Hajo Funke gerät im NSU-Mordfall Florian Heilig ins Zwielicht

Warum musste der NSU-Zeuge Florian Heilig sterben? Der Untersuchungsausschuss in Baden-Württemberg brachte gerade im Fall Heilig unfassbare Polizei-Skandale ans Licht der Öffentlichkeit – jetzt gerät aber auch der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Hajo Funke unter Druck. Seine Aussagen am 17.07. als Zeuge im U-Ausschuss klingen nicht sehr glaubhaft.

Im September 2013 verbrannte Florian Heilig vollgepumpt dem Medikamenten und Drogen im Auto seiner Eltern. Anfang 2014 erhielt Hajo Funke von der Familie vier angebrannte, teils verschmorte Gegenstände aus dem Auto: Eine externe Festplatte, ein Handy, ein Laptop und ein Camcorder.

Laut des Vorsitzenden des U-Ausschusses Wolfgang Drexler (SPD) wären die Abgeordneten von der Familie und Hajo Funke lediglich über drei Gegenstände informiert worden, von der externen Festplatte wusste der Ausschuss nichts. Drexler:

„Auf jeden Fall stelle ich fest: Wir hatten nur drei Geräte. Die Zeugenaussagen genau dasgleiche vorm Untersuchungsausschuss.“

Der Vater von Florian Heilig Gerhard Heilig sagte am 02.03.2015 im U-Ausschuss aus und betonte, dass die SIM-Karte im Handy seines Sohnes ist. Er hätte das Handy jedoch Hajo Funke gegeben, zu dem er „bodenloses Vertrauen“ hat. Funke hätte angeboten versuchen zu lassen, die Karte und auch die Festplatte auszulesen. Im Moment würde jedoch alles stagnieren.

[52:50] „Das Telefon und der Laptop ist im Moment im Besitz – also der Hajo hat es gekriegt, um eventuell er hat gemeint er hat Beziehungen, die die Karte eventuell auch die Festplatte vom PC auslesen können. Aber im Moment ist es so, dass es alles irgendwie stagniert.“

Versteckter Text/Bild Zeigen

Durch einen Mittelsmann ließ Hajo Funke 2014 die Beweismittel Experten zukommen. Dieser Vorgang ist verständlich, da am Aufklärungswillen der Polizeibehörden mehr als gezweifelt werden kann.

Die Experten hätten das Material laut Funke „durchgescreent und ganz, ganz verdeckt, also ich habe soviel Verdeckung noch nie erlebt, muss ich gestehen, ganz verdeckt [32:10] gesagt „ja wir wissen noch nicht, wir müssen das (…) das müssen wir im Ausland untersuchen lassen usw. Vorher war die Idee, dass man das in Österreich untersuchen lassen sollte.“ Die Experten hätten gesagt, dass das Zeit kostet. Hajo Funke hätte gedrängt, dass der U-Ausschuss die Beweismittel haben möchte, um sie selbst auswerten zu lassen. Funke:

„Der Drexler will das haben usw. ich kam, die kamen in wirkliche Zeitnot (…). Ich habe richtig gekämpft darum, dass das Zeug bald ausgelesen wird und zurückkommt.“

[33:30] „… dann hat man Dinge versucht auszulesen, deren Ergebnisse ich wiederum glücklicherweise nicht kenne, weil ich wusste, ich gerate in Konflikt mit ihnen, dass ich dann tatsächlich aufgegeben habe und ich es den Anwälten der Familie zurückgegeben habe und gesagt habe: „Diesen Konflikt halte ich so nicht durch. Ich hoffe, dass es Ergebnisse gibt.“

Der Landtag von Baden-Württemberg setzte den U-Ausschuss aber erst im November 2014 ein. Mindestens bis dahin konnte der Ausschuss-Vorsitzende Wolfgang Drexler bei Funke diesen Druck auf Übergabe der Beweismittel nicht gemacht haben!

Der von Funke erwähnte „Konflikt“ mit dem Ausschuss erfolgte erst im Mai 2015 als ihm von dort „Verschleppung“ von Beweismaterial vorgeworfen wurde! Bis dahin hatte Funke keinen Grund von den Ergebnissen nichts wissen zu wollen. 

Am 07. Mai 2015 kritisierte Nikolaos Sakellariou, Obmann im NSU-Ausschuss, Funke, er würde die Herausgabe von Beweismitteln „verschleppen“ (StZ). 

Oder will Funke wirklich der Öffentlichkeit weismachen, dass die Beratungen, wo die Gegenstände ausgewertet werden sollen, sich von Anfang 2014 bis ins Jahr 2015 hinein hinzogen hätten und es daher in der Zeit zu keinen Auswertungs-Ergebnissen kam? 

Bis heute [Stand: Juli 2015] nach 1,5 Jahren weiß die Öffentlichkeit weiter nichts von den Ergebnissen der Auswertung. 

