Wird Beate Zschäpe bald freigelassen?

Beate Zschäpe wirkte gestern entspannt, zufrieden lachend begrüßte sie ihren neuen Anwalt Mathias Grasel. Dabei beging sie gestern „prozessualen Selbstmord“, wie die „welt“ zurecht schrieb. Ihr Anwalt bestätigte größtenteils die NSU-Version der Bundesanwaltschaft der mordenden und bombenden Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Dafür ist die Beweislage mehr als dünn, aber Tote können sich nicht verteidigen. Gleichzeitig behauptete Beate Zschäpe, dass ihr Freund Mundlos und ihr Liebhaber Böhnhardt sie immer nur nachträglich über ihre Verbrechen informiert hätten. Von deren Terror-Organisation „NSU“ oder vom sogenannten „Bekennerfilm“ hätte sie nichts gewusst.

Kann es sein, dass das Gericht ihr folgt und sie „nur“ wegen schwerer Brandstiftung der Zwickauer Wohnung verurteilt? Dann würde die Untersuchungshaft von der Haftzeit abgezogen werden und sie könnte den Gerichtssaal sogar als freie Frau verlassen. Angenommen ihre Vorwürfe gegen die toten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos würden stimmen, dann ist jedoch schwer vorstellbar, dass Beate Zschäpe vom Vorwurf der Mittäterschaft in einer terroristischen Vereinigung freigesprochen wird, aus folgenden Gründen:

  • Beate Zschäpe teilte die rechtsextreme Einstellung Böhnhardts und Mundlos. Sie verübten rechtsextremistische Straftaten. Sie mietete eine Garage an, in der Bombenattrappen gebaut wurden. Dann gingen sie 1998 gemeinsam in den Untergrund.
  • Zeugen sagten aus, dass Beate Zschäpe ein gleichberechtigtes Mitglied der Gruppe war, etwa die Finanzen der Zelle kontrollierte.
  • Sie half indirekt, die Verbrechen zu verschleiern: Sie verschaffte den Männern Ausweispapiere und Wohnmobile, mietete unter falschen Namen Wohnungen an, obwohl sie von deren Verbrechen erfahren hätte. Auf diese Weise konnte sich die Zelle im Untergrund verstecken. 
  • Sie nahm Anweisungen von Böhnhardt und Mundlos entgegen und befolgte sie, zum Beispiel  die NSU-Bekennerfilme zu verteilen oder Brandstiftung zu begehen.
  • Ihre Ausführungen widersprechen der Beweisaufnahme im Prozess. Beate Zschäpe macht Böhnhardt und Mundlos für Verbrechen verantwortlich, die sie nachgewiesenermaßen nicht verübten. Darunter fällt der erste Bombenanschlag in der Probsteigasse in Köln. Damit hilft sie, den wahren Täterkreis bis zu heute zu verschleiern.

Geht das Spiel von Beate Zschäpe auf? Es tun sich Abgründe bei ihr auf, zu Lasten der Opfer dieser Verbrechensserie. Zur ihr gehören auch die ermordeten Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die nun als Sündenböcke präsentiert werden. In Wahrheit waren sie nur kleine Lichter in einem mörderischen Netzwerk, das bis heute die Aufklärung sabotiert. Aber die breite Öffentlichkeit ist bereits zu informiert, um die Version der Bundesanwaltschaft zu glauben, daran ändert auch das Zschäpe-Geständnis nicht. Beate Zschäpe wird sich verkalkuliert haben.

7 Gedanken zu „Wird Beate Zschäpe bald freigelassen?“

  1. Frau Zschäpe hat – vermutlich ohne das zu beabsichtigen – das Märchen vom NSU mit ihrer Aussage nachhaltig zerstört.

    Die Sachlage ist eigentlich nicht so kompliziert. Aber eine Team wie Grasel/Borchert kann sich beim besten Willen auch nicht innerhalb von 6 Monaten mit allen Fakten vertraut machen. Diese Aussage wird noch jemandem schwer auf die Füße fallen, davon bin ich überzeugt.

    Wahrscheinlich kommt Zschäpe nicht frei, denn wahrscheinlich wollte man Zschäpe reinlegen. Man hat sich aber selbst ein Bein gestellt, denn nun sind ja überprüfbare Fakten auf dem Tisch.

    1. Sorry, aber deine Denkweise verstehe ich nicht.
      Zschäpe hat das „Märchen vom NSU“ mit ihrer Aussage geradezu bestätigt, denn bis auf wenige Punkte in eigener Sache, sind alle Anklagepunkte der GBA bestätigt worden. Zschäpe ist mittlerweile eine Kronzeugin ohne Status (oder mit geheimen Status). Da wird nichts mehr fallen, auf wessen Füße auch immer.

