Mundlos und Böhnhardt in Stregda: Medien informierten falsch

Die Medien legten einen Nebel über die Todesumstände von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Endlich behandelte der thüringer NSU-Untersuchungsausschuss in seiner letzten Sitzung das Thema, was am 04.11.11 im Eisenacher Stadtviertel Stregda wirklich passierte. Der Ausschuss verhörte die beiden Polizisten, die den Wohnwagen von Mundlos und Böhnhardt entdeckten. Langsam lichtet sich der Nebel, die Wahrheit kämpft sich ans Tageslicht. Die Frage ist: Wem nützten die Falschmeldungen?

Es werden die verschiedenen Falschmeldungen analysiert und mit den vorliegenden Fakten verglichen.

1) Die „Explosion“ des Wohnwagens

Gegen 12:00 fing der Wohnwagen in Stregda zu brennen an. Bild-online berichtete um 14.51 von seiner Explosion:

“Wenig später explodiert ein Wohnmobil (…) Sprengten sich Täter in die Luft? Zwei Leichen nach Bankraub in Eisenach gefunden! (bild)

Diese Meldung hielt sich noch mehrere Tage in den Medien, obwohl keine Explosion stattfand. Erst im Februar 2012 berichtete der „focus“ den Hintergrund: Laut der „Ermittlungsakte“ hätte „der Zündler sogar eine Explosion auslösen“ wollen. Neben dem Ausstieg des Wohnmobils stand eine Küchenzeile mit Gasherd und Spüle.

„An diesem Gasherd befanden sich mindestens zwei der drei Schaltknöpfe nicht in Position Aus“, heißt es in dem LKA-Gutachten. Zudem sei das Ventil der Flüssiggasflasche „noch geöffnet“ gewesen. Bei Herunterdrücken der beiden Schaltknöpfe „strömte hörbar Gas aus“. (Focus)

Woher wusste Bild-online von dem Vorhaben der Täter, im Wohnwagen eine Gasexplosion herbeizuführen?

Im thüringer NSU-Untersuchungsausschuss sagte Herr Wichmann von Wichtmann-TV aus. Zuerst filmte er an der überfallenen Sparkasse, dann fuhr er zum noch qualmenden Wohnwagen. Er war also sehr schnell am Tatort. Der Abgeordnete Untermann fragte ihn, welcher Anlass ihn bewog überhaupt „von Erfurt nach Eisenach“ zu fahren. Seine Antwort: “Wir Journalisten leben von Informanten, dass ist die Grundlage unseres Berufes.“ (haskala)

2) Wie aus drei Schüssen, zwei „Knallgeräusche“ wurden

Am 04.11. meldete der „mdr“, dass die beiden Polizisten am Wohnwagen “zwei Knallgeräusche” hörten, “es sei unklar, ob es sich um Schüsse gehandelt habe.” Am 05.11. schrieb die „welt“, dass „als sich Polizisten dem Fahrzeug näherten“, sie „zwei knallartige Geräusche“ hörten.

Einer der Polizeibeamten war Herr Frank Mayer.  Vor dem thüringer NSU-Ausschuss gab er Auskunft. Als er und sein Kollege Herr Seeland sich näherten, „nahmen wir Geräusche aus dem Inneren wahr“ …

„Vor dem 1. Schuss nahm der Zeuge Seeland im Inneren des Wohnwagens Bewegungsgeräusche wahr, es hörte sich so an, wie “wenn ein Stuhl geschoben worden wäre”. (haskala)

Dann „näherten [wir] uns, dann Schuss, kurz darauf ein zweiter (…) nach dem Funkspruch ein dritter Schuss (…).“ Auch der zweite Polizist, Herr Seeland bestätigte:

“Ich bin mir sicher, dass es sich bei diesen drei Knallgeräuschen um Schussgeräusche gehandelt haben”, er sei Jäger und könne diese daher zweifelsfrei identifizieren. Alle drei Geräusche waren gleich.“ (ebd)

Dagegen schrieb der Einsatzleiter Michael Menzel von „zwei Knallgeräuschen“ – die Polizisten widersprechen ihren Chef:

“Es müssen ja Schüsse gewesen sein, im Nachhinein wissen wir es ja” so der Zeuge, er ja als Polizist selber öfter schiesst, er habe sowohl mit einer MP als auch mit einem G3 schon geschossen. Man erkenne das ja akustisch, was ein Schuss ist.“

Menzels Darstellung wird im Abschlussbericht wiedergegeben.

