Schwierigkeiten von Wolfgang Sielaff geben Einblick in Behördenleben

Als seine Schwester Birgit M. 1989 verschwand, war Wolfgang Sielaff Chef des Hamburger Landeskriminalamtes. Anfangs verließ er sich auf die Ermittlungen seiner Kollegen in Niedersachsen, trotz aller Ungereimtheiten. Dann wurde er pensioniert. Er beantragte Akteneinsicht und fand Hinweise auf mögliche Hintergründe sowie Verdächtige. Wurde seine Schwester Opfer eines Serienmörders?

Er stieß allerdings bei seinen Kollegen auf Ablehnung, mit fadenscheinigen „Begründungen“, wörtlich: „Ich stoße da auf eine Mauer, die ich nicht durchdringen kann. (…) Eisiges Schweigen.“ Wurde er behördenintern als Querulant gehandelt?

Nur aufgrund seiner unermüdlichen Initiative sowie Verbindungen zu hochrangigen Polizisten erreichte er, dass behördenintern seinen Hinweisen doch nachgegangen wurde. Schließlich fand er die Überreste seiner Schwester und konnte ihren inzwischen verstorbenen Mörder identifizieren.

Link auf ndr-Doku in youtube, namens „Eiskalte Spur: Die Göhrde-Morde und Birgit Meier“

Ein Gedanke zu „Schwierigkeiten von Wolfgang Sielaff geben Einblick in Behördenleben“

  1. Danke für den Link. Die Doku erscheint geradezu als Lehrfilm für die Tatsache geeignet, dass mehrere Menschen aus verschiedenen Perspektiven, unterschiedliche Schlussfolgerungen zum selben Sachverhalt ziehen.

    Obwohl in dem Fall sicher kein wie auch immer gearteter Grund vorgelegen haben kann, ein Komplott gegen Herrn Sielaff zu schmieden, um die Aufklärung der Mordserie zu verhindern, zeichnen sich doch vergleichbare Muster ab, wie sie u.a. auch beim NSU festzustellen sind. Und das sollte doch zu denken geben.

    Dabei ist Herr Sielaff Profi. Bestens vernetzt, vom Fach und darüber hinaus weiten Teilen der Bevölkerung bekannt. Wenn es so einem Mann mit so einem Backround kaum möglich ist, Behörden zeitnah von seiner Auffassung zu überzeugen, dann kann daraus die Schlussfolgerung abgeleitet werden, dass es für uns nahezu aussichtslos ist, diese Überzeugungsarbeit beim NSU auch zu leisten. Immerhin macht der Film deutlich, wie schwierig es selbst in (scheinbar) klaren Fällen ist, die Staatsanwaltschaften dazu zu bewegen, ein Mordermittlungsverfahren zu eröffnen.

    Wenn wir uns dazu verleiten lassen, beim NSU nicht nur Sachthemen an die Behörden heranzutragen, sondern diese aus Frustration auch noch beschimpfen oder sonstwas unterstellen, dann verspielen wir jede Chance, (offizielles) Licht ins Dunkel zu bringen. Insofern ist Herr Sielaff auch ein gutes Beispiel dafür, dass nur beharrliche und höfliche Überzeugungsarbeit langfristig zum Ziel führen kann. Jedes Abweichen von diesen Grundsätzen verschlechtert die ohnehin schon schwierige Lage nur noch mehr

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