„Anatomie einer Liquitätsblase“ – spätkapitalistische Einsichten von Tomasz Konicz

Tomasz Konicz veröffentlichte gestern bei „Telepolis“ den Artikel „Anatomie einer Liquiditätsblase“. Es handelt sich um eine bemerkenswerte, lesenswerte Analyse, warum die Zentralbanken der Welt die Leitzinsen senkten, warum es trotzdem nicht zu Wirtschaftswachstum kommt und lediglich zur Inflation imaginärer Spekulationsblasen.

Das Problem ist ganz einfach die hohe Verschuldung. Die Schuldner der Welt haben ihre Aufnahmekapazität erreicht.

Leider weist Konicz nicht darauf hin, dass Schulden und Vermögen sich gemeinsam wegen des Zinses-Zins-Effektes zu stark entwickelten und ungerecht verteilt sind. Den Großteil der Geldvermögen halten nur 10% der Bevölkerung, die Schuldner sind Unternehmen, Staaten und Privatpersonen. Auch kommt kein Hinweis auf die freiwirtschaftliche Lösungsmöglichkeiten. Auszüge:

… über die schwächelnden Nachwuchsstars Brasilien, China etc.

„Die Rolle einer „weltwirtschaftlichen Lokomotive“ konnten somit in den vergangenen zwei Dekaden nur diejenigen Wirtschaftsräume einnehmen, die solche Blasenbildung samt Verschuldungsexzessen ausbildeten oder von ihr – vermittels Handelsüberschüssen – profitierten. Da sich alle größeren Wirtschaftsräume über die Maßen verschuldeten, sind nun der Weltwirtschaft nun die „Konjunkturlokomotiven“ ausgegangen.“ 

… über den spätkapitalistischen Teufelskreis 

„Die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank, mit der die negativen wirtschaftlichen Folgen dieser kollabierenden Spekulationsdynamik an den Aktienmärkten abgefedert wurden, schuf beste Voraussetzungen für das Aufkommen der nächsten, noch größeren Blasenbildung: Der 2007/2008 platzenden Immobilienblasen, die große Teile Europas und der USA wirtschaftlich verheerten.

Verfangen in dieser globalen Liquiditätsblase, gleicht das spätkapitalistische Weltsystem einem monetären Junkie, der regelrecht abhängig ist von immer neuen Geldspritzen der Notenbanken, mit denen die Blasenbildung in der Finanzsphäre befeuert wird (Süchtig nach regelmäßigen Liquiditätsspritzen). Dieser „hohle“ Charakter der gegenwärtigen Liquiditätsblase, die letztendlich durch bloße Gelddruckerei befeuert wird, lässt auch in den Wirtschaftsredaktionen die Ahnung aufkommen, das System habe sich „im Leerlauf überhitzt“.

(…) Angesichts überschäumender Blasenbildung in der Finanzsphäre wäre eine Abkehr von der expansiven Niedrigzinspolitik notwendig, doch zugleich drohen schwere wirtschaftliche Verwerfungen, sollte die Zinswende tatsächlich eingeleitet werden, wie zuletzt selbst der IWF warnte.“

2 Gedanken zu „„Anatomie einer Liquitätsblase“ – spätkapitalistische Einsichten von Tomasz Konicz“

  1. Lieber Georg Lehle,
    dass die Zinsen deshalb niedrig sein müssen, weil die Staatshaushalte in vielen Staaten die Zinsen und die Tilgung sonst nicht mehr zahlen könnten ist nicht nur „bemerkenswert“,
    sondern seit langem geistiges Allgemeingut.
    Siehe dazu etliche Foren, die sich damit beschäftigen und die überwiegende Zahl der Buchveröffentlichungen. Z.B. von Prof. Werner Sinn oder Prof. Max Otte.
    Aber selbstverständlich nicht nur deshalb, sondern auch, weil der Turm immer höher gebaut werden muss.
    Ich glaube, dass habe ich schon 2008 gesagt, dass diese Schuldenkrise (einschl. Verteilungskrise) ausgeschwitzt werden sollte. Wie die vorangegangenen Krisen auch.
    Aber aus geopolitischen oder sonstigen Gründen wird am Turm immer weiter gebaut.
    Der kann auf diese Weise immer höher werden. Aber irgendwann muss er kippen; wie der Turmbau zu Babel.
    Letztlich war alles schon mal da.

  2. Wie soll die „Frei“wirtschaft helfen, wenn zugegeben wird, dass die niedrigen Zinsen die Finanzblasen erst geschaffen haben? Es ist gar nicht bemerkenswert, dass niedrige Zinsen nicht zu Wirtschaftswachstum führen. Mit staatlichen Manipulationen kann man höchstens etwas Wachstum auf Kosten der Zukunft erkaufen, und die Zukunft ist jetzt. Die Verteilung wird korrigiert sobald der Staat den Bankrott der großen Banken zulässt.

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