Der Zeuge wiederholt mehrfach “es waren definitiv 3 Schüsse″, die Abg.Marx stellt fest, dass im Abschlussbericht nur zweien die Rede ist. (ebd)

Der Polizeipressesprecher Marcel Ehrenreich erklärte vor dem Ausschuss, warum aus den Schüssen „Knallgeräusche“ wurden:

„Später hab er die Schüsse in Knallgeräusche formuliert, weil ja die Geräusche auch durch den Brand ausgelöst worden sein könnten. Bei der Begehung des Wohnmobils durch seine Kollegen wurden die Schussverletzungen an den Leichen bekannt, dadurch dann die Schlussfolgerung auf Schüsse. Das habe er jedoch dann nicht nochmal an die Presse gesteuert.“

„Im Protokoll wurden dann aus den Schüssen Knallgeräusche. Einer wurde auch gefragt, ob das 3. auch ein Schuss oder ein Knallgeräusch war, er gab dann auch dass alle 3 Geräusche gleich waren. Im Bericht ans BKA ist dann die Rede von 2-3 “Knallgeräuschen. Marx: Wenn Knallgeräusche nicht unbedingt Schüsse sind, könnten ja Schüsse schon zu einem anderen Zeitpunkt gefallen sein?” (haskala)

3. Der unterschlagene dritte Schuss

Am 07.11.11 schrieb der „mdr“ von zwei Schüssen (mdr). Die Polizisten dementierten auch diese Darstellung: Das dritte Schussgeräusch rührte auch nicht von einem „zerberstendes Fenster“. Der dritte Schuss ging wohl oben durch das Dach durch, der Zeuge hat beobachtet, dass da ein Stück der Dachisolierung weggeflogen ist.“

„Auf die Frage, ob der 3. Schuss ein zerberstendes Fenster sein könne wollte er sich nicht mehr festlegen. Beim Wohnmobil ist die Frontscheibe aus Glas, die Scheiben im Wohnbereich sind aus Plastik und platzen nicht. Der Zeuge Seeland zu diesem Fenster: “das hat sich aufgewölbt […] das ist dann in den Flammen weggegangen und das wars […] es hat sich ausgedehnt und dann ist es abgebrannt und weg wars”. Ein Zerbersten scheidet also aus.“

Bei seiner Vernehmung wollte sich der Polizist jedoch „da noch nicht definitiv festlegen.“

3. Aus dem Wohnmobil wurden die Polizisten beschossen

Am 22.11.11 berichtete das Bundeskriminalamt erstmals von einer “Maschinenpistole” aus der “möglicherweise ein weiterer Schuss abgegeben” worden sein könnte. Die Aussagen der Polizisten am Wohnwagen ließen diesen Schluss zu.

“Das Bundeskriminalamt (BKA) teilte am Dienstag in Wiesbaden mit, die Aussagen der beiden eingesetzten Polizeibeamten ließen den Schluss zu, dass es bei ihrer Annäherung an das Fahrzeug “vermutlich aus dem Wohnmobil heraus eine Schussabgabe gegeben hat. Die Auffindesituation im Wohnmobil stütze die Aussage der Beamten, betonte das BKA. Im Fahrzeug wurde “unter anderem griffbereit eine mutmaßlich defekte Maschinenpistole aufgefunden, aus der möglicherweise ein weiterer Schuss abgegeben wurde”. Beim Absuchen des Tatorts sei eine mögliche Einschussstelle außerhalb des Wohnmobils festgestellt worden. Die Suche nach einem dazugehörigen Projektil dauere an. “.(ta)

Am 26.11.11 gab der Einsatzleiter Michael Menzel bekannt, dass die zwei Streifenpolizisten vom Wohnwagen aus beschossen worden wären. Es wurde “sofort auf uns geschossen”, “mit einer MPi”.

“Als die Beamten das Wohnmobil in Stregda, einem Ortsteil von Eisenach, fanden, haben die Neonazis mit einer MPi das Feuer eröffnet. “Die haben sofort auf uns geschossen.” Dann aber klemmte die MPi. “Wir wussten zum Glück, dass sie scharfe Waffen hatten”, so Michael Menzel.(ta)

Laut Bild.de hätte Menzel sogar davon gesprochen, dass Böhnhardt und Mundlos “ein Blutbad” hätten anrichten wollen.

