„MDR stützt Zschäpes Aussage“ – verbreitet Staatssender die Unwahrheit?

Unglaublicherweise gab der Staatssender „mdr“ gestern bekannt:

„Tatsächlich lässt sich aus der Internet-Historie von Zschäpes Computer herauslesen, dass sie auch die Seite von MDR Thüringen – Das Radio aufgerufen hatte.“ 

Dem ist jedoch nicht so. Um 13:30 war Zschäpe einmal auf der Seite von „MDR-Thüringen“. Laut Auswertung des Bundeskriminalamtes war Beate Zschäpe danach auf der Internetseite „MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt, MDR.de“ um 13:44. Kurz darauf klickte sie auf Hitradio RTL.

Quelle: NSU-leaks, Bd 11 Ass Grundsatz EDV01

Das BKA stellte im Internetverlauf keine Nachrichten-Berichterstattungen fest, die sich um den Eisenacher Banküberfall und dem späteren Leichfund im Wohnmobil drehten.

Quelle: NSU-leaks, Bd 11 Ass Grundsatz EDV01, S. 105

Dies wurde auch vor Gericht wiederholt.

Die einzige mögliche Erklärung ist, wenn Beate Zschäpe zusätzlich zum Internet-Radio noch ein normales Radio angeschaltet hätte. Dafür gibt es aber keinerlei Hinweise.

7 Gedanken zu „„MDR stützt Zschäpes Aussage“ – verbreitet Staatssender die Unwahrheit?“

  1. „Die einzige mögliche Erklärung ist, wenn Beate Zschäpe zusätzlich zum Internet-Radio noch ein normales Radio angeschaltet hätte. Dafür gibt es aber keinerlei Hinweise.“

    Oder es war nicht Zschäpe, die am Rechner saß und surfte.

    Die Internet Seite Thüringen MDR.de wurde um 13:30 (von wem auch immer) aufgerufen. Dort läuft- zumindest heute-direkt der Radio Livestream. Aber die Nachricht soll ja erst um 14 Uhr gestreamt worden sein. Vielleicht hatte sie ja auch diverse Tabs mit mehreren Radio Streams offen und switchte hin und her zwischen den Programmen, was man am Protokoll wohl nicht erkennen kann. Das erklärt aber letztlich nicht, warum sie NACH 14 Uhr dann mit dem mutmaßlichen Wissen über den Tod ihrer Freunde die Seiten „Greenpeace, Tierheime, TV-Programm, fleischloses Essen, Tierschutz (“Gegen Pelze”), Biofleisch, natürliche Mittel gegen Übelkeit, Biobauern Zwickau“ aufrief.

    https://machtelite.wordpress.com/2016/03/23/wie-erfuhr-beate-zschaepe-vom-tod-von-mundlos-und-boehnhardt/

    1. „Die Internet Seite Thüringen MDR.de wurde um 13:30 (von wem auch immer) aufgerufen.“
      Welche Quelle gibt es dafür?

      Sie war doch auf der Seite von MDR-Sachsen-Anhalt oder haben die das gleiche Programm? Die BKA-Ermittlungsakten sind veröffentlicht, auch die Internetverlaufsliste. Ich fand nicht „MDR-Thüringen“!

        1. Danke. Die Info habe ich trotz intensiver Recherche übersehen. Blöd. Stimmt, um 13:30 war sie einmal auf mdr-thüringen. Der Punkt bleibt jedoch: Sie war kurz darauf um 13:44 auf der Internetseite von mdr sachsen-anhalt.

  2. Der Suchverlauf, bzw. die letztgenannten Seiten, sind in der Tat etwas irritierend – in vielerlei Hinsicht.

    Was die Radiomeldung angeht, sind wir zwischenzeitlich zu bequem und fixiert auf komfortable Chroniken und Suchverläufe unserer EDV-Geräte, dass wir andere naheliegende Optionen erst gar nicht als Möglichkeit erachten.

    Da hätten wir zum Beispiel den Enkel des guten alten Volksempfängers, das Internetradio:

    „Livestream im Mediaplayer öffnen?“ – manch einer erinnert sich an solch eine Meldung, wenn ein Link zu „livestream Mediainhalten“ angeklickt wurde.

    Der Standard „Windows Mediaplayer“ zeigte auch eine Auswahl diverser ähnlicher Sender an – zumindest im Vollbildmodus.
    Bisher besuchte Sender sind auch vermerkt.
    Diese Informationen spuckt der „Browserverlauf“ nicht aus.

    Und Auskunft über besuchte/aufgerufene Webseiten im „privatem Modus“, die sollte zumindest neugierigen evtl. Ex-Partnern verborgen bleiben;-)
    Da macht es dann Sinn, wenn Suchbegriffe, bzw. ein Verlauf konstruiert wird, der wenigstens relativ mit anderen Systemprotokollen deckungsähnlich ist – und vom Schwerpunkt ablenkt(Unfall Sachsen; 1.11. ; etc.).

    All das ist aber noch lange nicht ausreichend, um die Behauptung in Stein zu Meißeln , Corelli hätte den Rechner bedient – via virtuellem Netzwerk, RDP oder Teamview… .
    Sorry, Beate soll ja vor dem Bildschirm sitzen.

    Ähm. Radioempfang wäre auch über das digitale Kabelnetz mit TV möglich gewesen.
    Aber, damit die Sache wenigstens etwas realitätstauglich erscheint, werfe ich die Behauptung in den Raum, dass Beate (oder wer auch immer) vergeblich auf ein Lebenszeichen gewartet hat.
    Und den leeren Verlauf mit unscheinbarer Info fütterte.
    _____
    Nach eigenen Angaben wusste sie von den Raubüberfällen – auch im Voraus. Warum gerade wegen dieser – für sie bestimmt traumatischen Lebenssituation – „Radio-Aussage“ die Qualität ihrer Aussagen bewertet werden soll, darf sich jeder selbst beantworten.
    Kleiner Tipp: Nur in Zwickau gab es Videorecorder. Küstenwache und Joggerin Lisa wurden nicht aufGEZeichnet.
    Aber sie sprach von „arbeitsteiligem Bombenbasteln“, nicht besonders clever die Berichterstatter.
    _____
    Es ist genug „NSU“ für alle da. Da darf jeder draus machen was beliebt.
    Aber die Besten, die bewegen sich ohne ideologischen Rückenwind in Richtung: Realitätsvollkontakt 😉

  3. Und als „Zschäpe“ dann vom Tod der Uwes in Eisenach erfahren hatte, so um 14 Uhr aus dem Radio, da surfte sie vor lauter Frust nach PETA und nach BIOBAUERN ZWICKAU… bevor sie dann die Bude hochjagte…

    das ist Blödsinn. Erkennbarer. Völliger Schwachsinn.

  4. Wenn Zschäpe in der Wohnung saß und 14 Uhr vom Tod BM erfuhr, besser der Ahnung, sie könnten es sein, (nicht vergessen, es gibt ja keine Namen!) dann gibt es eine Redaktion.
    Mehr erfahren!
    Entsprechend würde der Verlauf aussehen.
    Schlagartig.

    Also Quark, diese MDR Nummer, abhaken.

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