      Die von Georg präsentierte Logikkette ist leider auch obsolet oder schlicht Wunschtraum:
      – „Beate Zschäpe teilte die rechtsextreme Einstellung Böhnhardts und Mundlos. Sie verübten rechtsextremistische Straftaten. Sie mietete eine Garage an, in der Bombenattrappen gebaut wurden. Dann gingen sie 1998 gemeinsam in den Untergrund.“

      Und gegenteilig gab es von Prof. Mundlos und vom Jugendclubleiter die Aussage, man hätte gedacht, Zschäpe wäre eher links gewesen.

      – „Zeugen sagten aus, dass Beate Zschäpe ein gleichberechtigtes Mitglied der Gruppe war, etwa die Finanzen der Zelle kontrollierte.“
      Und Kronzeuge Carsten S. sagt aus, als BZ zum Tisch kam sollte laut UB nicht weiter über Waffen gesprochen werden.
      „Psst!“

      – „Sie half indirekt, die Verbrechen zu verschleiern: Sie verschaffte den Männern Ausweispapiere und Wohnmobile, mietete unter falschen Namen Wohnungen an, obwohl sie von deren Verbrechen erfahren hätte. Auf diese Weise konnte sich die Zelle im Untergrund verstecken.“
      Okay, sie hat Wohnungen angemietet. Alles andere ist wunschdenken. Was soll das beweisen?

      – „Sie nahm Anweisungen von Böhnhardt und Mundlos entgegen und befolgte sie, zum Beispiel die NSU-Bekennerfilme zu verteilen oder Brandstiftung zu begehen.“

      Hehe, der ist gut. Außer den Briefen und der Brandstiftung sind wohl keine „Anweisungen“ bekannt. Diese „Anweisung“ sind offenkundig nicht schriftlich belegt. Was soll das also?
      Keiner kann sagen, ob die Aussagen BZs im Verfahren stimmen, auch nicht in diesem Punkt.
      Wenn sie die Hälfte der CDs versendet, ist sie dann auch nur halb angewiesen?
      Das ist Mumpitz!

      – „Ihre Ausführungen widersprechen der Beweisaufnahme im Prozess. Beate Zschäpe macht Böhnhardt und Mundlos für Verbrechen verantwortlich, die sie nachgewiesenermaßen nicht verübten. Darunter fällt der erste Bombenanschlag in der Probsteigasse in Köln. Damit hilft sie, den wahren Täterkreis bis zu heute zu verschleiern.“

      Was ist los mit Georg? Wird er bedroht? Er kannst doch nicht so einen Mist schreiben!
      Warum sollte nachgewiesen sein, das UB und UM die tat in der Probsteigasse nicht begangen haben? Wegen J.H.?
      Das ist auch Wunschdenken auf Basis einer nicht verlässlichen Zeugenbefragung mit den Opfer, die Tag um Tag neue Bilder hervorkramten.

      Also von nun an keine Widerrede, Beate hat gesprochen: NSU 1.0 sonst nichts. Alles Uwe oder was?

      1. KHH sagt es im Interwiew mit Sigi Mayr ganz richtig – der größte Teil von Zschäpes Aussage wird sowohl der Bundesanwaltschaft als auch der Nebenklage runtergehen wie Öl.

        Für den Rest der Aussage wird man sie der Lüge bezichtigen.

        Glaubwürdig ist, dass die Uwes die Morde und Anschläge begangen haben, unglaubwürdig ist ihre Rolle dabei.

        Klar hat man sie reingelegt.

  2. „Ihre Ausführungen widersprechen der Beweisaufnahme im Prozess. Beate Zschäpe macht Böhnhardt und Mundlos für Verbrechen verantwortlich, die sie nachgewiesenermaßen nicht verübten.“

    Meiner Meinung nach hat sie mit der Aussage eine Karikatur der Version der GBA gezeichnet bzw. wer auch immer daran mitgewirkt hat. Das Problem dabei ist – wie auch Heiner Mannsde meint – dass die Medien das nicht erkennen können / wollen / dürfen.
    BZ hat allerdings auch Tino Brandt prominent ins Spiel gebracht, so wie RW in der Zwischenzeit auch. Das ist auch eine Art Aufforderung an das Gericht, an der Stelle nochmal anzusetzen. Wenn TB dann aussagen sollte, wird das schon anhand möglicher Aussagegenehmigungen bzw. -verweigerungen interessant. (z.B. bei der Frage, ob ihm weitere IMs auf der Anklagebank bekannt sind.) Die damit entstehenden Zweifel könnte dann auch das Gericht nicht mehr ignorieren. Womit nur noch die Brandstiftung übrig bleibt. … Haftstrafe abgesessen!
    … nur mal so ins Blaue gedacht

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