Mord-Ermittler Wolfgang Wilfling: NSU war „nicht erkennbar!“

Wolfgang Wilfling war ein erfolgreicher Ermittler und direkt mit zwei Morden aus der Ceska-Serie befasst. Es waren die Münchner Habil Kılic, erschossen am 29. August 2001 (4 Tat), und Theodoros Boulgarides, am 15. Juni 2005 (7 Tat). Wilfling verteidigt die damaligen Ermittlungen und stellte sich im Bayerischer Rundfunk Ende 2013 den kritischen Nachfragen von Ina Krauß und Tim Aßmann.

Der Modus Operandi der Ceska-Mordserie

Es waren kaltblütige Hinrichtungen, die Tötung des Opfers war das alleinige Ziel: Möglichst schnell die Tat ausführen, keine Spuren hinterlassen, fliehen und „später nicht zu der Tat stehen.“ Das wären „Merkmale, wie man sie eigentlich kennt aus dem Bereich der organisierten Kriminalität im Zusammenhang mit professionellen Killern.“ Etwas vergleichbares hätte er „nur aus den Zeiten der Baader-Meinhof Bande“ gekannt, „so ähnlich war das da auch.“

Der Mord an Habil Kilic

Die Suche, warum der „kleine Geschäftsmann“, dieser „brave, anständige, biedere, fleißige“ Mann, getötet wurde, begann Wilfling im Umfeld des Opfers, …

„… das ist das Erste, was man tut, immer die Ermittlungen von Innen nach Außen zu führen. Gabs denn irgend-jemanden, der einen Grund gehabt haben könnte, diesen Menschen hier zu töten.“

„Nachdem aber feststand, schon am nächsten Tag, dass er das vierte Opfer in dieser Mordserie war, war auch relativ schnell klar, dass hier eine Beziehungstat auszuscheiden ist.“

Damit war die Familie und die Verwandten „außerhalb jeden Verdachtes.“

Das erste, was man auch vornähme, sind „Hausbefragungen und das Umfeld befragen„, „wer hat etwas gesehen? und natürlich kommen da erfahrungsgemäß die ersten Hinweise.“

Es gab Hinweise von zwei Frauen, die ein Auto wegfahren sahen, …

„… mit quitschenden Reifen, ein dunkelhäutiger Mann sei aus dem Geschäft gerannt gekommen, sei in das Auto reingesprungen und dann seien die wie die Wahnsinnigen“ davongerast.“

Da orientierten sich die Ermittlungen „natürlicherweise“ hin.

„Was war das für ein Fahrzeug? Da werden die Befragungen intensiviert.“ „Es hat sich dann als fake herausgestellt, denn die beiden Damen, die sich untereinander gar nicht gekannt haben, haben beide übereinstimmend diese Aussage gemacht und erst später hat sich herausgestellt: Die eine hats erfunden und hats der anderen erzählt und die hats dann auch weitergegeben und sie können sich vorstellen, das dauerte bis wir herausgefunden haben, die eine Frau war Alkoholikerin und hat uns mehr oder weniger auf den Arm nehmen wollen und der zweiten hat sie das erzählt und die hat das dann als ihre eigene Wahrnehmung weiterverkauft. Das kann so passieren.“

„Gleichzeitig kam eine Zeugin, die sprach von zwei Radfahrern, die hinterhalb des Tatortes gesehen wurden. Da gabs auch zwei Frauen, die zwei Radfahrer gesehen haben. Das konnten wir nicht einordnen.

Wir haben jedoch die Spur sofort verfolgt und haben auch die Fahndung nach diesen Radfahrern aufgenommen, obwohl die Damen sagten, sie sahen aus wie Kurierfahrer. Im Sommer, es war August. Das war jetzt nichts auffälliges.

Und ich muss ehrlich sagen, man konnte es sich auch nicht vorstellen, dass Täter von diesem Colour und Professionalität mit Fahrrädern da hinten rumfahren, im Park. Das haben wir nicht richtig eingeordnet. (…) Alleine der Hinweis hätte uns auch nicht weitergebracht (…) und die Beschreibung war nur sehr, sehr oberflächlich.“

Warum gingen die Ermittlungen stark in die Richtung „Organisierte Kriminalität“, hatte das auch etwas mit dem Opfer zu tun?

