Buch-Zusammenfassung: „Geldsyndrom 2012“, Helmut Creutz

Das Sachbuch „Das Geldsyndrom 2012“ ist eine kritische Analyse des Kapitalismus – der wirtschafts-politischen Grundlage unseres Zusammenlebens und des Güter- und Dienstleistungs-Austausches. Helmut Creutz erklärt, warum Kapitalismus Übervermögen und Überschuldung mit zunehmender Zeit hervorbringt und dadurch immer instabiler wird, zeitlich zunehmend den Geldfluss der Wirtschaftsakteure behindert. Die Notenbanken und Regierungen reagieren auf diese Problematik mit Gelddrucken und Spardiktaten. Sie reißen dadurch ganze Volkswirtschaften in Inflation oder Deflation. Währenddessen führen Spekulationen auf eigentlich öffentliche Güter wie Boden zu Kostensteigerungen für die Bevölkerung. Helmut Creutz zeigt konstruktive Auswege.

Der Autor Helmut Creutz schrieb das Buch:

   

1) Was ist Kapitalismus?

„Unter Kapital ordnet man im weitesten Sinne alle Mittel ein, die man zum Produzieren nutzen kann, von den Naturgütern über die vom Menschen geschaffenen Sachwerte bis hin zu seinem Verstand, „Humankapital“ genannt. Im engeren Sinn – und der ist hier gemeint – werden unter Kapital jedoch alle jene Vermögenswerte verstanden, die dem Eigentümer ein leistungslosen Einkommen abwerfen, wie das zum Beispiel bei Besitz von Grund und Boden als so genannte Bodenrente der Fall ist.

Am einfachsten lässt sich dieser Kapitaleffekt beim Geldkapital nachvollziehen, also bei den Ersparnissen und deren Verzinsung. Da jedoch alle Sachinvestitionen wiederum nur über Finanzierungen mit Geld zustande kommen, überträgt sich diese beim Geldkapital erzielbare Zinsendite auch auf alle in der Wirtschaft eingesetzten Produktionsmittel, die man deshalb auch als Sachkapital bezeichnet. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich dieses Kapital in privaten, öffentlichen oder genossenschaftlichen Händen befindet: In allen Fällen muss die Verzinsung des eingesetzten Geldes gesichert sein, bevor es zu dessen Einsatz für Investitionen un damit Arbeitsplätzen kommt. Denn wer hebt wohl sein Zins bringendes Geld zur Finanzierung einer Sachanlage bei der Bank ab, wenn er dafür nicht mindestens die gleiche Rendite erwarten kann, die er bisher, ohne Leistung und fast ohne Risiko, bei der Bank erhalten hat?

Kapital ist also – kurz gefasst – zinstragendes Eigentum, Kapitalist derjenige, der über solches Eigentum verfügt, und Kapitalismus ein Wirtschaftssystem, in dem die Zinsbedienung des Kapitals Vorrang hat vor allen anderen wirtschaftlichen Ansprüchen! Deshalb bezeichnet man das bei uns herrschende System manchmal auch als Zinswirtschaft.“ (S. 371)

2) Kredite sind Teil des Kapitalismus

„Dass im Gleichschritt mit den Geldvermögensentwicklungen auch die der Schulden zunehmen, wurde bereits im vorstehenden Kapitel erwähnt. Ebenfalls, dass diese Schulden nicht nur im Gleichschritt mit den Geldvermögen zunehmen können, sondern sogar zunehmen müssen, wenn der Wirtschaftskreislauf geschlossen bleiben soll. Denn wenn diesem Kreislauf über Ersparnisbildungen Geld entzogen wird, dann kann die damit entstehende Nachfragelücke nur durch die Kreditaufnahme eines Dritten geschlossen werden.“

„Dabei dient diese Kreditvermittlung durch die Banken nicht nur dem Kreditnehmer selbst, sondern auch der ganzen Volkswirtschaft. Denn mit dieser Kaufkraft-Weitergabe über den Kredit schließt der Kreditnehmer die Nachfragelücke, die sonst aufgrund der Nicht-Nachfrage des Sparers entstanden wäre.

