Verdacht auf gefälschte NSU-Beweise auch in Zwickau

Nach dem Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 04.11.11 brach am gleichen Tag in einem Reihenhaus in der Zwickauer Frühlingsstraße ein Feuer aus. In der Brandruine fanden Ermittler angeblich entscheidende Beweise, die es ermöglichen sollten, die Ceska-Mordserie endlich aufzuklären. Eine Schusswaffe der Marke „Ceska“ mit Schalldämpfer und die sogenannten „NSU-Bekennerfilme“.

Diesen Angaben zum Trotz gibt es Ungereimtheiten, die an  einer solchen Darstellung zweifeln lassen. Sie begründen den Verdacht einer umfassenden Beweismittel-Fälschung sowie Hinweise auf ein Vorauswissen für spätere „Ermittlungsergebnisse“.

Die Ceska-Mordwaffe fanden Ermittler vor der Zwickauer Wohnung in der Frühlingsstraße erst sehr spät – am 09.11.11!

Vor dem Haus wurden die restlichen Waffen im Brandschutt gefunden, ebenfalls die Munition.” (sz)

Laut Aussage von Kriminalhauptmeister und Brandermittler L. im NSU-Prozess  wäre “festgelegt worden”, dass sie …

“… direkt in Kisten oder Beutel gepackt und zur Polizeidirektion Zwickau verbracht werden ohne eine Dokumentation vor Ort.“ (nsu-watch)

Dafür hätte es eine “Anweisung des Vorgesetzten” gegeben, dessen Name dem Beteiligten L. “nicht erinnerlich” gewesen sei. Beim Fund der Ceska und der „Bekennerfilme“ wäre er nicht dabei gewesen.

„Auf Nachfrage sagt er, er sei aber bis zu den Waffen und den DVDs dabei gewesen.“ (nsu-watch)

Ein Anwalt fragte nach dem Protokoll des Fundes, es wäre nicht in den NSU-Akten, genauso wie die Namen der bei der Suche eingesetzten Beamten.

[spoiler]“L. sagt, es sei ihnen durch die Bereitschaftspolizei zur Kenntnis gebracht worden, dass Waffen gefunden worden seien. Dann seien sie dort hin und hätten die Waffen in Kartons gepackt und in die PD Zwickau gebracht. Das sei dokumentiert, aber nicht fotografiert worden, es gebe ein Protokoll dazu. Klemke sagt, das habe er in den Akten nicht gefunden. L. erwidert, es sei bekannt, wer welche Waffe gefunden habe. Auf Frage von Klemke sagt L. es stehe in den Akten, wann er selbst vor Ort gewesen sei, er sei jedenfalls in der ersten Woche ständig vor Ort gewesen. Nicht nur im Bereich N, sondern im gesamten Gebäude. Das Objekt sei abgesperrt und bewacht gewesen.” (nsu-watch)[/spoiler]

Die Darstellung von L. wird konterkariert durch den Ermittler Sven Wunderlich vom Landeskriminalamt Thüringen. Er war der Zielfahnder, der das Trio während dessen Flucht ab 1998 festnehmen hätte sollen. Laut ihm sei die Ceska samt „Bekennerfilmen“ offenbar schon am 06. oder am 07.11. gefunden worden! Vor dem NSU-Ausschuss des Bundestages sagte der Zielfahnder aus, dass es “entweder Sonntagabend oder am Montag früh spruchreif geworden” wäre!

[spoiler]Zeuge Sven Wunderlich: Meines Wissens waren das zwei Adressen in Zwickau, die wir abgeklärt haben.
Clemens Binninger (CDU/CSU): Und da war sie aber nicht, und dann war für Sie der Auftrag so weit – –
Zeuge Sven Wunderlich: Dort ist die Person Zschäpe nicht festgestellt worden, und die Kontaktpersonen waren auch nicht da.
Clemens Binninger (CDU/CSU): Haben Sie in der Zeit, wo Sie noch dort waren, mal schon – – War das da schon, dass man gesagt hat: „Wir haben im Brandschutt eine Ceska gefunden“, oder: „Wir haben DVDs gefunden, versandfertig im Wohnmobil“? Oder wurde über die Waffen geredet?
Zeuge Sven Wunderlich: So weit waren wir damals noch nicht, nein. Das ist, glaube ich, erst entweder Sonntagabend oder am Montag früh spruchreif geworden.
http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/17/CD14600/Protokolle/Protokoll-Nr%2051.pdf[/spoiler]

Verfügte Zielfahnder Wunderlich über Vorwissen, als er bereits kurz nach dem 04.11 wusste, dass am 09.11. die Ceska gefunden werden würde? Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Waffe tatsächlich früher gefunden worden wäre. Warum sollte dies vertuscht werden? Oder ist Wunderlich in einer so wichtigen, für jeden Polizisten in seiner Laufbahn einschneidenden Sache einem Irrtum erlegen?

Was meint Wunderlich, wenn er von „erst spruchreif“ spricht? Welche Art von Wissen musste erst noch zur Spruchreife gelangen, als die Waffe noch gar nicht aus dem Brandschutt gesichert war?

