Gymnasium nimmt Henri wegen Down-Syndrom nicht auf

Der „Spiegel“ berichtete heute über den Kampf des elfjährigen Henris, seine Freunde auf Gymnasium begleiten zu können. Henri hat Down-Syndrom und besuchte mit seinen ehemaligen Klassenkameraden die Grundschule. Viele wechseln jetzt ins Gymnasium. Deshalb wollte er auch dorthin überwechseln. obwohl seine schulischen Leistungen laut Einschätzung seiner Mutter wohl nicht ausreichen werden, das Abitur zu erreichen (spiegel). Doch stellten sich dem Vorhaben „die Direktorin, die Mehrheit des Lehrerkollegiums und auch eine Initiative von Eltern und Schülern“ (Spiegel) entgegen. Die Gegner sehen die Gefahr, dass wegen Henri die „anderen Schüler auf dem Gymnasium“ nicht „ihre benötigte Förderung“ erhalten würden (change). Jetzt lehnte auch die Realschule die Aufnahme ab.

henri-gymnasium

Quelle: spiegel

In was für einer Zeit leben wir eigentlich, wo Leistung mehr zählt als Menschlichkeit? Was sind das für Lehrer, die sich außerstande sehen, Henri zu unterrichten? Warum sind sie Lehrer geworden – aus Freude am lehren oder um Leistungsziele zu erreichen? Was sind das für Eltern und Schüler, die sich um ihre Karriere sorgen, wenn Henri sie vom Lernen abhalten könnte?

Dieser Fall zeigt, wie der Leistungsgedanke die Menschlichkeit zersetzt. Gelernt soll in der Schule nur das werden, was Leistung bringt. Was eine wünschenswerte Leistung ist, definiert die Wirtschaft. Mit Leistung in Mitmenschlichkeit kann keine Karriere gemacht werden, sondern mit möglichst maximierten Fähigkeiten in Rechnen, Auswendig-Lernen. Ein junger Mensch mit Down-Syndrom, der echte Menschlichkeit braucht, überfordert dieses Schulsystem. Stattdessen sollen sich um Henri Experten in einer besonderen Schule kümmern.

Der Fall Henri reißt die Maske vom Gesicht und zeigt uns, wie die Mehrheit der Gesellschaft denkt. Hier liegt die Erklärung, warum Konsumwahn, Machtgeilheit, Materialismus, Korruption, Machtmissbrauch und Steuerhinterziehung die Fundamente des Gemeinwesens zersetzen. Das zusammengeraffte Geldvermögen definiert, ob ein Mensch als erfolgreich oder -los angesehen wird. 

Wer ist eigentlich behindert – Henri oder wir?

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Der Fall zeigt auch, wie hohl die großen Versprechungen der grün-roten Koalition in Baden-Württemberg sind. Im Koalitionsvertrag steht, dass „Kinder mit Behinderung“ ein Recht „auf sonderpädagogische Förderung in der Regelschule“ haben.  Doch wird die Umsetzung immer weiter verschleppt.

„Tatsächlich aber haben die Politiker schon zweimal die Reform des Landesschulgesetzes verschoben. Ein dritter Versuch ist erst für das Schuljahr 2015/16 angekündigt.“ (ebd)

Es scheint, dass die Reform der Landesregierung zuviel Geld kostet, sprich die Investitionen sind es den Leuten nicht wert. Abzusehen ist daher, dass sich die Mehrheit bald wieder eine passendere Regierung ins Amt wählen wird, die ihrem „leistungsorientierten“ Weltbild entspricht.

Wer kalkuliert dem „Homo economicus“ die Kosten fehlender Liebesfähigkeit, fehlender Lebensfreude? Was kostet ein Super-Gau in einem Atomkraftwerk? Was kosten Atomwaffen und die atomare Auslöschung der Menschheit?