Die Markträumung durch den Kreditnehmer nützt vor allem aber auch dem Sparer. Denn wie jede Ersparnis beweist, hat der Sparer mehr Leistungen in den Markt eingebracht als er selbst nachzufragen bereit ist. Ohne die ersatzweise Nachfrage durch den Kreditnehmer bliebe diese Überleistung letztlich am Markt liegen und der Sparer würde, für das zurück erhaltene Geld, auf dem Markt gar kein entsprechendes bzw. gleichwertiges Leistungsangebot mehr vorfinden! Sparer und Kreditnehmer leisten sich also letztlich gegenseitig einen Dienst, so dass die heutige Zinsbelohnung des einen durch den anderen höchst fragwürdig ist und eigentlich nur ein um Null pendelnder Zins gerecht sein würde.“ (S. 70)

3) Kredite, Zinsen schaffen Geldvermögen

„Doch wenn man bedenkt, dass z. B. die Geldvermögen in Deutschland in den 1990er Jahren im Durchschnitt p. a. um 500 Mrd. DM zugenommen haben, tagtäglich also um 1.370 Millionen, dann schmelzen die paar Hundert Lotto-Millionäre im Jahr zu einer unerheblichen Grße zusammen. Vergegenwärtigt man sich jedoch, dass allein die deutschen Banken schon in den 90er Jahren täglich Zinsen in Höhe von mehr als tausend Millionen DM an die Sparer ausgeschüttet haben und in den ersten neun Jahren dieses Jahrtausends, trotz aller Krisen, 760 Millionen Euro an jedem Kalendertag, dann kommen wir der Sache näher: Geldvermögen entstehen nicht nur aus zurückgelegten Arbeitseinkommen oder Lotteriegewinnen, sondern vermehren sich vor allem durch die Zinsgutschriften auf die bereits vorhandenen Vermögen“. (S. 223)

„Rechnet man die bankbezogenen Zinserträge, die 2007 bei 419 Mrd. Euro lagen, einmal auf die rund 240 Bank- bzw. Werktage um, dann ergeben sich Zinseinnahmen von rund 1,7 Mrd. und Zinsausschüttungen von rund 1,4 Mrd. Euro pro Tag, bezogen auf die 365 Kalendertage also von 1,1 bzw. 0,9 Milliarden. (S. 247)

„Mit diesen immer höheren Geldvermögen nimmt jedoch nicht nur die Möglichkeit erhöhter Schuldenaufnahmen in der Wirtschaft ständig zu, sondern auch der Zwang dazu! Denn im gleichen Umfang, in dem sich bei den Geldvermögensbesitzern neue Überschüsse an Kaufkraft sammeln, müssen diese in der Wirtschaft fehlen! Und da diese Lücke nur in einem geringen Umfang durch die Geldvermögensbesitzer selbst geschlossen wird, gleichgültig ob über Konsumausgaben oder Investitionen, muss das Gros dieser Überschüsse über zusätzliche Kredite in den Kreislauf zurückgeschleust werden. Diese Zurückschleusungen sind jedoch wieder mit Zinsen verbunden, die ein weiteres beschleunigtes Wachstum der Geldvermögen bewirken, woraus sich dann erneut ein entsprechend vergrößerter Verschuldungszwang ergibt.

Das heißt, Geldvermögen vermehren sich gewissermaßen „von alleine“! Und diese wundersame Selbstvermehrung nimmt mit dem Überwachstum der Geldvermögen immer rascher zu, beschleunigt noch bei steigenden Zinssätzen. Selbst die Deutsche Bundesbank schrieb bereits 1997 von der „Selbstalimentation der Geldvermögen“ und davon, dass damals schon die Zinsgutschriften bei 80 Prozent der Neuerparnissen gelegen haben.“ (S. 223)

4) Übervermögen und Überverschuldung führen zu Kollaps

„So hat der technische Direktor der Stadtbetriebe Linz/Österreich, Erhard Glötzl, die wichtigsten Tatbestände sogar als „Hauptsätze der Volkswirtschaftslehre“ zusammengefasst, von denen z. B. der zweite lautet:

„Die Gesamtheit der Guthaben und die Gesamtheit der Schulden nehmen in einem geschlossenen Geld- und Wirtschaftssystem der bestehenden Art stets zu. Sie können nur durch unerwünschte Ausnahmezustände wie Depressionen, Krieg, Hyperinflation oder Währungsreform abgebaut werden.“ (S. 436)

„Die Schemadarstellung 32 [siehe Darstellung 37 oben] gibt diese sich selbst nährende Problementwicklung wieder, die im Prinzip einem positiven Rückkopplungsprozess entspricht. Alle Systeme und Prozesse aber, die nach diesem Prinzip funktionieren, sind zum Zusammenbruch verurteilt, ähnlich wie ein Heizungssystem, das auf steigende Raumwärme mit weiterer Öffnung der Ventile und damit noch mehr Wärme reagiert.

