NSU: Polizeiliche Döner-Bude wurde von Mafia bedroht

Während eines Interviews mit dem damaligen Ermittler Wolfgang Wilfling machte der BR-Reporter Oliver Bendixen eine unglaubliche Aussage. Innerhalb kürzester Zeit wäre von Kriminellen versucht worden, von einer neu eröffneten Döner-Bude Schutzgeld zu erpressen, und dort Drogen zu deponieren. Sie wurde jedoch von einem Informanten der Polizei geführt und von der Polizei beobachtet! Wie kann das sein?

„Im Untersuchungsausschuss ist ja auch mal zur Sprache gekommen, warum die Polizei da so oft auf der falschen Fährte war. Man hat sich ja auch sehr lustig gemacht über diesen Döner-Stand, der da in Nürnberg von einem V-Mann der Polizei dann unter Beobachtung eröffnet wurde. Jetzt muss man natürlich auch dazu sagen: Es hat genau 10 Tage gedauert bis der erste von diesen vermeintlichen Döner-Standpächter Schutzgeld zu erpressen versucht hat. Dann hat es nochmal zwei Wochen gedauert, da hat jemand anders gefragt, ob man dort Rauschgift deponieren könnte, um von dort aus Drogen zu verkaufen. Also. Das erklärt ja auch, warum Fahndungen und Ermittlungen manchmal in die falsche Richtung laufen. Das ist natürlich für Ermittler, die auf diese OK-Theorie [Organisierte Kriminalität] setzen, eine Bestätigung in Reinkultur.“ [49:52] Bayerischer Rundfunk

5 Gedanken zu „NSU: Polizeiliche Döner-Bude wurde von Mafia bedroht“

  1. Meine Favouriten der ersten halben Stunde( weiter bin ich nicht gekommen, sorry ), Zitate von Josef Wilfling :
    “ das waren diese Merkmale, wie man sie eigentlich kennt aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität im Zusammenhang mit professionellen Killern. Das war die Handschrift die sich hier gezeigt hat. Etwas Vergleichbares kannte ich persönlich nur aus den Zeiten der Bader-Meinhof-Bande. So ähnlich war das da auch. Und das waren so die ersten Gedanken…“(3:25)

    “ Alle Zeuginnen und Zeugen, die wir vernommen haben genauso wie wir auf einen Hintergrund vor dem Organisierten Verbrechen, Schutzgelderpressung, manche haben getippt auf die PKK, einer hat gesagt ‚ich glaube das war ein Türkenhasser‘. Also es gab auch aus diesen Reihen viele Hinweise die alle in Richtung Organisierte Kriminalität, aber eben keinen einzigen der in Richtung Neonazis deutete. „(12:30)

    “ Dazu kann ich jetzt wenig sagen, ich weiss das man diesen Dingen nachgegangen ist, auch dem Hinweis auf Wiese, hat man alles überprüft. Ich persönlich war nicht in dieser BAO Bosporus, ich habe nur diese Ermittlungen in München geleitet und kann ihnen aber sagen das da wirklich aber auch nichts übersehen wurde, und da ist wirklich jeder kleinen Spur nachgegangen worden. „(21:00)

    “ …und wenn man dann hören muss, das wir die Leute unter Tatverdacht gestellt haben, nicht eine Sekunde standen die unter Verdacht. …Weil das einfach nicht stimmt, zumindest nicht in den münchener Fällen. Und ich weiss aber auch in anderen Fällen stimmt es auch nicht. „(30:00)
    …………………………………………………………………………………………….

    Von den Angaben die der BR-Reporter Oliver Bendixen im der verlinkten Aufzeichnung macht ist im UA-Bericht nichts zu finden. Dem UA sollten aber die Ermittlungsakten vorgelegen haben, daher hätte Bedixen seine Quelle benennen sollen. Nun ist nicht klar ob ihm irgendwann mal etwas gesteckt wurde, oder ob er davon ausgeht das im UA-Bericht etwas verschwiegen wird was in den Ermittlungsakten steht. Denn im UA-Bericht steht etwas ganz anderes.
    UA-Bericht zum Imbiss in Nürnberg(S.530) :
    “ Als Ergebnis wurde festgestellt, dass die Geschäftspraktiken türkischer Personen unauffällig seien; es sei kein Druck auf die VP ausgeübt worden. “

    UA-Bericht zum Imbiss in München(S.531) :
    “ In einem Zwischenbericht vom 8. November 2006 wurde ebenfalls ausgeführt, dass Zwänge oder Schutzgeldforderungen nicht festgestellt wurden. …
    Ein besonderer Vorfall wurde erwähnt:
    …Die männliche deutsche oder österreichische Person, welche
    ca. 50 bis 60 Jahre alt war, habe ihn ca. 15 Minuten lang beschimpft. …U.a. zeigte er mit dem Finger während des Gespräches auf das von der VP angebrachte Fahndungsplakat (neun ungeklärte Morde an türkischen Kleingewerbetreibenden) der Polizei und meinte, wenn man Türken nicht so vertreiben könne, dann würden sie halt so heimgeschickt. „

    1. Danke für die Zitate aus den U-Berichten. Das war mir nicht bewusst. Damit besteht dringender Nachfrage-Bedarf bei Oliver Bendixen. Er macht absolut nicht den Eindruck, sich was auszudenken oder aufzubauschen. Auf der anderen Seite sprengt es meine Vorstellungskraft.

  2. Vielen Dank, Georg Lehle für den Link
    Und vielen Dank E. Krüger für das Gegenhalten des UA-Berichts.
    Man darf gespannt sein, ob sich die investigativen Medien oder die couragierten Politiker sich bemüßigt fühlen, die Widersprüche aufzuklären.

    Frage:
    Kann mir jemand einen Tipp geben, wie man die Sendung downloaden kann?

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