollzeiterwerbstätige 14 zusätzliche Urlaubstage pro Jahr nehmen könnte (…) ohne Lohnkürzung (…).“ S. 116

 Kreiß fragt die Grundsatzfrage:

Warum arbeiten wir heute kaum weniger als die Generation unserer Eltern, obwohl die großartigen Erfindungen des Menschengeists dazu geführt haben, dass die Maschinen heute um ein Vielfaches produktiver sind als vor 25 Jahren?

Hierzu ein paar Zahlen: Seit Mitte der 1980er-Jahre bis heute ist die tarifliche Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten in Deutschland von 40 auf 38 Stunden, also um etwa fünf Prozent gesunken. Zwischen 1991 und 2007 stieg die Jahresarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigen allerdings von 1625 auf 1682 Stunden an. Von 1985 bis 2005 ist jedoch die Stundenproduktivität (…), um 50 bis 75 Prozent gestiegen. Weshalb wird heute nicht um 50 bis 75 Prozent weniger gearbeitet als vor 25 Jahren?“

Kreiß antwortet:

„Weil wir heute in so großem Umfang unnötige Arbeit verrichten.“

Diese Antwort greift zu kurz. Die produktiven Kräfte (Unternehmer, Angestellte / Arbeiter) profitieren nicht mehr von der gestiegenen Produktivität, weil die volkswirtschaftlichen Früchte von den Kapitalgebern und Finanziere abgezweigt werden. Die eskalierten Geldvermögen (damit spiegelbildlich die Verschuldung) zerstören langsam die Grundlagen der Volkswirtschaft – den Sinn überhaupt noch zu arbeiten. 

2 Gedanken zu „Geplanter Verschleiß – der Kapitalismus zerstört sich selbst“

  1. Lohnabhängig = Sklave

    Lohnabhängig und ohne Lohntüte und nur ein Konto bei einer Bank ohne Bankgeheimnis, dann ist das so als wenn mein Portmonnaie bei der Bank irgend ein X-beliebiger Dritter hat, den ich nicht kenne und jeder Gangster sieht rein ob noch was zu holen ist.

    Am 1. April 2005 verschwand das Bankgeheimnis in Deutschland nun vollständig.

    Hauptbetroffene sind Rentner, Erben, Studierende, Empfänger von ALG I+II, Sozialgeld, BAföG, Kindergeld und Wohngeld.

    Ein Anfangsverdacht oder ein richterlicher Beschluss sind dann nicht mehr nötig.

    Fünf Tage vor Weihnachten, am 19. Dezember 2004 wurde dieses Gesetz heimlich still und leise von Hans Eichel im Bundestag eingebracht und vollzogen.

    Wenn damals nur mit der Lohnabhängigkeit A. H. alles machte, um wieviel mehr lässt sich mit der Kontoabhängigkeit für Regierungen erreichen?

    Wir hatten wohl alle zugesehen wie wir unser Portmonnaie abgeben mussten und keiner hat ohne wirkliche Bedrohung etwas dagegen getan. Da frag ich mich: „Sind wir nicht mehr ganz Dicht?“

    Nicht die Gewerkschaft und nicht die Kirche oder sonstwer. Keiner hat was dagegen gemacht.
    Was werden wir tun ohne unser Portmonnaie – fort laufen? Uns in den nächsten Zug und auf das nächste Schiff flüchten das uns in Sicherheit bringt? Wir Lohnabhängige(Sklaven) können nicht mehr fort laufen.Es ist zu spät.

    Die Zukunft und die Gegenwart in der die Katastrophe schon längst läuft.

    Werden wir uns verdammt noch mal bewusst das wir unsere Portmonnaie abgegeben haben, wie ein Kind es den Eltern abgibt.Nur Regierungen sind keine Eltern.Regierungen haben kein Gewissen und daher haben sie auch mit Atombomben werfen lassen,wie im Zweiten Weltkrieg 1945 auf die Japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki und sie tun noch vielmehr,weil ohne Gewissen.Hinter allem der angebliche höhere Zweck der Konzern-Lobbyisten und der Finanz-Konzerne die auf Wachstum hoffen und den Menschen dafür dem Mamon opfern .