„Des hatte teilweise auch mit dem Opfer zu tun. Weil in dem speziellen Fall, dem Münchner Fall zum Beispiel war der letzte Kontakt, den das Opfer hatte, der letzte telefonische Kontakt mit einem Drogendealer in seinem Umfeld, in seinem Wohnhaus, darüberhinaus wußten wir, er arbeitet in der Großmarkthalle. Das ist bekannt, die Großmarkthalle ist ein Umschlagplatz für Drogen, das weiß jeder. Hinzu kam, dass dieser Mann, dieses Opfer der Herr Kilic am Tag vorher, einem Zeugen gegenüber in der Großmarkthalle seinem ehemaligen Chef gegenüber, eine Bemerkung gemacht hat und gesagt hat: „Ich habe Ärger mit türkischen Landsleuten“ und war sehr depressiv und war völlig verändert und dass alles zusammengenommen und noch viele andere kleine Faktoren haben uns natürlich auf diese Spur gebracht, da könnte irgendwas im Busch sein, dass der vielleicht Probleme bekommen hat, vielleicht auch mit Schutzgeld oder das er ein Transport durchgeführt hat.

Das darf man nicht vergessen, es waren ja in diesem Jahr 2001, als dieser Mord passiert ist und noch zwei weitere aus dieser Serie, insgesamt sechs Tötungsdelikte an türkischen Mitbürgern in Deutschland. Es kamen nämlich am nächsten Tag beispielsweise wurde in Heilbronn ein türkischer Mitbürger erschossen, auch erschossen, auch mit einer 7,65 Pistole, am 26.9 in Aachen ein weiteres Tötungsdelikt und am 27.9 in Kassel.

Heilbronn und Kassel waren schon auch mal in der Serie betroffen und bei diesen drei Tötungsdelikten, die konnten geklärt werden, und es war an jeden dieser drei Fälle ein Drogenhintergrund gegeben und zwar mit türkische Drogenmafia aus Holland.“

„Und wenn man das mal mitberücksichtigt, dann kann man besser verstehen, dass wir gar nicht anders konnten, als in diese Richtung zu denken. Das waren ja nicht nur die drei Tötungsdelikte dieser Serie, es sind ja ausgerechnet in dem Jahr noch weitere passiert und nachweislich im Zusammenhang mit Drogen. Und auch in anderen Fällen dieser Serie gabs ebenfalls Hinweise auf Kontakte in die Drogenszene und das alles zusammengenommen, war natürlich für uns absolut Anlass, dass wir in diese Richtung denken.“

Ermittlungen in die Neo-Nazi

„Wir haben selbstverstänlich auch überprüft, obs vielleicht einen fremdenfeindlichen Hintergrund geben könnte. Ich darf dran erinnern, der damalige bayerische Innenminister Beckstein hat sogar eine Randnotiz gemacht und gefragt: „Könnte auch ein fremdenfeindlicher Hintergrund gegeben sein?“ Und was macht man als Ermittler? Man überprüft man erstmal das Umfeld.“

War Ihnen die Notiz überhaupt bekannt als Ermittler in München?

„Mir war jetzt diese spezielle Notiz nicht bekannt, aber die Überlegungen, das ist völlig logisch, bei den Besprechungen das man da auch drandenkt und das wir natürlich auch überprüft haben, ob unser Opfer zum Beispiel Kontakt hatte, bedroht worden ist, gabs da Schmierstriften, gabs in dem Umfeld irgendwelche Nazis, gabs irgendwelche Bedrohungen.