Laut Drexler hätten die Familie Heilig und Hajo Funke zugesichert, dem Ausschuss die Beweismittel zu übergeben. Dem widerspricht Funke, es gab keine feste Zusage der Familie.

Am 22. Mai 2015 hätte der Mittelsmann der Familie einen Rucksack mit Beweismittel zurückgegeben. Funke bestätigt, dass er während der Übergabe gar keinen Kontakt mit dem Rucksack gehabt hätte [63:00]. Bei der Übergabe war Hajo Funke offenbar dabei. Er hätte nicht in den Rucksack reingeschaut! [ab Zeitindex 28:00] 

Ich habe mir erlaubt in den Rucksack nicht hineinzugucken. Ich weiß aber, dass man sehr darum gekämpft hat diesen 22. Mai nach hinten zu schieben, damit noch mehr ausgelesen wird. Wie das nun im einzelnen war, weiß ich glücklicherweise nicht mehr.

Weil ich nach dem 7. nach dem Angriff wusste, das bringt nichts mehr, ich muss mich zurückziehen, ich muss das anderen überlassen.“

Drexler stellte klar, dass sich laut der Familie Heilig im zurückgegebenen Rucksack lediglich Laptop und Camcorder befanden – es gab kein Handy und keine externe Festplatte! Darauf antwortete Funke [28:30]:

„Wie gesagt. Mein Eindruck ist ein anderer, aber ich kann nicht in die Augen und die Art und Weise der Kontrolle des Rucksacks hineinschauen. Ich weiß es nicht.“ (rdl)

Drexler hinterfragte, ob Funke wirklich nicht bei der Rückgabe der Beweismittel in den Rucksack hineingeschaut habe. Funkes Antwort:

„Sie können es mir glauben, ich habe es nicht gemacht. Ich habe es wirklich mit großer Absicht nicht gemacht. Ich wollte es nicht wissen.“

Hajo Funk erklärte dem U-Ausschuss, dass er sich aus dem Konflikt zurückziehen wollte. Es gäbe eine Kampagne gegen ihn, er wäre „unter Feuer“. Den Namen seines Mittelmannes werde er nicht preisgeben. Die Ansprechpartner für den Ausschuss wären ab sofort die Familie Heilig und sein Zeugenbeistand. Sein Anwalt Yavuz Nurin wäre genauso an Aufklärung interessiert wie er selbst. Nurin wäre schließlich auch ein Nebenkläger in München und wörtlich:

„Er hat mehrere Rollen, ich auch.“ [49:20]

Ein Gedanke zu „Hajo Funke gerät im NSU-Mordfall Florian Heilig ins Zwielicht“

  1. Zum jur. Teil seines Verhaltens habe ich bereits meine Meinung gesagt. Der ist – was viele Leser überraschen wird – tatsächlich nicht zu beanstanden – in Bezug auf seinen Rückzug auf das Zeugnisverweigerungsrecht.

    Damit dies auch alle verstehen: Unterstellt das Handy und die externe Festplatte wären in dem Rucksack gewesen, so dürfte er dies ohne Zustimmung der Familie noch nicht einmal offenbaren. Dies wissend – will er gar kein Wissen haben und da er offenbar ein schlechter Lügner ist stottert er herum. Ich habe beim Abspielen von rdl Tränen gelacht.

    Hat er wirklich kein Wissen über den Verbleib der Gegenstände, dann ist er für mir ein …… Es mag sich jeder seinen Teil denken.

    An dem von mir kritisierten Verhalten des PUA ändert sich nichts. Dieser will möglichst das Wissen von Florian Heilig ausforschen und hat an den Hintergründen des Fahrzeugbrandes und dessen Ursachen keinerlei Interesse, fabuliert nur ständig von einem sich immer mehr verstärkenenden Verdacht auf Suizid. Selbst eine angebliche Umstellung des Fahrzeuges eine Stunde vor dem Brand soll nun diesen Verdacht begründen. Klar doch – Herzblocker wirken erst nach vielen Stunden – wenn ja, warum werden sie verschrieben? Dies ist verar…. hoch drei.

    Funke Selbstmontage (als Helfer in der Not) mache ich nicht zu meinem Thema. 🙂

    Taucher hat diese seine Aktivitäten auf dem Sicherungsblog schon vor langer Zeit ausführlich und gründlich gewürdigt. Wie ich meine völlig zutreffend.
    Der Fall in Sachsen war – nach den Hitlertagebücher – der bisher größte GAU der Medien, verursacht durch Funke und die BILD- Dresden. Verwunderlich, das einer mit einer solchen Geschichte an den Schuhen Jahre später erneut den GURU spielen kann.

    Zum Rest:

    Ein 🙂 und ein … no comment.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.