Aufgrund dieser gegebenen Geldstrukturen befinden sich die heutigen Volkswirtschaften also in einem mehrfachen Dilemma: Schleusen sie die sich ansammelnden Geldvermögen nicht über Kredite in die Wirtschaft zurück, droht eine durch Geldmangel bedingte Rezession oder gar Depression. Werden jedoch diese Geldvermögens-Ausweitungen über Kredite in den Kreislauf zurückgeführt, dann ist eine Überschuldung mit zunehmenden sozialen Spannungen unvermeidlich. Und versucht man – wie heute in der Politik die Regel – diese sozialen Spannungszunahmen durch ständiges Wirtschaftswachstum auszugleichen, ist der ökologische Zusammenbruch unausweichlich.“ (S. 225)

„Tatsächlich machten sich in Deutschland im Laufe der 50er Jahre ach bereits gewisse „Ermüdungserscheinungen“ bemerkbar. Die größten kriegsbedingten Schäden waren überwunden, die „Fresswelle“, die „Kleiderwelle“ und selbst die „Wohnwelle“ flachten sich ab und damit der allgemeine Wachstumsdrang. Doch statt dieser natürlichen Entwicklung nachzugeben, schaltete man in der Sinngebung des Wirtschaftens um: Nicht mehr die Bedarfsdeckung – der Sinn allen humanen Wirtschaftens – sondern die Bedarfsweckung wurde als Hauptziel deklariert. (…) Und nach der bereits genannten Fress-, Kleider- und Wohnwelle wurde sogar regelrecht eine „Wegwerfwelle“ propagiert.“ (S. 301)

5) Übervermögen schaffen Spekulationsblasen

In einer Volkswirtschaft, welche …

„… mit neuem Geld begonnen hat, sind Spekulationen anfangs so gut wie unbekannt. Alle Einkommen fließen wieder in den Konsum und überschüssige Einkommen, direkt oder über Bankeinlagen und -kredite, in die dringend notwendigen Investitionen.

Dieser Zustand verändert sich im Laufe der Jahre, bedingt vor allem durch zwei Entwicklungen, die sich gegenseitig verstärken: Einmal geht mit den eintretenden Sättigungsprozessen der Bedarf an notwendigen Investitionen zurück. Zum anderen sammeln sich bei Minderheiten immer größere Einkommensüberschüsse als Geldvermögen an, die zunehmend aus den Zinsgutschriften auf die bereits vorhandenen Vermögenswerte resultieren. Sowohl diese Vermögensakkumlationen als auch die nachlassenden Anlagemöglichkeiten und die mit ihnen sinkenden Renditen, verführen dann dazu, mit dem Geld aus normalen Bankeinlagen auch in riskantere Geschäfte umzusteigen. Manche begnügen sich dabei mit den vom Staat zugelassenen Spielcasinos, andere finden es chancenreicher, mit ihrem übrigen Geld zu spekulieren.“ (S. 259)

„Inzwischen übersteigen die gesamten weltweiten Finanztransaktionen den normalen Welthandel um ein Vielfaches! So hat die Zeitschrift stern in der Ausgabe 36/2010 berichtet, dass sich nach Schätzungen der „Bank für internalten Zahlungsausgleich“ (BIZ) die Nominalwerte aller an den Terminbörsen täglich gehandelten Derivate (also von Finanzprodukten, deren Preis unmittel- oder mittelbar von der Entwicklung des Marktpreises anderer Güter oder Finanzinstrumente abhängt!) auf rund 334 Billionen Euro belaufen, „das ist siebenmal mehr als alle Unternehmen in der Welt im Jahr Jahr erwirtschaften und mit der Summe könnte man den aktuellen Bundeshaushalt die nächsten 600 Jahr lang finanzieren.“ (S. 264)

„So kommt es, dass manche Firmen in solchen Zeiten sogar mehr durch das Verleihen ihrer überschüssigen Geldmittel verdienen als durch ihre Produktion. Das hatte bereits Prof. Dr. Horst Ehmke am 13. Oktober 1982 einmal im Bundestag bestätigt:

„Die Firma Daimler-Benz hat im Jahr 1981 an ihren Einkommen aus Vermögen, vor allen an Zinseinnahmen, mehr verdient als am Verkauf ihrer Lkw- und Pkw-Produktion. Ähnliches gilt für andere Großunternehmen.“

(…) Wegen dieser hohen Finanzgewinne wurde z. B. die Firma Siemens damals manchmal als „Bank mit angeschlossener Elektroabteilung“ bezeichnet.“ (S. 360)

„Was heute an den Börsen abläuft, ob mit Aktien, Devisen, Derivaten oder anderen immer neuen Finanzinstrumenten, kommt einem Tollhaus näher als einem Gebäude, das den Menschen Raum und Möglichkeiten zum Leben und Arbeiten gewährt. Hier hat sich etwas verselbstständigt, was sich nur noch unter dem Begriff „Fieberwahn“ summieren lässt. Ausgangspunkt und Auslöser all dieser „Metastasen“, ist jedoch ein Geldsystem, dass von seiner Konstruktion her zu einer ständigen und sich beschleunigenden Selbstvermehrung konzipiert ist und damit – ganz gleich auf welche Art – zu seiner eigenen Zerstörung.“ (S. 274)

