Email an schweizer Vollgeld-Initiative

Guten Tag,
laut der Deutschen Bundesbank (1) würde mit Vollgeld die Fristentransformation von Sichtguthaben erschwert werden. Damit würde es zu einer Kreditklemme kommen, und Liquidität würde in der Wirtschaft fehlen.
Teilen Sie diese Einschätzung und wenn ja, wie wollen Sie die Problematik lösen?
Mit freundlichen Grüßen
Georg Lehle

1) „Je strenger die Vorgaben hinsichtlich des Sicherheitenrahmens, desto eher geht eine Anhebung des Reservesatzes auf 100% mit einer entsprechenden Einschränkung der Bereitstellung von Krediten und Liquidität einher.“ „Ein solches Finanzsystem ohne Fristentransformation dürfte mit Wohlfahrtseinbußen einhergehen (…)“. aus https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Monatsberichte/2017/2017_04_monatsbericht.pdf?__blob=publicationFile

4 Gedanken zu „Email an schweizer Vollgeld-Initiative“

  1. Es geht nicht um eine Anhebung des Reservesatzes.

    Die Fristentransformation bleibt weiterhin möglich. Dass Banken heute Geld verleihen können, bevor sie es selber bekommen haben (weil sie es selber herstellen können) ist in meinen Augen ganz was anderes.

    Es wird keine Kreditklemme geben, da die zufliessenden Mittel aus Kredittilgungen im Vollgeld-System nicht verschwinden, wie heute, sondern wieder von der Bank verliehen werden können. Somit bleibt das jetzige Kreditniveau problemlos erhalten. (Heute fliesst sowieso (in der Schweiz) 80 % des von Banken geschaffenen Geldes nicht in die Realwirtschaft sondern nur in Finanzgeschäfte/-spekulation).

    1. … möglich schon, aber massiv erschwert! Die von Menschen/Unternehmen eingezahlten Sichtguthaben werden heute mittel- und langfristig verliehen. Über die Kreditauszahlung fließt das Bargeld wieder ab. Mit einem „Vollgeld“ wäre dies nur dann möglich, wenn die Bank sich a) einen großen Tresor anschafft, wo sie die eingezahlte Banknoten einlagert oder sie zahlt es in ihrem Konto bei der Zentralbank ein, dann lagern die es ein und b) die Bank entsprechend zur eingelagerten Menge sich neues Bargeld bei der Zentralbank ausleihen kann. Wenn sie dieses neue Bargeld sich ausgeliehen hat, kann sie das Sichtguthaben mittel- und langfristig kreditieren. Aber woher sollen die Banken die Sicherheiten herhaben, dass ihnen die Zentralbank immer frisches Geld ausleiht?

      Wenn die Banken die Sicherheiten nicht haben, dann leiht ihnen die Zentralbank kein neues Geld aus. Konsequenz ist, dass das Sichtguthaben -nicht- kreditiert werden kann. Das führt zu einer Kreditklemme/Deflation.

      Kredittilungen lassen „zufließende Mittel“ heute nicht „verschwinden“ – sie finanzieren die Rückzahlung+Zinseinnahmen der Einleger und die Existenz der Bank.

  2. „Die von Menschen/Unternehmen eingezahlten Sichtguthaben werden heute mittel- und langfristig verliehen. Über die Kreditauszahlung fließt das Bargeld wieder ab. “

    Denk-und Logikfehler. 90 % des umlaufenden Geldes ist Buchgeld und gerade nicht Bargeld . Stichwort Giro System bzw. Verkehr. Gleiches und zwar zu 100 % gilt für Kredite der Banken untereinander, zur Abdeckung von ausgegebenen Krediten.
    Die Girokonten von Millionen von Otto Normalverbrauchern, mit denen per “ Fristentransformation“ zugunsten der Kredit (und damit Buchgeld ) schöpfenden und Zinsen und Gebühren kassierenden Banken , die Kredite finanziert, bzw. abgedeckt werden, betrifft also in mindestens 90 % der Fälle Buchgeld und gerade nicht Bargeld!
    Deshalb ist der Eingangssatz über den angeblichen Abfluß von Bargeld maximal zu 10 % richtig, zu 90 % falsch.
    Die wenigsten Kreditnehmer lassen sich diesen bar auszahlen!

  3. „Wenn die Banken die Sicherheiten nicht haben, dann leiht ihnen die Zentralbank kein neues Geld aus“

    Banken müssen auch heute ihre Zentralbank Kredite (zu derzeit 0 %) besichern, so what?

    Michael Schwyzer hat schon Recht:
    „Es wird keine Kreditklemme geben, da die zufliessenden Mittel aus Kredittilgungen im Vollgeld-System nicht verschwinden, wie heute, sondern wieder von der Bank verliehen werden können. Somit bleibt das jetzige Kreditniveau problemlos erhalten“
    Und ebenso hat er Recht mit der Feststellung:
    „(Heute fliesst sowieso (in der Schweiz) 80 % des von Banken geschaffenen Geldes nicht in die Realwirtschaft sondern nur in Finanzgeschäfte/-spekulation).“
    Bitte hier nicht immer über die armen (Groß) Banken jammern, die bekanntlich im wall street Casino zocken, die Weltwirtschaft dadurch in parasitärer Weise schädigen, eben doch ein (Buch)Geld Schöpfungs Privileg haben und die normale Wirtschaft nur äußerst restriktiv mit Krediten bedienen.

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