Die 100 Zeugen, die wir befragt haben, wurden auch alle gefragt, ob sie eine Vorstellung haben, und jetzt darf ich Ihnen sagen, es war kein einziger dabei, der angeben hat: „Ich glaube an einen Übergriff durch Nazis.“ Kein einziger Zeuge hat das angegeben. Alle Zeuginnen und Zeugen, die wir vernommen haben, haben genauso wie wir auf einen Hintergrund von dem organisierten Verbrechen, Schutzgelderpressung, manche haben getippt auf die PKK, einer hat gesagt: „Ich glaube, es war ein Türkenhasser.“

„Es gab bis dahin 48 Tötungsdelikte, seit 1990, im Bereich des rechten Spektrums und wenn sie sich die anschauen, dann werden sie feststellen: Da gleicht kein einziges auch nur in etwa, dem was wir hier vorgefunden haben. Das war alles primitive, brutale, laute, durch die Straße jagen, tottreten, totschlagen, ohne sich zu bemühen, dass groß zu verbergen. Das war die bisherige Machart rechter Gewalt.“

„Und jetzt haben wir es zum ersten Mal mit einer Tat zu tun, die hier in den Bereich der organisierten Kriminalität oder des gezielten Anschlages und definitiv gab es niemanden, der bislang vermutet hat, dass es eine rechte Terrorzelle geben könnte, hier in Deutschland. Da hat sich keiner gemeldet, auch nicht der Verfassungsschutz. Im Gegenteil. Da wurde ausgeschlossen, dass es in Deutschland eine rechte Terrorzelle gibt, die sich vielleicht von der Szene abgekapselt hat. Das hat niemand geahnt. (…)

Mir ist auch in den zehn Jahren, die diese Mord-Serie in allen Medien veröffentlicht wurde, nicht erinnerlich, dass sich mal irgendjemand gemeldet hat, weder ein Politiker, noch ein Journalist, sonst-irgendjemand, der gesagt hat, schaut einmal in der rechten Szene nach. Kein einziger. Das war allgemeines Gedankengut, dass des wohl etwas mit organisierter Kriminalität zu tun hat, weils die auch gibt.

Ich persönlich bin übrigens der Meinung, dass auch die Opferauswahl ein Teil der Vertuschung war, ganz gezielte Vertuschung. Man muss sich auch mal die Frage stellen, warum ausschließlich türkische Mitbürger Opfer waren. Fremdenfeindlichkeit richtet sich ja normalerweise gegen alle. Hätte beispielsweise das zweite Opfer ein Vietnamese oder Schwarzafrikaner gewesen und das Dritte auch wieder jemand, dann hätte man sofort gewusst, was das für ein Hintergrund ist.“

Mordfall Boulgarides

„Das war auch der Beginn dieses Umdenkens, das war auch so der Zeitpunkt, das wir zu dem Ergebnis gekommen sind, wenn des ein organisierter Hintergrund gewesen wäre, dann hätten wir eigentlich schon mal irgendetwas finden müssen. Wir fanden aber immer noch kein Motiv. In diesem speziellen Fall mit diesen griechischen Staatsbürger stand natürlich auch im Raum, dass er möglicherweise für einen Türken gehalten worden sein könnte.  (…)

Und auch in dem Fall übrigens, wie die Dinge so spielen im richtigen Leben, waren da in der Stunde vorher in dieser Gegend zwei bewaffnete Überfälle, auf eine Bar und auf ein weiteres Geschäft, die beide missglückt sind, mit Waffen, in unmittelbarer Nähe und da lag zum Beispiel jetzt mal nahe, dass das die Fortsetzung dieser verunglückten Raubserie gewesen sein könnte.

Aber auch da hat sich sehr schnell am nächsten Tag rausgestellt, dass es ein weiteres Opfer unserer Serie, das war dann auch der Beginn, dass die Profiler, die Müncher Profiler, eine andere These aufgestellt haben und auch mal die andere Richtung geprüft haben, und die ist dann auch thematisiert worden, hat aber auch nicht zum Ziele geführt. Weil man natürlich alleine mit dem Wissen, dass es vielleicht ein fremdenfeindlicher Hintergrund ist, auch nicht weiter kommt. Man braucht gezielte Hinweise.“

War die Mord-Serie an sich nicht „eine Art“ fremdenfeindliches „Bekennerschreiben“?