9 Gedanken zu „Gymnasium nimmt Henri wegen Down-Syndrom nicht auf“

      1. für mich der einzige Grund warum nicht
        “ obwohl seine schulischen Leistungen laut Einschätzung seiner Mutter wohl nicht ausreichen werden, das Abitur zu erreichen“

      2. Was bringt es dem Behinderten, in ein Gymnasium zu gehen. Was haben sie am Ende davon? Und was bringt es den Mitschülern? Meiner realen Erfahrung nach ist es für alle nur Stress, Belastung und sonst nichts.

  1. Es pricht ja nichts dagegen, dass Behinderte auf’s Gymnasium gehen. Kommt halt drauf an, welche Behinderung.

    Wenn aber jemand aller vorraussicht nach nicht geeignet ist, das Klassenziel zu erreichen, sondern es nur darum geht bei seinen Freunden in der Schule zu bleiben… -und das wurde von demjenigen/den Eltern auch so klr gesagt/ eingeschaetzt- ist das was komplett anderes.

    Ich bin ja auch dafür, dass Behinderte (und sonstige Randgruppen der Gesellschaft) anders behandelt werden, als es oft der Fall ist. Das Problem in dieser Welt ist nicht, dass er nicht auf’s Gymnasium kann, sondern dass es scheinbar so schwierig ist, an einer andern Schule neue Freunde zu finden.
    Davon abgesehen hat er das scheinbar ja auch noch gar ned versucht.

  2. In der Schule meiner Tochter ist auch „Integration“ von geistig und körperlich Behinderten heute üblich. Leider stört es die Klasse und das Mädchen mit Down Syndrom hatte sich in keiner Art unter Kontrolle, hat die anderen Schulkinder geschlagen, ständig die Klasse gestört, konnte rein gar nichts. Zwei Tage pro Woche ist wegen diesem einen Kind eine Spezialistin gekommen, da die Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen völlig überfordert waren. Logisch, dass man mit solchen Störungen den Lehrplan nicht einhalten kann. Dazu war meine Tochter die einzige Schweizerin im Kindergarten und auch Grundschule mit 18 ausländischen Kindern aus allen Ländern von Frankreich bis Kosovo. An Elternabenden konnte niemand mit niemandem sprechen, weil niemand schweizerdeutsch konnte. Schöne neue Welt. DANKE. NEIN. Bringt nichts, ausser Ärger für alle. Da nützt alles Gutmenschentum nichts. Ausserdem können sehr viele Menschen mit Behinderten nicht umgehen. Diese kann man nicht zwingen, etwas zu sein, was sie nicht sind. Menschlichkeit ja, aber nicht in einer Schule. Das bringt ja auch den Down Kindern rein gar nichts. Die haben auch nichts davon, wenn sie täglich mit Dingen konfrontiert werden, von denen sie nichts verstehen, und das sie nicht nachvollziehen können. Früher bei den Sonderschulen und getrennter Organisation konnten gleiche mit gleichen auf gleicher Ebene vorwärts kommen.

  3. Es gibt ja noch andere Ungerechtigkeiten. Zum Beispiel werden immer noch Blinde durch die Straßenverkehrsordnung diskriminiert. Sie dürfen kein Fahrzeug führen, obwohl Blinde genau die gleiche Menschenwürde haben wie Sehende.

    Oder denken wir an den Sport. Obwohl meine Menschenwürde die gleiche ist wie die von Phelps, kriegt Phelps neun Goldmedaillen und ich keine einzige.

    Werde mal die Antifa informieren. Die werden das mit einem Hausbesuch klären.

  4. Schon schlimm, wenn die Gleichmacherideologie die letzten Reste des gesunden Menschensverstandes verdrängt. Kommt dazu noch das penetrante Gutmensch- und Samariterwesen dazu, daß wir zwar vom Big Brother jenseits des Großen Teiches übernommen haben, welches aber inzwischen vom deutschen Bunzelbürger noch eifriger getragen wird als dort, ist dem Sozialismus im Kapitalismus Tür und Tor geöffnet. DDR 2.0 will man dazu ja nicht sagen, denn die DDR originale hätte für solchen ideologischen bullshit niemals soviel Zeit und Geld gehabt.

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