„Kommt es aber zu einem überzogenen Börsenboom und irgendwann zu einem Platzen der Blase, dann wird von den davon ausgehenden Irritationen und Störungen auch das normale Wirtschaftsgeschehen erreicht, direkt oder indirekt, bis hin zu den Arbeitsplätzen am Anfang aller Produktionsstufen. Allerdings kommt es auch bei diesen Kurseinbrüchen nicht zu jenen spektakulär aufgebauschten Vernichtungen von Milliarden Dollar oder Euro, wie manches Mal selbst in Wirtschaftsjournalen zu lesen ist. Denn verloren gehen dabei vor allem hochgerechnete Gewinnhoffnungen, also spekulative Luft, die man vorher selbst in den Ballon hinein geblasen hat. (…)

Doch da in solchen Situationen sogar die Notenbanken manchmal den Kopf verlieren und -mangelns funktionierender Umlaufsicherung – die Notenpressen laufen lassen, können solche Crashs ggfs. sogar die Geldkaufkraft und darüber hinaus ganze Volkswirtschaften gefährden. Das ist besonders dann der Fall, wenn die Staaten schließlich als Retter der Banken tätig werden und damit den normalen Bürger haften lassen!“ (S. 263)

6. Störungen

6.1. Inflation

„Gemessen an der Leistung sinkt also die Kaufkraft des Geldes oder anders herum betrachtet: gemessen am Geld steigt das allgemeine Preisniveau. Das steigende Preisniveau ist also die Folge der Inflation an dem sie messbar wird, nicht aber die Sache. Statt von steigenden Preisen müsste man also richtiger von steigender Geldmenge und sinkender Kaufkraft desselben reden.“ (S. 149)

„Denn seine Deckung erhält das Geld einzig und alleine durch die Güter und Leistungen, die man mit ihm auf den Märkten erwerben kann! Weil das so ist, sollten die Ausweitungen der Geldmenge darum auch möglichst Schritt für Schritt mit den Leistungssteigerungen in der Wirtschaft erfolgen.“ (S. 184)

„Doch selbst die als so stabil gepriesene Deutsche Mark und der Schweizer Franken haben zwischen 1950 und 2000 mehr als drei Viertel ihres Wertes eingebüßt, und das sogar -zumindest beim Franken- trotz einer zweitweisen doppelten Deckung durch Gold! Das beweist noch einmal, dass die Stabilität einer Währung nicht von irgendwelchen angesammelten Deckungen abhängt, sondern allein von der Relation der Geldmenge zur Leistung der Volkswirtschaft. Noch präziser: Von dem, was man beim Ausgeben für sein Geld erhält! Denn der in allen Währungen immer noch gegebene mehr oder weniger große Kaufkraftverfall bedeutet, dass ein arbeitenden Mensch, für seine Leistungen aus früheren Berufsjahren, heute nur noch einen Bruchteil als Gegenleistung zurückerhält. Und das gilt keineswegs nur für die vergessenen Scheine unter der Matraze, sondern auch für die Sparer, die durch Geldeinlagen bei den Banken ihre Renten sichern wollen! – Sie alle wurden in den vergangenen Jahrzehnten durch die schleichende Inflation um Milliardenbeträge enteignet. Denn im Gegensatz zu den betuchteren Geldanlegern, die sich mit ihren Großeinlagen durch erhöhte Zinsforderungen und Spekulationsgeschäfte gegen Inflationsverluste abzusichern verstehen, lag die Verzinsung der normalen Sparguthaben in vielen Ländern und Jahren unter den Inflationssätzen.“(S. 152)

„So hat z. B. die Deutsche Bundesbank die Banknotenmenge von Ende 2005 bis Ende 2010 von 147 auf 203 Mrd ausgeweitet und damit um 38 Prozent, während die Wirtschaftsleistung, an der sich die Vermehrung orientieren müsste, nur von 2.243 auf 2.499 Mrd. und damit um 11 Prozent angestiegen ist. Das heißt, im Durchschnitt sind durch die Bundesbank p.a. rund 8 Milliarden zuviel an Banknoten und damit Kaufkraft in den Umlauf gegeben worden, während die akribisch genau erfassten Fälschungen nur bei ganzen 1,1 Millionen p. a. lagen!“ (S. 156)

6.2. Deflation

„Im Gegensatz zu Inflationen, die letztlich immer auf das Konto der Notenbanken gehen, gehen heutige Deflationen also auf das Konto der Verbraucher, die nicht genügend kaufen und verbrauchen und statt dessen Geld hamstern.“ (S. 165)

