Dicke Bretter vor den Köpfen der SPIEGEL-Wirtschaftsjournalisten Wolfgang Münchau, Henrik Müller

Wolfgang Münchau und Henrik Müller kommentieren bei Spiegel.de im Wirtschaftsteil. Ihre Ratlosigkeit wird in der gegenwärtigen Frage deutlich, ob die US-Zentralbank FED die Leitzinsen senken oder anheben soll.

Am 24.08.15 veröffentlichte Wolfgang Münchau den Artikel „Das war’s mit Illusion Nummer drei„. Darin macht er als Ursache der Finanzkrise die „Sparflut“ und zuwenig Investitionen aus. „Damit sich das Verhältnis ausgleicht, fallen die Zinsen.“ Interessanterweise reißen hier die Gedankengänge Münchaus ab. Er stellt sich nicht die Frage, warum die Investitionen trotzdem nicht anziehen, obwohl die Zinsen ja niedrig sind.

Als Ursache der Finanzkrise 2008 sieht Münchau die „USA“ und ihre „Politik“, „jeden Amerikaner zu einem Hauseigentümer zu befördern, die zur Subprime-Krise um minderwertige Hypothekenkredite und damit zur Finanzkrise führte.“ 

Unglaublicherweise lobte Münchau zwei Wochen nach Veröffentlichung obigen Artikels die „expansive“ US-Geldpolitik. 

Am 07.09.2015 schreibt er den Kommentar „Warum linke Parteien in Europa scheitern.“ Linke Parteien Europas würden eine neoliberale Wirtschaftstheorie verfolgen, die im „im Maastrichter Vertrag, im Stabilitätspakt und seinen späteren Varianten und zuletzt im Fiskalpakt“ als europäische Politik festgeschrieben ist.

Das Vorbild linker Parteien müsste die Geldpolitik der US-Zentralbank FED sein. Sie betreibt eine expansive Geldpolitik, sie wäre „keynesianisch“ und reagiert „auf einen Verfall der Inflationsraten sofort mit einer aggressiven Gegensteuerung.“ Auch der US-Staat würde auf „plötzliche konjunkturelle Einbrüche mit staatlichen Ausgabenprogrammen“  dagegenhalten.

Völlig ausgeblendet wird, dass die Niedrigzinspolitik der FED ein Auslöser der Finanzkrise 2008 war. Nach dem Platzen der sogenannten „Dotcom-Blase“ und nach den Anschlägen vom 11. September betrieb die FED Konkunkturpolitik, senkte die Leitzinsen und machte es den US-Geschäftsbanken möglich, die Immobilienblase zu schaffen.

Unglaublicherweise macht Münchau am 07.09.15 als Ursache der Finanzkrise 2008 auch „die Staatsschulden in Griechenland“ aus, „die die gesamte Währungsunion ins Schlingern brachten.“ Dabei hielt sich doch der griechische Staat vorbildlich an Münchaus Vorschlag vom 24.08.15, mit „staatlichen Ausgabenprogrammen“ die Konjunktur anzukurbeln.

Der Kommentator Henrik Müller ist schon etwas weiter als Münchau. In „Die Welt steuert auf den Bankrott zu“ beschreibt er die Kehrseite der „Sparflut“, die Verschuldung, ohne aber explizit auf den Zusammenhang einzugehen, dass das Geldvermögen des einen, die Schulden des anderen sind. Es kommt auch kein Hinweis auf den Zinses-Zins Effekt, der wohl bei den Herren unter „Verschwörungstheorie“ läuft.

Müller weist darauf hin, dass  …

„… der weltweite Schuldenberg in gigantische Höhen gewachsen [ist] – von 87 Billionen Dollar im Jahr 2000 auf knapp 200 Billionen Dollar 2014, so eine Studie des McKinsey Global Institute. Dies sind die Bruttoverbindlichkeiten von Staaten, Bürgern, Unternehmen und Banken. Insgesamt stehen sie mit knapp dem Dreifachen der globalen Wirtschaftsleistung in der Kreide.“

Auch Müllers Hinweis ist wichtig, dass wegen der Verschuldung viele …

„… Unternehmen und Bürger (…) kaum Spielraum [haben] zu investieren und zu konsumieren. Fallende Preise verschärfen ihre missliche Lage, weil dann der Wert der Schulden steigt.“

Sehr interessant ist folgender Link. Er zeigt die US-Schuldenuhr und veranschaulicht die völlig aus dem Ruder laufenden Gesamtschulden und Vermögen der US-Bürger. Es wird deutlich, dass es sich um Illusionen handelt, aufgrund derer jedoch Millionen Menschen im Armut dahinvegetieren und getötet werden.

http://www.usdebtclock.org/

Es ist einfach unfassbar, welche dicken Bretter sich vor den Köpfen hochgebildeter Wirtschaftsfachleute befinden. Dabei kam die US-Zentralbank „FED“ bereits im Jahr 2008 zum Ergebnis, was notwendig zur Erholung wäre: Minus-Zinsen von 5 %.

9 Gedanken zu „Dicke Bretter vor den Köpfen der SPIEGEL-Wirtschaftsjournalisten Wolfgang Münchau, Henrik Müller“

  1. -welche dicken Bretter sich vor den Köpfen hochgebildeter Wirtschaftsfachleute-
    Auf den Brettern steht:
    Wes Brot ich esse, des Lied ich singe.
    Was beweist, dass diese Herren hochgebildete Wirtschaftsfachleute sind?

