Waden-Tattoo bei Uwe Böhnhardt rückstands- und narbenlos entfernt?

Uwe Böhnhardt hätte ein Tattoo an der Wade gehabt. Das bestätigen: Die Mutter, Urlaubsbekanntschaften und (angebliche) Polizeifotos in Akten. Die Gerichtsmedizin fand dort weder bei der ersten Obduktion am 04.11 ein Tattoo, noch bei der zweiten Obduktion am 18.11.: Sie wurde angeordnet mit dem erklärten Ziel, an der Wade nach Narben entfernter Tattoos zu suchen. Auch diese Suche war negativ. 

Stiftung „Warentest“ befragte 2015 Professor Dr. Hans-Peter Berlien, Chirurg und Lasermediziner: Seine grundsätzliche Aussage ist:

„Tattoo-Entfernung: „Narben bleiben immer“:

„Aber egal wie ein Tattoo entfernt wird, Narben bleiben immer, auch beim Lasern. Die Narben sind dann aber bereits durch die ursprüng­liche Verletzung entstanden – nämlich durch das Tattoo. Meine Definition von Tätowierung lautet deswegen auch: Eine auf Lebens­zeit einge­brachte Veränderung der Haut.“

Desweiteren bleibt „fast immer“ Farbe zurück:

„So lassen sich Farbe und Vernarbung vor einer Behand­lung gut analysieren und passende Laser finden. Im Allgemeinen würde ich sagen, es bleibt trotzdem fast immer etwas von der Farbe zurück und sicht­bar.“

War die Leiche im Wohnmobil gar nicht Böhnhardt?

Wie konnte es sein, dass Uwe Böhnhardts DNA 2016 an einem Stofffetzen unter den Knochen der ermordeten Peggy gefunden wurde? Wie konnte sie sich solange erhalten? Eine sich verrückt anhörende Erklärung könnte sein, dass er kürzlich selbst die Überreste dort ablegte.

Folgendes Foto wurde dieses Jahr während des münchner NSU-Prozesses gezeigt. Es zeigt tattoolose Waden. Jedoch ist die Auflösung zu gering, um eine verlässliche Aussage zu machen.

boenhardt-tattoo

Quelle: zdf

Sah Feuerwehr einen zerstörten Kopf oder ein blasses, unverletztes?

Die Leiche im Wohnmobil hatte laut Obduktionsfotos, die in der Gerichtsmedizin gemacht wurden, einen zerstörten Kopf, durch einen Pumpgun-Schuss. Die Tatortfotos aus dem Wohnmobil bestätigen dies jedoch nicht, da die Leiche seitlich auf dem Bauch liegt, das Gesicht zum Boden abgewandt.

Laut des „Haskala“-Protokolls der thüringer Landtagsabgeordneten Katharina König hätte ein Feuerwehrmann das Gesicht als „blass“ bezeichnet. Er betrat mit als erster das Wohnmobil mit den erschossenen Männern. Schon diese Darstellung ist unglaublich: Laut der Obduktionsfotos war das Gesicht in sich selbst zusammengefallen, völlig zerstört zur Unkenntlichkeit. „Fatalist“ schreibt sogar, dass das Gesicht außerdem als „unverletzt“ bezeichnet worden wäre. Übereinstimmend sagen mehrere Feuerwehrmänner aus, dass die Leiche auf dem Rücken lag, das Gesicht also sichtbar. Die Tatortfotos der Polizei zeigen sie jedoch seitlich auf dem Bauch liegen, teilweise mit Brandschutt bedeckt. Auch den Brandschutt bestätigten die Feuerwehrmänner nicht.

Könnte es sein, dass in den Kopf nachträglich mit einer Pumpgun in geschossen wurde, um die Identität der Person zu verschleiern? 

Stand der Dinge ist, dass mithilfe einer DNA-Analyse die Leiche als Uwe Böhnhardt identifiziert wurde. Davon gehe auch ich noch aus.

10 Gedanken zu „Waden-Tattoo bei Uwe Böhnhardt rückstands- und narbenlos entfernt?“

  1. „Folgendes Foto wurde dieses Jahr während des münchner NSU-Prozesses gezeigt. Es zeigt tattoolose Waden. Jedoch ist die Auflösung zu gering, um eine verlässliche Aussage zu machen.“
    Auf dem Foto sieht man m.E. auf der Innen/Oberseite der linken Wade von B. Ansätze einer Tätowierung.

  2. Zu dieser Frage Zitat aus meinem Machwerk (S. 138, 139):

    Wie kommt Polizeidirektor Menzel überhaupt auf die Idee mit den Tattoos auf Böhnhardts linker Wade?

    Dazu muss man wissen, dass V-Leute besonders geschützt werden. Durch falsche Pässe und legendierte Lebensläufe sowieso. In Fällen, wo die Legende ein „Untertauchen“ erforderlich macht (wie bei der Aushorchzelle Böhnhardt/Mundlos/Zschäpe), werden in den Fahndungsakten falsche Angaben zu besonderen Merkmalen eingetragen, damit die V-Leute nicht bei einer zufälligen Polizeikontrolle auffliegen.
    In Böhnhardts Fahndungsakte war zum Beispiel ein Tattoo auf der linken Wade aufgeführt.
    Sollte er je in eine Polizeikontrolle geraten, könnte er anhand des fehlenden Merkmals („seht meine linke Wade, da ist kein Tattoo“) beweisen, dass er nicht der Gesuchte ist.

    file.arbeitskreis-n.su/nsu/Blog-Sicherungen/EinstiegNSU.pdf

    1. Das würde die (angeblichen) polizeilichen Fotos seines Waden-Tattoos erklären, aber nicht die Aussagen der Urlaubsbekanntschaften und vor allem der Mutter!

