Der Zerfall Europas und des Euros – wem nützt es?

Der Zerfall Europas schreitet voran: Italienische Zeitungen vergleichen Bundeskanzlerin Merkel mit Adolf Hitler, sie würde ein 4. Reich in Europa einführen wollen! Auf der anderen Seite provozieren jedoch CSU-Politiker „Dolce-Vita-Länder“, die „überbordend Verschuldung betreiben.“ Der italienische Regierungschef Monti warnt vor einem Auseinanderbrechens des Euros. Die Frage ist, wer an dieser Euro-Krise schuld ist bzw. wem sie nützt.

Der Börsenmakler Dirk Müller findet es inkonsequent, dass die europäischen Staaten „eigentlich genau das machen“, was die angelsächsischen Rating-Agenturen vorgeschlagen haben, sparen und privatisieren, und dann trotzdem abgewertet werden. Angesichts der positiven Bewertungen der USA und Großbritanniens, wäre auch hier eine „völlige Inkonsequenz zu sehen“ (Quelle: ZDF, 3:45). Daher vermutet Müller, dass aus „dem angelsächsischen Raum heraus (…) zurzeit konzertierte Angriffe auf den Euro“ stattfinden. Es könnte etwas dran sein, dass die USA den Euro unterminieren, um einen Konkurrenten der Weltleitwährung US-Dollar zu eliminieren. „Alle Angriffe laufen am Ende immer wieder über den Atlantik hinaus. (…) Wer spricht denn über das Staatsdefizit der USA? (Quelle: Anleger-Fernsehen, 4:30).

Der Hintergrund des Angriffs wäre, dass sich die USA mit dem US-Dollar finanzieren. Sie können billig importieren, da die Export-Nationen ihre US-Dollars horten.

Die Grafik zeigt, dass im Zuge der Euro-Einführung, Jahr 2002, der US-Dollar langsam weniger nachgefragt wurde. Mit der Verschärfung der Euro-Krise fällt der Euro im Vergleich zum Dollar in letzter Zeit ab, dafür steigen die Währungsreserven in US-Dollar wieder:

Grafik: wikipedia

Das Horten von US-Dollarn begünstigt den Wechselkurs. Der US-Dollar bleibt im Vergleich zu anderen Währungen stark. Die chinesische Zentralbank bunkert beispielsweise allein fast 2 Billionen US-Dollar (Quelle: wikipedia). Die US-Dollars stammen von den Export-Erfolgen chinesischer Unternehmen in den USA. Der US-Dollar dient auch in vielen afrikanischen und südamerikanischen Menschen als Wertaufbewahrungsmittel.

Doch anstatt die Angriffe abzuwehren, folgt Europa noch den „Ratschlägen“ des Angreifers. Während sich die USA ungeniert weiter verschulden, auch mithilfe der Druckerpresse der Zentralbank FED, begeht ein europäisches Land nach dem anderen durch Sparen wirtschaftlichen Selbstmord. Die so ausgelöste Wirtschaftskrise bestätigt dann rückwirkend die negative Länder-Bewertung der Rating-Agentur und „Experten“.

CSU-Politiker vertreten, aus politischer Unwissenheit und Opportunismus, diese angelsächsischen Interessen! Aggressiv wird so nicht nur die politische Zerstörung des Euros vorangetrieben, sondern auch Deutschlands Zukunft als Solidar-Gemeinschaft in Frage gestellt: Gerade kündigte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) an, gegen den Länderfinanzausgleich zu klagen. Bayern solle nicht mehr für klamme Bundesländer wie Bremen und Berlin mitbezahlen müssen, denn Solidarität hätte seine Grenzen. Dabei ist selbst in Bayern nicht alles Gold, was glänzt: Viele fränkische Städte im Norden Bayerns sind überschuldet und in finanz-not.

Wird die CSU auch den wirtschaftlich weniger starken Franken die Daumenschrauben andrehen und ihnen wegen ihrer Verschuldung Faulheit, Blödheit vorwerfen – wie jetzt den Südländern?

„Irgendwann muss jeder bei Mama ausziehen, und die Griechen sind jetzt so weit.“

CSU-Finanzminister Söder, 05.08.12

„Die Euro-Zone ist eine Gemeinschaft der Stabilität und der Leistungsbereitschaft, kein Hängematten-Club.“

5. November 2011, Dobrindt im Bayernkurier

Das würden sich sicherlich die Franken nicht bieten lassen und ihre Wählerstimmen nicht mehr der CSU so leicht geben. Nach der Griechenland-Logik der CSU müsste dann ein  Abstoß des überschuldeten und uneinsichtigen Frankens in Frage kommen. Dann käme es endlich zu einer schwer-reichen Enklave um Chiemsee, Starnberger See und Tegernsee, einem privilegierten Inselstaat namens „Königreich Bayern“, mit einem von der CSU gekrönten Königs. Dort könnten sich dann die Kapitalisten der Welt die Bäuche pinseln lassen und wie die Maden im Speck umsorgt leben. Die ärmeren Staaten dagegen wären immer weiter gezwungen soziale und ökologische Standards zu drücken, um auch noch ein Stückchen des Kuchens abzubekommen.

Dabei warnte Silvio Gesell vor genau dieser Entwicklung, bereits im Jahr 1918:

„Trotz des heiligen Versprechens der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten (…) muss ich sagen: Wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft beibehalten wird, (…) es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen. Ich sehe die kommende Entwicklung klar vor mir. Der heutige Stand der Technik lässt die Wirtschaft bald zu einer Höchstleistung steigern. Die Kapitalbildung wird trotz der großen Kriegsverluste rasch erfolgen und durch ein Überangebot den Zins drücken. Das Geld wird dann ge-hamstert werden. Der Wirtschaftsraum wird ein-schrumpfen und große Heere von Arbeitslosen werden auf die Straße gehen.

An vielen Grenzpfählen wird man dann eine Tafel mit der Aufschrift lesen können: „Arbeitssuchende haben keinen Zutritt ins Land, nur die Faulenzer mit voll-gestopftem Geldbeutel sind willkommen.“ Wie zu alten Zeiten wird man dann nach dem Länderraub trachten und wird dazu wieder Kanonen fabrizieren müssen (…).“