  2. Minus Zins von 5%?
    Selten so gelacht denn was würde das bewirken was es nicht heute schon mit 0,25% bewirkt?
    Die wirklich Reichen ich meine jetzt damit nicht den Lottomillionär enteignen durch die „Privatisierung“ die Volksvermögen der Völker.
    Die Flucht der wirklich Reichen in Sachwerte sehen wir doch heute schon und die Folgen sind moderne Sklaverei.
    Daß das nicht lange gut gehen kann sieht man in der Geschichte.
    Die Zeiten ändern sich aber bekanntlich und so mancher Reicher bekommt Kopfschmerzen um seine Sicherheit und veröffentlicht das auch so.
    Was die Welt wirklich braucht ist ein weltweiter Schnitt von Guthaben und Schulden eine echte Währungsreform.
    Es wird einen Zusammenbruch in irgendeiner Weise geben und es ist an uns allen die Zukunft aktiv mitzugestalten und dies nicht wie immer irgendwelchen schauspielernden Abschaum zu überlassen so das wir nach paar Jahrzehnten wieder das gleiche Chaos haben.

    1. Ja, stimme zu. Ohne Bodenreform würde es zu einer Refeudalisierung kommen. Das heißt, dass die Ausbeutung der Menschen über den Produktionsfaktor Land gehen würde. Das ist bereits heute zu beobachten.

  3. Verstehe ich das richtig, dass Sie sich den im letzten Satz genannte Vorschlag der FED zu eigen machen? Das würde bedeuten, dass alle Sparvermögen, Renten, Pensionen und sonstige Altersvorsorgen vernichtet würden. Also alle, die privat vorgesorgt haben, um nicht der Allgemeinheit auf der Tasche zu liegen, würden bestraft. Und alle Sozialschmarotzer belohnt. Na dann gute Nacht.

    1. Die Ersparnisse sind bereits heute nicht sicher. Es ist ein Schneeballsystem. Daran bin ich nicht schuld.
      Fragen Sie Anlageberater, warum sie die Anleger vom 8 Weltwunder Zinses-Zins vorschwärmen, obwohl es nicht funktionieren kann.

      1. Das das Geldsystem in der heutigen ungedeckten Form ein Spiel mit ungedeckten Wechseln ist, ist bekannt. Das der Zinseszins zu exponentiell wachsenden Verschuldung führt, ebenfalls. Um den Zinseszins abzuschaffen, müsste nur ein Absatz im BGB gestrichen werden (§ 248 Abs. 2). Der einfache Zins, der dann übrig bliebe, hat über die üblichen Laufzeiten keinen Exponentialeffekt, ist aber notwendig, um überhaupt Kreditgeschäfte zu ermöglichen.
        Ein Negativzins in Höhe von 5% würde neben der angesprochenen Vernichtung der Sparvermögen zu einem sofortigen Bank-Run führen.

  4. Das Zinseszins Schuldgeldsystem, auch Giralgeld, oder Fiat Mony genannt, ist in der Geldschoepfung aus, und in heisser Luft gestrickt. Vorsaetzlicher Betrug, nichts anderes, denn vor der Unterschrift unter einen Kreditvertrag, aus privatem Haushalt, Wirtschaft oder Staat , hat keine Geschaeftsbank Geld. Erst durch die Unterschrift unter den Kreditvertrag wird dieses Papier zu einem Wertpapier, welcher zum Anlass genommen wird, dem Kreditnehmer ein paar Zahlen in den Bankkomputer einzugeben, und auf das Empfaengerkonto in Form von Zahlen im Komputer anzuzeigen. Geldschoepfung aus Luft, nur dass darf keiner wissen!!
    Der Mensch ist der Wert des Geldes, denn er hat mit seiner Unterschrift unter den Kreditvertrag einen eigenen Blankoscheck ( Kreditvertrag) ausgestellt. Da der Kreditnehmer keine Banklizenz hat, benoetigt dieser die Hilfe einer Geschaeftsbank. Somit ist die Geschaeftsbank nichts anderes als im uebertragenem Sinne: ein Immobilienhaendler fuer Geld!
    Und auf dieser „heissen “ Luft verpflichtet sich der Kreditnehmer mit Zins und Tilgung den Kredit zurueck zu zahlen, wobei der Zins nie als Kredit vom Kreditinstitut mit ausbezahlt wurde. Ein tolles Geschaeftsmodell, bei Nichtzahlung der vereinbarten Raten verliert der Kreditnehmer seine Sicherheiten an die Bank. Ein excellentes staatlich lizensiertes Enteignungs- und Betrugsmodell, mit dem Ziel, die Verelendung der Voelker!
    Seit Jahrhunderten wird der monetaere Schwingkreis in Perfektion ausgefuehrt.
    Nach mathematisch naturgesetzlichen Zwaengen, unausweichlich und unerbittlich werden alle jetzigen Waehrungen des Zinseszins Schuldgeld System zusammen brechen muessen. Alle sogenannten „Stellschrauben“ sind ausgereizt. Die Versklavung in diesem System hat weltweit alle Menschen erfasst, unabhaengig von seiner Hautfarbe, denn

    glueckliche Sklaven sind die groessten Feinde der Freiheit……

    Wer etwas anderes behauptet oder argumentiert betreibt bewusste Irrefuehrung , denn jene/er hat die harten mathematischen Fakten in sein persoenliches Wolkenkuckucksheim verbannt.

    1. Es gibt keine Geldschöpfung von Zentralbankgeld durch Geschäftsbanken, sondern Schöpfung von Geldvermögen und Verschuldung.
      Durch laxe Kreditvergabe können Geschäftsbanken jedoch die Umlaufgeschwindigkeit erhöhen und so indirekt Geldschöpfung betreiben.

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