„Während das Thema Geldhortung von den Notenbanken über Jahrzehnte hinweg eher tabuisiert worden ist, hat die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht vom Juni 2009 die Ergebnisse einer neuen Untersuchung bekannt gegeben, die bereits im Kapital 1 behandelt worden ist. Daraus ergab sich, dass die gesamten Hortungen im In- und Ausland, bezogen auf die von der Bundesbank ausgegebenen Euro-Scheine, bis zwei Drittel des Bestandes liegen, der Ende 2019 mit 203 Mrd ausgewiesen wurde. Und der Anteil der in Deutschland regelmäßig kursierenden Bestände wird sogar nur auf rund 10 Prozent des ausgegebenen Banknotenwertes geschätzt, also bezogen auf jenen Gesamtbestand, der immer noch als die „umlaufende Geldmenge“ bezeichnet wird. (S. 168)

„Im Gegensatz zu Inflationen (…) werden Deflationen durch einen Geldmangel ausgelöst. Aufgrund dieses Geldmangels kommt es zu Nachfrageausfällen und damit zu einem Warenstau. Da aber alle Produzenten und Ladenbesitzer zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen auf den Verkauf angewiesen sind, versuchen sie durch Sonderangebot oder allgemeine Preissenkungen zu Geld zu kommen. Aufgrund dieser Preissenkungstendenzen werden die Verbraucher jedoch noch zögerlicher in ihrem Nachfrageverhalten, da „morgen“ ja alles noch günstiger sein könnte. Um liquide zu bleiben, lassen dann die Warenbesitzer ihre Vorlieferanten hängen, womit sich Kettenreaktionen an Engpässen und schließlich Firmenpleiten ergeben.“ (S. 168)

„Diese als Hortungen gehaltene Geldbestände sind für die Banken auf zweifache Weise mit negativen Auswirkungen verbunden:

Einmal reduzieren sich durch die Geldabhebungen die Kundeneinlagen und damit auch das Potential für Kreditvergaben. Zum anderen müssen sie sich bei der Notenbank in Höhe des nachgefragten Bargeld höher verschulden und damit höhere Zinslasten tragen, ohne diese Kosten an die Geldnachfrager überwälzen zu können. Als Folge schlagen sich diese erhöhten Kosten für die Banken in der Bankmarge nieder und damit als Erhöhung der Kreditkosten und damit als Belastungsanstiegen für die Wirtschaft. Dies macht sich besonders in Niedrigzinsphasen bemerkbar, in denen die allgemeine Bargeldhaltung meist zunimmt. Diese zunehmenden Hortungen bei niedrigen Zinsen bremsen jedoch nicht nur das sonst weitere Fallen der Zinsen ab, sondern tragen schließlich sogar zu ihrem erneuten Anstieg bei. Dieser Druck wird zusätzlich noch durch das in Niedrigzinsphasen übliche Umparken langfristiger Guthaben auf kurzfristige Einlagen verstärkt.“ (S. 169)

„Da die Notenbanken aus dem letzten großen Deflationsdesaster Anfang der 30er Jahre gelernt haben, versuchen sie darum bei ihren Geldmengensteuerungen der Deflationsgrenzen fernzubleiben. Dafür nehmen sie heute sogar eine ständige Inflation von etwa zwei Prozent in Kauf und erklären diesen Satz sogar als Ziel. (S. 168)

„Bekanntlich haben die Notenbanken diesen Fehler aus dem 1930er Jahren, die Geldmenge knapp zu halten, in den Krisenjahren unserer Tage zwar nicht wiederholt, sondern die Banken förmlich mit Liquidität förmlich zugeschüttet. Aber die Notwendigkeit, diese Geldmenge – zur Vermeidung sowohl der Inflationen als auch der Deflationen und der daraus resultierenden negativen Folgen – einem geregelten Umlauf zuzuführen haben sie bis heute noch nicht erkannt!“ (S. 419)

Arbeitslosigkeit

„Millionen Menschen sind nicht arbeitslos weil es zu wenig Arbeit in der Welt gibt, sondern weil das Geld fehlt, sie zu bezahlen.“

„Geld ist also nicht nur das viel gelobte Tauschmittel, das Angebot und Nachfrage in Deckung bringt, sondern allzu häufig auch ein Tauschverhinderungsmittel, das Angebot und Nachfrage nicht zusammenkommen lässt. Es ist also nicht nur ein „Schlüssel zum Markt“, sondern in vielen Fällen auch ein „Riegel“, der ihn verschließt. Und diese Riegelfunktion nimmt mit sinkenden Zinsen – so wünschenswert diese auch sind – unter den heutigen Gegebenheiten leider zu!“