„Das will ich jetzt gar nicht mal so von der Hand weisen. Des ist natürlich klar, das kann man so sehen, das ist auch in gewisser Weise ein Bekenntnis. Allerdings muss ich sagen, dass diese Opfer (…) eigentlich keine in Anführungszeichen „Ausländer“ im üblichen Sinne und Immigranten waren. Das waren hier fest etablierte, seit Jahrzehnten lebende Bürger. Das waren nicht irgendwelche Ausländer (…) und dieses Bekennerschreiben alleine hat eben gefehlt und ein gezielter Hinweis hat auch gefehlt. Hätten wir einen solchen gezielten Hinweis bekommen, so nach dem Motto „Da gibt es eine Gruppe, schaut Euch die mal an“, dann kann ich Ihnen garantieren, die wären innerhalb kürzester Zeit ermittelt worden und auch gefasst worden, mit dem Methoden, die die Kripo hatte. „

… oder wenn Ihnen ein Video gezeigt worden wäre, auf dem zwei Fahrradfahrer durch die Keupstraße schieben?

„Dieses Video war bekannt, man hat den Zusammenhang nicht erkannt, weil das natürlich völlig verschiedene Taten waren, aber mit diesen Radfahrern darf ich drauf hinweisen, es wird immer so getan, als hätte man die Spur nicht verfolgt hätte. Sie wissen ja nach München gabs vier Jahre später einen weiteren Mord in Nürnberg, wo auch wieder zwei Radfahrer gesehen wurden und da hat man ganz intensiv nach diesen Radfahrern gefahndet.

Da wurden Millionen von Daten überprüft, Wohnmobile usw., Anmietungen von Wohnmobilen, also da wurde schon was getan. (…) Da wurde sehr, sehr viel ermittelt, aber wenn Sie keinen konkreten Hinweis kriegen. Wir leben von Hinweisen, wenigstens einigermaßen in eine bestimmte Richtung. Des nützt eben nichts, wenn ich weiß, das könnte ein fremdenfeindlicher Hintergrund. In Deutschland gibt es ein paar hunderttausend Neo-Nazis und das weitere Problem war natürlich auch: Wo kommt der Hinweis her? Wir haben 16 Landesämter für Verfassungsschutz in Deutschland. Soll ich da jedes einzelne anrufen und fragen: „Haben sie irgendwo einen Hinweis auf irgendjemand?“ – das ist einfach nicht möglich.

Wie sehr war den überhaupt der Verfassungsschutz eingebunden? Es gab ja im Fall Boulgarides die Beobachtung, dass zwei im rechtsextremen Kreisen verkehrende Männer sich den Tatort unmittelbar danach angeschaut haben, mit einem Auto vorbeifuhren. Der Rechtsterrorist Wiese wohnte in der Nähe. Sie selbst hatten gesagt, wie sehr Sie dieser Modus Operandi auch an Terroristen erinnert hat. Wie war dazu die Informationslage?

„Dazu kann ich jetzt wenig sagen. Ich weiß, dass man diesen Dingen nachgegangen ist, auch den Hinweis auf Wiese, hat man alles überprüft. Ich persönlich war nicht in dieser BAO „Bosporus“, ich habe nur diese Ermittlungen in München geleitet und kann ihnen aber sagen, das da wirklich, aber auch nichts übersehen wurde, und da ist wirklich jeder kleinen Spur nachgegangen worden. Diese Dinge hat man schon berücksichtigt und überprüft, aber es führte eben nicht zum Ziel. Das ist das Problem.“

Wie war die Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz?

„Die Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz aus meiner Sicht, im konkreten Fall kann ich es nicht sagen. Es gab Anfragen, es gestaltet sich erfahrungsgemäß schwierig. Das weiß jeder.

Wir haben ein Trennungsgebot, das ist politisch so gewollt, man will nicht die enge Zusammenarbeit zwischen Polizei und Verfassungsschutz und es ist sehr schwierig für uns immer schon gewesen, vom Verfassungsschutz Informationen zu bekommen. Das war schon immer ein Problem und das ist auch heute noch ein Problem und allenfalls, das kann ich Ihnen sagen, kriegen sie mal was unter vorgehaltener Hand und Tausende von Datensätze allein, die nützen natürlich auch nichts. Die bringen uns auch nichts. (…)

Die haben keine Strafverfolgungspflicht und haben natürlich Angst um ihre V-Leute und deren Anonymität und so weiter und so fort und da ist eben die Zusammenarbeit sehr begrenzt. Das ist so und das ist auch politisch so gewollt.“

Hat sich etwas verbessert?