    Das beste wäre jetzt ein Streik und zumindest die Lohntüte zu fordern.Lohntüte ist Bargeld.Und dann muss jeder bestrebt sein sich zum Selbstversorger zu machen so gut es geht.Strom und Nahrung so gut es geht selbst zu machen, um aus der Lohnabhängigkeit heraus zu kommen und um künftige Tragödien erheblich zu erschweren bis unmöglich zu machen.

    Wirtschaft ist Krieg im Frieden.Erst wird der Konkurrent und der mögliche Konkurrent(Arbeitnehmer) bekämpft und falls das Ziel erreicht und es nichts mehr zu gewinnen gibt,folgt der Satz: “Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln”

    “Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.”, lautet ein berühmtes Zitat des preußischen Generals Carl von Clausewitz,der Anfang des 19. Jahrhunderts in den napoleonischen Kriegen eine entscheidende Rolle spielte.

    War der Zweite Weltkrieg nicht ein bloser Raubmord an den Konkurrent und möglichen Konkurrent dem Arbeitnehmer?
    XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX

    Wie nennt man das, wenn der Lohnabhängige sein Portmonnaie bei der Bank abgeben musste und die Bank sich dafür Kontoführungsgebühren einstreicht und auch noch Negativzins von dem Konto(Portmonnaie) geholt werden ?

  2. Tut mir leid. Das sehe ich anders, weil es anders ist.
    Nicht der Kapitalismus ist die Ursache der Übel, sondern die übermäßige Verschuldung von Staat, Gemeinden, Unternehmen und Privaten!
    Wer das auf den Kapitalismus schiebt, verwechselt Ursache und Wirkung. Beide Weltkriege führten zu einer übermäßigen Verschuldung der Staatshaushalte der kriegführenden Staaten. Diese Schulden wurden nicht ausgeglichen.
    In Deutschland gab es 1948 in den Westzonen und 1949 in den Ostzonen eine Währungsreform.
    Damit wurde tabula rasa gemacht. Aber Japan, der andere Kriegsverlierer, hatte keine Währungsreform. Und Italien, das gleich Deutschland ebenfalls den Krieg verloren hatte, erklärte sich 1945 sogar zu den Gewinnern, weil man 1944 Mussolini gestürzt hatte. Wäre der Putsch des
    Graf v. Stauffenberg gelungen, hätte sich Deutschland dann auch zu den „Gewinnern“ erklären können?
    Die nächste Schuldenorgie begann im Rahmen des Kalten Krieges. Die USA hatten nach 1945 die Seite gewechselt und sich mit (West) Deutschland gegen den bisherigen Verbündeten, die Sowjetunion gestellt. Das kostete über die Jahrzehnte ungefähr genauso viel Geld, wie der vorangegangene Weltkrieg.
    Auch diese Schulden wurden bisher nicht zurückgezahlt, sondern zu den Altschulden draufgesattelt. Bezahlbar wurde dies durch den Beginn der weltweiten Inflation ab Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts.
    Niemand kann diese Schulden zurückzahlen. Weder dafür, noch für die vielen Konjunkturprogramme!
    Doch- seit den verordneten Mini- und Negativzinsen sind die Vermögenden unter Druck geraten. Jeder, der Ersparnisse hat, erhält keine Zinsen oder muss noch Strafzinsen zahlen. Nur das Kopfkissen ist noch kostenlos.
    Aber die Inflation bleibt dennoch. Das bedeutet, dass den Vermögenden derzeit nur die Anlage am Aktienmarkt verbleibt. Aber auch dort sind die Dividenden seit einiger Zeit deutlich gekürzt worden und die Risiken sind gestiegen.
    Hatte das nicht Gevatter Marx so ähnlich provezeiht?
    Aber er meinte das natürlich anders. Aber denjenigen die Ersparnisse für ihre Lebensarbeitszeit haben, deren Wert jetzt von Jahr zu Jahr sinkt, für die macht das keinen Unterschied. Je größer die Ersparnisse sind, durch Auszahlung einer Lebensversicherung, durch Erbschaft, durch Verkauf der Handwerksfirma, egal, desto schneller schreitet der Verlust voran. Noch ist die Inflation niedrig.
    Aber das könnte sich bald ändern. Dann steigen die Verluste der Vermögenden drastisch an. Bei wieviel Euronen beginnt ein „großes Vermögen“?
    Die Bundesregierung sagt: Bis 100.000 Euro zählt nicht dazu. Der Grünenpolitiker Trittin erklärt hingegen schon alle, die mehr als 25.000 Euro haben, für „reich“.

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