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Am 22.12.11 berichtete die Thüringer Allgemeine von einer Pressekonferenz vom Chef des Bundeskriminalamtes Jörg Ziercke. Es gäbe zwar keinen Durchschuss durch die Wohnwagen-Wände, doch wurde …

“… bei dem nachfolgenden Feuer eines der Plastikfenster so beschädigt, dass nicht mehr zu erkennen ist, ob es zuvor von einem Schuss durchlöchert worden war.” (TA)

Die Polizisten im thüringer Untersuchungsausschuss sagten dagegen aus, dass sie nicht vom Wohnwagen beschossen wurden. Es wäre jedoch im thüringer Innenministerium anderes erzählt worden.

“Rausgeschossen wurde ja nicht. Es ist ja kein Schuss von drinnen nach draußen gekommen”, so der Zeuge. Im Nachhinein sei dann sowas erzählt worden, nach dem man das Fahrzeug auseinandernahm. Er habe aus der Presse erfahren, dass auf ihn und seinen Kollegen geschossen wurde. Kollegen von ihm die bei der Veranstaltung mit dem Innenminister waren hätten angegeben, dass der 1. Schuss in die A-Säule des Fahrzeuges ging, „da wo die Frontschreibe drin steckt“, dort hätte man angeblich einen Einschuss gefunden, so der Zeuge. [Jedoch sei auch durch die Scheibe vorne nichts rausgekommen, so der Zeuge.]

Er selbst schließt einen Schuss auf ihn und seinen Kollegen aus, dann wäre ja auch Material aus dem Fahrzeug geflogen, so Herr Seeland. “Sonst hätten wir wahrscheinlich auch zurückgeschossen.” Dann denkt er kurz nach und schiebt noch hinterher: “Eventuell!”(haskala)

4. Polizisten konnten nichts sehen

Die Polizisten schließen eine dritte Person im Wohnwagen aus,da man das gesehen hätte.“ Jedoch konnte sie nicht „hinter das Wohnmobil“ sehen. Nach dem dritten Schuss, versteckten sich die Polizisten hinter einem Fahrzeug und einem Mülleimer.

„Man habe sich dem Fahrzeug aus einem gewissen Winkel genähert, wo man nicht so einfach hätte gesehen werden können, so der Zeuge, „von oben auf das KFZ her und dann spitz auf das Fahrzeug zu, wir sind von der Fahrerseite spitz noch”. Die Wohntür lag auf der anderen Seite. Die Fenster zu der Seite waren mit einer Decke verdeckt. Das Polizeifahrzeug hätte man von drinnen jedoch erkennen können.“

“Hinter das Wohnmobil konnte nicht eingesehen werden […] durch Herrn Seeland wurde bemerkt dass Teile der Dachverkleidung wegflogen“. Ein Polizist soll sich daraufhin hinter einem anderen Fahrzeug versteckt haben, ein anderer habe hinter einem Mülleimer Schutz gesucht.“ (ebd)

Die offene Frage ist, wie die Polizisten sich dann so sicher sein können. So wie ich ihre Darstellung verstehe, befanden sich die Polizisten erst auf der Fahrerseite des Wohnwagens und gingen auf der anderen Straßenseite in Deckung. So hätten sie nicht sehen können, wenn eine dritte Person aus der Wohnmobil-Tür zum Fußgängerweg aussteigt und hinter den geparkten Autos davonläuft.

„Die Vorsitzende Abg. Marx fragt nochmal ob es möglich wäre, dass jemand ungesehen den hinteren Teil des Wohnmobils hätte verlassen können, um zu verschwinden. „“Ne von der Sache her nicht […] die Möglichkeit war nur zum Heck vom Wohnmobil wegzugehen , das hätte man eingesehen und nach vorne auch. Nach oben hin war ein großes Loch [Baustelle], da hätte ein ganzes Haus reingepasst”, so der Zeuge. Die Beamten hätte gesehen wenn jemand weggelaufen wäre.“

Hier sind Fotos vom Tatort zu sehen, die meine Ausführungen stützen: Thüringer Allgemeine.

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