„Während Themen wie „Geldstreik“ und „Deflation“ lange Zeit aus dem Vokabular der Tagespresse verschwunden waren, lebten entsprechende Befürchtungen Ende des 20. Jahrhunderts wieder auf. Vor allem im Zusammenhang mit der Krise in Japan, die von der urpünglichen Aktien- und dann Hyper-Spekulationen mit dem Boden Ende der 80er Jahr ausgegangen war und die schließlich zum Platzen dieser Spekulationsballons führte. Selbst im Umfeld der US-Notenbank machte man sich damals bereits Gedanken, wie man solchen Geldzurückhaltungen entgegen wirken könnte. So z. B. auf einer im Oktober 1999 in Woodstock stattfindenden Konferenz zum Thema „Geldpolitik im Falle niedriger Zinsen“. Dabei wurde von dem stellvertretenden Direktor der Federal Reserve Bank Richmond, Marvin Goodfriend, u. a. auch die von Silvio Gesell vorgeschlagene und von John Maynard Keynes übernommene Umlaufsicherung des Geldes detaillierter behandelt. Und bezüglich der Umsetzung dieser Umlaufsicherung, die mit Hilfe von Durchhaltekosten beim Bargeld zu erreichen ist, brachte Goodfriend auch den Vorschlag ein, die Geldscheine mit Magnetstreifen zu versehen, mit denen man die zwischenzeitlichen Geldhaltungsintervalle erfassen und mit einem geringen Abschlag belasten könnte.“ (S. 331)

„Wer Geld einsperrt, sperrt Arbeiter aus“, schrieb bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die schweizerische Zeitschrift „Nebelspalter“. Und ein anderes Schlagwort aus jener Zeit besagt: „Kein Zins – kein Geld, kein Geld – keine Arbeit – kein Lohn“ (…).“ (S. 330)

6.3. Warum verursachen Notenbanken Inflation?

„Dass die Notenbanken Geldmenge und Nachfrage nicht nach ihren Vorstellungen ausweiten können, wurde dargelegt. Sie sind aber auch nicht ohne weiteres in der Lage, eine übermäßige Ausweitung der Geldmenge zu verhindern. Konkret: Sie müssen (…) auch dann noch Neugeld nachdrucken, wenn diese Vermehrungen weit über die wirtschaftlichen Notwendigkeiten und sogar ihre selbst gesetzten Ziele hinausgehen. Das heißt, sie setzten selbst dann noch Mehrgeld in Umlauf, wenn sie wissen, dass dies in spätestens zwei Jahren zu einem neuen Inflationsschub führen wird! Warum aber tun sie dies? – Die Antwort ist einfach: Würden die Notenbanken bei einer überhöhten Bargeldnachfrage die Unterfütterung mit neuem Geld verweigern, dann müssten die Banken vor ihren Geld nachfragenden Kunden die Schalter schließen! Das aber würde zu panikartigen Geldabhebungen auch jener Sparer führen, die gar kein Geld benötigen.“ (S. 179)

„Das heißt, bei nachlassender Attraktivität der Zinsen bzw. auch der Peitschenwirkungen der Inflation, leiht man sein Geld weniger gerne aus und hält mehr Kasse.“

„Solche spekulativen Liquiditätshaltungen konnten früher, zur Zeit der Gold- oder Silberwährungen, für eine Volkswirtschaft existenzbedrohend werden. Denn da die gehorteten Nachfragemittel nicht ohne weiteres ersetzbar waren, kam es in den Volkswirtschaften augrund des Geldmangels zu schwerwiegenden deflationären Ein- oder gar Zusammenbrüchen. Im Zeitalter des Papiergeldes können solche Lücken natürlich relativ leicht geschlossen werden. Da mit diesem Ersatzgeld jedoch ein nochmaliger Anspruch an die Volkswirtschaft geschaffen wird, entsteht damit gleichzeitig ein Inflationspotential, das bei seiner Reaktivierung wirksam wird. Die damit verbundenen schwankenden liquiden Geldhaltungen dürften der Hauptgrund dafür sein, dass die Notenbanken mit ihren Geldmengensteuerungs- und Stabilisierungsbemühungen bisher nur begrenzte Erfolge verzeichnen konnten.“

„Hochzinsphasen, die schließlich zum Abwürgen der Konjunktur führen, sind fast immer die Folgen vorausgegangener Geldmengenausweitungen durch die Notenbank. Diese wiederrum haben zur Folge, dass es zu einem Preisauftrieb und damit einem Inflationsschub kommt, der sich in gleicher Höhe in den Zinsen niederschlägt (…). Konkret: Kommt es zu einer Inflation von zwei Prozent, steigen die Zinsen von z. B. vier auf sechs Prozent und damit um die Hälfte an. Nicht die Anpassung der Leitzinsen an den inflationären Auftrieb der Markt- bzw. Geldmarktzinsen ist also die eigentliche „Sünde“ der Notenbanken, sondern die etwa zwei Jahre vorher zu großzügig gehandhabte Geldmengenpolitik, mit der die Inflation ausgelöst wurde.“ (S. 361)