Wunderlichs Schilderung wird dadurch gestützt, dass die Ceska die polizeiinterne Waffen-Nummer W4 (Waffe 4) erhielt. Die ersten drei Waffen wurden am 05. und 06.11 in der Wohnung gesichert (W1-W3) durch den oben genannten Ermittler L.

Die restlichen Waffen (W4-W11) fanden die namentlich nicht erwähnten Mitglieder der „Bereitschaftspolizei“ im Zeitraum vom 08.11 bis 09.11 im Brandschutt vor dem Haus. Das heißt vier bis fünf Tage nach dem Brand, was die Nummernvergabe zu einem Rätsel macht.

[spoiler]http://2.bp.blogspot.com/-JWbx5NxDuQI/U98HWAPbgiI/AAAAAAAALmY/MZeOEtwkwiw/s1600/auffindeprotokolle1.jpg Mehr Infos: http://wer-nicht-fragt-bleibt-dumm.blogspot.de/2014/08/es-gibt-keine-auffinder-der-waffen-w04.html[/spoiler]

Folgendes Foto zeigt den Brandschutt-Hügel vor dem Haus.

brandschutt-zwickau-nsu

Quelle: tagesschau

Die Ceska mit Schalldämpfer „W4“ könnte also als vierte Waffe „gefunden“ worden sein. Laut der Akten wäre sie jedoch als letzte Waffe am 09.11. im Brandschutt aufgetaucht! Das Bundeskriminalamt (BKA) erhielt sie laut Aktenlage am 10.11., wobei am 10.11. noch die daktyloskopische Untersuchung stattfand und die waffentechnische Begutachtung laut Eingangsstempel des BKA erst am 11.11. stattfinden konnte.

Bereits am 11.11. verkündete aber Generalbundesanwalt Harald Range, dass es sich dabei Tatwaffe der Ceska-Mordserie handle.

Ein offizielles Waffengutachten wurde erst Mitte Dezember 2011 vorgelegt.

„Im Wohnmobil der am 4. November 2011 nahe Eisenach tot aufgefundenen Uwe B. und Uwe M. wurden die Dienstwaffen der Heilbronner Polizisten sichergestellt. In der Wohnung der Männer in Zwickau wurde zudem die Pistole aufgefunden, mit der in den Jahren 2000 bis 2006 die sogenannten Ceska-Morde verübt wurden.“ (Generalbundesanwalt)

Auf welcher Grundlage konnte der Generalbundesanwalt wissen, dass es sich bei dieser Ceska angeblich um die 9-fache Mordwaffe handle – nur einen Tag nachdem sie beim BKA ankam, nur zwei Tage nachdem sie überhaupt gefunden worden war?

Von behördeninternem Vorauswissen zeugen aber auch die Aussagen von Brigitte Böhnhardt, der Mutter des Uwe Böhnhardt.

Laut ihrer Aussage im NSU-Prozess wäre Seven Wunderlich am 05.11.11 bei ihr erschienen. Er fragte sie, was Beate Zschäpe ihr am Vormittag per Telefon gesagt hätte und ob sie, die Mutter des Toten, nicht wissen wolle, wer denn nun ihren Sohn erschossen habe.

[spoiler]“Am gleichen Sonnabend seien zwei LKA-Beamte vorbei gekommen, einer habe Wunderlich geheißen, der sei auch vor dem Abtauchen der drei schon mal da gewesen. (…)

Mutter Böhnhardt hätte zuerst nicht zugeben wollen, dass sie schon Bescheid wusste, dann habe sie aber beschlossen, offen mit Wunderlich zu reden. Er habe einen ziemlich barschen Ton gehabt. Er habe verlangt, zu sagen, was “Beate” gesagt habe.

Es könne sein, so Böhnhardt, dass sie bei ihren Angaben die letzten Worte ihres Sohnes weggelassen habe. Wunderlich habe gesagt, er sei sicher, dass einer der Toten ihr Sohn sei, der andere Mundlos. Sie sei davon ausgegangen, dass sich ihr Sohn selbst erschossen habe.

Das habe Wunderlich verneint. Der Beamte habe gesagt, er könne nicht sagen, wer ihn erschossen hätte. Erst beim Gehen habe er ihnen sein Beileid ausgedrückt. Sie hätten mitbekommen, dass ihr Telefon ab vormittags abgehört worden sei, denn Wunderlich habe von dem Telefonat ihres Mannes mit seinem Bruder und ihrem Sohn bzw. der Schwiegertochter gewusst.“ (nsu-watch)[/spoiler]

Falls die Aussage wahr ist, heißt das, dass die Polizei bereits am 05.11.11 das Telefon von Frau Böhnhardt abgehört hätte!

Alle diese Umstände lassen sich nicht mehr durch Zufälle oder ermittlungstaktische Besonderheiten der Kommunikation erklären. Sie bedürfen der kriminalistischen Aufklärung durch Behörden, die nicht in die Vorgänge um den 04.11. 2011 verwickelt sind.

2 Gedanken zu „Verdacht auf gefälschte NSU-Beweise auch in Zwickau“

  1. Man hat die Waffe W4 zurück gehalten, weil die Video-Verteilaktion noch nicht soweit war ?

    Die Waffe wäre im Wohnmobil besser platziert gewesen!
    Was für ein Hickhack 🙂

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