      Vielleicht brannte das Feuer im Wohnmobil zufälligerweise die Haut am Waden-Tattoo weg?

      1. „aber nicht die Aussagen der Urlaubsbekanntschaften und vor allem der Mutter!“

        Man soll die Schwächen des menschlichen Gedächtnisses nicht unterschätzen.
        Sowohl die Urlaubsbekanntschaften als auch die Mutter hatten nicht die Aufgabe, sich die Tattoos zu merken. Die haben sich in erster Linie gemerkt „tätowiert“.
        Über die Jahre hinweg wäre es nicht ungewöhnlich, wenn die im Gedächtnis irgendwohin wandern.

        Zu den Schwächen unseres Gedächtnisses eine Wissenschaftsdoku
        https://www.youtube.com/watch?v=Wehi2IR2Uzc

        Davon abgesehen, das Feuer kann die Tattoos nicht rausgebrannt haben. 100% ausgeschlossen.

        1. Das mit dem Gedächtnis ist richtig. Zeugenaussagen sind daher mit spitzer Zange zu bewerten.

          Beim Tattoo ist es aber so, das die Mutter das mit der Knastzeit ihres Sohnes verbindet. Es war ein Schriftzeichen das ihn schützen sollte, im Knast gemacht Wenn sie da nicht bewusst lügt, kann man der Gedächtnisleistung glauben. So ein Vorgang brennt sich bei einer Mutter ein.

          Das kann man sicher auch klären. Böhnhardt hatte einen Zellenkumpel im Knast, der ist bekannt.
          Der weiß das, ob er sich dazu äußert weiß man erst, wenn man gefragt hat.

          1. @roger das dachte ich mir auch. Das Anker-Tattoo hätte den 15-Jährigen vor (sexuellen?) Übergriffen im Knast beschützt.
            „Der Junge erzählt schockierende Geschichten von Männern, die Mitgefangene mit einem Besenstiel quälen, um sie gefügig zu machen. „Das hat ihn sehr, sehr belastet“, sagt die Mutter. Er berichtet, dass er von zwei Mithäftlingen beschützt wird. Er zeigt auf ein Tattoo, dass ein Gefangener auf seinem Unterschenkel gestochen hat. Es ist ein Schriftzeichen, das ihn als Mitglied zu einer Knast-Gruppe ausweist, wie ein Brandzeichen auf einem Herdentier. Sein Schutzwappen.“ welt

            Aufgrund der Indizien hätte das Gericht / Ausschuss die Frage klären müssen.
            1. Mutter vorladen und fragen:
            a) Gab es ein Wadentattoo?
            b) Sah sie die Leiche aus dem Wohnmobil und konnte sie sie als ihren Sohn identifizieren?
            2. Fahndungsfotos des Wadentattoos anfordern und Mutter Böhnhardt vorlegen.
            3. Auch Gerichtsmedizin Fotos vorlegen und fragen: Können Sie ausschließen, dass Sie dort ein entferntes Tattoo, eine Narbe übersehen haben?
            4. Gerichtsmedizin nochmal nachfragen, ob 100% ausgeschlossen werden kann, dass Leiche kein Wadentattoo hatte.
            5. Böhnhardts Knastbrüder befragen, auch nach Qualität des Tattoos.

            Das alles wurde nicht gemacht.

  3. In der Tat waren Bs Tattoos m. W. ja an Oberschenkel und Schulter rechts. Sowas kann man als Zeuge mal verwechseln. Wenn die Ermittler allerdings die Wade angeben, dann kann das m. E. tatsächlich auf erfundene Merkmale eines V-Manns hindeuten.
    Bei den Angaben zum Gesicht rate ich zur Vorsicht. Insbesondere wenn Fatalist durch seine Interpretation versucht, Widersprüche zu betonen. Der ist eigentlich nicht zitierfähig. Die Akten natürlich schon, nach allem was wir wissen.
    Bs Gesicht war als ein Gesicht erkennbar und es war blass. Trotzdem war der Schädel annähernd komplett zerstört. Zeugenaussagen bitte mit Vorsicht genießen.
    Böhbhardts

  4. @ Georg

    Die Knastbrüder sind bekannt. Sven Rosemann und Jürgen Länger. Ersterer war definitiv enger mit Böhnhardt befreundet und er ist medienpräsent.
    Der ist also zumindest ansprechbar.
    Ich habe nirgendwo von einem Versuch gelesen, ihm zum Tattoo zu befragen.
    Das muss nicht ein Staatsanwalt sein, der fragt … 😉

  5. Taucher
    „Man soll die Schwächen des menschlichen Gedächtnisses nicht unterschätzen.“
    So ist es, hier z.B.
    https://killerbeesagt.wordpress.com/2014/07/15/dicker-nsu-klops/
    wurden die Tätowierungen Bs. an rechter Schulter und rechtem Oberschenkel zum Obduktionszeitpunkt gezeigt.

    Da ja am 4.11. als alles begann, laut Protokoll Fingerabdrücke und sicher(?) auch DNA entnommen und abgeglichen wurde, um die Identitäten zu klären, sollte es eigentlich keine Mißdeutungen/Fehlannahmen zur Leiche B. geben.

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