„Der frühere Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Fritz Leutwiler, hat bei seiner letzten Rede vor der Generalversammlung der Bank 1984, diese Zusammenhänge einmal beim Namen genannt:

„Eine starke Geldmengenexpansion bleibt nicht ohne Inflationsfolgen, was wiederum die Zinssätze in die Höhe treibt. Früher oder später schließt sich der Teufelskreis mit dem Zwang zu einer anti-inflationären Politik, deren Wirkungen heute nur allzu bekannt sind: hohe Zinssätze, Rezession und Arbeitslosigkeit.“ (S. 360)

7) Kapitalismus gefährdet die Demokratie

„Aber auch aus unserer Zeit gibt es genügend gewichtige Stimmen. So war z. B. John Maynard Keynes der Auffassung, dass es keine spitzfindigere und tödlichere Methode gibt um die gesellschaftlichen Grundlagen zu zerstören, als die Vernichtung der Währung. Und Fritz Leutwiler, dem früheren Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank, stammt der Satz:

„Demokratie setzt, wenn sie funktionsfähig bleiben soll, eine stabile Währung voraus.“

Der vormalige Präsident der Deutschen Bundesbank, Hans Tietmeyer, sagte während der Tagung der Weltelite in Davos 1996:

„Ich habe bisweilen den Eindruck, dass sich die meisten Politiker immer noch nicht darüber im klaren sind, wie sehr sie bereits heute unter der Kontrolle der Finanzmärkte stehen und sogar von diesen beherrscht werden.“ (S. 272)

Schon 1992 hatte der Direktor der Rothschild-Bank in Paris und Berater französischer Staatspräsidenten, Bernhard Esambert, in einer Fersehsendung einmal die „wahnsinnig Vorherrschaft des Geldes“ beklagt, die zu …

„… einem System geführt hat, das absolut nicht mehr demokratisch kontrolliert werden kann, weder von den Zentralbanken noch von den Nationen.“ (S. 271)

„Die Aufrechterhaltung einer Demokratie auf der Grundlage eines undemokratischen Geldwesens, kann auf Dauer nicht möglich sein. Das bestätigte der in Kehl lehrende Verwaltungsjurist Professor Roland Geitmann schon vor zwei Jahrzehnten:

„Das vom Staat als Tauschmittel und Wertmesser ausgegebene Geld sollte zwischen den Wirtschaftsteilnehmern neutral vermitteln, es begünstigt jedoch den Geldbesitzer und widerspricht dadurch zentralen Prinzipien unserer Verfassung, insbesondere den Freiheitsrechten, dem Gleichheitssatz, dem Eigentumsrecht, dem sozialen Rechtsstaat und dem Ziel des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts.“(S. 424)

8. Lösungen

8.1. Geldhalte-Gebühr

„Eine Wirtschaft, die von den Bedürfnissen der Menschen gesteuert wird und von deren Bereitschaft, für die Erfüllung dieser Bedürfnisse zu arbeiten, würde immer einen Entwicklungsverlauf nehmen, der den natürlichen Wachstumskurven entspricht. So unterschiedlich die Bedürfnisse und Wünsche auch sein mögen: Irgendwann und -wo schlägt dieser natürliche Sättigungseffekt bremsend durch.“ (S. 300)

„Selbstverständlich ist Geld zwischen Empfang und erneuter Ausgabe immer auch ein „Wertaufbewahrungsmittel“. Diese Funktion darf dem Geld auch nicht genommen werden. Vielmehr geht es nur darum, den Rhythmus zwischen Geldempfang und -ausgabe zu verstetigen und nicht durch längerfristige und vor allem schwankende und oft erhebliche Geldzurückhaltungen zu unterbrechen. Denn diese längerfristigen Geldzurückhaltungen unterlaufen nicht nur die Geldmengensteuerung der Notenbanken, sondern verhindern, durch die Verknappung des Kreditangebot, auch ein marktgerechtes Absinken der Zinsen! Genau hier, bei der Möglichkeit, Geld ungestraft zurückzuhalten, ist also die Ursache dafür zu finden, dass der Zins an den Kapitalmärkten auch dann noch im positiven Größenbereichen verbleibt, wenn die Wirtschaft, auf Grund allgemeiner Sättigungen, zu wachstumsfreien Entwicklungen hin tendiert!