„Geändert hat sich nichts (…) und ich fürchte, es wird sich auch nichts ändern, denn man hört ja schon die Stimmen, dass dieses Trennungsgebot nicht überdacht wird und nicht hinterfragt wird und auch nicht optimiert wird, wie es vielleicht nötig wäre. Man muss es ja nicht aufheben, aber vielleicht müsste man es bisschen in einen oder anderen Bereich optimieren, zum Beispiel dann wenn es um schwere Straftaten geht, dass dann doch irgendwie ein Informationsaustausch möglich macht. Weiß ich nicht, darüber müssen sich andere Leute Gedanken machen.“

Warum bevorzugten die Ermittler die Ermittlungsrichtung „Organisierte Kriminalität“?

„Das ist einfach die praktische Erfahrung. Wir sind ein Erfahrungsberuf und diese Taten hatten eben alle die Handschrift getragen, die ich schon geschildert habe. Und das andere war vorher noch nie passiert. (…)

Insofern bin ich jetzt froh, dass das jetzt aufgeklärt ist, das waren sehr gemischte Gefühle, auch für mich. Auf der einen Seite habe ich mich sehr gefreut, als ich gehört habe, die Täter sind gefasst oder die Tat ist geklärt. Die Waffen sind gefunden worden.

Und auf der anderen Seite, sage ich ganz offen und ehrlich: Ich habs nicht glauben können, bis zuletzt nicht glauben können, das sowas möglich ist bei uns. Das es eine solche Terrorzelle gegeben hat. Ich habe bis zuletzt, das sag ich ganz offen und ehrlich, immer noch an einen organisierten Hintergrund geglaubt.“

Gab es Ermittlungsfehler?

„Natürlich fragt man sich: Habe ich einen Fehler gemacht? Habe ich irgendetwas Falsches gemacht? Da komme ich einfach zum Ergebnis: Wir haben im Grunde genommen nichts falsch gemacht. Wir haben etwas nicht erkannt, was nicht zu erkennen war.“

BR-Reporter Oliver Bendixen schildert die Verwunderung der Ermittler, dass „aus den türkischen Gemeinden“ „keinerlei Hinweise“ kamen: „Die schweigen alle.“ Dann hätten Journalisten „sich auch auf den Weg gemacht“ und mit türkische Mitbürgern geredet. Da „kam keine einzige Aussage, das hätte mit Hass auf Türken“ zu tun. „Die wildesten Theorien verbreitet worden.“ [46:40]

Frau Ina Krauß fragt Wilfling, wie diese „wilden Theorien“ zu dem Bild von Herrn Kilic passten, er wäre ein arbeitsamer, fleißiger, unbescholtener, braver Mensch gewesen?

„Da müssen sie den Blick (…) richten in diesen Bereich organisierte Kriminalität, das sind nicht lauter Obergangster, es gibt dort ein breites Fußvolk, zum Beispiel Kuriere, die da was transportieren, ohne dass sie genau wissen, was das ist.

Und es ist auch geradezu signifikant für die organisierte Kriminalität, dass man auf eine Mauer des Schweigens stößt, weil die Leute natürlich Angst haben. Und so haben wir das auch gedeutet, das war ein weiterer Hinweis, dass die Leute nichts gewusst haben, wie wir jetzt wissen, das war einfach damals nicht so bewusst wie „die haben möglicherweise Angst, da will ja keiner was sagen.“

„Das alles zusammengenommen berechtigt schon, dass wir auch in die Richtung ermittelt haben, auch wenns die falsche war. Es war die falsche Richtung. (…) Aber man muss vielleicht ein bisschen verstehen, warum des so war. Da leg ich Wert drauf, dass man auch mal sagt: Nicht nur sagt: „Wir haben in die falsche Richtung ermittelt und wir sind alles Versager“, sondern man muss auch mal die Frage stellen: Warum das so war- Und da war schon mein Eindruck gewesen, das interessiert niemand. (…) Weder beim Untersuchungsausschuss, noch irgendeinen Politiker, mal zu fragen: Warum war denn das so?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.