Wohnungs-Beschaffer Matthias Dienelt könnte bereits 1998 dem NSU-Trio geholfen haben

Ermittler fanden in der letzten Wohnung von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt verschiedene Mietverträge. Darunter waren zwei Verträge, die Matthias Dienelt mit Wohnungseigentümern abschloss: Die am 04.11.11 in die Luft geflogene letzte Wohnung in der Frühlingsstraße in Zwickau. Anhand eines anderen Mietvertrages geht hervor, dass er im Mai 2001 eine Wohnung in der Polenzstraße 2 in Chemnitz anmietete, in der das Trio lebte. Laut Dienelt hätte er sie jedoch erst 2003 kennengelernt. Bei seiner Vernehmung schilderte er dem Bundeskriminalamt sein Verhältnis zum Trio wie folgt:

Es hätte sich …

„… auf kurze Gespräche und mal eine Tasse Kaffee beschränkt.“ (nsu-leaks)

Das „zdf“ zeigte Film-Ausschnitte aus der Überwachungskamera in der Frühlingsstraße. Dort ist Matthias Dienelt, „einen der wichtigsten Unterstützer“, mit dem Trio zu sehen. 

Auch der Telefonanschluss liefe über Dienelt, es gäbe „ganz, ganz viele Dokumente“, die über ihn laufen würden, sagte Antonia von der Behrens, eine Nebenklägerin des münchner Prozesses. Sein Beitrag zum Leben im Untergrund wäre „sehr wichtig“ gewesen.

In einer Hausdurchsuchung 2011 fanden Ermittler eine Tarnjacke mit dem Schriftzug „Weiße Bruderschaft Erzgebirge“, welches Teil des „Blood & Honour“ Netzwerkes gewesen wäre, und: 

„Auch in Johanngeorgenstadt im Erzgebirge brannten 1996 Kreuze. Daran sollen Mandy S., André E. und Matthias D., Anführer der „Brigade Ost“ in Johanngeorgenstadt, teilgenommen haben.“ (spiegel)

Es ist also gut vorstellbar, dass sich das Trio und Dienelt über die möglichen gemeinsamen Bezugspunkte („Blood & Honour“ – Netzwerk, Kreuzverbrennungen) bereits lange vor 2003 gekannt haben könnte!

Heute berichtete „NSU-leaks“ über einen interessanten Aktenfund: Es legt nahe, dass Matthias Dienelt das Trio wahrscheinlich schon 1998 unterstützte, als es vor Zielfahndern „flüchtete“!

In seiner Vernehmung im Jahr 2012 identifizierte Jürgen Helbig Matthias Dienelt mit 80-prozentiger Sicherheit als die Person, welcher er 1998 einen Beutel für das Trio übergab. Das Treffen hätte an einer McDonalds-Filiale an der A4 stattgefunden. Helbig wurden im Verhör Fotos vorgelegt, im Protokoll steht: „Bei dem Bild Nr. 4 handelt es sich um den Matthias Dienelt“, dazu Helbig:

„Ich bin mir eigentlich zu 80% sicher, dass es die abgebildete Person war. (…) Aber ich bin mir eigentlich recht sicher, dass es dieser Mann war.“

Laut Helbig hätten Zielfander ihm schon 1999 Fotos von der Übergabe gezeigt, wo „auch der Fremde zu sehen“ war. „Vom Hubschrauber aus war mein Pkw gut zu sehen.“ Helbig wiederholte diese Angaben auch als Zeuge im Gerichtsprozess. 

Im Abschlussbericht des ersten thüringer NSU-Ausschusses steht:

„Mit Erstaunen haben wir zur Kenntnis genommen, dass Herr Helbig bei seiner Vernehmung vor dem OLG München im Mai 2014 geäußert haben soll, dass ihm von den ihn damals aufsuchenden Beamten Bilder der Übergabe in Zwickau vorgelegt worden sein sollen.

Ihm sei gesagt worden, diese seien von einem Hubschrauber aus geschossen worden. Auch sei ihm bedeutet worden er sei bei seiner Kurierfahrt von der Übergabe mit Wohlleben bis nach Zwickau beschattet worden.

Weder der Zeuge Jürgen Dressler noch der Zeuge Sven Wunderlich haben gegenüber dem Ausschuss hierzu Ausführungen gemacht. Auch ist dem Untersuchungsausschusskeine entsprechende Observationsmaßnahme des Herrn Helbig unter Einsatz von Hubschraubern bekannt. Fotos finden sich hiervon in den Akten genauso wenig. Andererseits ist auch kein Grund ersichtlich, warum Herr Helbig hier falsche Angaben machen sollte.

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