Da dieses gemeinschaftsschädigende Verhalten der Geldzurückhaltung nicht durch allgemeine Verbote aus der Welt zu schaffen ist, muß es mit Hilfe von „Geldhalte-“ oder „Geld-Nutzungsgebühren“ abgebaut werden. (…) Die Vermeidung dieser Kosten ist natürlich nicht nur durch Geldausgeben möglich, sondern auch durch Einzahlungen bei einer Bank, von der das Geld dann wieder über Dritte in den Kreislauf zurückgeführt wird. Das heißt, bei dieser Geldhalte- oder Geldnutzungsgebühr geht es alleine um die liquiden Zahlungsmittel-Bestände, gleichgültig ob in der Brieftasche, dem Küchenschrank oder Safe gehalten, aber niemals um die Geldersparnisse, bei denen sich jedoch die Zinseinkünfte abbauen werden.“(S. 413)

„Bei gesättigten Marktlagen könnte es dann sogar dazu kommen, dass auch längerfristige Einlagen nur noch in geringer Höhe positiv verzinst werden und im Extremfall sogar – wie in der Darstellung angedeutet – gegen null fallen, während die um die Bankmarge erhöhten Kreditzinsen auch dann immer noch im positiven Bereich verbleiben.“ (S. 427)

„Da alle Wirtschaftsteilnehmer, aufgrund der Gebühren, ihre gehaltenen Geldbestände an den tatsächlichen Marktbedürfnissen orientieren, kommt es zu einer erheblichen Reduzierung der Bargeldmenge, die sehr rasch auf das zur Nachfrage tatsächlich erforderliche Potential schrumpfen dürfte. Das heißt, im ersten Schritt würde sich die Bargeldmenge, die heute zu mehr als zwei Drittel im In- und Ausland gehortet wird, entsprechend reduzieren und der verbleibende Teil dann nochmals auf jenes Zehntel, das nach Untersuchungen der Bundesbank aus den Jahren 2008 und 2010 tatsächlich für die Abwicklungen der heutigen Zahlungsvorgänge erforderlich ist.“ (S. 428)

„Kaufkraftstabilität können die Notenbanken nur erreichen, wenn es ihnen gelingt, die herausgegebene Geldmenge mit der nachfragenden in Deckung zu bringen. Das ist jedoch nur mit einer Verstetigung des Geldumlaufs umsetzbar. Auf diesen Geldumlauf können die Notenbanken jedoch heute nur indirekt Einfluß nehmen, nämlich durch das beschriebene Lockmittel Zins oder die Peitsche Inflation. Diese indirekten, und zum Teil auf Psychologie aufbauenden Eingriffe, sind jedoch in ihrer Wirkung weder zeitlich noch größenmäßig kalkulier- und berechenbar.“

8.2. Bodenreform

„Anders als bei einer Flucht des Geldes in Gold, Kunst und Antiquitäten, wäre die in das Bodeneigentum problematisch. Den der Boden ist als unvermehrbares Gut ebenfalls mit einer ständigen leistungslosen Einnahme verbunden, die im Allgemeinen als Bodenrente oder Bodenpacht bezeichnet wird. Und da alles Leben und Wirtschaften in der Welt auf das Naturgut Boden angewiesen ist, würde eine Zunahme der spekulativen Bodenkäufe die Preise und damit auch die Belastungen für alle, zugunsten einer Minderheit in die Höhe treiben. Das heißt, bei Einführung einer Geldumlaufsicherung müßte relativ bald – wenn nicht schon vorher – auch eine Bodenreform angegangen und die Spekulation mit den Naturgütern ebenso unterbunden werden wie die heute daraus fließenden leistungslosen Einkommen.“

„Denn privates Eigentum an Boden und Bodenschätzen ist im Prinzip genauso absurd wie privates Eigentum an Licht, Luft oder Wasser, auch wenn wir uns an die Gegebenheiten beim Boden und den Bodenschätzen seit Jahrhunderten gewöhnt haben und inzwischen sogar schon eine Privatisierung der Wasservorkommen Platz gegriffen hat.“

Ein Gedanke zu „Buch-Zusammenfassung: „Geldsyndrom 2012“, Helmut Creutz“

  1. Es bleibt die Frage: Warum hat eine Menschheit, die bereits Raumfahrt betreibt (und in „God´s own country“ schon wieder einstellen musste), etwas im Grunde so Einfaches wie das Geld bis heute nicht verstanden, obwohl alles, was Helmut Creutz richtig beschreibt, bereits 1916 in dem makroökonomischen Grundlagenwerk „Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ von Silvio Gesell richtig beschrieben wurde?

    Weil die halbwegs zivilisierte Menschheit noch immer religiös ist:

    Die Rückkehr ins Paradies

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